Die erste Schale (Offb.16,2) Helmut Stücher
- ein böses und
schlimmes Geschwür -
Der erste ging hin und goß seine Schale aus auf die
Erde; und es kam ein böses und schlimmes Geschwür an die Menschen, welche das
Malzeichen des Tieres hatten, und die sein Bild anbeteten.
Die erste Schale ist
ein Ausguß eines Zornes, den schon der Apostel der Nationen mit den Worten
angekündigt hat: "Es wird geoffenbart werden Gottes Zorn vom Himmel über
alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen..., weil sie Gott kennend,
ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren
Überlegungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert
wurde" (Röm.1,18). Gott hat offenbar Seine bewahrende Hand von den
Menschen, die dem von Satan inspirierten Tiere folgen, zurückgezogen und sie
dahingegeben. "Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten"
(Gal.6,7). Zur Strafe für die Abtrünnigkeit und Götzendienerei ist ein böses
Geschwür an sie gekommen, an jeden, der dem Tiere dient. Alle sind davon
befallen, hoch und niedrig, jung und alt, arm und reich klagen bereits über
Beschwerden, die das Geschwür verursacht, ohne daß sie den Erreger wissen.
Betroffen sind nicht nur die gottlosen Tieranbeter, auch die religiösen
Bildanbeter leiden unter der Plage. Wie unter der Plage im Lande Ägypten, als
an Menschen und Vieh Geschwüre ausbrachen (2.Mose 9,812), vermochten auch die
Schriftgelehrten nicht vor Mose zu stehen. Gott wird auch heute Seinen Knechten
wieder Kraft und Vollmacht geben, den Hochmut der Nationen zu beugen.
Wir müssen uns noch
einmal bewußt machen, daß die Plagen nicht global sind, sondern nur die
Menschen im Machtbereich des Tieres heimsuchen, die ihm dienen und sein Bild
anbeten. Allerdings dehnte sich seine Herrschaft nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
weiter nach Osten aus und beeinflußt mehr und mehr die neuen Demokratien. Man
kann schon sehen, wie dort unter anderem der Humanismus an Boden gewinnt.
Dementsprechend werden auch hier einmal diese Plagen wirken. Zunächst aber geht
es um die Länder, wo der freie demokratische Sozialismus schon zur Tradition
gehört, und besonders das Land der Reformation, aus dem heute ein Land von
Humanisten und Nihilisten geworden ist.
Jeder Zeitgenosse
weiß eigentlich um das bösartige Geschwür, daß "etwas nicht mehr mit uns
stimmt". Es beschäftigt Politiker und Pädagogen; Soziologen und
Psychologen, Journalisten und Autoren forschen nach der Ursache. Alle wissen
genau, oder geben es jedenfalls vor, woher die Probleme in den Familien, in der
Gesellschaft, in den Schulen, die steigende Jugendkriminalität, Gewalt in den
Schulen, Drogensucht, Selbstmord junger Menschen usw. kommen. Doch die wahre
Ursache kennen sie nicht, noch weniger das Heilmittel. Daher sind sie machtlos.
Die negative Entwicklung geht weiter trotz Sozialwissenschaft und
Gesellschafts- und Zeitanalysen, oder gerade deswegen. (Peter Hahne in „Schluss
mit lustig“)
Besser wissen es die
Pfarrer und Seelsorger, sie kennen die Symptome und Probleme, stehen aber hier
auch vor einem Rätsel, woher die Übel und Nöte unserer Zeit kommen. Man kann
viele Ursachen dafür verantwortlich machen – die richtige Diagnose kann nur
Gottes Wort stellen. Und auch niemand kann die Menschen von diesem Übel heilen;
das kann nur der Heiland, der wahre Arzt und
Seelsorger, unser HERR Jesus Christus. Durch den Glauben an Sein Blut
wird jede geplagte Seele heil!– Um zu diesem Heil zu kommen, muß zuerst den
Menschen Buße gepredigt werden, das heißt, sie müssen überführt werden von
ihrer Unreinheit und Gottlosigkeit, die der Keim sind für das böse und schlimme
Geschwür. Für die Evangelisation eröffnet sich mit den Plagen eine neue
Überführungsthematik.
