Die dritte Reformation

oder

die Wiederherstellung der Gemeinde

durch die Offenbarung Jesu Christi                                                             Helmut Stücher

 

II.Teil,  Kap.14-(22)

 

 

Überblick

In den vorhergehenden Kapiteln herrschten die finsteren Mächte, von denen sogar die Heiligen überwunden wurden. Der zweite Teil des Buches der Offenbarung zeigt uns die Befreiuung, wobei sich der Kampf zunächst dramatisch zuspitzt. Dabei fällt Babylon und gewinnt das neue Jerusalem an Gestalt. Nach der bedrückenden Vision von Tier, Bild und Babylon wird dem Seher in Kapitel 14 ein befreiendes Gegenbild geschenkt, das wieder in sieben Teile zerfällt. Es sind sieben Botschaften, aus denen deutlich die "sieben Donner" (10,3) herauszuhören sind. Wir können sie als Vorwarnbotschaften bezeichnen, bevor die "sieben goldenen Schalen des Grimmes Gottes" ausgegossen werden (Kap.16). In der ersten Botschaft tritt ein Überwindervolk hervor, das die Werke und Wege Gottes besingt, nachdem sie die Engelsbotschaften gehört und ihnen geglaubt haben (Kap.15). Im zweiten Teil der Offenbarung fängt die bedrückte Braut wieder an zu singen, und ist so erst Braut des Lammes.

In den Kapiteln 17 und 18 wird Babylon, die Nebenbuhlerin der Braut, als Weib und Stadt dargestellt, zuerst in ihrer Macht, Größe und Herrlichkeit, dann ihr Ende und Untergang. Wenn man die Begeisterung hört, mit der man von der neuen Gemeinde-Vision  redet, dann könnte man meinen, Babylon würde im ausgehenden 2o.Jahrhundert eine neue Blüte erleben. In der Tat gewinnt Babylon, die Kirche der Nationen, eine Aktualität, wie es in der ganzen Kirchengeschichte nicht beobachtet wurde, diesmal jedoch im Evangelikalismus. In aller Munde ist jetzt der amerikanische Typ der modernen evangelikalen Megagemeinde, um Kirchendistanzierte anzulocken, und sie hat einen erstaunlichen Erfolg. Bevor der Fall Babylons verkündet wird, muß es ja sehr hoch rausgekommen sein, was uns das Buch Daniel in verschiedenen Bildern zeigt. Hingegen paßt Altbabylon, zu dem man bisher die Staatskirchen rechnete, nicht in das gegenwärtige Bild von der großen Hure. Vielmehr wird uns in der Offenbarung hauptsächlich Neu-Babylon gezeigt, und das in seinem höchsten Glanz und Reichtum, wie wir es gerade erleben und das so viele Christen fasziniert und sogar die Welt anzieht. Die beiden Babylonkapitel liefern reichlich Material, uns dieses System in seiner Größe und Herrlichkeit vorzustellen. Endlich wird dieses System, in dem Gottes Volk gefangen war, gerichtet. In Kap. 19 kommt es zum Entscheidungskampf mit dem Tier. Nachdem Satan gebunden ist, können die Überwinder mit Christus herrschen; das Gericht der Toten schließt die Offenbarung ab (Kap.20). Kap.21 und 22 stellen uns das Erneuerungswerk der Offenbarung, das schon mit den Sendschreiben beginnt, völlig enthüllt als Ganzes vor.

 

 

 

Die Zionsgemeinde (14,1-5)

  - Die dem Lamme folgen -

 

   Und ich sah: und siehe, das Lamm stand auf dem Berge Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, welche seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben trugen.

   Nach den schrecklichen Szenen der Posaunengerichte und der langen bedrückenden Herrschaft des Tieres darf der Seher wieder das Lamm erblicken. Er ist sichtlich ergriffen, als er seine Augen "aufhebt zu den Bergen, woher meine Hilfe kommen wird" (Ps.121,1): "Und ich sah: und siehe, das Lamm". Der Geist möchte jetzt auch unseren Blick weg von der uns umgebenden Feindschaft und Finsternis der Tiergesellschaft auf das Lamm richten. "Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt" (Ps.34,5). Sogleich treten sie in die Lammesnachfolge, wie es einst auch der bewundernde Ausruf Johannes des Täufers bewirkte: "Hinblickend auf Jesum, der da wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes!" Die Jünger Johannes wurden dadurch von Jesum angezogen, sie folgten Ihm nach und zogen wiederum andere mit. So entsteht auch heute Jüngerschaft, Brautgemeinde.

Unser Offenbarungstext will uns in Verbindung mit dem Lamm eine neue Vision der Gemeinde Gottes von Jüngerschaft vermitteln. Zunächst aber brauchen wir eine Vision von dem gepriesenen Lamm, das für uns geschlachtet worden ist und uns für Gott erkauft hat durch Sein Blut (5,9). Das Lamm auf dem Berge Zion erinnert uns an die himmlische Stellung Christi, zu der auch wir im Geiste erhoben sind (Eph.2,6), damit wir die geistlichen Segnungen genießen können, die viel höher und besser sind als der zeitliche Segen und Reichtum Babylons. In Zion, in der Gemeinschaft des Lammes, finden wir Geborgenheit, Errettung, Zuflucht und Hilfe, aber auch die Stärke, den großen Kampf zu kämpfen.

Im alten Bunde bezog man den Namen Zion auf Jerusalem und sogar auf das sich nach Erlösung sehnende Volk (Jes.46,13; Zeph. 3,14-15). Hauptsächlich verbindet sich der Name mit dem Tempelberg, der Wohnung Gottes, "der da wohnt auf dem Berge Zion" (Jes.8,18). "Schön ragt empor, eine Freude der ganzen Erde, der Berg Zion" (Ps.48,2). Dort herrscht Christus als König (Jes.24,23), und weil Er in Zion thront, können auch wir dort sicher wohnen. "Die auf den Herrn vertrauen, sind gleich dem Berge Zion, der nicht wankt, der ewiglich bleibt" (Ps.125,1). Schon bei den Propheten, insbesondere bei Jesaja, ist Zion kein geographischer Ort mehr, sondern wird zum Heilsausdruck, ist Inbegriff des Heils für Israel und die Nationen. Im Neuen Testament, und besonders in der Offenbarung, ist der Berg Zion die herrliche geistliche Höhe, die in der Wildnis der Tieres emporragt, wo sich die auserwählte Schar um das Lamm versammelt. "Segnen wird dich der Herr von Zion aus" (Ps.128,5). Sobald sie sich von der gesetzlosen Tiermasse abgesondert haben, bestätigt sich an ihnen die Wahrheit: "Ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem" (Hebr.12,22-24).

Wieder stoßen wir auf hundervierundvierzigtausend, hier in Verbindung mit dem Lamm. Das ist nicht verwunderlich, denn die letzten Treuen in dem alten Systems sollen ja die Ersten in der neuen Bewegung sein. Allerdings vermißt man die unmittelbare Verbindung zu Kap.7,4, da der Artikel fehlt. Johannes sagt: "Ich sah... mit ihm hundertvierundvierzigtausend", nicht "die"  144000 als bereits bekannte Größe. Hat etwa eine neue Sichtung stattgefunden wie in Röm.11? Bisherige Treue ist keine Garantie für zukünftige Treue. Etliche Zweige sind ihres Unglaubens wegen gegen das neue Zeugnis ausgeschnitten worden, andere, und zwar wilde Zweige, wurden eingepfropft, weil sie geglaubt haben. So wurde der Ölbaum Israel wieder vervollständigt, ebenso ist es mit der Vollzahl "Hundertvierundvierzigtausend" der Offenbarungsgemeinde.

Mit der Versiegelung in Kap.7 wurde festgestellt, wer zu Gottes Israel gehört, wer das Bekenntnis festgehalten hat; und hier auf dem Berge Zion geht es um das eigentliche Wesen des Israel Gottes, das in dem Lamm Fleisch geworden ist und in dessen Wesen wir umgestaltet werden sollen. Das geschieht durch völlige Übergabe und gehorsame Nachfolge, indem der Blick auf das Lamm gerichtet ist, auf Seine Herrlichkeit, an der wir teilhaben sollen. Aus welchem Personenkreis sich diese Versammlung der "Hundertvierundvierzigtausend" zusammensetzt, wissen wir noch nicht, aber wir werden es sehen. Wer glaubt, kann sich schon jetzt in ihre Reihen einordnen. Auf jeden Fall ist es das "zwölfstämmige Volk"(Jak.1,1), "die Fremdlinge in der Zerstreuung" (1.Petr.1,1) und "die Beschneidung des Christus"( Phil.3,3; Kol.2,12), in dem Israel Gottes (Gal.6,16), erkauft durch das Blut des Lammes. Unbedeutend ist der geistliche Hintergrund oder die Herkunft, aus welcher Gemeinde sie stammen mögen. Die in der falschen Prophetie von Israel, Tier und Bild  ihre Rechtfertigung suchen, werden es schwer haben, sich der Zionsgemeinde anzuschließen. Andere Christen, vermutlich die Mehrheit, sind nicht mit Lehren vorbelastet, sondern Suchende und werden finden.

Nun erfahren wir, was das Siegel an ihren Stirnen ist: Es ist ein Name, der neue Name Jesu, der wahre und einzige Israel, den Gott anerkennen kann, wie geschrieben steht: "Du bist mein Knecht, bist Israel, an dem ich mich verherrlichen werden" (Jes.49,3). Wir werden Christus zugehörig gerechnet, sind  Sein Geschlecht und tragen daher als Seine Brüder den gleichen Namen. „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat“ (Hebr.2,13). Sie sind auch Seine Schafe, Ihm eigen. Die Gesinnung der erkauften Schar ist erneuert, sie möchten nicht mehr gleichförmig sein dieser Welt, sondern vielmehr prüfen, "was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist" (Röm.12,1-2). An dem Namen Seines Vaters an ihren Stirnen kann man sehen, daß sie Kinder Gottes sind, daß sie zur Familie Gottes und zu dem Samen Abrahams gehören. "Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen! Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat" (1.Joh.3,1).

Die Zionsgemeinde ist eine Gemeinschaft der aufrichtig suchenden und folgenden Jünger Jesu. Angesichts der Größe und Herrlichkeit der Babylongemeinde bereitet Gott ein anderes Werk vor, "das ihr nicht glauben würdet, wenn es euch jemand erzählt" (Ap.13,41). Gänzlich ohne die fragwürdigen Mittel und Methoden der modernen Gemeinden, ohne die seelentötende moderne Musik, um die Welt anzulocken, stellt sich die Zionsgemeinde als reine Bet- und Bibelgemeinde dar. Die Babylongemeinde hat ihre Strategie und ihr Programm, die Zionsgemeinde hat eine Botschaft, die allein durch die Verkündigung in der Kraft des Heiligen Geistes wirkt. So war es ja auch zur Apostelzeit und in Erweckungszeiten. Wo der Geist wehte, bekehrten sich die Menschen scharenweise zu allen Zeiten und in jeder Kultur. Die Leute taten vor Qual der Sünden auf der Straße Buße und begannen ein neues Leben in der göttlichen Natur und Kultur. Wir müssen also nicht kulturrelevant sein; das bleibt Babylon vorbehalten, wo Gottes Volk zwar geboren und vermehrt wird, aber nicht die Erneuerung erleben kann.

Die Botschaft, die Zion ausgeht, ist eine frohe Botschaft: "Auf einen hohen Berg steige hinauf, Zion, du Verkündigerin froher Botschaft; erhebe mit Macht deine Stimme, Jerusalem, du Verkündigerin froher Botschaft! erhebe sie, fürchte dich nicht; sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott!" (Jes.40,9; 52,7-12). Die Stimme aus dem Himmel bringt etwas in Bewegung, wie das Rauschen vieler Wasser. Und gewaltig ist diese Botschaft, wie das Rollen eines lauten Donners. Wir werden hierbei an die Stimme des Menschensohnes erinnert (1,15), ebenso ist daraus die Stimme der großen Volksmenge zu hören, die das große Halleluja sprechen wird, wenn sie von Babylon befreit ist (19,1.6). Für die Knechte Gottes, die Söhne des Donners, sind das liebliche Klänge wie von Harfensängern, die auf ihren Harfen spielen, weil es den Glaubenden Freiheit und Herrlichkeit bringt. "Den Stab deiner Macht wird Gott aus Zion senden, herrsche inmitten deiner Feinde. Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage Deiner Macht" (Ps.110,2-3). Das wird zu einem neuen Liede, ein Hohelied der Liebe der Töchter Jerusalems für den Bräutigam ihres Herzens: "ein ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum lieben dich die Jungfrauen" (Hohel.1,3).

Kündigt der  laute Donner ein schweres Gewitter an? Das Rauschen vieler Wasser wird zu einer Flut, aber keine Sünd- und Gerichtsflut, sondern eine Segensflut, Regen des Segens. Für die Bildanbeter sicher bedrohlich, für die Versiegelten und die es werden wollen jedoch willkommen. Das gibt Hoffnung, die die Lammesgemeinde jubeln macht und ein neues Lied anstimmen läßt. "In meinen Mund hat er gelegt ein neues Lied, einen Lobgesang unserem Gott. Viele werden es sehen und sich fürchten und auf den Herrn vertrauen"(Ps.40,3). Das neue Lied wird zuerst im Herzen gesungen. Anders kann es gar nicht gesungen werden. Das Herz singt, weil es von Christus erfüllt ist. Das neue Lied ist nicht akustisch zu hören, denn sie singen es dem Himmel, im Geiste, versetzt in die himmlischen Örter vor dem Throne und vor den vier lebendigen Wesen und den Ältesten. Sicher wird es auch in der Anbetung und im Lobgesang in der Gemeinde Gottes zum Ausdruck kommen, denn wo das Herz jubelt, öffnet sich auch der Mund, "singend und spielend dem Herrn in euren Herzen" (Eph.5,19). Hingegen spielt in Babylons Liedern die Musik die Hauptrolle, sie brauchen allerlei Art von Musik im Gottesdienst zur Gefühlsanregung und -befriedigung. Dort wird nicht dem HERRn gesungen, dort singt man sich selbst oder der Musik zuliebe. Ohne Musikbegleitung kämen in ihrer Mitte keine rechten Gefühle auf, sie brauchen diese Stimulierung und Sinnesberauschung.

Anders in der Zionsgemeinde, ihre Gesänge sind „einstimmig“, begleitet von den "Harfen Gottes". Vielleicht klingt ihr Gesang melodisch nicht so schön, doch es singt und klingt in ihren Herzen, und das ist so lieblich vor Gott und den heiligen Engeln. Instrumentalbegleitung oder -darbietung wird die erneuerte Gemeinde Gottes nicht mehr nötig haben. Diese gab es auch in der apostolischen Gemeinde nicht, noch findet sich dafür eine Empfehlung in den Briefen. Sie gehören wie aller jüdische Kult mit seinem Zeremonial, Opferdienst, Gewänder,  Kunst usw. dem alten Bund an, als der Geist noch nicht war. Es sind "schwache und armselige Elemente" der Welt, denen man in Babylon mangels Geist und Leben wieder von neuem dienen will (Gal.4,9). Viele schöne christliche Lieder und Psalmen werden von den Gemeinde-Chören gesungen, aber nur die Lieder des Herzens, und zwar reiner Herzen, werden im Himmel gehört.

Die Zionsbewegung ist eine singende Bewegung, weil Gott durch Sein gnädiges Handeln ihre Zunge gelöst hat für das neue Lied, das zu seiner Ehre erklingt. Die erste Strophe des neuen Liedes sang bereits Johannes in Kap.1,6: "Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat...". Auch die Ältesten singen es, stimmen es sozusagen als Vorsänger an (5,9): "Du bist würdig...". Und dann fällt der riesige Chor Bluterkaufter mit in den Lobpreis ein, da sie die Vergebung empfangen und die Befreiung von dem babylonischen Welt- und Kirchensystem erfahren haben. Und niemand konnte das Lied lernen als nur die hundertvierundvierzigtausend, die von der Erde erkauft waren. In der Tat kann man das Lied der Lieder nicht auswendig lernen, sondern nur inwendig singen, und auch nur der, der weiß, daß er "von der Erde erkauft" ist, das heißt aus dem Bannkreis des Tieres freigekauft, aus der Welt Babylons, Sodoms und Ägyptens, herausgenommen ist, "nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen" (Gal.1,3-5). Sie bilden das neue Israel in Christus. "Und er hat erhöht das Horn seines Volkes, das Lob all seiner Frommen, der Kinder Israel, des Volkes, das ihm nahe ist. Lobet den Herrn!" (Ps.148,14).

Diese sind es, die sich mit Weibern nicht befleckt haben, denn sie sind Jungfrauen. In diesen Worten liegt so ein Wohlgefallen Jesu an Seiner erwählten Braut, die Er geliebt und für die Er Sich Selbst hingegeben hat. Gewiß hatten sie auch einen "früheren Lebenswandel", der Gott nicht gefallen konnte. Kommen sie doch aus einem bösen und ehebrecherischen Kirchengeschlecht, das Gott verworfen hat. Aber sie hatten ein Gewissen und ein tiefes Verlangen nach Erlösung, so daß sie der Stimme des Geistes das Ohr öffneten und dem Lamme folgten; sie sind zu ihrem ersten Manne, der ersten Liebe, zurückgekehrt und zu den ersten Werken, sie haben sich gereinigt und geheiligt. Hier stellt der Geist uns erstmalig die Braut des Lammes vor, obwohl sie erst später so genannt wird (21,9). Der Ausdruck "Weiber" hat hier einen negativen Sinn für die Macht des bloß Seelischen (Natürlichen) und Gefühlsmäßigen und des Unsittlichen, das zum Wesen Babylons gehört. Diesen "Jungfrauen" ist das Geistliche und die Heiligkeit wichtig, weil sie sich bewußt sind, aus Gnaden errettet zu sein. Gott ist es, der sie rechtfertigt und sie als reine, heilige Töchter Zions Sich Selbst verherrlicht darstellt. "Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht, und in Güte und in Barmherzigkeit, und ich will dich mir verloben in Treue, und du wirst den Herrn erkennen" (Hos.2,14-23).

Was sich einst an den gläubigen Juden erfüllte (1.Petr.2,10) und später durch Paulus an den Nationen Wahrheit wurde (Röm.9,25), soll sich auch durch die Offenbarungsgemeinde erfüllen, sowohl an den Gläubigen zuerst als auch an denen, die Er aus der Welt berufen wird. Obwohl praktisch jeder zu diesen "Jungfrauen" gehören kann, wie weit er auch von Gott entfernt sein mag, ist der Gedanke an die Welt hier noch verfrüht. Denn zuerst muß einmal eine Zeugenschar aus dem vorhandenen Bekenntnis aufgestellt werden. "Dies ist das Geschlecht derer, die nach ihm trachten, die dein Angesicht suchen" (Ps.24,6).

Aus den genannten Stellen erhellt, daß nicht an ehelose Männer gedacht werden kann oder es irgendwie geboten erscheint, nicht zu heiraten. Solches lehren betrügerische Geister und sind Lehren von Dämonen (1.Tim.4,1-3). Gott hat die Ehe geheiligt. Der ehelose Paulus war Gott nicht angenehmer als der verheiratete Petrus. Der Ausdruck "Jungfrauen" bezieht sich sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen auf beiderlei Geschlecht. In Christo ist „nicht Mann und Weib, denn ihr alle seid  e i n e r  in Christo Jesu" (Gal.3,28). Die Gnade vermag aus Huren keusche Jungfrauen zu machen, wie wir in Joh. 4 sehen; und aus einer Maria-Magdalena, in welcher alle sieben unreinen Geister des Judentums waren, wurde eine reine, geisterfüllte Brautseele. Niemand ist dem HERRn Jesus zu schlecht, nur muß Aufrichtigkeit vorhanden sein, das ehrliche Verlangen, frei zu werden von der Herrschaft des Tieres und der ganzen babylonischen Szene. Aber die stolzen selbstklugen und selbstsicheren "törichten Jungfrauen" werden den Anschluß verpassen (Matth.25,1-13).

Zweimal wird gesagt: Diese sind es. Der Geist will uns hier auf eine Heiligungsbewegung hinweisen, die nicht von Menschen in Gang gesetzt wurde und auch andere Ziele hat als alle die religiösen Bewegungen unserer Zeit. In den letzten Jahren sind viele neue christliche Bewegungen mit bestimmten Zielgruppen entstanden, meist von Amerika kommend. Da gibt es Jugendbewegungen, Gemeindebewegungen, eine Charismatische Bewegung, neuerdings eine Männerbewegung und sicher bald auch eine Frauenbewegung, die nach den Ämtern strebt, usw. Zum Teil haben sie sehr hohe Ziele und Ideale, und ihre Anhänger müssen Treue zu den christlichen Werten geloben und moralische und sexuelle Reinheit versprechen. Aber alle diese Bewegungen führen nicht aus Babylon heraus, sondern tiefer hinein und enden in Vermischung und Verwirrung. Falsche Lehrer und Geister suchen alles zu vereinheitlichen und alle Gruppen in Großbabylon zu vereinigen; man will biblische Einheit demonstrieren, um die Welt zu überzeugen, aber Einheit auf Kosten der Wahrheit und Heiligkeit.

Bewegungen des Geistes wie die Zionsgemeinde müssen nicht proklamiert oder propagiert werden. Es ist der Geist Gottes und das Zeugnis Jesu, das sie bewegt hat und mit dem sie andere bewegen. Neben dem Zeugnis ihrer geistlichen und sittlichen Unbeflecktheit haben sie auch das Zeugnis echter und treuer Jüngerschaft, da sie dem Lamme folgen, wohin irgend es geht. Es sind die "klugen Jungfrauen", die bereit waren, als sie um Mitternacht das Geschrei hörten: "Siehe, der Bräutigam! gehet aus ihm entgegen!" Nachdem sie den Ruf des HERRn gehört haben und Ihm nach Lammesart folgen, will Er sie wie einst die Jünger zu Zeugen Jesu ausbilden. An diesem Punkte scheiden sich Jünger und Jünger, denn nur wenige sind bereit, dem Lamme bis zum Kreuzesleiden zu folgen. Vielen sind die Forderungen Jesu zu hart, "von da an gingen viele seine Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm" (Joh.6,66). Wer wirklich am HERRn mit Leib und Seele hängt, wird wie Petrus sagen: "Herr, zu wem sollen wir gehen?  du hast Worte ewigen Lebens; und  w i r  haben geglaubt und erkannt, daß  d u  der Heilige Gottes bist" (Joh.6,67-69). Diese werden dem Lamme folgen, vielleicht zitternd, aber sie werden Ihm folgen. Ihr Auftrag besteht darin, die frohe Botschaft der Offenbarung Jesu Christi unter dem Volke Gottes und in den Gemeinden zu verkündigen, sofern man ihnen die Türen öffnet; aber sie sind auch bereit, sich selbst zu verleugnen und das Kreuz aufzunehmen, wenn man sie verwirft (Luk.14,25-27). „Ihr sollt meine Zeugen sein bis an das Ende der Welt“

Während Babylon jetzt alles mobilisiert, die Welt im Sturme zu erobern und die große Babylongemeinde zu bauen, sucht das Lamm aus dem vorgefundenen Bekenntniskreis die Brautgemeinde der Offenbarung zu gründen. Jesus sagte den Jüngern: "Gehet nicht auf einen Weg der Nationen; gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Matth.10,5). Erst nach Pfingsten wurde der Auftrag auf die ganze Welt ausgedehnt, anfangend von Jerusalem. Freilich sind nicht alle Jünger Prediger, doch alle Nachfolger dienen dem HERRn mit ihrer Gabe und Habe; in der Zionsgemeinde gibt es keine passiven Mitglieder. Zionsgemeinde ist Missionsgemeinde; sie ist auch Muttergemeinde und Bibellehrgemeinde, "denn von Zion wird das Gesetz (die Lehre) ausgehen und das Wort von Jerusalem" (Jes.2,3).

In der Missiontätigkeit muß nicht nur Gottes Wille beachtet werden, "welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (1.Tim.2,4), sondern auch Gottes Weg und Schritte, und auch Seine Zeit, wie und wo Seine Gemeinde gebaut werden soll. In christlichen Ländern, wo das Evangelium bekannt ist, aber die Gemeinden unter der Herrschaft des Tieres stehen, geht Gott anders vor als beispielsweise in den islamischen Ländern und wo Neuland zu erobern ist. Daß "Heimatmission" schwieriger ist als Heidenmission, beklagt jeder Missionar. Ob mit weniger Widerstand zu rechnen ist, wenn der HERR die etablierten Kirchen und Gemeinden zum Missionsgebiet erklärt? Der HERR kommt hier in das "Seinige", nicht mehr um zu richten, sondern Seine Herrlichkeit zu offenbaren. Wenn die Seinigen Ihn nicht annehmen, geht Er weiter, "so viele ihn aber aufnahmen, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind" (Joh.1,11-13).

Zum dritten Mal wird betont, wer diese sind: Diese sind aus den Menschen erkauft worden als Erstlinge Gott und dem Lamme. Hier findet sich bestätigt, daß Gott ein neues Werk beginnt. Einst fing es mit 12 Jüngern an, bald waren es 70, dann 500 Brüder, am Pfingsttage durch eine Predigt 3000 Seelen und "so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird" (Ap.2,39). Die Offenbarung beginnt gleich mit 144000, was dazu verleiten könnte, an eine entsprechende Zahl zu denken. Den Symbolcharakter dieser Zahl haben wir bereits bei der Betrachtung des 7.Kapitels festgestellt. Jede gesegnete Bewegung fing klein an, oft nur mit einigen wenigen Männer, die wie Daniel Buße taten über ihre Sünde und für die Sünde des Volkes (Dan.9, 20). Zu ihnen hat Gott sich geneigt und durch sie große Erweckungen bewirkt. Den "Erstlingen" soll noch eine unzählbare Menge folgen, eine Schau, die uns bereits im 7.Kapitel vermittelt wird, jetzt aber nahe daran ist, Wirklichkeit zu werden.

Noch ein Kennzeichen ist den teuer erkauften Lammesnachfolgern eigen: In ihrem Munde wurde kein Falsch gefunden; denn sie sind tadellos. Gott rechnet die Aufrichtigkeit für Tadellosigkeit. Inmitten der verlogenen und sich selbst betrügenden Tiergesellschaft und der falschen Propheten hat Gott sich eine Zeugenschar erwählt, die "nicht aus Betrug reden, noch aus Unreinigkeit noch mit List; sondern so, wie wir von Gott bewährt worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, also reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. Denn niemals sind wir mit einschmeichelnder Rede umgegangen, wie ihr wisset, noch mit einem Vorwande für Habsucht, Gott ist Zeuge..." (1.Thess.2,3-6). Wahrhaftigkeit war schon immer das Kennzeichen der wahren Knechte Gottes. "Denn wir verfälschen nicht, wie die Vielen, das Wort Gottes, sondern als aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christo" (2.Kor.2,17). Zu einer ehrlichen Verkündigung gehört eben auch, daß sie nicht das Gericht verschweigt, wie es die drei folgenden Engelsbotschaften ankündigen.

Die erste der sieben Donnerbotschaften liegt ganz auf der Linie des ersten Sendschreibens, ersten Siegels und der ersten Posaune, nur hat sie einen anderen Ausgangspunkt, indem sie an das Volk in Babylon ergeht. Sie erinnert auch an den ersten Schöpfungstag, als Gott sprach: "Es werde Licht! und es ward Licht" (1.Mo.1,3). Das "laute Donnerrollen" soll uns aufwecken, der Macht des Finsternis des Tieres zu entfliehen und uns auf die Seite des Lammes zu stellen; "denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem wird Errettung sein " (Joel 2,32).

 

          Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht!

          Mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht;

          suche stets die Lebensquelle, Zion, gingst du durch

          die enge Pfort', fahre fort, fahre fort!

 

          Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott!

          Stärke dich mit Geist und Leben, sei nicht, wie die

          anderen, tot, / sei du gleich den grünen Reben;

          Zion, in die Kraft, statt Heuchelschein,

          dringe ein, dringe ein!

 

In dieser Gemeindevision wird klar, welches die Erstlinge der Geschöpfe Gottes in Christus sind, nämlich die mit Christus Jesus, dem Lamme Gottes, auf dem Berge Zion stehen. Seine Gemeinde ist "die Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind" (Hebr.12,22ff). Gott hat hier eine erneuerte Jüngerschar nach Wahl seiner Gnade aus der bekennenden babylonischen Christenheit berufen, die das neue Israel nach dem Geiste repräsentieren soll. Reinheit des Herzens, gehorsame Nachfolge und Aufrichtigkeit kennzeichnet die Braut des Lammes.

 

 

Die erste Engelsbotschaft (14,6-7)

- Das ewige Evangelium -

 

Und ich sah einen anderen Engel inmitten des Himmels fliegen, der das ewige Evangelium hatte. Bevor das Gericht über Babylon und die ganze Welt kommt, soll noch noch einmal denen, die auf der Erde ansäßig sind, und jeder Nation und Stamm und Sprache und Volk, das Evangelium verkündigt werden. Sein Ton ist allerdings sehr ernst, ein letzter Anruf an die humanistische Tiergesellschaft in Babylon und an die ganze Menschheit, dem Unglück zu entfliehen.

Die Bezeichnung "ewiges Evangelium" mögen die meisten nicht mit der neutestamentlichen Botschaft vereinbaren können. Es habe einen alttestamentlichen Sinn und passe nicht in die "Gnadenzeit". So verlegt man es  auf spätere Zeiten, als hätten wir es gar nicht nötig. Doch nichts ist heute wichtiger als seine Botschaft. Eigentlich sollte dieses Evangelium unseren Ohren vertraut sein, bildet es doch der Grundton aller Evangelien und Gottesbotschaften. Das Wort "Evangelium" ist griechischer Herkunft und heißt "gute oder frohe Botschaft". Zum erstenmal kommt es im Propheten Jesaja vor und ist an Zion gerichtet bzw. Zion wird "Verkündigerin froher Botschaft" (Jes.40,9; 52,7; 61,1). Im Sprachgebrauch des Neuen Testaments begegnet es vor allem in den paulinischen Briefen. Merkwürdigerweise fehlt es im Johannesevangelium und in seinen Briefen gänzlich. Umso stärker wird die "gute Botschaft" in der Offenbarung verkündigt, zuerst für die Knechte Gottes (10,7), dann der ganzen Welt.

Wenn wir "Evangelium" sagen, verkürzen wir es gewöhnlich auf die Heilstatsachen, daß Jesus für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist. So ist dann auch selbst an der modernen babylonischen Verkündigung nichts auszusetzen. Man hört hier"ganz klares Evangelium". Doch wie ist es mit dem "Evangelium des Reiches" (Matth.4,23) oder dem "Evangelium der Herrlichkeit des Christus" (2.Kor.4,4)? Davon hört man wenig oder nichts, obwohl diese ebenso zu dem einen Evangelium gehören wie das "Evangelium eures Heils" (Eph.1,13) und das "Evangelium der Gnade Gottes" (Ap.20,24) oder das "Evangelium des Friedens" (Eph.6,15). Zu unterscheiden ist das "Evangelium der Beschneidung", wie es die Zwölfe verkündigten, von dem "Evangelium der Vorhaut"(Gal.2,7, das Paulus "mein Evangelium" (Röm.2,16) nennt. Die Apostel haben das "Evangelium von Jesu" verkündigt, von Seinem Leben, Seine Lehren und Taten, Sein Leiden und Sterben, Seine Auferstehung bis zur Himmelfahrt (Ap.8,35), wie es die vier Evangelien berichten. Hieran anknüpfend verkündigt Paulus das "Geheimnis des Christus" und den "unausforschlichen Reichtum des Christus" (Eph.3,4.8), wie er ihm offenbart ist durch geistliches Verständnis der Schriften.

Allen diesen Evangelien würde die Grundlage und Kraft fehlen, wenn dabei nicht auch das "ewige Evangelium" bezeugt wird: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre. Freilich kann dieses Evangelium nicht für sich allein verkündigt werden, schon gar nicht einer Welt, die bereits vom Gericht heimgesucht wird und mehr und mehr darunter leidet. Es kann für sich genommen auch keinen Menschen erlösen. Aber es ist nötig, die Gottesfurcht zu predigen, damit Menschen die Gnade Gottes in Christus Jesus, unserem Heiland, begehren. Die Gnadenbotschaft allein kann ebensowenig Heilung wirken, wenn ihm die Gottesfurcht fehlt. Wenn einem Hause das Fundament fehlt, so fehlt ihm die Hauptsache; es ist und wird ohne Fundament nie ein solider Bau. Dasselbe ist mit unserem Christentum,  unserem ganzen Verhältnis zu Gott; wenn ihm die Furcht des Herrn fehlt, so fehlt ihm die richtige, gesunde Grundlage. Ohne Gottesfurcht baut man auf Sand, so die Kirche Babylon, die deshalb nicht bestehen wird im Gericht. Deshalb muß dem Volke darin wieder laut gepredigt werden: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen.

Warum  sollte des "ewige Evangelium" nicht im Einklang sein mit dem Evangelium der Rechtfertigung aus Glauben? Ist es doch das  e w i g e  Evangelium. "Ewig" heißt  immer, es ist das, was schon immer von den heiligen Propheten und Aposteln und allen wahren Gottesknechten verkündigt worden ist. Warum hört man es heute nicht mehr in der Verkündigung? Wohl alle babylonischen Gemeinden meinen, das reine, volle Evangelium zu verkündigen. Aber leider stellt man oft fest, daß ihnen das Salz fehlt. Sie wehren sich vehement gegen den Vorwurf, das Evangelium zu verwässern, und dennoch predigen sie eine humanistische Botschaft, wenn sie das "ewige Evangelium" ausklammern. In Babylon versteht man unter "Furcht Gottes" soviel wie "Angst" vor Gott, und die braucht ja ein versöhntes Gewissen durchaus nicht mehr zu haben. Auch den Ungläubigen soll man, so sagen die Humanisten, keine Angst mit der Hölle machen. Also streicht man die "Furcht" aus dem Vokabular oder deutet sie um in "Ehrfurcht". Nur noch wenige kleine Gruppen und einzelne Zeugen bekennen sich zur Gottesfurcht und bestätigen somit das "ewige Evangelium", wenn sie auch prophetisch etwas anderes darunter verstehen mögen.

Die Botschaft des "anderen Engels" gilt zunächst denen, die auf der Erde ansäßig sind. Der Ausdruck "auf der Erde ansäßig" geht weiter als die sonst in der Offenbarung so häufige Wendung von "Wohnen" auf der Erde (13,8.14). Es hat den Sinn von "thronen", "sitzen", woraus eine betonte Selbstsicherheit und Unbußfertigkeit der Leute herauszuhören ist. Sie gebärden sich so sicher wie die Menschen in den Tagen Noahs. Plötzlich kommt das Verderben über sie, "gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden   n i c h t   entfliehen" (1.Thess.5,3). Sie sollen nicht ungewarnt bleiben vor dem Gericht.

Auch jeder Nation und Stamm und Sprache und Volk soll das "ewige Evangelium" verkündigt werden. Hiermit ist der ganze babylonische Kirchen- und Weltkreis angesprochen (5,9; 7,9; 10,11). Die Christenheit ist ja längst nicht mehr  e i n  Leib, e i n e  heilige Nation,  e i n  Volk, spricht nicht mehr  e i n e  Sprache, sondern viele. Aber Gott erreicht mit dem "ewigen Evangelium" wieder alle, es spricht eine Sprache, die in der babylonischen Sprachenverwirrung von allen verstanden wird. Wahrscheinlich reagieren Katholiken am ehesten auf die Botschaft, denn unter ihnen finden sich noch am meisten Gottesfurcht und Ehrfurcht. Vermutlich hängt das mit der Lehre und Erziehung der Kath. Kirche zusammen, daß der Glaube von Gottesfurcht, Abkehr von der Sünde, Wille zum Gehorsam begleitet sein müsse. Dogmatisch ist das richtig, aber sie meint es nicht so und setzt die Werke, vor den Glauben, um Gott zu gefallen, und die "Kirche" anstelle "Gott".

Demgegenüber vertritt der Protestantismus die These: Durch Glauben allein, erklärt aber die Werke für Stroh. Das Resultat dieser Rechtfertigungslehre ohne Gottesfurcht ist eine Gesetzlosigkeit und Sittenlosigkeit, wie sie nie gewesen ist, die besonders im evangelischen Raum dem Humanismus und Hedonismus den Weg bereitet hat. Da sind die gottesfürchtigen Werkgerechten doch Gott näher als die Gesetzlosen, die die Gnade in Ausschweifung verkehren. "Gott sieht die Person nicht an, sondern in jeder Nation, wer Gott fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ist ihm angenehm" (Ap.10,35). Wo der Boden nicht in Gottesfurcht gepflügt wird, kann die Saat des Evangeliums nicht Frucht bringen.

Befaßte sich die Reformation vordringlich mit der Rechtfertigung des Sünders, betrieb der Evangelikalismus die Heiligung des Gläubigen. "Frei vom Gesetz" war seine Botschaft, und "Absonderung vom kirchlichen Übel" seine Forderung, aber man leugnete das Gericht. Da schwand die Gottesfurcht, und Hochmut, Ungerechtigkeit und Heuchelei kehrten ein. Weil sie Gott nicht fürchten, haben sie das prophetische Wort weg- und umgedeutet, so daß das Gericht angeblich nur noch die Welt nach ihnen treffen soll. Im Lichte des "ewigen Evangeliums" fallen alle unter dasselbe Urteil: "Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen" (Röm.3,18).

Da nun der Richter vor der Tür steht und jeden Augenblick das Gericht über Babylon hereinbrechen kann, ist es ein Gnadenakt, wenn Gott noch einmal durch Seinen Engel vom Himmel verkündigen läßt: "Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, betet Gott an!" - eine sehr einfache Botschaft, aber genau passend für unsere Zeit, die vom Geiste des gesetzlosen Humanismus geprägt ist. In einer so ernsten Stunde ist es töricht, noch lange vom "Sinn des Lebens" zu faseln. Nur die Gottesfurcht verleiht dem Leben Sinn und Ziel. Die süße Jesus-liebt-dich-Botschaft ist der Welt schon über. Eine verstandesmäßige Beweisführung von der Existenz Gottes ist fehl am Platze. Es genügt der Hinweis auf die Schöpfung, das Werk Seiner Hände, um Gott in Ehrfurcht anzubeten. "Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre!" Darauf kommt es an. Das geht das Gewissen an. Daß Gott sich noch einmal an die abtrünnige Christenheit wendet, um sie vor dem Gericht zu warnen, ist nur Sein großes Erbarmen. Und wenn Seine Knechte sich dahinstellen und sich für die Wahrheit des Evangeliums verspotten und lästern lassen, wie es alle Propheten erleben mußten, ist das Beweis und Liebe genug. Wir dürfen unsere Mitmenschen nicht einfach ins Unglück laufen lassen. "Wer unter euch fürchtet den Herrn? wer hört auf die Stimme seines Knechtes?" (Jes.50,10).