Nicht alle fühlen das
Geschwür schon so schmerzlich. Es ist wie der Krebs, es wächst langsam und
frißt um sich und drückt auf das Gemüt, bis es offen ausbricht und dann nicht
mehr heilbar ist. Oder wie Aids, eine Immunschwäche, die „für alles offen“ ist
und keine Abwehrkräfte mehr gegen die Sünde und die teuflischen Verführungen
mobilisieren kann. Wie konnte es dazu kommen? Alle waren zuerst von dem
Wirtschaftswunder-Tier begeistert, seine materialistische, evolutionistische
Weltanschauung, sein goldenes
Zukunftsbild, die neuen Techniken und Medien, das süße Gift seiner neuen Moral
– die Welt werde mit jedem Tag schöner werden. Meinten sie. Von diesem Traum
werden sie langsam nüchtern. Allmählich merken sie, wie der Mensch und die
Natur aus dem Gleichgewicht kommen, und wie ihre Seele nicht mitkommt mit dem
phantastischen Fortschritt. Indem die Menschen den Trends dieser Zeit folgen, werden
sie in immer größere innere Nöte getrieben.
Da die Welt nicht mehr der Kirche glaubt und
damit auch Gott und Bibel in Frage stellt, gehen sie mit ihren seelischen
Problemen zum Psychiater, der ihnen die Schuldgefühle ausredet statt Schuld
aufzudecken und auf die Vergebung durch Jesus Christus hinzuweisen, wie es die
biblisch orientierte christliche Psychotherapie tun würde. Für die Ehe- und
Familienprobleme seien Sozialarbeiter und Familienberater zuständig. Obwohl
jedermann im Reich des Tieres die Gebote und Ordnungen Gottes kennt oder
zumindest kennen könnte, - schließlich sind sie von der christlichen Tradition
und Kultur her die Grundlage der Gesetzgebung und des Sittengesetzes -,
verwerfen sie diese heute und vertrauen auf die „Wissenschaft“ oder was als
solche ausgegeben wird. Doch diese hat sich gerade im soziologischen und
psychologischen Bereich als eine Torheit der Welt, als Irrtum von heute,
erwiesen. Wieviel besser beraten ist
der Mensch, wenn er Gottes Schöpferordnung, Seine Gebote und Vorschriften
beachtet, denn diese sichern ihm seelische Gesundheit und ein harmonisches
Miteinander zu, wenn er sie tut. Die Ideologie der Tieranbeter hat alles so
unnatürlich gemacht und zum Teil ins Gegenteil verkehrt. Der Unterschied von
Gut und Böse ist verwischt, die Perversion ist zur Norm geworden.
Der Wertewandel hat schlimme Folgen, vor
allem für junge Menschen. Viele finden ihr Leben sinnlos, sind
orientierungslos. Bei der Masse ist das Schuldgeschwür noch nicht reif, um es
auszudrücken. Das ist Aufgabe der Verkündigung, das heißt, von Sünde und Schuld
zu überführen, um das Gewissen aufzuwecken. Hier wartet nächst der Predigt auf
die Seelsorge eine große Aufgabe, damit die Menschen zur Buße kommen und
Vergebung der Sünden empfangen.
Es ist nicht in erster Linie der Wohlstand,
auch nicht die rasante technische Entwicklung, die zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen,
persönlichen und familiären Problemen und Konflikten geführt hat, sondern die
ideologische Indoktrination. Vor mehr als dreißig Jahren begann ein Prozess,
dessen Auswirkungen und Auswüchse heute allenthalben sichtbar sind und z.T.
auch angeprangert werden, ohne die Ursache bzw. den Urheber zu erkennen oder
sich dessen erinnern zu wollen. Es war die neomarxistische Emanzipationsbewegung
der Neuen Linken, bekannt als 68er Emanzipationsbewegung von Neomarxisten, die
eine neue, das heißt sozialistisch-humanistische Gesellschaft schaffen wollten.