Was heißt denn, Gott fürchten? Manche meinen, Gottesfurcht sei Ehrfurcht. Doch das ist nicht dasselbe, es ist viel mehr als das. Es gibt auch Humanisten, welche Ehrfurcht haben vor der Schöpfung, vor dem Leben, vor einem höheren Wesen, aber sie fürchten sich keineswegs vor Gott. Der Höchste will von Seinen Geschöpfen geehrt werden, aber Er muß auch gefürchtet werden. Er läßt nicht mit sich spielen und spaßen. Wir müssen uns vor Ihm scheuen. Diese Furcht ist kein unbestimmtes Angstgefühl, das kein rechtes Vertrauen aufkommen läßt. Im Gegenteil, "in der Furcht des Herrn ist ein starkes Vertrauen, und seine Kinder haben eine Zuflucht" (Spr.14,26). Wenn Noah nicht, "von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses" gebaut hätte, wäre er wohl nachlässig geworden, die Flut hätte ihn ereilt (Hebr.11,7). Wir müssen die Gnadenzeit auskaufen und allen Fleiß anwenden, unserem Glauben die Tugend folgen zu lassen (2.Petr.1,5). Denn "vor deinem Schrecken schaudert mein Fleisch, und ich fürchte mich vor deinen Gerichten" (Ps.119,120); und: "da wir den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen..." (2.Kor.5,11). Es ist Gnade, wenn Gott noch einmal das ewige Evangelium von der Furcht Gottes im ganzen Kirchenkreis der "Nationen" verkündigen läßt.

Der Hauptpunkt beim Glauben ist die Gottesfurcht. Ohne Gott zu fürchten kommt kein Mensch wirklich zur Buße, ohne Gottesfurcht ist auch kein Gläubiger ein Glaubender. Ohne Furcht Gottes versteht man nichts wirklich von den Dingen Gottes. Denn "die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang" (Spr.1,7). Wir müssen ein richtigen Begriff von der Furcht Gottes haben, um ihre Notwendigkeit und ihren Segen zu verstehen. Wenn die Schrift so oft die Furcht Gottes preist, so will sie nicht von knechtischer Furcht reden. Wie ließe sich das vereinbaren mit der apostolischen Ermahnung: "Freuet euch in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freuet euch!" (Phil.4,4).

Wir sind arme, sündige, sterbliche Menschen; Gott ist die ewige, heilige, gerechte, allmächtige Majestät. Er ist allwissend und allgegenwärtig. Folglich gibt es für uns Menschen unserem Gott gegenüber keine andere Stellung als die der tiefsten Ehrfurcht, der demütigen Beugung, und diese Stellung ist eine in Ewigkeit bleibende für die vollendete Gemeinde. Auch die heiligen Seraphim verhüllen ihr Angesicht vor der Herrlichkeit des HERRn und rufen: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen" (Jes.6,1-4).

Auch in der Erziehung ist die Gottesfurcht wichtig. Der Rat eines Gottesmannes lautet: "Sage der Jugend viel von der Liebe Gottes und des Heilandes und sage es ihr warm und lieblich; aber vergiß nicht, sie zugleich die Furcht der Herrn zu lehren, in der Gegenwart eines heiligen allwissenden Gottes zu wandeln, dem wir Rechenschaft geben müssen von einem jeden unnützen Wort (Matth.12,36). Einem Menschen ohne Furcht Gottes fehlt die Grundlage für ein sittliches Leben, die Furcht des Herrn schärft das Gewissen".

Das sind Erziehungsgrundsätze, die uns heute verlorengegangen sind in einer in Überfluß und Gleichgültigkeit dahinlebenden pluralistischen Gesellschaft. Da muß uns die Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Gott wieder ins Bewußtstein zurückgerufen werden, und das tut dieser gottesfürchtige Engel.

Gottesfurcht ist wirklich ein glückseliger Zustand. "Glückselig ein jeder, der den Herrn fürchtet, der da wandelt in seinen Wegen" (Ps.128,1). Die Verheißungen, die dem Gottesfürchtigen gegeben sind, lassen seine Seele in Sicherheit ruhen. "Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet auf ihn. Ihre Hilfe und ihr Schuld ist er" (Ps.115,11). "Kommet, ihre Söhne, höret mir zu: Die Furcht Jehovas will ich euch lehren; weiche vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach" (Ps.34,11). Es ist Gnade, wenn Gott uns noch einmal daran erinnert, Ihn zu fürchten und Ihn anzubeten. Wahre Anbetung ist mit Gottesfurcht und Ehrfurcht begleitet, wozu auch eine ehrfürchtige Gebetshaltung gehört. "Gebet dem Herrn die Herrlichkeit seines Namens; bringet eine Opfergabe und kommet in seine Vorhöfe! Betet den Herrn an in heiliger Pracht! Erzittert vor ihm, ganze Erde" (Ps.96,7-9).

Ob wir Gott fürchten, zeigt sich auch darin, wie wir Seinem heiligen Worte gegenüber stehen. "Vor deinem Wort hat mein Herz sich gefürchtet". Jedes leichtfertige Hinzufügen und Wegnehmen, wovor ja besonders die Offenbarung warnt, zieht schwere Folgen nach sich. Viele Sonderlehren und Sekten sind aus Mangel an Furcht vor dem heiligen Worte Gottes entstanden. Deshalb Vorsicht mit der natürlichen Deutung des prophetischen Wortes und der Offenbarung, wenn man damit den Ernst der Gerichte auf die ungläubige Welt abwälzt. "Auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, der da zittert vor meinem Worte" (Ps.66,2). Vor den Verheißungen braucht man sicherlich nicht zu zittern, es sei denn vor Freude. Aber vor dem Gerichtsdrohungen muß man sich fürchten. Wenn man diese nicht ernst nimmt, verliert man die Verheißungen. "Bewirket eure eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern" (Phil.2,12).

Die christliche Masse weiß nicht mehr, was wahre Anbetung ist, weil sie Gott nicht mehr fürchten. Sie haben ihre Götter und Götzenbilder, die sie ehren und anbeten. Vor den selbstgemachten Göttern braucht man keine Furcht zu haben. Warum aber haben die Menschen solche Angst? Man hat 20.Jahrhundert das "Jahrhundert der Angst" genannt. Je weniger Gottesfurcht, umso mehr Menschenfurcht. Viele Ängste und Probleme rühren aus dem Mangel an Gottesfurcht her. Wo keine Gottesfurcht ist, ist auch kein rechtes Verhältnis zu dem Vater und dem Sohne, wie es die Lammesschar erlangt hat. "Dienet ihm mit Furcht, und freuet euch mit Zittern. Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr umkommet auf dem Wege, wenn nur ein wenig entbrennt sein Zorn. Glückselig alle, die auf ihn trauen" (Ps.2). JESUS ist in der Offenbarung der Richter der Lebendigen und der Toten. Wer Ihn fürchtet und Sein gerechtes Gericht anerkennt, hat Ihn zum Heiland. Wer Gott ehrt,  hat in Jesus eine Zuflucht.

Und betet den an, der den Himmel und die Erde gemacht, und das Meer und die Wasserquellen. Wir denken wieder zuerst an die natürliche Schöpfung, wenn wir solche Worte lesen. Gott wegen Seiner wunderbaren Werke anzubeten, gehört zu unseren natürlichen Pflichten als Geschöpfe. Das tun auch Menschen, die nicht an Jesus Christus glauben. Noch größer und wunderbarer ist das Werk Gottes in Christus, die neue Schöpfung. Durch Ihn ist auch der christliche "Himmel" gemacht und die "Erde" als Bekenntniskreis. Beides war gut geschaffen, ist aber durch die abtrünnige Christenheit verdorben worden. "Jetzt aber hat er verheißen und gesagt: Noch einmal werde ich nicht allein die Erde bewegen, sondern auch den Himmel". Sie werden in der Stunde des Gerichts verwandelt, erschüttert werden "als solche, die gemacht sind". Überstehen werden es nur die gottesfürchtigen Heiligen auf dem Berge Zion, sie werden bestehen im Gericht. "Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, laßt uns Gnade haben, durch welche wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht" (Hebr.12,26-29).

Auch das "Meer", ein Bild der Welt, einst von Gott durch Christum gemacht und belebt, ist nicht mehr sauber, sondern ein Bild für Unheil und Unmoral. Die Welt wird auch nicht mehr besser, sie soll ja in der neuen Schöpfung ganz verschwinden (21,1).

Zuletzt wird noch an die "Wasserquellen" erinnert, die Gott für uns gemacht hat, Er kann sie auch wieder zurücknehmen kann. Im Anfang flossen aus ihnen reine Ströme lebendigen Wassers flossen. Menschliche Beimischungen und verderbliche Lehren haben sie ungenießbar gemacht. Denen, die Gott fürchten und Ihn anbeten, ist in Christus die wahre Lebensquelle geöffnet. "Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst" (21,6).

Die Menschen unter dem Tiere rühmen dessen Fortschritt und Errungenschaften, sie beten das Tier an und bringen "dem Geschöpf mehr Verehrung und Gottesdienst dar als dem Schöpfer, welcher gepriesen sei in Ewigkeit.Amen. Deswegen hat Gott sie auch dahingegeben..." (Röm.1,25ff). Gott allein gebührt die Ehre, daß Er uns die Lebensbedingungen geschaffen hat, sowohl geistlich als auch natürlich. "Das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistige" (1.Kor.15,44). Die Offenbarung hat das Geistige vor sich.

Die Botschaft des Engels ist das Urevangelium, das unterschiedlos alle Menschen unter Verantwortung stellt, damit sie wieder in die rechte Beziehung zu ihrem Schöpfer kommen, Dem sie Ehre und Anbetung schulden. Wer Gott fürchtet und Ihm Ehre gibt, auch in Seinen Gerichtswegen, wird bewahrt im Gericht. "Die Furcht des Herrn wird sein Schatz sein" (Jes.33,6). Das ewige Evangelium bereitet die Menschen zu, wieder nach einem gnädigen Gott zu fragen, der Sich in Jesus Christus offenbart hat, und in die Gemeinde Gottes nach Zion zu kommen (Jes.2,1-4). "Und die Nationen werden den Namen des Herrn fürchten, und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit. Denn der Herr wird Zion aufbauen, wird erscheinen in seiner Herrlichkeit" (Ps.102,15.16).

 

 

 

Die zweite Engelsbotschaft (14,8)

- Der Fall Babylons -

 

Und ein anderer, zweiter Engel folgte ihm und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon... Die zweite Engelsbotschaft, die sich direkt der ersten anschließt, ist eine Gerichtsbotschaft für die Babylon-Kirche. Ganz unvermittelt verkündet ein Engel, daß die Stadt der "Nationen" gefallen ist. Das zweimalige "gefallen" betrifft den sittlichen Fall, dem sogleich das Gericht folgt. Es ist kein triumphierender Ausruf, denn "ein hartes Gesicht ist mir kundgetan ...Mein Herz schlägt wild, Schauder ängstigt mich; die Dämmerung, die ich liebe, hat er mir in Beben verwandelt... Und er hob an und sprach: Gefallen, gefallen ist Babel, und alle geschnitzten Bilder seiner Götzen hat er zu Boden geschmettert!" (Jes.21,1-9).

Der Fall Babylons wird erst durch das alttestamentlichen Vorbild der "Jungfrau, Tochter Babel" (Jes.47,1), verständlich. Als Israel und Juda abgefallen waren und alle Boten Gottes verworfen hatte, so daß keine Heilung mehr war, ergrimmte Gott über Sein Volk und ließ es unter die Nationen wegführen. Das geschah in mehreren Etappen. Bei der letzten Wegführung durch den König der Chaldäer wurde Jerusalem zerstört, "und die vom Schwerte Übriggebliebenen führt er nach Babel hinweg; und sie wurden ihm und seinen Söhnen zu Knechten, bis das Königreich der Perser zur Herrschaft kam" (2.Chron.36,17-21). Das Reich und das Königtum war von nun an auf die Nationen übergegangen, der Thron und die Regierung Gottes über die Erde war von Jerusalem, der ehemals heiligen Stadt Israels, nach Babel, der großen Stadt der Nationen, verlegt worden. In der Traumdeutung Daniels wird Nebukadnezar seine Hauptesstellung als unumschränkter Herrscher bestätigt. Seine Herrschaft überragte die des Königs Salomon, er war jetzt der König der Könige, "dem der Gott des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben hat" (Dan.2,31ff). Hierin ist er, wenn auch blaß, ein Vorbild von dem viel größeren König der Könige, Der in den himmlischen Örtern thront "über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird" (Eph.1,21-23).

Während Israel beiseite gesetzt war, segnete Gott die Nationen, indem Er ihnen Gutes tat und Frieden und fruchtbare Zeiten gab, solange sie den Höchsten fürchteten. Von allen Weltreichen war das babylonische Reich im Anfang ein großes Friedensreich (Dan.4,1-3). Gott vertraute Nebukadnezar, Seinem Knecht (Jer.27,6), das ganze Gut Israels an. Von Kores (Cyrus), dem Eroberer des babylonischen Reiches, spricht Gott sogar als von Seinem Hirten, Seinem Gesalbten, "der all mein Wohlgefallen vollführt, indem er von Jerusalem sprechen wird: Es werde aufgebaut! und vom Tempel: Er werde gegründet" (Jes.44,28; Esra 1). Weitere Beispiele von gottesfürchtigen Königen der Nationen sind Darius in Buche Esra (Kap.6) und Ahasveros im Buche Esther, deren Regierung sich segensreich auswirkte für die damalige Welt und zum Wohl des Volkes Gottes. Dies aber nur deshalb und solange, wie ein Daniel, Nehemia, Esra, Mordokai Amt und Einfluß hatten.

Die Geschichte der Nationen war ein Einschub in den Wegen Gottes, bis Der kam, Der das Königreich der Himmel aufrichtete, "welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird" (Dan.2,44; 7,27). Die Könige Babylons und der nachfolgenden Reiche blieben nicht in der Furcht Gottes, sondern wurden hochmütig und selbstherrlich, trieben frevelhaften Götzendienst und wurden schuldig an Menschen, besonders am Volke Gottes, so daß auch ihr Gericht kam (Dan.5). In dem neutestamentlichen Gegenbild finden wir eine ganz ähnliche Geschichte. Die Offenbarung faßt in dem einen Namen "Babylon" geistlich alle jene Reiche und Städte der Antike zusammen, einschließlich Sodom und Ägypten (11,8). 

Wie in der Geschichte des alten Bunde gibt es auch unter dem neuen Bunde verschiedene Gemeindeepochen oder Kirchenhaushaltungen. Die erste beginnt mit der Berufung Israels, dann der zeitliche Einschub der Nationen mit Babylon als Mittelpunkt, am Ende knüpft Gott wieder mit Seinem Israel an. Die drei Zeitabschnitte lassen sich an dem Kanon des Neuen Testaments, der in drei Teile zerfällt, ablesen. Wenn man einmal zeitlich und geistlich zwischen dem Dienst der zwölf Apostel in Jerusalem und dem Zeugnis des Apostels Paulus unter den Nationen unterscheidet, entdeckt man drei Gemeindeepochen. Die erste Epoche nimmt mit der Verkündigung Jesu ihren Anfang, löst durch das Opfer Jesu und die Ausgießung des Heiligen Geistes das Judentum ab und wird seitdem als Erfüllung aller Verheißungen der Propheten in der "Fülle der Zeit" gepredigt (Ap.3,24).

Der zweite Teil der Apostelgeschichte (ab Kap.10) und die paulinischen Briefe beschäftigten sich mit den "Gemeinden der Nationen" (Heidenkirche) während der "Zeiten der Nationen", in welchen das gläubige Israel zerstreut ist, das von den Aposteln der Beschneidung bedient wird. Beide Epochen verbindet der Hebräerbrief, der die Judenchristen von dem jüdischen Kult zu dem Gottesdienst des Neuen Bundes und vom "Sinai" zum "Berge Zion" führt. Zugleich ist der Brief an die Hebräer der Übergang zur letzten Epoche, die wieder mit "Israel" anknüpft, um es aus der "Wüste der Nationen" in das "Land der Verheißung" und zu dem "neuen Jerusalem" in der Offenbarung zu bringen.

Die Briefe Jakobus, Petrus, Johannes und Judas richten sich an das gläubige Israel in der Zerstreuung in dem anbrechenden Zeitalter der Offenbarung, wo noch die Kirche der "Nationen" die Herrschaft hat, der Gott ein Ende machen wird, um Gottes Israel aus derselben zu befreien und zur heiligen Stadt, dem neuen Jersualem zurückzuführen. Die Heidenkirche ist in der Tat ein Parenthese, nur mit einem ganz anderen Ausgang, nämlich wie im Vorbilde die Nationen im Buche Daniel und wie es die Propheten weissagen. Die paulinischen Endzeitbriefe und die Sendschreiben machen deutlich, daß die Kirche der "Nationen" gefallen und dem Gericht der Welt verfallen ist. Genau genommen begann die "Kirche", soweit sie von den "Nationen" dargestellt wird, nicht am Pfingsttage, sondern viel später durch das Zeugnis Pauli. Ihre Gründung liegt nicht in Jerusalem, sondern in Antiochien. In der dritten und letzten Gemeindeepoche wird das gesamte gemeindliche Gedankengut des Apostels Paulus, das die "Nationen" sich angeeignet, aber mißbraucht haben, nach "Zion" zurückgebracht. Allein dies erfordert geistliches Verständnis. Denn das Israel des neuen Bundes ist ein himmlisches Volk, "ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum" (1.Petr.2,5). Die Apostel Petrus hat später die gleiche geistliche Sicht vom neuen Bundesvolk wie Paulus, er begreift, was viele Christen heute nicht einmal verstehen, daß "Gott keinen Unterschied macht zwischen uns (Juden) und ihnen (Nationen), indem er durch den Glauben ihre Herzen reinigte" (Ap.15,9). Wie im Anfang der Kirche wird auch am Ende ein Nicht-Volk ein Volk Gottes, "so viele irgend der Herr, unser Gott,  herzurufen wird" (Ap.2,39). Dieses wiederhergestellte Israel vereinigt alle Kinder Gottes in der heiligen Stadt, dem himmlischen Jerusalem. Zunächst müssen wir uns jedoch mit dem Fall Babylons beschäftigen, von dem auch wir als Kinder Gottes betroffen sind.

Einst war Israels Fall der "Reichtum der Welt, und ihr Verlust der Reichtum der Nationen" (Röm.11,12). Die "Nationen" hatten einen herrlichen Anfang gemacht, aber sie blieben nicht an der Güte. In Paulus hat ihnen ein großer "Herold und Apostel und Lehrer der Nationen" gedient (2.Tim.1,11). Seine Briefe haben noch die Ausrichtung nach "dem Berge Zion und der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen  Jerusalem", er lehrte die Nationen die Miteinverleibung in den Leib Israel, sie waren Miterben geworden und hatten mit Teil an den Verheißungen Israels. Der Apostel zeigt den Christen in Rom an dem Bilde des Ölbaums, daß sie durch den Glauben an Christum in Gottes auserwähltes Volk eingegliedert sind und vollen Anteil haben an den Segnungen des neuen Bundes. "Freuet euch, ihr Nationen, mit Seinem Volke" (Röm.15,10). Er warnt sie zugleich auch vor dem Fall: "Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich, denn wenn Gott der natürlichen Zweige nicht geschont hat, daß er auch deiner etwa nicht schonen werde" (Röm.11,18-21). 

Entgegen der Warnung des Apostels verselbständigen sich die "Nationen" und gründen in Unkenntnis, jedoch nach der Vorsehung Gottes, die Babylonkirche. Der Anfang von Babylon liegt in dem Fall Ephesus, noch greifbarer in Thyatira. Gott geht nun neue Wege mit Seiner Gemeinde und gibt das Zeugnis anderen, wie es im ersten Sendschreiben angedroht ist. In Babylon angekommen, bahnt sich eine neue Entwicklung an. Die Verbindung zum Volke der Heiligen reißt ab, die Beziehung zum Alten Testament geht verloren. Babylons Bibel beschränkt sich nunmehr auf das Neue Testament, teilweise beschäftigt man sich nur mit den Evangelien oder den Briefen. Es tritt nun das Umgekehrte ein, daß die Welt unter dem babylonischen Lebensbaum Schutz und Nahrung findet (Dan.4,12). Das macht schlechthin die Kirchengeschichte aus. So ist auch heute Babylon wieder aktuell geworden, nun aber als Mittelpunkt und Sammelplatz des Evangelikalismus - Neubabylon. Da evangelikalen Christen meist das geistliche Verständnis der Propheten fehlt, - sie sind es nie gelehrt worden -, erscheint ihnen Babylon als etwas Fremdes, sehr fern, zumal hier zum erstenmal im Neuen Testament das Wort Babylon als ein geistliches System erwähnt wird. Das Geheimnis Babylon ist aber schon in den Sendschreiben wirksam.

 Die "Nationen"-Christen haben sich immer gegen eine Identifizierung mit Babylon gewehrt. Jede Kirche oder Gemeinde schiebt das Urteil auf die anderen. Und doch kommen wir nicht umhin, uns, ob frei oder gefangen, positiv oder negativ eingestellt, in Babylon wiederzufinden und uns der zweiten Engelsbotschaft zu stellen: "Gefallen, gefallen ist Babylon, die große...". Davon sind alle, die sich Christen nennen, betroffen. "Wir, die Nationen", müssen, so demütigend es ist, zur Babylonkirche von ihrer Entstehung her zuerst einmal eine positive Einstellung gewinnen, um ihren Fall zu begreifen. Wir dürfen Babylon nicht gleich verdammen oder beleidigt sein, wenn wir damit in Verbindung gebracht werden. Ursprünglich war sie keine Hure, sondern eine Jungfrau (Jes.47,1). Ist ihr doch offensichtlich das Reich Gottes und Königtum Jesu übergeben, sie sorgte als Weltkirche für eine weltweite Verbreitung des Evangeliums. Und nicht zu vergessen, ihr haben große Gottesmänner gedient, und solange war die Babylonkirche ein Segen für die Welt. Ein Hauptanliegen der "Könige" Babylons war immer das Reich Gottes, Gemeindewachstum, die Welt für Christus zu erobern. Das war gut und wichtig, obgleich die angewandten Mittel nicht immer heilig und richtig waren. Der Name Christi sollte in der ganzen Welt kundwerden. Das war der Zweck, weshalb Gott überhaupt Babylon das Königtum übergeben hat. Qualitativ ist es nicht das, was unsere Väter besaßen und wie sie zeugten, schon gar nicht, was zur Zeit der Apostel bestand. Das Christentum des Neuen Testaments hat die Heidenkirche ja nie erreicht und kann sie als solche ohne geistliches Verständnis und Heiligkeit nicht erreichen. Auch dieserhalb ist die Kirche nicht zu verurteilen. Gott bekennt sich zu dem schwächsten und ärmsten geistlichen Zustand, aber Gesetzlosigkeit ist Ihm ein Greuel. 

 

Der große Abfall

Bedenklich ist die Wandlung in sittlicher und moralischer Hinsicht. In den letzten Jahrzehnten hat in der Babylongemeinde ein Abfall stattgefunden, wie es einen solchen Abfall in der fast 2000jährigen Kirchengeschichte nicht gegeben hat. Dieser wurde beschleunigt durch das Aufkommen anderer Mächte, die durch eine gezielte Wertezerstörung eine rasche Entchristlichung der Gesellschaft bewirkten. Diese Entwicklung, die auch den großen Abfall in der Kirche anbahnte, ist augenscheinlich an dem beängstigenden Menschenbild, das Nebukadnezar im Traume sah, vorgebildet: "Dieses Bild, sein Haupt war von feinem Golde; seine Brust und seine Arme von Silber; sein Bauch und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen; seine Füße teils von Eisen und teils von Ton" (Dan.2,31-45). Nach der Lehre des Epheserbriefes sollte der Leib zu dem Haupt hinwachsen, "zum dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus". Allein die tatsächliche Entwicklung verlief schon bald nach dem Ableben der Apostel entschieden abwärts. Durch die Reformation und den Pietismus, durch die Gemeinschafts- und Brüderbewegung fand bis zu einem gewissen Grade eine Wiederherstellung statt. Die Rechtfertigungslehre und das Gemeindeverständnis war von feinem Golde göttlicher Wahrheit und Gerechtigkeit. Man legte ein sehr hohes, goldrichtiges Bekenntnis zum Evangelium ab, aber die Liebe zu Ihm, dem Haupte und den Gliedern Seines Leibes, war nur Silber, wenngleich die Arme sich eifrig in christlicher Liebestätigkeit betätigten. Dabei waren der Bauch und die Lenden von Erz waren bald zu einer irdischen Gesinnung herabgesunken, so daß "ihr Gott der Bauch und ihre Ehre in ihrer Schande ist" (Phil.3,19). Das Erz der griechischen Philosophie hatte schon früh die Theologie hervorgebracht, so daß aus dem Christentum eine Religion wurde.

Allein dem Evangelikalismus blieb es vorbehalten, dem Traumbild eine letzte Erfüllung nach unten zu geben. Ein goldwertes Glaubensbekenntnis, fundamentalistisch, die Inspiration und Autorität der Bibel wird anerkannt, das sündlose Leben Jesu, Seine jungfräuliche Geburt, leibliche Auferstehung und Himmelfahrt usw., alles drin, außer die Absonderung von der Welt, denn sie wollen die Welt durch Weltanpassung verändern. Elementaren Begriffen wie Buße und Bekehrung, Heiligkeit und Gottseligkeit usw. gab man im evangelikalen Babylon eine neue Sinndeutung, die den Geist der Welt verrät. Hier wird auch ein auffallender Mangel an biblischer Lehre und geistlichem Verständnis kund. Die Bibelbetrachtung bewegt sich nur an der Oberfläche. Eine gewisse Morallehre ist vorhanden, aber eine totale Unkenntnis über den Glaubenskampf, der im Rausch der Gefühle auch nicht geübt wird.

Im freien Babylon hat sich allmählich das Gottesbild verändert. Gott ist nicht mehr der gerechte und heilige Gott, sondern der liebe, zärtliche Vater. Diesen selbstgemachten "Bel" braucht man nicht zu fürchten, er straft nicht den Ungehorsam und richtet nicht die Sünde. Man tut so, als ob man immer noch das Glaubensgut der Gründer treu verwalten würde, aber der Wandel, der in Schenkel und Füßen bildlich dargestellt ist, ist Eisen und Ton, einesteils gesetzlich mit sozialen Forderungen, aber ungerecht und gewalttätig; andererseits gesetzlos, unmoralisch und sittenlos schmutzig wie der Ton. Der Wert dieses babylonischen Menschenbildes wird nach unten ganz erheblich geringer, die Härte und Zerbrechlichkeit aber nehmen zu. Das Traumbild Nebukadnezars ist das Bild des Abfalls der Nationen, damals wie heute unter dem höchsten Bekenntnis. Es ist das Bild der Gesetzlosigkeit, des Menschen der Sünde, der einmal in der Rechtfertigung stand, aber abgefallen ist und ins Verderben geht.

Als das Tier heraufkam und ihm ein goldenes Bild in Babylon, nämlich das neue Gemeindebild, gemacht wurde, war es um Babylon geschehen. Statt an den kommenden Abfall und den Antichristen zu glauben, hat Babylon nur sich selbst verherrlicht und rechnet nicht mehr mit dem Gericht. Ein Engel verkündet nun mit lauter Stimme, daß die Babylonkirche gefallen ist, sehr tief gefallen durch ihren Götzendienst und durch ihre Hurerei. Nicht wegen ihrer Beziehungen zur Welt, in der sie die Politik und Kultur mitgestalteten will, wird sie gerichtet. Das gehört zum Wesen Babylons, auch zu ihrer Theologie. Babylon hat immer die christlichen Werte und Ordnungen verteidigt, wenigstens nach außen hin. Jetzt aber gibt sie das alles auf und buhlt um die Gunst der Welt, ja gibt sich preis wie eine Hure. Mit ihrem Liebeswein hat sie alle "Nationen" berauscht, darum sie sind so närrisch geworden in Bezug auf Weltanpassung und Weltseligkeit, um Weltgeltung zu erlangen. Durch Großveranstaltungen soll das Christentum wieder gesellschaftsfähig werden. 

Um die Welt zu gewinnen, soll ihr alles geboten werden, was der moderne Mensch liebt und wünscht.. Um das zu ergründen, mußte der Markt erforscht werden, wurden marktstrategische Idee angewendet n. unter starker Verwendung der Psychologie. Hier werden ernorme Mengen an Zeit und Kraft aufgewendet, um in den Künsten, Musik, Schauspiel usw. Weltqualität zu bieten. Wichtig ist ständige Abwechslung, damit es den Zuschauern nicht langweilig wird. Auf den babylonischen Evangelikalismus paßt das Wort: "Allen Huren gibt man Geschenke; du aber gabst deine Geschenke allen deinen Buhlen, und du beschenktest sie, damit sie von ringsum zu dir kämen, um Hurerei mit dir zu treiben. Und es geschah bei dir das Umgekehrte von den Weibern bei deinen Hurereien, daß man dir nachhurte" (Hes.16,33-34). Das hat Rom nicht getan. Es blieb der evangelikalen Babylongemeinde vorbehalten, den Hurenlohn der Welt anzubieten statt ihn zu fordern. Damit überhaupt jemand kommt, mußte die Kirche zum Kaufcenter, das Gemeindehaus zum Kino umgebaut werden - und ist jetzt ist es ein Bordell geworden, wo jeder mit jedem geistliche Hurerei treibt, um das erlebnissüchtige und spaßorientierte religiöse Publikum zu befriedigen. Dazu bedarf es der Schauspielkunst, um den Gottesdienst "dynamisch und kreativ" zu gestalten. "Ein ganzes Heer von Kabarettisten, Jongleuren, Clowns, Pantominen, Tänzern, Theaterleuten, Show-Magiern, Puppenspielern, Aktionskünstlern und natürlich Musikern zieht durch die christliche Szene, um neuen Wind in Gottesdienste und Veranstaltungen zu bringen. Dem Evangelium Fernstehende sollen mit dieser Masche angesprochen werden, um sie so für ein Leben mit Christus zu gewinnen" (Topic). Dazu schmeckt der charismatische Weingeist, in dem keine Wahrheit ist; wer ihn trinkt, redet Unsinn und erscheint auch körperlich wie betrunken, ja fällt womöglich um.

Die Babylonchurch macht vor allem die Jugend betrunken mit dem Wein ihrer Hurerei. Sie wollen Musik und Spaß, und die Kirche trägt den Wünschen des Publikums voll Rechnung. Die Vorprogramme werden immer länger und die Predigt immer kürzer. Es soll jetzt der Welt gezeigt werden, daß Christsein nicht Weltabgeschiedenheit, Enthaltsamkeit, Verzicht, Mühe, Kampf, Leiden bedeutet, sondern Erfolg, Genuß, gutes Gefühl, Glück, Vergnügen, Spaß. "Kommet her, ich will Wein holen, und laßt uns starkes Getränk saufen; und der morgende Tag soll wie dieser sein, herrlich über alle Maßen!" (Jes.56,12).

 

Menetekel

Über Babylon, "die große, die mit dem Weine der Wut ihrer Hurerei alle Nationen getränkt hat", steht das Menetekel wie beim Festmahl Belsazars (Dan.5). Der König Belsazar war mit der ganzen Herrlichkeit und Macht seines Vaters Nebukadnezar bekleidet worden, welchem nach seiner Bekehrung ausnehmende Größe zuteil geworden war. Sein Sohn setzt dieses alles wieder aufs Spiel, indem er sich mit seinen Gewaltigen an seiner Größe und Herrlichkeit berauscht. Dabei läßt er die goldenen und silbernen Gefäße herbeibringen, welche sein Vater aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte (V.1-4). Die Gefäße waren das Eigentum Israels. Die Nationen sollten sie vorübergehend verwahren, keineswegs aber benutzen, um Wein daraus zu trinken, wie es Belsazar dann in götzendienerischer Weise tat. "Sie tranken Wein und rühmten die Götter von Gold und Silber, von Erz, Eisen, Holz und Stein" (Dan.5,4). Da erscheint eine geisterhafte Hand und schreibt an die Wand: "mene, mene, tekel upharsin".

In der Botschaft des zweiten Engels steht das Menetekel über dem Gegenbild, dem Babylon der Offenbarung. Menetekel bedeutet: "Gezählt, gewogen und zu leicht erfunden". Wem gilt heute diese Schrift? Die Katholische Kirche hat ihr Menetekel in der Reformation gehabt. Sie erweist sich heute sogar moralischer als die Evangelische Kirche, an der es ebenfalls nichts mehr zu zählen, zu teilen und zu wiegen gibt.  Beide haben das Königtum längst verloren, ihre Macht als Meinungsfaktor in der Welt ist vorbei.  Auf der Wage des Heiligtums werden die gewogen, die das Königtum von Gott anstelle jener bekommen haben, nämlich "Wir, die Evangelikalen". Wer bekennt das allgemeine Königtum und Priestertum und rühmt sich dessen heute mehr als evangelikale Christen? Aber entsprechen sie dem Gewicht der Sendschreiben? Eine Selbstprüfung würde sofort allen klar machen: Zu leicht erfunden. Doch gerade jetzt glauben sie mit ihrer neuen Gemeindestrategie und -struktur eine nie gekannte Herrlichkeit und Größe zu erlangen und Gottes und der Welt Beifall zu finden. Und was nicht auf missionarischem Wege zum Erfolg führt, soll mit politischen und anderen fragwürdigen Mitteln erreicht werden. Die Devise heißt: "Der Zweck heiligt die Mittel" (Pragmatismus), wobei die Zusammenarbeit aller Konfessionen angestrebt wird, vor allem mit dem Judentum. Großbabylon ist multireligiös.

Über dem babylonischen Evangelikalismus schwebt das Damoklesschwert: "Gott hat dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende". Der Grund ist der Frevel mit den kostbaren Heilswahrheiten in ihrem unnüchternen Zustand. Dabei werden die Heiligen immer mehr an die Seite gedrängt und für sektiererisch erklärt. Dazu kann Gott nicht schweigen.  Auf der anderen Seite hat man das weltliche Israel als Gottes auserwähltes Volk proklamiert, glorifiziert und entsprechend hoffiert, obwohl Gott in keinster Weise Sein Siegel auf die gedrückt hat, die nicht an Seinen Sohn, Jesus Christus, glauben, daß sie Sein sind. Das muß Gott wieder klarstellen, denn der HERR Jesus hat gesagt: "Wer nicht glaubt, wird verdammt werden" (Mark.16,16). In Babylon sieht man die Dinge anders. 

Diese Sichtverschiebung, was Gottes Volk und was ungläubige Welt ist, liegt in den geistlichen Bewegungen des 19. Jahrhunderts (Brüderbewegung) begründet, wo die Weichen prophetisch falsch gestellt wurden, indem man die Kirche nicht mehr als geistliches Israel nach dem Neuen Bund verstand und Israel als irdisches Volk Gottes bezeichnete.  Wo das lehrmäßig bislang nicht der Fall war, z.B. in den meisten Allianzgemeinden, wurde es bei der Gründung des Staates Israel nachgeholt, als man meinte, dieses politische Ereignis sei ein prophetisches Zeichen. Es war das Zeichen der falschen Propheten, "sie haben ihre Zeichen als Zeichen gesetzt" (Ps.74,4), indem sie den ganzen Einpfropfungsprozess am Ölbaum der Verheißungen Israels umkehrten. Dieser Befürchtung gibt der Apostel bereits im Brief an die Römer Ausdruck.

An dem Festmahl Belsazars können wir im Bilde sehen, was tatsächlich geschehen ist. "Belsazar machte seinen tausend Gewaltigen ein großes Mahl, und er trank Wein vor den Tausend...".  Wein ist ein Bild der Freude, und die Nationen sollten sich freuen mit Seinem Volke über die Fülle des Segens Christi  (Röm.15,10). Zugleich ermahnt der Apostel die Nationenchristen, sich nicht über Israel zu erheben, sondern an der Güte zu bleiben: "Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich" (Röm.11, 20). Bedenkt, daß die geistlichen Segnungen, deren ihr jetzt mitteilhaftig geworden seid, Israels rechtmäßiger Besitz war und bleiben wird. Macht aus den empfangenen geistlichen Vorrechten kein Freudenfest, als gehörten sie euch allein, sondern seid nüchtern und lernt den Glaubensgehorsam. Bringet ein Opfer, indem ihr "eure Leiber darstellet als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt..." (Röm.12,1-2). Und wandelt anständig, "nicht in Schwelgerei und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifung..." (Röm.13,13).

Das waren also die Mahnungen, die der Nationenapostel den Heidenchristen mit auf den Weg gab. Schon muß er die Korinther tadeln, weil sie sich des Reichtums an Erkenntnis rühmen, als wäre dieser ihr geistiges Produkt. War es ihnen doch nur zur Verwaltung anvertraut. "Schon seid ihr gesättigt, schon seid ihr reich geworden; ihr habt ohne uns geherrscht" (1.Kor.4,7-8). In unserer Zeit kommt noch ein weiteres Menetekel hinzu: Eine ganz neue Lehre ist aufgestellt worden, die Israel vom universalen Heil in Christus ausschließt. Wie das Mahl Belsazars ein Fest ohne Juden war, nicht einmal Daniel war geladen, so halten heute auch die "Nationen" Festfeier ohne Gottes Israel, als gehöre Israel nicht zum Leib Christi. Da ist etwas umgekehrt worden. Die "wilden Zweige" haben offenbar vergessen, daß sie aus Gnaden in den edlen Ölbaum der Verheißungen Israels eingepfropft worden sind, so daß sie meinen, Israel müßte bei ihnen eingepfropft werden. Diese Verdrehung der Apostellehre wirkt sich dahin aus, daß sie weder zu Israel als "Volk der Heiligen", wie es in Daniel 7 genannt wird, noch zu der heiligen Stadt, dem "Jerusalem droben, welches unsere Mutter ist" (Gal.4,26), einen innerlichen Bezug haben. Damit sind die Hauptsätze paulinischer Gemeindelehre verleugnet. Denn Paulus lehrt die Einverleibung der Nationen in Israel, und nicht etwa zwei unterschiedliche Heilskörper oder getrennte Heilsveranstaltungen. In Babylon wurde eine ganz neue Theologie der "Nationen" begründet, die es vorher nicht gab. Keiner der apostolischen Väter, der Kirchenväter und Reformatoren- hat solches gelehrt. In der babylonisch-dispensationalistische Prophetie hat Israel nur noch einen untergeordneten Platz, den irdischen, während Babylon sich selbst den höchsten gab, den himmlischen. Viel anders dachte auch Belsazar nicht, dessen Geschichte zum Vorbild für die "Nationen" des Bekenntnisses aufgeschrieben ist. Er hielt von Israel nicht mehr, als was die Kirche jahrhundertelang von den wahren Heiligen gehalten hat. Heute ist es umgekehrt, man bekennt sich zu Israel, aber das falsche, und feiert mit Israel, aber ohne die wahren Juden; die Israeleuphorie hat viele in einen Rausch versetzt. Trotz der neuesten negativen Entwicklungen im Staate Israel sind sie immer noch nicht ernüchtert worden, daß dort nicht das "Land der Verheißung" und die "heilige Stadt" ist. Abraham, der Vater Israels, erwartete "die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist" (Hebr.11,10).