Die Linken sind verschwunden, da sie in den Ökoparteien aufgegangen oder in den
sozialen Institutionen untergetaucht sind. Hinterlassen haben sie eine Wüste,
ein Chaos, das sie ja auch gewollt haben. Immanuel Lück deckt in seiner
Mahnschrift „Die Zerstörung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den
öffentlichen Schulen der BRD“ die Hintergründe und Ziele dieser Bewegung auf:
"Spätmarxistische Denker wie Max
Horckheimer, Theodor Adorno, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas entwickelten
neue Gesellschaftstheorien, die unter dem Begriff der "Kritischen Theorie"
der Frankfurter Schule bekannt wurden. Ihr Ziel war die Emanzipation des
Menschen von den ihn unterdrückenden und beherrschenden Wertvorstellungen der
bürgerlichen Gesellschaft. "Befreiung" von den gesellschaftlichen
Normen, Werten, Geboten und Institutionen, wie z.B. Ehe, Familie, Kirche,
Schule und Rechtsordnung im überlieferten Sinne, sei das Gebot der Stunde. Wenn
die Wertordnung dieser Gesellschaft brüchig geworden sei, müsse diese selbst in
einem manifest geführten Klassen- bzw. Kulturkampf überwunden werden. Im
Gefolge dieser Theorie setzte eine totale Kritik an den
gesellschaftlich-kulturellen Verhältnissen ein. Alle Gebote, Verbote, Werte,
Normen und Institutionen in der Gesellschaft wurden in Frage gestellt, alle
Autorität stand zur Disposition. Damit fielen auch Gottes Ordnung, Seine Gebote
und das Gesetz Gottes als gültige, geoffenbarte Wahrheit unter diese Kritik und
ebenso alle Lebensbereiche und –verhältnisse, in die Gottes Gesetz und Gebot in
der Geschichte des christlichen Abendlandes eingegangen war. Insbesondere ging
es um die intimsten Bereiche des Menschen, um seine Geschlechtlichkeit, um Ehe
und Familie, um das traditionelle Verhältnis der Geschlechter zu einander, um
die Bereitschaft zum Empfang des ungeborenen Kindes, um die biblische Stellung
von Mann und Frau in der Familie und in der Öffentlichkeit. Optimale
Bedürfnisbefriedigung wurde der Maßstab, der an die gesamte Tradition vom
marxistischen Denken her angelegt wurde. Von diesem Maßstab her ging es um ein
befreites Handeln: um Ablehnung oder Veränderung. Die große Weigerung wurde
propagiert. Ziel war, mit aller Tradition zu brechen, in nahezu allen Bereichen
setzte ein Umfunktionieren der Begriffe ein. Ein neuer Freiheitsbegriff wird
definiert: In der "neuen Freiheit" gehe es nicht wie bisher um
Freiheit "für" die überlieferten Gebote, ethischen Normen, Werte und
Einrichtungen, sondern um Freiheit "von" diesen ethischen Prinzipien
der Gesellschaft auf der Basis optimaler Bedürfnisbefriedigung.
„Die 2
Zeugen“ - Leseprobe aus Helmut
Stüchers „Die dritte Reformation“ – Gedanken zur Offenbarung des Johannes, Teil
I
Teil II von Helmut Stüchers „Die
dritte Reformation“ – Gedanken zur Offenbarung des Johannes
Zurück
zur Seite mit Links zu Predigten, Bibelstuden und anderen Texten
Zurück zur deutschen
Eingangsseite „Gemeinde Antipas“