Solange ist es also noch gar nicht her, daß man die kostbaren Gefäße "aus dem Tempel zu Jerusalem", das sind die Segnungen Israels und die gewissen Gnaden Davids, hervorgeholt hat und mißbraucht. Die "Nationen" sind seit der Staatsgründung Israels wie betrunken vom Liebeswein Babylons, so daß sie nicht mehr klar sehen und gerade wandeln können. In ihrer Unnüchternheit verwechseln sie Babylon mit Jerusalem. Von daher ist es zu verstehen, daß sie fälschlicherweise die für Juden halten, die, wie in der Offenbarung bereits mehrfach festgestellt wurde, gar keine sind. Andererseits rühmt man sich der himmlischen Dinge, die man dem wahren Israel der Heiligen streitig macht.

Dieser Irrtum wäre mit der Unwissenheit der "Heiden" zu entschuldigen, wenn sie nicht die heiligen gottesdienstlichen Gefäße mit ganz anderen Inhalten gefüllt hätten, indem sie in die göttlichen Heiligkeitsbegriffe einen fleischlichen, weltlichen Sinn hineinlegen. Über biblische Ordnungen und gute Sitten macht man sich heute lustig, nichts ist ihnen mehr heilig, der Rest von Gottesfurcht ist abgelegt. Sie sind "frei vom Gesetz", nämlich gesetzlos wie Belsazar. Das gerade bringt sie in Hochstimmung im Gottesdienst, den sie selbst als "anderen Gottesdienst" bezeichnen. Zu allem Frevel rühmen sie ihre Götter, abtrünnige Menschen, die sie zu Göttern erhoben haben und verherrlichen. Freilich ist sind ihre Götter von unterschiedlichem Wert, und was für die einen gewisse goldene und silberne Götzen bedeuten, hat vielleicht für andere nur steinernen und hölzernen Wert. Alle aber setzen Menschen und Menschenwerk anstelle Gottes und Christi, "welcher gepriesen ist in Ewigkeit" (Röm.1,25).

Menetekel - das Buch der Offenbarung selbst ist die geheimnisvolle Schrift, welche die "Nationen" weder richtig lesen noch deuten können, weil es geistlich betrachtet werden muß, was ohne die Vorbilder im Alten Testament nur in willkürliche Deuterei ausartet, wie alle ihre Auslegungen dieses Buches beweisen. Hier wird offenkundig, daß ihnen der geistliche Bezug zum Alten Testament fehlt, denn es fehlt ihnen der Geist, welchen Gott nur denen gibt, die Ihm gehorchen. Gott hat sich der Hand des Sehers Johannes bedient, um das geheimnisvolle Buch zu schreiben. Wir müssen den Geist Daniels haben, das ist den Geist der Weissagung, um das Geheimnis Babylon zu verstehen.

Wenn das Gericht an Babylon vollzogen wird, womit sich die Kapitel 17 und 18 der Offenbarung beschäftigen, wird Gott Seine Knechte, die wahren Söhne Israels, aus der Vergessenheit wieder hervortreten lassen und zu Ehren bringen. Für Babel und seinen König war die Erhöhung Daniels zu spät: "In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer getötet." Inzwischen ist durch die zweite Engelsbotschaft auch das Ende des Königtums der Nationen im Gnadenbekenntnis besiegelt. Denn "Gott hat Macht geübt mit seinem Arm; er hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht" (Luk.1,51-55).

 

 

 

Die dritte Engelsbotschaft (14,9-12)

- Der Wein des Grimmes Gottes -

 

Ein dritter Engel richtet mit lauter Stimme eine letzte Warnung an die ganze Menschheit unter der Tierherrschaft: Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine rechte Hand, so wird er auch trinken von dem Weine des Grimmes Gottes...

Wer von dem Weine Babylons getrunken hat, wird auch von dem "Weine des Grimmes Gottes, der unvermischt in dem Kelche seines Zornes bereitet ist", trinken müssen. Der Wein Babylons berauscht, der Wein des Grimmes Gottes ist eine Radikalkur zur Ernüchterung. Wie der Zorn des Lammes sich über die Gemeinde Gottes ergoß, haben wir bereits in den Kapiteln 6-9 gesehen. Nun aber "spricht der Herr, dein Gott, der die Rechtssache seines Volkes führt: Siehe, ich nehme aus deiner Hand den Taumelbecher meines Grimmes; du wirst ihn hinfort nicht mehr trinken. Und ich gebe ihn in die Hand deiner Peiniger..." (Jes.51,22+23).

Was das Tier, Bild und Malzeichen ist, haben wir bei der Betrachtung des 13.Kapitels ausführlich betrachtet. Wir sind auf jeden Fall gewarnt. Die dritte Engelsbotschaft ist wie die beiden vorigen eine ernste Predigt an Babylon und seine Bürger; sie schließt auch die Gläubigen mit ein. "Wenn jemand...", sagt die laute Stimme aus dem Himmel für jedermann hörbar. Die Gerichtsdrohung gilt ausnahmslos jedem, der...", dem Christen zuerst als auch dem Nichtchristen. Vor allem Christen werden gewarnt, sich nicht mit dem Tier einzulassen, weil das ernste Folgen nach sich zieht. Eine Zuschauerbühne gibt es nicht in der Tierszene, alle sind beteiligt am Geschehen, sind vor die Entscheidung gestellt, ob sie mitmachen wollen oder sich lieber von der Tierveranstaltung und seinem Bild distanzieren, um den qualvollen Folgen zu entgehen.

Es macht keinen Unterschied, ob jemand den Geist des Tieres hat (Stirn) und es anbetet, oder nur formell mitmacht und mitläuft. Wenn er da mittut (Hand), was alle Tieranbeter tun, vielleicht aus Angst vor Nachteilen, oder aus Furcht vor Schmach und Verfolgung - er steht unter dem Zorne Gottes und wird den Kelchbecher des Grimmes Gottes leeren müssen.

Warum der glühende Zorn über die Tier- und Bildanbetung, wie er in dieser Engelsbotschaft zum Ausdruck kommt? Das Tier propagiert eine Weltanschauung bzw. Ideologie, die der biblischen Sicht und dem Urteil Gottes über die gottlose Welt und den sündigen Menschen vollkommen widerspricht. Viele Menschen werden durch diese Ideologie verführt und sehen nicht ihre Verlorenheit und Erlösungsbedürftigkeit, werden somit um das wahre Heil betrogen. Deshalb muß ihnen der Zorn Gottes verkündigt werden.

Dem religiösen Bild des zweiten Tieres liegt ein falsches Christus- und Gemeindebild zugrunde, ganz entgegen der Lehre der Apostel. Das reizt Gottes Zorn noch mehr, weil es das Bild Seines Sohnes und Seiner Gemeinde mit der Bibel verfälscht und dies als Urbild ausgibt.

Gott tadelt nicht, daß jemand in Babylon hineingekommen ist, aber Er droht ihm mit der äußersten Strafe, wenn er dort dem Tiere dient und vor seinem Bild sich beugt. Das muß niemand, dazu ist niemand gezwungen, denn das Evangelium ist eine Kraft Gottes, so daß man dem Tiere widerstehen und es überwinden kann. Gefordert wird nur eine sich auf keinen Vergleich einlassende Festigkeit und gleichwohl Stillesein. Es wird am Tage des Zornes keine Entschuldigung gelten, man hätte sich anpassen müssen, um der Kinder willen nachgegeben usw. Wie in der Zeit des Nationalsozialismus, als das Volk der Reformation auch ein Bild anbetete; viele Christen haben die Hand zu einem "Heil" erhoben und mit dem antichristlichen Nazi-Staat Kompromisse gemacht. Das war nur das Vorspiel zum letzten Auftritt des Tieres. Zuletzt wird es nicht so glimpflich abgehen. 

Der Engel sagt hier noch nicht, wie dieses Gericht aussehen wird, aber es wird "Zorn und Grimm, Drangsal und Angst sein über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt..., denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott" (Röm.2,8-11). Er fragt dann nicht mehr nach dem Bekenntnis und Glauben, bekehrt oder unbekehrt, gläubig oder ungläubig, sondern wie verhieltest du dich dem Tier und seinem Bild gegenüber. "Wenn ihr euch mit der Welt einlaßt, werdet ihr auch mit der Welt gerichtet werden" (J.N.Darby).

Die Warnung des Himmelsboten widerspricht total jener babylonischen Lehre, die behauptet, ein Gläubiger könne nicht abfallen und daher nicht verlorengehen. Seine Wiedergeburt sei unantastbar, er sei mit dem Heiligen Geiste versiegelt, und dieses Siegel könne keine Macht brechen, weder Satan noch der einzelne Gläubige selbst; er habe ewiges Leben und gehe nicht verloren ewiglich, ganz gleich wie sein Wandel aussehe, denn niemand und nichts könne ihn von der Liebe Gottes scheiden, kurz, ein Kind Gottes könne seine Gotteskindschaft, sein Errettetsein, sein Heil in Christo niemals und unter keinen Umständen verlieren, auch wenn es die größte Sünde beginge. Darauf berufen sich die Bilddiener, indem sie die Verheißungsworte, die nur für die Treuen und Gehorsamen gelten, für sich in Anspruch nehmen, die Warnungen vor dem Abfall und die Gerichtsdrohungen ignorieren oder auf Ungläubige abwälzen. Auf diese Weise wird dem Tiergeist Tür und Tor geöffnet, so daß viele sein Malzeichen unbedenklich annehmen und nicht die Folgen bedenken. Aus dieser falschen Sicherheit will die Botschaft aufschrecken.

Nicht nur die Offenbarung spricht von der Möglichkeit des Abfallens; bereits mit dem Verlassen der ersten Liebe beginnt der Abfall (2,5). Zahlreiche Stellen in den Briefen, besonders eindringlich im Hebräerbrief, warnen, daß "nicht etwa in euch ein böses Herz des Unglaubens sei in dem Abfallen vom lebendigen Gott". Es gibt ein "furchtvolles Erwarten des Gerichts" für Gläubige, die "mit Willen sündigen"; "es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebr.3,12; 10,26-31). Das sind Warnungen, die nicht nur die Ungläubigen betreffen, "denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer" (Hebr.12,29). Das muß gerade in Babylon bezeugt werden, wo sich viele für bibeltreue Christen halten und es nicht sind, weil sie Gott nicht fürchten und Sein Wort nicht ernst nehmen.

Gottes Zorn ist auch auf denen, die nicht an Seine Verheißungen glauben, wie das Beispiel Israels in der Wüste zeigt. Sie haben sich von ihrem alten Leben abgewandt und in Babylon einen Gemeindeplatz gefunden, glauben aber nicht an Gottes Macht, daß Er einen Weg und eine Hilfe für sie hat, um das Tier zu überwinden und sie an das Ziel, in die verheißene Ruhe in Christus zu bringen. Das ist bei vielen babylonischen Christen das Hauptproblem. Sie glauben meist an die historischen Heilstatsachen, an die Vergebung usw, aber sie glauben nicht an den Sieg Christi, Der die Welt überwunden hat. Die Schrift nennt sie Abgefallene, "welche einmal erleuchtet waren und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters, und abgefallen sind...". Sie standen vielleicht einmal gut und waren fruchtbar, aber sie blieben nicht im Glauben an die Verheißung Gottes und wurden deshalb "unbewährtes Land, das dem Fluche nahe ist, und sein Ende ist die Verbrennung" (Hebr.6,4-8). 

Noch ein anderer Grund scheint in höchstem Maße Gottes Zorn zu erregen. Die Tieranbeter und Bildbegeisterten verfolgen die Heiligen. Jesus kennt keinen Unterschied zwischen Sich und den Seinen; wer die Heiligen antastet, tastet den Augapfel Gottes an. Jeder, der das tut oder sich daran beteiligt, wird mit Feuer und Schwefel gequält werden.

Für die Diener des Tieres steht ein Feuerofen bereit von Dem, "der sein Feuer in Zion und seinen Ofen in Jerusalem hat" (Jes.31,9). Von hier aus kommt wieder das prophetische Wort voll zur Anwendung, indem Gott mitwirkt durch allerlei Plagen, welche die Menschen in der Seele quälen, wenn das Bild zermalmt wird und die Herrschaft des Tieres zerstört ist. Dabei wird ihnen heiß werden, insonderheit durch die Weissagungen über Babel (Jes.13 und 50-51) und die Nationen, wie den Assyrer (Jes.10), Tyrus (Jes.23; Hes.26-28) und Ägypten (Hes.29-32), Edom, Moab etc., alles in geistlicher Anwendung auf die babylonischen Bildanbeter, "klarer Wein" der Wahrheit, Feuer und Schwefel für die Seele. Das wird zu einer ganz persönlichen Bußpredigt und Bußübung; und er wird gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamme.

Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wer die Bußpredigt nicht annimmt, geht in die ewige Pein. Und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt. Hier haben wir wieder die drei Personengruppen, die jedoch auf einer Stufe stehen und dieselben Qualen im Feuer leiden. Tierdiener und Bildanbeter sind hier gleichgestellt. Erstere mögen Atheisten sein, letztere religiös - vor Gott macht das keinen Unterschied. 2.Thess.1,8

 "Tag und Nacht" weist auf eine zeitliche Unruhe hin, die ein Ruhefinden in Christus offen läßt. Denn die, welche sich abwenden von dem babylonischen Kult und zu Jesus kommen, werden "Ruhe finden für ihre Seelen" (Matth.11,28). Das Wort gilt, solange es Menschen auf der Erde gibt.  

Schon bei der Tier- und Bildanbetung an sich haben sie keine Ruhe, weil sie keine Ruhe im Gewissen haben. Ein böses Gewissen ist eine Quelle beständiger Unruhe. Erst wenn Gott das Gewissen anspricht, beginnt eine heilsame Unruhe und Qual, die durch die Gnade, wer sie annimmt, beendet wird.

Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes halten und den Glauben Jesu. Hier treten wieder die Freunde Daniels vor uns, die mehr das Feuer Gottes fürchteten als den Feuerofen Nebukadnezars. Sie wurden in den brennenden Ofen geworfen, weil sie sich nicht vor dem goldenen Bild niedergebeugt hatten. Besser der Menschen Zorn mit Ausschluß und Gefängnis, als Gottes Zorn, "Der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle" (Matth.10,28). Das Ausharren der Heiligen mag durch den babylonischen Bilderdienst auf eine schwere Probe gestellt werden, ihnen mag der Ausschluß und das Gefängnis drohen, man mag ihnen die Errettung und das ewige Leben absprechen, aber sie wissen, daß Gott sie erretten wird, wie Er auch jene drei Freunde aus der Hand Nebukadnezars errettete. Wer die Gebote Gottes bewahrt, wird Seine Gemeinschaft haben, auch im Feuerofen Babylons. Der "Glaube Jesu" ist jener Glaube, der über das Kreuz hinwegsieht auf die Herrlichkeit, die nach dem ganzen babylonischen Rummel geoffenbart werden wird. Dann wird Christus "verherrlicht werden in seinen Heiligen und bewundert  in allen denen, die geglaubt haben" (2.Thess.1,10).

Die Engelsbotschaft hat den Zweck, die Abtrünnigen zu warnen, aber gleichzeitig auch die Heiligen zu ermutigen, dem Tiere die Stirne zu bieten. "Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden, und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen" (Luk.6,22). Die Widersacher können unser Heil nur fördern und mehren. Als die drei Männer in den Feuerofen geworfen wurden, waren sie frei, die freiesten Leute in Babylon: alle Fesseln, alle Bindungen, alle menschlichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen fielen ab. Das wurde gesehen, und dann kam die Wende: Der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos wurde  als der wahre und höchste Gott anerkannt und Seine Knechte wurden erhöht.

 

 

Glückselig, die Toten... (14,13)

  - Eine Seligpreisung -

 

Nach der drohenden Engelsstimme hören wir auf einmal eine tröstliche, ermutigende Stimme aus dem Himmel: Glückselig, die Toten, die im Herrn sterben, von nun an! Diesmal ist es keine laute Stimme wie in den vorigen Botschaften. Trost und Verheißung müssen nicht ausgerufen werden, wo das Ohr schon auf die Stimme des Geistes eingestellt ist, wie das bei diesen "Toten" der Fall ist. Obwohl der Seher alles aufschreiben sollte, was er hörte und sah, (ausgenommen die sieben Donner - Kap.10,4), wird er hier mit Nachdruck aufgefordert: Schreibe! Vielleicht zögerte er einen Moment, weil das "Sterben im Herrn" bei dem "Bleiben im Fleische" doch schwerer ist als "abzuscheiden" (Phil.1,23.24).

Oder gilt die Seligpreisung vielleicht denen, die schon gestorben sind und den Märtyrertod erlitten haben?  Müßte es dann nicht heißen: "..., die im Herrn gestorben sind?" Ganz gewiß sind diese glückselig beim HERRn, nicht erst "von nun an". Aber wie können die Toten noch einmal sterben? Und was ist mit der Entrückung für uns, "die Lebenden, die übrigbleiben, bis zur Ankunft des Herrn"? (1.Thess.4,15). Sollte der "Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und dem Königtum und dem Ausharren in Jesu" (Kap.1,9) etwa auch zu jenen "Toten" gehören? Wir wissen, daß er einen natürlichen Tod gestorben ist.

Die Worte richten sich an die getauften Toten, die der Sünde gestorben sind, die mit Christus gekreuzigt und gestorben und also "mit ihm einsgemacht sind in der Gleichheit seines Todes" (Röm.6,1-11). Normalerweise sollte jeder getaufte Christ ein "Toter" sein, der Sünde und der Welt gestorben, "Gott aber lebend in Christo Jesu" (Röm.6, 1-11). Das ist jedoch in Babylon die Ausnahme. Die, welche den Namen haben, daß sie leben und doch tot sind (Offb.3,1), bekennen zwar die Taufe, leben aber nach dem Fleische und dienen dem Zeitgeist. Das hat zu dem großen Abfall geführt.  

Bei dieser Seligpreisung liegt immer noch die gleiche Situation der Heiligen vor wie bei den Engelsbotschaften. Die Herrschaft des Tieres, Babylon, Bild und Malzeichen haben den Heiligen viele Trübsale und Schmerzen gebracht: Weil sie sich dem Anspruch des Tieres und der Bildmacher nicht unterwerfen konnten,  mußten sie leiden. Dies liegt ganz auf der Linie des fünften Sendschreibens, des fünften Siegels und der fünften Posaune. Sie sind den Leiden nicht ausgewichen, sondern waren bereit, das Sterben Jesu am Leibe umherzutragen. "Denn wir, die wir leben, werden allezeit dem Tode überliefert um Jesu willen, auf daß auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde" (2.Kor.5,7-15). Paulus war so glücklich, daß er für Christum leiden durfte. Dadurch bekam er noch mehr vom Leben und von der Herrlichkeit Christi. Er sagt: "Ich habe Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christum" (2.Kor.12,10).

Die "Toten", welche hier glückselig geheißen werden, werden ermuntert, dem babylonischen System zu "sterben". Auch der HERR Selbst mußte dem jüdischen System sterben, denn "wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht" (Joh.10,24). Das  heißt, sie sollen sich jetzt innerlich von Babylon und all seiner Herrlichkeit, die dem Untergang geweiht ist, lösen, auch nicht mehr das System strafen, als sei daran noch etwas zu bessern. „Wir haben Babylon heilen wollen, aber es ist nicht genesen“ (Jer.51,9). Die Knechte des HERRn sollen dem Fall Babylons nicht mehr nachtrauern, sondern sich auf das zu besinnen, was danach kommt, wenn Gott Seine Gemeinde wiederherstellt. So kommen sie zu der anderen Seite des Kreuzes, "durch welches mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt" (Gal.6,14). Paulus rühmte sich des Kreuzes Christi, er wollte sagen: Ich verzichte auf die Welt, aber die Welt verzichtet auch auf mich. Wir haben uns gegenseitig abgeschrieben. Das ist das Kreuz Christi, dessen Paulus sich rühmte. Unser Amt als Warner und Wächter wird somit bedeutungslos. Erst dann ist man recht glückselig, wenn man nichts mehr gelten will, noch mehr, wenn man akzeptieren kann, daß man für andere völlig unwichtig geworden ist. Letzteres geht an die Wurzel der eigenen Geltung. Das Kreuz macht so selig und frei, wenn Menschen keine Erwartungen mehr an uns haben und wir nichts mehr von ihnen erwarten, sondern Christus alles für uns ist. 

Im Herrn sterben ist ein Prozeß, es wird als gegenwärtiges Losleiden und Sterben erfahren, bis unsere Klagen und Seufzer verstummen und wir den HERRn preisen können. Von nun an werden wir glückselig sein. "Im Herrn sterben" muß eine lohnende Sache sein, wenn den Knechten des HERRn eine große Seligkeit verheißen ist. Obschon sich noch nichts an ihrer Lage geändert hat, macht sie allein der Zuspruch aus dem Himmel glückselig.

Wie bei den Seligpreisungen in der Bergpredigt (Matth.5,1-12) geht den leidenden und arbeitenden Knechten des HERRn durch diesen himmlischen Glückwunsch ein neues Licht auf in der Finsternis. Was ihnen die Leiden und das Sterben eingebracht hat, war nicht einfach ihre passive Haltung zu dem Geschehen in Babylon. Sie haben „der Stadt Bestes gesucht“ (Jer.29,7), ihre Wohlfahrt und ihren Frieden, den andere Kräfte zu zerstören drohten. Deshalb haben sie gegen den Abfall gezeugt, sie haben Gerechtigkeit gepredigt,  im Weinberg des HERRn gearbeitet, für Gott gewirkt, gepflügt und gesät, keine Mühe gescheut im Werke des HERRn, ohne jedoch Erfolg zu sehen und die Frucht ihrer Arbeit zu genießen. Das war nicht nur entmutigend, sondern brachte ihnen auch Schmach, Spott und Hohn ein. Die Bildbegeisterten haben sie durchaus nicht beglückwünscht, sondern sagen ihnen eher herzliches Beileid, weil sie nicht mitmachen, sich nicht mitfreuen können. "Täglich sterbe ich, bei eurem Rühmen" (1.Kor.4,8-13; 15,31). Da bleibt nur das "Sterben im Herrn", um von dem Mitleid der selbstherrlichen Könige in Babylon, vor allem aber vom Selbstmitleid erlöst zu werden. Dieses Sterben ist Sieg über sich selbst, und für diesen Sieg erschallt hier ein Glückwunsch wie bei einer Geburt. In der Tat ist dies eine Geburt aus den Toten, durch die Gnade unseres HERRn Jesus Christus, des Erstgeborenen der Toten. "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Daher,  meine geliebten Brüder, seid fest, unbeweglich, allezeit überströmend in dem Werke des Herrn, da ihr wissest, daß eure Mühe nicht vergeblich ist im Herrn" (1.Kor.15,57-58).

Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihren Arbeiten (Mühen), denn ihre Werke folgen ihnen nach. Feierabend! sagt gleichsam der Geist den Arbeitern des HERRn. Denn "denen, die Gott lieben, wirken alle Dinge zum Guten mit, denen, die nach Vorsatz berufen sind". Dieses Wissen bringt Ruhe in das Herz. Sie sollen jetzt innerlich zur Ruhe kommen, sich nicht mehr vergeblich um ein verworfenes System mühen, sondern an die Freude der vor ihnen liegenden reichen Ernte denken. Bis dahin tröstet sie der Geist und verwendet sich für sie in unaussprechlichen Seufzern. "Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäß" (Röm.8,27.28).

Für den Fall, daß die Diener des HERRn darüber abscheiden und nicht mehr die Frucht ihrer mühevollen Arbeit sehen, brauchen sie nicht traurig zu sein: "Ihre Werke folgen ihnen nach". Andere werden in ihre Arbeit eintreten und die Ernte einbringen. "Denn hierin ist der Spruch war: "Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet" (Joh.4,37). Ein Beispiel der Glückseligkeit im HERRn trotz des Endes seines Dienstes gibt uns Paulus: Als ihm klar wurde, daß er noch vor der Ankunft des HERRn in Seinem Reiche abscheiden würde, befiel ihn nicht eine tiefe Traurigkeit, im Gegenteil, er war am Ende seines Kampfes und Laufes so glücklich und zuversichtlich, als ob er gerade das Schönste zu erwarten hätte. Wirklich, er wußte, "die Krone der Gerechtigkeit" liegt mir bereit; er freute sich auf die Vergeltung vom HERRn für sein Ausharren und Überwinden. Sein Gut, die reine Lehre, für die er gekämpft hatte, die Frucht seines Dienstes, seiner Arbeit und Mühe, hatte er dem HERRn anvertraut, Der groß genug war, es ihm auf jenen Tag zu bewahren und das Zeugnis weitergehen zu lassen. Es hatte also nichts verloren, er hatte nur zu gewinnen (2.Tim.1,12; 4,6-8).

 

 

 

 

 

 

 

 

Erntezeit (14,14-15)

 - Es kommt die Erquickungszeit -

 

Die sechste Botschaft unseres Kapitels bringt eine erweckliche Botschaft: Der HERR sendet Seine Engel aus, um die Ernte einzubringen. Und ich sah: und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer gleich dem Sohne des Menschen, welcher auf seinem Haupte eine goldene Krone und in seiner Hand eine scharfe Sichel hatte. Im Himmel laufen bereits die Vorbereitungen für die Erntezeit. Das Wetter ist prophetisch im Augenblick sehr günstig. Die weiße Wolke deutet auf schönes Wetter hin; die Ernte kann eingeholt werden, denn die Frucht ist reif. "Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel, denn die Ernte ist da" (Mark.4,29). Für das natürliche Auge bzw. die auf natürliche Ereignisse wartende Prophetie scheint es nicht so, denn es sind noch "vier Monate bis zu Ernte". Bei den babylonischen  Propheten ist alles ewig zukünftig. Aber Jesus sagt den Jüngern: "Hebet eure Augen auf und schauet die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte... Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten" (Joh.4,36-38). Wir können uns freuen, daß wir in der Offenbarungszeit leben. Nach den Saatzeiten des Evangeliums folgt jetzt die Erntezeit der Offenbarung. "Zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten" (Gal.6,9). Erntezeit ist Erquickungszeit.

Diese Ernte wird nicht von den "Wetterverhältnissen" in der Welt bestimmt, ob gerade die Umstände gut, oder ob die Politik günstig ist, ob die Gemeinde wach ist und die Menschen offen sind, oder ob viele Arbeiter sich dem HERRn zur Verfügung stellen. Das Gegenteil war oft der Fall. Gott hat Seinen eigenen Ernteplan, Er   bestimmt die Zeit, ja "er ändert Zeiten und Zeitpunkte", wie es Ihm in Seiner Weisheit gefällt (Dan.2,21). Deshalb sollen wir immer bereit sein, daß die Frucht zum ewigen Leben eingebracht werden kann.

Der Menschensohn auf der Wolke ist unser HERR Jesus Christus, gekrönt mit einer goldenen Krone als König der Herrlichkeit. Glückselig, wer Ihn so kennt. "Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen" (Offb.1,7). In Kap.10,1 sahen wir Ihn in der Gestalt eines Engels bekleidet mit einer Wolke, hier aber sitzt er auf der Wolke als der "Sohn des Menschen". Beide Stellen deuten den verhüllten Charakter Seiner Erscheinung als König an. Sehen werden Ihn alle, aber erkennen werden Ihn nur die Seinen, und das auch nur deshalb, weil Er sich Ihnen zu erkennen geben wird, wie Joseph seinen Brüdern (1.Mo.45,1). Die scharfe Sichel in Seiner Hand ist das prophetische Wort vom Reich der Himmel. Wo immer geerntet wurde in der Geschichte des Reiches Gottes, geschah es durch das Wort vom Reich. Wir haben das bereits bei der Betrachtung des sechsten Sendschreibens gesehen, wo Gott im Vorbild durch den Propheten Haggai den "Geist des ganzen Überrestes" erweckte; im sechsten Siegel durfte Johannes schon die Ernte sehen: eine große Volksmenge wurde eingesammelt.

Einst gebrauchte der HERR die "Worfschaufel", um die Spreu vom Weizen zu trennen (Matth.3,12). Jetzt aber ist die Zeit, die "Sichel" anzusetzen. Diese schneidet radikal alles ab, wobei nicht  zwischen Unkraut und Weizen unterschieden wird, auch nicht zwischen kleinem Halm und großem Halm, voller Ähre oder leerer Hülse. Das ganze Feld wird abgeschlagen, die Aussonderung findet in einem zweiten Verfahren statt. Schon lange wartet der Sohn auf das Startzeichen vom Vater, und auch wir warten auf den "HERRn der Ernte" und die "Vollendung des Zeitalters" bzw. das Ende der "Zeiten der Nationen". Das was Jesus in dem Gleichnis vom Unkraut des Ackers ankündigt (Matth.13,24-30; 36-43), erfüllt sich hier in der Herrschaftszeit des Tieres und  bezieht sich auf das Ende Babylons, denn davon handelt das ganze 14.Kapitel der Offenbarung.

Ein anderer Engel kam aus dem Tempel hervor und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu: Schicke deine Sichel und ernte; denn die Stunde des Erntens ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist überreif.  Wenn die Sichel angesetzt wird, ist das Ende des  philadelphisch-babylonischen Zeitalters gekommen, (die vorliegende Botschaft ist der sechste Akt auf der Linie des sechsten Sendschreibens). Die "Erde" oder das "Land" bzw. das "Reich" wird gegenwärtig von dem evangelikalen Bekenntnis- und Gemeindekreis dargestellt bzw. verwaltet.  Darunter ist im weitesten Sinne alles zu verstehen, was sich als bibeltreu bekennt und als Philadelphiagemeinde versteht. Nur hier wartet man auf das Kommen des HERRn, Der  verheißen hat: "Ich komme bald". Er kommt als König, Er kommt um zu ernten, was in der Erweckungszeit gesät wurde. Philadelphia ist ja nicht die Entrückungsgemeinde, sondern gehört zum Kreis der Nationen, zu Babylon, nicht zum neuen Jerusalem. Auch ist die Ernte nicht die Entrückung, die nicht vorher stattfindet, sondern erst dann, wenn die Braut des Lammes offenbar geworden ist. Außerhalb des evangelikalen Kreises ist überhaupt keine Frucht zu ernten, vielleicht hier und dort ein Ährenhalm.

Gott hat einen Tag, ja eine Stunde des Erntens angesetzt, an dem alle, die sich zu Seinem Reich bekennen, Stellung beziehen müssen und offenbar werden. In der Stunde des Erntens kann niemand mehr untertauchen oder neutral sein. Wohl denen, die den Samen des Wortes in einem guten und aufrichtigen Herzen aufgenommen und bewahrt haben.

Die "Stunde des Erntens" ist offenbar gekommen, denn die "Ernte der Erde" ist nicht nur reif geworden, sie ist überreif.  Lassen die Halme doch schon die Köpfe hängen, die "kleine Kraft" ist einer großen Schwachheit gewichen. Viele seufzen und klagen über den gegenwärtigen matten Zustand  der „Gemeinde Jesu“ bzw. was sich so nennt. Durch den fehlenden prophetischen Dienst sind die Seelen schwach, welk und dürre geworden. Die unsichere Prophetie, das ständige Hinausschieben der Offenbarung hat  die Herzen unruhig gemacht und beschwert. Etliche sind so sehr mit ihren Fehlern und Schwächen beschäftigt, daß sie kaum den Blick zum Himmel erheben können. Selbstanklagen, dauernd sich selbst beschuldigen und entschuldigen, ist wenig fruchtbringend, sondern macht das Gewissen krank, bis hin zu schwermütigen Gedanken. Welche Erlösung, daß dieser Zustand jetzt beendet wird, denn die Stunde des Erntens ist kommen. "Sie freuen sich vor dir, gleich der Freude in der Ernte" (Jes.9,3).

Nach dem lauten Anruf des Engels, die Sichel zu schicken und zu ernten, wird sogleich der Vollzug gemeldet: Die Erde wurde geerntet. Dabei geht es dem HERRn der Ernte nicht nur um den gestandenen Weizen, die vorhandenen Brautseelen, sondern auch um neue zu gewinnen. Das Weib am Jakobsbrunnen, die eine Hure war, ist dafür ein Beispiel (Joh.4). Auch sie war reif zur Ernte, und durch ihr Zeugnis kam die ganze Stadt in Bewegung und nahm den "Heiland der Welt" an.

Erntezeit ist jedoch nicht nur gute Zeit, sondern auch Gerichtszeit. Denn neben dem Weizen gibt es auch das Unkraut. Der Feind schlief nicht, "während die Menschen schliefen". Neben dem Werk Gottes hat er sein Nachahmungswerk, und daraus ist Babylon entstanden. Im Laufe der Brüder-, Gemeinschafts- und Erweckungsbewegungen, in der ganzen Entwicklung des Evangelikalismus, konnte nicht verhindert werden, daß auch viel Unkraut, das heißt Scheinchristentum und Gesetzlosigkeit, mit aufwuchs. Auch die böse Saat, die der Heilige Geist nicht gesät hat, mußte reif werden und ist überreif. Das Unkraut im Gleichnis ist eigentlich der "Lolch", ein dem Weizen ähnliches Unkraut, das der Teufel in einem unbewachten Augenblick mitten unter den Weizen gesät hat. Beides sollte, wie der HERR Seinen Knechten ausdrücklich befiehlt, zusammen wachsen bis zur Ernte. "Und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune" (Matth.13,30). 

Entgegen dem Gebot Jesu hat man in der Kirchengeschichte und auch heute in verschiedenen Gemeinden und Versammlungen voreilig gehandelt und vor der Zeit angefangen, das "Unkraut" auszureißen. Dabei hat man versehentlich den Weizen ausgerauft. Das war schmerzlich für die Betroffenen. Im Nachhinein dürfen wir aber die gute Seite sehen; denn diese Ausgeschlossenen hat der HERR abgesondert als Seine Knechte und setzt sie zum Segen für die irrenden Brüder. Sie sind "Erstlinge Gott und dem Lamme", ihnen zeigt Gott die Offenbarung zuerst und macht sie zu Seinen Zeugen an Sein Volk. Man wünschte sie vielleicht gerne wieder zurück: "Komm doch wieder". Aber einen ausgerupften Halm kann man nicht mehr einpflanzen, das heißt, sie können nicht mehr in die alte Versammlung zurück. Etliche haben es auf dem Wege der Kompromisse versucht, aber sie haben nie wieder richtig Wurzel fassen können. Der HERR hat uns befohlen: "Jene sollen zu dir umkehren, du aber sollst nicht zu ihnen umkehren" (Jer.15,19). Uns ist ein neuer und besserer Dienst anvertraut, der Dienst der Offenbarung Jesu Christi.

Aus dem Gleichnis geht hervor, daß die Schnitter sich zuerst mit dem Unkraut beschäftigen werden. Auch hier wird klar, daß dies nicht nach der Entrückung stattfindet. Das Unkraut sind die "Söhne des Bösen", die "Gesetzlosen", die im Reiche Gottes "Zwiespalt und Ärgernis anrichten, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt" (Röm.16,17.18). Wenn das Unkraut einmal gesichtet ist, wird es nicht mehr schwer sein, es in Bündeln zu binden. Teilweise hat man das schon selbst getan. Die großen kirchlichen Vereinigungen und Bündnisse greifen der Ernte schon vor. Auf die Gesetzlosen wartet "der Feuerofen: da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen" (Matth.13,42). 

Der Zweck der Ernte ist, der babylonsichen Verwirrung und Vermischung ein Ende zu machen, das heißt zu trennen was getrennt werden muß, und zusammenzufügen was zusammen gehört: Unkraut zu Unkraut und Weizen zu Weizen. "Denn die Aufrichtigen werden das Land bewohnen, und die Vollkommenen darin übrigbleiben, aber die Gesetzlosen werden aus dem Lande ausgerottet, und die Treulosen daraus weggerissen werden" (Spr.2,21).  Das Endergebnis der Ernte wird sein, daß das Reich Gottes, dargesellt von Seiner Gemeinde, wieder gereinigt ist und die Gerechtigkeit darin wohnt. "Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reiches ihres Vaters. Wer Ohren hat zu hören, der höre". Erst muß der Sichel ihr Werk getan haben, wenn eine Erweckung folgen soll. Der Geist und die Braut sagen! Komm, Herr Jesus! Schicke Deine Sichel und ernte.

 

 

Weinlese (14,17-20)

- Evangelium anti Religion -

 

Den Abschluß dieses vierten Heilskreises der Offenbarung, der die Nationen und ihren Mittelpunkt Babylon vor sich hat, bildet die geistliche Weinlese. Zwischen dieser und der vorigen Botschaft scheint beim oberflächlichen Lesen kein großer Unterschied zu bestehen. Doch wenn wir die Sache vom Hintergrund des siebten Sendschreibens, siebten Siegels und der siebten Posaune näher betrachten, geht es hier nicht in erster Linie um Personen, sondern um ihren Glauben, ihre Religion, genauer um eine scharfe Trennung von der babylonischen Religion durch das Evangelium. Denn in Babylon wurde beides miteinander vermischt. Mit „Religion“ ist hier der Glaube als Werk des Menschen gemeint. Durch dieses Werk des Menschen wird die Offenbarung Gottes verdreht und zunichte gemacht. 

Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel hervor, der in dem Himmel ist, und auch er hatte eine scharfe Sichel. Der „Tempel“ ist hier nicht der Tempel der Gemeinde, wie er von Menschen dargestellt wird, vielmehr wird betont, daß der Tempel im Himmel ist; es ist das Heiligtum Gottes, „das der Herr errichtet hat, nicht der Mensch“ (Hebr.8,2). Der andere oder der zweite Engel kommt wie der erste im vorigen Abschnitt aus dem himmlischen Heiligtum, jetzt aber als Ausführender, während der erste nur Befehlender war; sein Dienst entspringt direkt der Quelle, wo noch keine religiöse Beimischung des Menschen möglich ist. 

Wie die übrigen ist auch die vorliegende Botschaft eine Donnerbotschaft; in ihr sind alle „sieben Donner“ enthalten (10,3), eine gewaltige Stimme: Und ein anderer Engel, der Gewalt über das Feuer hatte, kam aus dem Altar hervor, und er rief dem, der die scharfe Sichel hatte, mit lautem Schrei zu und sprach: Schicke deine Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde, denn seine Beeren sind reif geworden. 

Der rufende Engel hat Vollmacht über das Feuer, das immer von Gericht redet, hier das Feuer des Geistes, das alles richtet, was vor dasselbe kommt. Ehe sich der Grimm Gottes in den „Zornesschalen“ entlädt und Babylon in Flammen aufgeht, soll noch einmal das Evangelium, das Zeugnis Jesu, das Wort vom Kreuz in der Kraft des Heiligen Geistes zur Geltung kommen. Es ist an der Zeit, daß es in seiner wahren ursprünglichen Bedeutung wieder bezeugt und ihm gegen alle Überfremdung und Verfälschung durch menschliche Religion höchste Autorität und Kraft verliehen wird. Der Altar erinnert uns an das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi, dem nichts mehr hinzufügen ist. Hier ist der Ort der Vergebung und Anbetung, der Gemeinschaft und des Dienstes. Der Engel mit der scharfen Sichel ist das unverfälschte Evangelium, das mit aller Deutlichkeit und Schärfe die babylonische Theologie und Religion richtet. Was man in Babylon als Evangelium hat, ist nur das halbe Evangelium, es beschränkt sich nur auf das Neue Testament und auch hier noch sehr einseitig; die Beziehung zum Alten Testament ist den „Nationen“ verlorengegangen. Das Evangelium Gottes aber ist „verheißen durch die Propheten in heiligen Schriften“ (Röm.1,2), „jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften, nach Befehl des ewigen Gottes, zum Glaubensgehorsam an alle Nationen kundgetan“ (Röm.16,26). Diese Korrektur wird für die Betroffenen schmerzlich sein, da wird viel „Blut“ fließen, wenn sie mit dem wahren, vollen Evangelium konfrontiert werden.

 Der laute Schrei kommt nur hier vor, er ist ein Mark und Bein durchdringender Aufschrei Dessen, Der für uns in dieser Sterbensnot war - es ist der Schrei aus dem Herzen Gottes, den der Gekreuzigte von sich gab: „Jesus gab einen lauten Schrei von sich und verschied“ (Mark.15,38). „Ja, darüber erzittert mein Herz und bebt auf von seiner Stelle. Höret, höret das Getöse seiner Stimme und das Gemurmel, das aus seinem Munde hervorgeht! Gott donnert wunderbar mit seiner Stimme; er tut große Dinge, die wir nicht begreifen“ (Hiob 37,1-5).

Christus ist der wahre Weinstock der Erde, hier der Christus der Nationen bzw. der jetzige Bekenntniskreis. Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock ist, ihr seid die Reben“ (Joh.15,1.5). Dieses Bekenntnis hat auch Babylon, aber in der Religion Babylons findet kein Beschneiden der Reben durch den Weingärtner statt, die ganze Pflege des Weinstocks hat der Mensch selbst übernommen. Darunter sind die Beeren reif geworden, nicht „überreif“ wie die Getreideernte, sondern einfach „reif“, d.h. die Zeit ist erfüllt, daß die Frucht der Religion Babylons gerichtet und Christus und Sein Werk wieder in den Mittelpunkt gerückt werden. In Babylon rechnet man natürlich mit einer positiven Reife und mit gutem Wein, da sie ja, wie sie meinen, am Weinstock geblieben sind. Doch Gott denkt anders über die „Früchte eurer Gerechtigkeit“ (2.Kor.9,10). Der HERR ist aufs äußerste ergrimmt über die laodicäisch-babylonische Religion, die in Wirklichkeit nicht Gott ehrt und Christus verherrlicht, sondern den Menschen und sein Tun. Wie wir bei der dritten Botschaft gehört haben, haben sie sich nur mit ihrem eigenen Weine berauscht. Jetzt wird die Frucht einer schonungslosen Prüfung unterzogen. Wir werden sehen, was aus den Trauben herauskommt. Und der Engel legte seine Sichel an die Erde und las die Trauben des Weinstocks der Erde und warf sie in die große Kelter des Grimmes Gottes. Alle Trauben kommen, ohne einzeln untersucht zu werden und vielleicht noch gute herauszulesen, in die große Weinpresse. Letztlich muß jedes Bekenntnis, jede Lehre, jede Verkündigung, jeder Gottesdienst, jedes Werk, jedes Leben vor dem Grimm Gottes bestehen können, den nur  E i n e r  abwenden kann: Christus und Sein Blut. Wer in Ihm bleibt und in der Lehre des Christus, braucht die Sichel nicht zu fürchten; die Kelter kann ihm nur Segen bringen. Um dieser Ursache willen müssen wir uns hier einmal näher mit der Religion befassen, vornehmlich mit der „christlichen Religion“, mit der ja die ganze Offenbarung im Streite liegt.

 Mit „Religion“ ist hier der Glaube als Werk des Menschen gemeint. Religion ist immer auf Leistung, auf das Tun des Menschen gegründet, um das Gewissen zu beruhigen. Weil er Gottes Forderungen nach einem reinen und heiligen Leben nicht nachkommt, noch seine selbst gesetzten Maßstäbe erfüllen kann, hat er die Religion erfunden. In der Religion dient der Mensch nicht Gott, sondern sucht sein religiöses Bedürfnis zu befriedigen. Religion ist wahrlich Opium.

 Wie sieht es nun mit der Religion im Evangelikalismus aus? In der ganzen evangelikalen Landschaft Babylons finden wir den „evangelischen Glauben“ heute als Religion vor, und zwar auf zwei verschiedene Arten praktiziert: Einerseits durch Gesetzlichkeit und Werkgerechtigkeit; andererseits durch Gesetzlosigkeit und Weltförmigkeit. Beide Richtungen gründen sich auf die Bibel. Im Anfang nannten sie sich „fundamentalistisch“, um auf das Fundament ihres Glaubens hinzuweisen. Um jedoch nicht mit radikalen und militanten Gruppen in anderen Religionen verwechselt zu werden, ist jetzt „bibeltreu“ ihr Markenzeichen, aber beide haben ein gebrochenes Verhältnis zur Heiligen Schrift, entweder machen sie Zusätze zum Evangelium oder sie machen Abstriche. Die einen achten die Bibel sehr hoch, glauben an die Inspiration der Schrift, so daß sie dem Buchstaben dienen, nicht dem lebendig machenden Geiste. Die anderen hingegen legen auf das Wort der Schrift weniger Wert und betonen das praktische Leben. „Die Bibel sagt“ ihnen lediglich, wie man ein sinnerfülltes Leben führen kann. Dabei hält man noch an dem evangelischen Glauben und den Heilstatsachen fest, aber die Heilige Schrift dient nicht mehr als das Glauben wirkende Wort. Sie ist lediglich Grundlage der Argumentation, um dem modernen, kritisch denkenden Menschen die Wahrheit der Bibel einsichtig zu machen und ihre Echtheit möglichst wissenschaftlich zu beweisen. Das Wort Gottes als Sichel, Hammer und Schwert hat praktisch keine Bedeutung mehr, auch nicht als Brot aus dem Himmel, als Manna und Milch (Joh.6,32; 1.Petr.2,2). Was in der babylonischen Religion generell fehlt, ist der Hunger nach dem Worte Gottes, sie erzeugt keinen Durst nach dem lebendigen Gott, obwohl die Berauschung mit dem Weine ihrer Hurerei dafür gehalten wird.

Gegenwärtig präsentieren sich zwei Ausprägungen der babylonischen Religion. Die erste Art ist pharisäischer, judaistischer Natur aus dem laodicäischen Denken. Sie findet sich vornehmlich in konservativen Gemeinden und Gruppen. Hier dienen die religiösen Gläubigen einer Eigengesetzlichkeit und Buchstabengläubigkeit. Sie wollen die Bibel immer buchstäblich, „wörtlich“ nehmen, am liebsten würden sie die Bibel wortwörtlich übersetzen, auch wenn das keinen verständlichen Satz und Sinn ergäbe. Vor allem bei der Bildersprache der Propheten pochen sie auf dem Buchstaben, nur da nicht, wo die Schrift ihrer Interpretation widerspricht, z.B. Ap.2,16: „Dies ist es“, oder „alle Propheten, so viele irgend ihrer geredet haben, haben auch diese Tage verkündigt“ u.v.a.Stellen, die von der Erfüllung des Gesetzes und der Propheten in Christus reden (Ap.3,24; 15,15-18). Sie pflegen ihre „heilige“ Lehrtradition, welche dieselbe Aussagekraft für sie hat wie die Bibel, und lehren Menschengebote als Gebote. Auf derselben Ebene liegt der Glaube an das religiöse Israel. Eine Reise in das „heilige Land“ ist für die christlichen „Nationen“ ein tief-religiöses Erlebnis. Es ist bezeichnend, daß gerade in diesen Kreisen die Juden als das „auserwählte Volk“ betrachtet werden. Ihre Religion paßt gut zur jüdischen Religion, mit oder ohne Christus. Wenn die Juden Abraham, Mose, David und die Propheten erkannt hätten, würden sie Jesus erkannt haben. Und wer Jesus erkannt hat, erkennt auch, daß die ungläubigen Juden nicht Christi Geschlecht sind.

Wie die Pharisäer sind religiöse Christen gefangen in ihrer eigenen Frömmigkeit; ihr religiöses Christentum schließt den Menschen in einem geistlichen Ghetto ein, so daß sie nicht frei werden. Die „strenge“ Religion macht selbst das Evangelium zum Gesetz, wodurch ihre Gläubigen in einer Knechtschaft gehalten werden und die Welt abgeschreckt wird, zu Christus zu kommen. Sabbath- und Sonntagsheiligung, Halten von Feiertagen, geweihte Gebäude, Sakramente, Ordination, Form- und Pflichtgebete, Liturgie, Chöre, Musikbegleitung usw., - alles dieses ist nicht Gottesdienst im Sinne des Evangeliums, sondern Religionsausübung, die in jeder Form Götzendienst ist. Den einen ist der Sabbath ihr Götze, die anderen lieben die christlichen Götzenfeste Weihnachten und Ostern. Nicht weil man Christus an diesen Tagen besonders ehren will, sondern weil man religiöse Gefühlen liebt, weil man seelische Erhebungen erleben will. Wenn Glaube zur Religion wird, bricht die lebendige Beziehung zu Jesus Christus ab, man muß dann ohne Christus feiern und selbst den Gottesdienst gestalten. Religion bewirkt den Tod, man lebt nicht mehr aus der Gnade und der Liebe Gottes, so daß auch die Freude am HERRn verloren geht. Der religiöse Christ hat seinen Privat-Gott, der ein Götze ist, nämlich sein religiöses Ich und sein religiöses System, sein Über-Ich. Auffallend viele Evangelikale leiden unter ihrer Religion an einem kranken Gewissen, in extremen Fällen ist „alles Sünde“. Wie soll man Frucht für Gott bringen, wenn man alles nur negativ sieht?

Religion führt zu Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit. Die einen meinen, sich mit ihrer Frömmigkeit den Himmel verdienen zu können oder zumindest doch etwas tun zu müssen, um Gott angenehmer sein. Ständig haben sie Probleme mit dem Soll und Ist, der gesetzlichen Forderung „so sollte es sein“ und der Selbstanklage „wir sündigen jeden Tag“, anstatt in Christus zu ruhen. Ein solches Christsein ist sehr anstrengend, es kann auf die Psyche gehen. Andere wieder meinen, aufgrund ihres hohen Bekenntnisses und ihrer Frömmigkeit bei Gott einen besonderen Platz zu haben. Sie wollen ganz heilig sein, heiliger, am heiligsten. Unter ihnen gibt es solche, die meinen, einen Zustand der völligen Sündlosigkeit zu erreichen, indem sie „auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, die in Heuchelei Lügen reden und betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind“ (1.Tim.4,1-3).

Damit verbunden ist gewöhnlich ein Absolutheitsanspruch: Wir haben die Wahrheit, wir sind die Gemeinde, alle anderen sind Sekten. Genau das sind die Merkmale einer Sekte. In dieser exklusiven Form machen sie nur eine Minderheit in Babylon aus, aber sie bilden theologisch den Kern im Evangelikalismus. Ob Religion vorliegt, kann auch an der Reaktion der Religiösen festgestellt werden, die sehr feindlich sein kann. Der religiöse Mensch ist der größte Feind Gottes. Gesetzlichkeit kann auch sehr schnell in Gesetzlosigkeit umschlagen, wenn sie das starre gesetzliche Joch abgeschüttelt haben, meist dann, wenn sie in Kontakt kommen mit dem freien Teil von Babylon.

 

Die Religion der liberalen evangelikalen Richtung, die große Mehrheit, ist nach der anderen Seite hin ausgeufert, und zwar weltoffen, humanistisch, dem Zeitgeist angepaßt. Man könnte sie im Gegensatz zur judaistischen Richtung als hellenistisch bezeichnen. Auch sie wollen religiös sein. Im Gegensatz zur konservativen Richtung, die nicht religiös sein wollen und das weit von sich weisen würden, aber dennoch religiös geworden sind, will die evangelikale Masse durchaus religiös sein, allerdings modern religiös, freireligiös. Der moderne Mensch ist wieder religiös geworden, so kann durchaus auch Sport und Rockmusik seine religiösen Gefühle befriedigen. Im evangelikalen Raum jetzt ganz groß, der Fußballgötze, dem sie wie alle Welt zu Füßen fallen. In Babylon ist die Gesetzlosigkeit und Weltförmigkeit weitgehendst legalisiert. Viele glauben nicht mehr an eine Hölle.

Aber wie können sie dabei noch „bibeltreu“ sein? Wie stehen sie zum biblischen Wort? Natürlich soll die Bibel auch in der modernen Babylongemeinde ihren Platz haben. Bibelkritik kommt hier nicht an, aber das Verhältnis zur Heiligen Schrift als das Glauben wirkende Wort ist grundsätzlich anders als die Schrift beansprucht. Bernhard Kaiser hat sich mit dem zeitgeistigen evangelikalen Konzept auseinandergesetzt: „Nach Paulus ‚kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort‘ (Röm.10,17). Das Wort teilt Christus mit und es ist geistlich und schafft neues Leben, ist wahrhaft Speise und Trank für die Seele. Durch das Wort der Wahrheit wird etwas bewirkt, was der Mensch nicht bewirken kann und seiner Natur entgegensteht. Der Mensch ist von Hause aus nicht geneigt, von seinem Wirken wegzusehen und in der Zusage des Evangeliums, daß Christi Werk ausreicht, um unser Verhältnis zu Gott in Ordnung zu bringen, Gewißheit und Geborgenheit zu finden. Er möchte im Blick auf sein Tun angesprochen werden. Und genau diesem Bedürfnis ordnet man die Bibel seinem evangelistischen Konzept unter. Man orientiert sich am Menschen und seinem Handeln und nicht am Wort. Die Bibel ist hier nur eine Informationsquelle, was Gott getan hat. Dabei wird zwar auch noch gesagt, daß sie den Menschen als Sünder sieht und daß er nur durch Jesus Christus gerettet wird. Anstatt aber das Wort Gottes auch den Glauben an Christus wirken zu lassen, indem der Glaube an die Wahrheit die Erneuerung und Reinigung bewirkt, bricht der Evangelisationsdienst hier ab. Die Bibel macht also gewisse Angaben, und es ist Sache des Menschen, auf sie zu reagieren. Der Mensch steht mit der Bibel auf einer Ebene, seine Vernunft soll ausreichen, die Wahrheit der Bibel zu akzeptieren. Vom Konzept her wird auf die Tat des Menschen gezielt, nämlich auf die Entscheidung, ob man die Bibel für wahr hält und Christus annimmt. Alles hängt an dieser Entscheidung. Mit der Entscheidung für Christus ‚macht‘ der Mensch sein Christsein. Er kann darüber verfügen um sich als Christ zu konstituieren. Das entspricht dem modernen Machbarkeitsdenken. Daß heißt, daß das wirkliche Verlorensein des Menschen nur verbal gelehrt wird, aber insofern keine Bedeutung hat, als der Mensch mit der Möglichkeit, sich für Jesus entscheiden zu können, die Verfügungsgewalt über seine Rettung in die Hand bekommen hat. Folglich ist Gottes Gnade eine verfügbare Größe, die man bei Bedarf ‚in aller Demut‘ beanspruchen kann – auf die man also einen Anspruch hat. Sie ist nicht ein Geschenk, das man als Verlorener, der nicht die Wahl hat, sich mit seiner Entscheidung zu retten, demütig bittend und im Vertrauen auf Gottes Zusage empfängt“. Kaiser führt weiter aus: „Nachdem nun durch die „Entscheidung für Christus“ gefallen ist, wächst das „neue Leben“ dadurch, daß das Wort vom Menschen zu einem „ansteckenden Christsein“ in die Tat umgesetzt wird. Das Wort wirkt damit auf derselben Ebene wie das Wort eines Psychologen – wie eine innerweltliche Information. Indem die innerweltliche Heilung des Menschen beabsichtigt wird, sind die Ziele der babylonischen Theologie mit denen der Psychologie wesentlich identisch, auch wenn im Detail – etwa in der ethischen Orientierung und im Interesse an der Erlösung – Unterschiede bestehen“.

Auf diese Weise werden religiöse Christen en masse produziert und in den babylonischen Gemeindebetrieb integriert. Hier sorgt ein Unterhaltungsprogramm mit Pop-Songs, Theater und psychologischen Elementen dafür, daß die Menschen sich wohlfühlen. Was das Wort nicht vermag, versucht man mit methodisch-technischen Mitteln zu erreichen. Ihnen wird die Liebe Gottes gepredigt, aber die Heiligung, der Gehorsam, die Gebote werden unterschlagen. Eine angelernte Dogmatik im Kopf macht sie gegen die ernsten Warnungen im Wort immun.    Jeder hat seinen privaten Jesus, der ihm treu nachfolgt. In Babylon ist der Glaube Privatsache, und die geht einen anderen nichts an. Man spricht heute von der Privatisierung und Versachlichung des Glaubens. Da sie sich nie vor Gottes heiligem Angesicht erkannt haben, weil sie nie ins Licht Gottes gestellt wurden, sind sie auch nicht bereit, dem Worte Gottes zu gehorchen und wandeln nach ihren Lüsten der Gottlosigkeit. So demonstrieren sie ihre „Freiheit in Christus“, eine Freiheit, die Knechtschaft ist, geknechtet an den Zeitgeist, und im Gericht endet. Zu dieser „Freiheit“ haben ihnen die Weisen Babylons verholfen.

Es ist nicht verwunderlich, daß beide theologische Richtungen, die konservative und die liberale, miteinander im Streit liegen. Diese wirft der anderen Seite Gesetzlichkeit und Enge vor, und jene beschuldigt diese des Abfalls und prophezeit ihr das Gericht. Doch die eine Stellung ist so falsch und fruchtlos für Gott wie die andere und erregt Seinen Grimm. Denn beide machen das Sterben Jesu für die Sünde der Welt bedeutungslos. „Leget die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommet, stampfet, denn die Kelter ist voll, die Kufen fließen über! Denn groß ist ihre Bosheit“ (Joel 3,13).

 

Jesus Christus ist in die Welt gekommen,  um die Menschen von der Religion zu erlösen, „den Juden zuerst als auch den Griechen“ (Röm.1,16+17). Das Evangelium ist im Grunde antireligiös. Wenn die Bibel uns lediglich sagt, „was man tun und lassen muß“, dann haben wir zwar eine sehr hochstehende Ethik, aber immer noch Religion. Biblischer Glaube ist Beziehung zu dem HERRn Jesus, der das Werk der Erlösung vollbracht hat, so daß ihm nichts hinzuzufügen ist. In Ihm ist Leben und volles Genüge. Das geistliche Leben wird nur soviel wert sein, wie es in der Beziehung mit Jesus Christus im Glaubensgehorsam dem Worte Gottes gegenüber gelebt wird. Diese Errettung hat Babylon verfehlt. Das ganze babylonische Christentum ist Menschenwerk, zwar aufgebaut auf der Gundlage des Bekenntnisses „Jesus Christus“ und zur "Apostellehre", aber doch nur „Holz, Heu, Stroh“ (1.Kor.3,11-15), teilweise sehr schön anzusehen, doch es kann in dem Feuer des Gerichts Gottes nicht bestehen. In dem vorliegenden Bilde der Weinlese: reif für die Kelter. Und die Kelter wurde außerhalb der Stadt getreten, und Blut ging aus der Kelter hervor bis an die Gebisse der Pferde, tausend sechshundert Stadien weit.

Deutungen, die hierin ein Blutbad, ein Totalgericht an den Feinden sehen, sind wieder typische religiöse Überlegungen. Denn Religion ist auf Rache aus, Vernichtung der Gegner, auch die friedlichste Religion ist mit Hass erfüllt, wegen der unerlösten menschlichen Natur.  Vernichtung wäre Gottes gerechtes Gericht an den Feinden Christi und des Kreuzes, aber Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Deshalb ist noch  Gnadenzeit für die Welt, solange es Menschen auf der Erde gibt.

Diese Gnade wird noch einmal mit einem „lauten Schrei“ ausgerufen, nämlich das, was Christus durch Sein Leiden und Sterben vollbracht hat. Vielleicht verstehen wir jetzt den „Schrei“ des Engels aus dem Altar, der uns das Werk Christi auf Golgatha noch einmal so durchdringend in Erinnerung bringt. Es ist der Schrei Jesu, als Gott dort die uns entgegenstehende Schrift der Religion an das Kreuz nagelte und die religiösen Mächte, die geistlichen Mächte der Bosheit, „ausgezogen hatte und durch dasselbe über sie einen Triumph gehalten hielt“ (Kol.2,15). Jesaja hat dies bereits angekündigt in dem Bild des Keltertreters, „der von Edom kommt, von Bozra in hochroten Kleidern, dieser, prächtig in seinem Gewande, der einherzieht in der Größe seiner Kraft?- Wer ist dieser? Ich bins’s, der in Gerechtigkeit redet, der mächtig ist zu retten.- Warum ist Rot an deinem Gewande, und sind deine Kleider wie die eines Keltertreters? – Ich habe die Kelter allein getreten, und von den Völkern war niemand bei mir; und ich zertrat sie in meinem Zorn und zerstampfte sie in meinem Grimm; und ihr Saft spritzte auf meine Kleider, und ich besudelte mein ganzes Gewand. Denn der Tag der Rache war in meinem Herzen, und das Jahr meiner Erlösung war gekommen. Ich blickte umher, und da war kein Helfer; und ich staunte, und da war kein Unterstützer. Da hat mein Arm mir geholfen, und mein Grimm, er hat mich unterstützt. Und ich trat die Völker nieder in meinem Zorn und machte sie trunken in meinem Grimm, und ich ließ ihren Saft zur Erde rinnen“ (Jes.63,1-6).

„Edom“ ist das religiöse Fleisch, der Keltertreter ist Christus, die „Völker“ Israels sollten ihn unterstützen gegen das fromme Fleisch, haben sich aber gegen ihn gewandt. So mußte Er den Kampf alleine kämpfen und dafür bluten; das Blut an Seinem Gewand ist Sein eigenes Blut. Er hat den Grimm Gottes aushalten müssen, Er, der keine Sünde kannte, „wurde für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2.Kor.5,21). Das Hochzeitsmahl des Lammes greift nochmal auf diesen Kampf zurück und stellt uns Seinen Sieg erneut vor Augen (Offb.19,13-15). Der Wert Seines Opfertodes ist für Gott befriedigender als Ströme von Blut. Für den streng Religiösen reicht das Werk Christi nicht aus, er prophezeit ein buchstäbliches Gericht über die gottlose Welt, daß das Blut nur so fließt. Dieses Weltgericht hat Christus bereits getragen an Seinem Leibe, buchstäblich, einer für alle.

 Das Blut aus der Kelter ist Jesu Blut, es reicht bis an die Gebisse der Pferde, das heißt, auch die starken Pferde müssen es trinken. Das will sagen, daß auch der religiöseste Mensch trotz seiner hohen Moral nur durch das Blut des Lammes gerechtfertigt werden kann. Und ebenso der unmoralischste, am weitesten von Gott entfernte Mensch kann durch das Blut Christi gerettet werden, da seine Wirksamkeit tausend sechshundert Stadien weit reicht. Obgleich nicht alle das Blut Christi in Anspruch nehmen, reicht es doch für die Versöhnung der Welt aus. „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mark.16,16). Verdammtwerden aber heißt verlorengehen, ewige Pein leiden im Feuersee, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Entscheidung fällt in diesem Leben. Nicht die Religion, nicht die Werke retten uns, sondern nur Christi Blut und Gerechtigkeit macht den Menschen rein und gerecht vor Gott. Die Werke begründen nicht den Glauben, aber sie folgen ihm, wenn der Glaube wahr und echt ist.

Der Kampf gegen die Religion wurde außerhalb der Stadt gekämpft, das heißt außerhalb Babylons, der Stadt des Bekenntnisses der „Nationen“. Dies ist bereits in Offb.11,8 angedeutet. Christus litt außerhalb des Tores; drinnen die berauschte religiöse Menge und Jesus zur Stadt hinausgestoßen und an das Fluchholz gebracht. Dasselbe würde sich im Evangelikalismus wiederholen und wiederholt sich ständig. „Deshalb laßt uns zu ihm hinausgehen, seine Schmach tragend, denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr.13,13).  Wir erwarten die Stadt aus dem Himmel.

Wenn das Evangelium wieder von der Religion befreit ist, kann die Botschaft des Heils in Christus wieder glaubhaft verkündigt und in die Welt hinausgetragen werden; sie werden auch hören.

 

 

Am gläsernen Meer  (15,1-4)

          - Das Lied des Lammes –

 

Nach den Engelsbotschaften aus dem Himmel, die im Blick auf Tier, Bild und Babylon verkündigt wurden, sollen nun auch die Wege Gottes mit den „Nationen“ in einem letzten Gerichtsakt zum Abschluß. kommen. Und ich sah ein anderes Zeichen in dem Himmel, groß und wunderbar: Sieben Engel, welche sieben Plagen hatten, die letzten; denn in ihnen ist der Grimm Gottes vollendet. Das erste „große Zeichen“ sahen wir bereits bei dem gebärenden Weib, das den „männlichen Sohn gebar, der alle Nationen weiden wird mit eiserner Rute“ (12,1.5). In dem anderen Zeichen wird die Rute wirksam durch sieben Plagen, „um Rache auszuüben an den Nationen, Bestrafungen an den Völkerschaften“ (Ps.149,7).

Nach dieser kurzen Vorankündigung wird der Blick des Sehers noch einmal auf die blut- erkaufte Schar gelenkt, die das Tier bereits überwunden haben und daher nicht von den Plagen betroffen sind. Und ich sah wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemischt, und die Überwinder über das Tier und über sein Bild und über die Zahl seines Namens an dem gläsernen Meer stehen, und sie hatten Harfen Gottes.

Wir sahen bereits das gläserne Meer vor dem Throne als ein Bild völliger Reinheit und Durchsichtigkeit des Wesens (4,6). Hier kommt noch hinzu, daß es mit Feuer gemischt ist, was an eine Läuterung und Bewährung des Glaubens denken läßt. Durch das Tier und seine Diener „sind wir ins Feuer und ins Wasser gekommen, aber du hast uns herausgeführt zu überströmender Erquickung“ (Ps.66,12). Die Überwinder stehen jetzt auf der anderen Seite des gläsernden Meeres, sie sind durch das „Meer der Angst“ gezogen (Sach.10,11), durch schwere Herzensübungen und Glaubensprüfungen hindurchgegangen, wie im Vorbilde Israel durch das Rote Meer, und am Ende der Wüstenreise durch den Jordan. Beide Vorbilder reden vom Tode Christi, Der für uns in den tiefsten Tiefen gewesen ist; „alle deine Wogen und deine Wellen sind über mich hingegangen“ (Ps.42,7). Dieses Wissen, daß Christus die Welt überwunden hat und ihnen durch Seinen Kreuzestod einen Weg gebahnt hat, ließ sie das Tier und alle Anfechtungen durch Bild und Malzeichen überwinden und den Glauben bewahren.

Der Tod Christi war aus drei Gründen für uns erforderlich. Zuerst in der Bedeutung des Passahlammes (und der Sündopfer), um unserer Rechtfertigung und Versöhnung willen; zweitens in dem Durchgang durch das Rote Meer, die Befreiung von der Welt und ihrem Fürsten; zuletzt, und das ist die tiefste Bedeutung Seines Todes: in dem Vorbild des Jordan, den Christus als die wahre Bundeslande durchschritten hat und uns dadurch vom Gesetz, von der Macht der Sünde, von unserer verderbten, boshaften Natur und vom eigenen Ich befreit. Dies haben die Überwinder erfahren, sonst hätten sie nicht das Tier überwinden können und würden nicht am gläsernen Meer stehen. Hier sind sie offenbar geworden vor Gott und Menschen, durchsichtig wie Glas. Aller Heuchelschein ist durchschaut und gerichtet.

Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes. Das Lied Moses lernen wir in 5. Mose 32, es wurde im Rückblick auf die Wüstenreise gesungen, in dem Lied des Lammes wird das Werk Christi gerühmt, was Er für uns getan hat. Beide Lieder vereinigen sich für die Überwinder zu einem Lobpreis. Die Überwinder am gläsernen Meer haben eine große und schreckliche Wüste überwunden, das heißt eine Welt, die im Bösen liegt, die Welt des Tieres. Sie sind hier über die Wege Gottes und ihre eigenen betrüblichen Erfahrungen unter dem Gesetz zur Ruhe gekommen. Indem sie von Offb.9 (Röm.7) nach Offb.15 (Röm.8) gekommen sind, durften sie eine gewaltige Befreiung erleben. Die Harfen ihres Herzens sind zur inneren Harmonie gestimmt, weil „keinerlei Verdammnis für die ist, welche in Christo Jesu sind. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott...“ (Röm.8,1-4). Gewiß sind sie nicht sündlos, denn „wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1.Joh.1,8).

Das „Lied Moses“ bringt uns in Erinnerung, was wir als bekennendes Volk des HERRn in der Vergangenheit waren, wie wir Gott geübt haben, wie verkehrt wir in uns selbst sind und welche Wege Gott in Seiner Weisheit und Gnade uns führte. Es ist wichtig, daß wir das ganze Lied lernen, nicht nur einzelne Strophen, die uns gefallen. Der Zweck der Wüstenübungen war, „um dich zu demütigen, um dich zu versuchen, um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote beobachten würdest oder nicht“ (5.Mo.8). Jeder, der das Tier überwinden hat, mußte erkennen, daß das Fleisch verdorben ist und nicht gebessert werden kann. Jeder Versuch, das Fleisch zu heiligen, ist aufgegeben. Das Überwinden „des Tieres, seines Bildes und der Zahl seines Namens“ war gerade nicht durch eigene Werke möglich, sondern allein durch Gottes Gnade in der „Macht Seiner Stärke“ (Eph.6,10).

Das Lied Moses beginnt mit einem Lobpreis: „Den Namen des Herrn will ich ausrufen: Gebet Majestät unserem Gott! Der Fels: vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!“ (5.Mo.32,3+4). Die Seele, die ausrufen kann, „alle Seine Wege sind recht!“ hadert nicht mehr mit Gott, mit seinem Schicksal und mit der Welt oder gar mit dem, was andere ihm angetan haben. Alle Stürme und Wogen sind geglättet, in der Seele ist eine große Stille eingetreten, und sie fängt an, dem HERRn für Seine wunderbaren Werke und Wege zu danken. So wird aus dem Versagertum ein Überwindertum, und aus dem Überwinden ein Kämpfertum, Gottes Israel, das nun fähig ist, das Land der Verheißung einzunehmen und in die Sabbathruhe Gottes einzugehen (Hebr.4).

Um dieses Ziel mit dem Volk zu erreichen, geht Moses mit der ganzen Versammlung Israels noch einmal die Wüstenreise durch. Zunächst erinnert er sie daran, wie verkehrt und verdreht, wie töricht und unweise sie gewesen sind (V.5+6). Sie sollten sich nicht einbilden, daß sie dem HERRn eine Freude gewesen seien. Vielmehr haben sie Ihm die ganzen vierzig Jahre Kummer und Schmerz bereitet. Das ist auch unser Leben gewesen. Oder haben wir Gott immer gedient? War es nicht umgekehrt, daß Er uns dienen und tragen mußte und uns in vieler Langmut ertragen hat? Waren wir immer gehorsam, in allen Umständen zufrieden und haben nie gemurrt? Haben wir die Proben und Versuchungen bestanden? Etliche mögen denken, Gott könne mit ihnen im Großen und Ganzen zufrieden sein, da sie ja dem Bekenntnis treu geblieben seien,  die Bibel gelesen, gebetet und die Versammlungen nicht versäumt hätten. Eigentlich müßte sich der HERR bei ihnen bedanken für ihre Loyalität. Wenn wir Gott dankten und Seine Gnade rühmten, dachten wir oft nur an unsere Verdienste; wir waren so großzügig, alles dem HERRn zuzuschreiben, auch wenn uns nicht danach zumute war. Moses hingegen betete: „Wir vergehen durch deinen Zorn..., du hast unsere Ungerechtigkeit vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts“ (Ps.90,8). Und was wollen wir sagen? Reichen wir etwa an die Sanftmut und Treue Moses heran? Oder haben wir vielleicht das Vorbild Paulus, sein Betragen, seinen Glauben, seine Langmut, seine Liebe nachgeahmt?

Wie hat das Volk des neuen Bundes dem HERRn Jesus Seine Gnade und Liebe vergolten? „Sie haben mich zur Eifersucht gereizt durch Nicht-Götter, haben mich erbittert durch ihre Nichtigkeiten“ (V.12-21). Da ließ Er das Tierungeheuer heraufkommen, Sein Volk kam unter die Herrschaft feindlicher Mächte (V.22-25). Viel zu spät erkannten wir das Tier, um seine Absichten zu durchschauen und es überwinden zu können. Zuerst waren wir nämlich alle ziemlich begeistert von den Errungenschaften des Tieres, dem Wirtschaftswunder, dem technischen Fortschritt, der Entwicklung der Wissenschaft und den Leistungen der Medizin, ja wir öffneten neugierig Auge und Ohr den Medien, damit uns nichts entginge, was in der Welt vorgeht. Das waren die Dinge, die in allem Vorrang hatten, statt nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu trachten. Die Zeitung fesselte uns mehr als die Bibel. Wir nahmen auch die sozialen Sicherheiten bedenkenlos in Anspruch und merkten nicht, wie wir immer unabhängiger von Gott wurden, umsomehr aber unser Vertrauen auf Versicherungen setzten, und auf den Staat. Hinter dem Glauben der Apostel und unserer Väter blieben wir weit zurück.

Und wie tief saß der Volksglaube in unseren Herzen, wenn wir meinten, nur in der staatlichen Schule könnten sich unsere Kinder recht entwickeln und für das Leben in der Welt vorbereitet werden. Kaum zu fassen, daß wir unsere heiligen Kinder, die Gott uns anvertraut hat und für die wir allein verantwortlich sind, dem Bildungsgötzen opferten und gottlosen Erziehern überließen. Es war nicht nur die Angst, sich gegen den Staat und die Gesellschaft zu stellen - der allgemein verbreitete Schulglaube ließ gar nicht zu, über außerschulische Lösungen nachzudenken, bis die Schulnot so groß wurde und Gott gläubige Eltern erweckte, die Gottes Willen erkannten, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen.

Manche Bereiche unseres Lebens wären noch aufzudecken, wo wir auf Fleisch vertraut und dem Zeitgeist gedient, der Bequemlichkeit uns hingegeben und in Üppigkeit gelebt, falschen Göttern und Götzen gehuldigt und eitlen Dingen gefrönt haben. Da war Christsein bequem, „Jeschurun ward fett, dick, feist!“ (V.15). Dazu paßte die falsche Israel-Prophetie, die Ungläubigen die Segnungen des Reiches verheißt. Welcher Wohlstandschrist fiel nicht darauf herein. Wir kannten Gott so wenig, daß wir Ihn, Der die Welt geliebt und Seinen eingeborenen Sohn gab, wieder zum Kriegsgott machten. Bei diesem Rückfall in den alten Bund und in politische Spekulationen machten wir das Evangelium zur Farce. Und auch darin waren wir ungerecht, daß wir die göttlichen Verheißungen in Anspruch nahmen, aber die Bedingungen und das Gericht anderen überließen. Wie irrten wir in der Berechnung der Zahl des Tieres, ganz im Sinne des falschen Lammes, und wiegten uns in einer falschen Sicherheit.

Da kam das Unglück, „mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn nahe ist der Tag ihres Verderbens, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei. Denn der Herr wird sein Volk richten...“ (V.35+36. Hebr.10,30). Wäre dies das Ende, würden wohl nur wenige das Ziel erreichen. „Kehre wieder, Herr! – Bis wann? - Und laß dich’s gereuen über deine Knechte!“ (Ps.90,13). Darum heißt es weiter im Liede Moses: „und er wird sich’s gereuen lassen über seine Knechte, wenn er sehen wird, daß geschwunden die Kraft, und der Gebundene und der Freie dahin ist“.

Der Schlußakkord des Liedes Moses lautet in der Offenbarung Jesu Christi: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! gerecht und wahrhaftig deine Wege, o König der Nationen! Der HERR fand uns „im Lande der Wüste und in der Öde, dem Geheul der Wildnis“ (V.10-14). Gott vergab uns alles und nahm uns auf Seine Flügel wie ein Adler, behütete uns wie Seinen Augapfel. Der Heilige Geist öffnete uns die Augen für die die Schätze Seines Wortes, gab uns geistliches Verständnis in der Erkenntnis Seines Willens und Seiner Wege. Wir lasen die Bibel ganz neu, saugten die Wahrheit wie Honig aus dem Felsen, fanden köstliche Speise, das verborgene Manna Seiner Offenbarung. Der „König der Nationen“ ließ uns wieder das wahre Israel Gottes erkennen, gab uns einen neuen Namen und zeigte uns die heilige Stadt,  das neue Jerusalem, welches die wahre Gemeinde Gottes ist.  Das gab uns neue Hoffnung, Mut und Kraft, so daß wir das Tier überwinden konnten und uns von seinem Bild nicht mehr blenden ließen.

 

Die Wege und Führungen Gottes sind so wunderbar

und geheimnisvoll,

daß wir nie stille genug sein können,

um sie in ihrem innersten Wesen zu verstehen

 

Die Überwinder am gläsernen Meer sind identisch mit der Schar auf dem Berg Zion,  (14,1-5). Ihre Zahl wird hier allerdings nicht genannt, was darauf hindeutet, daß nicht alle das Ziel erreicht haben. Bei den 144000 handelt es sich um Berufung und Rechtfertigung, bei den Überwindern um Bewährung und Ausharren. Alle waren „Jungfrauen, die von der Erde erkauft sind“, aber nicht alle, die dem Lamme folgen, gehen den Weg bis zum Ende mit. Das Lied der Erlösung nach dem Durchgang durch das Rote Meer sangen alle Kinder Israel jubelnd mit (2.Mo.15), doch das Lied Mose am Ende der Wüstenreise singen nur die Überwinder. Ihre Harfen sind durch die Wüstenerfahrungen und Demütigungen gestimmt worden auf den Wohlklang Christi, so daß sie lernten, mit Gottes Urteil übereinzustimmen und Seine Wege mit Seinem teuer erkauften Volk anzuerkennen. An dieser Stelle beginnt das Lied des Lammes, das die Welt überwunden und uns für Gott erkauft hat durch Sein Blut. Die Seele ruht in dem vollbrachten Werk unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, Der sich selbst für unsere Sünden hingegeben und den Feind besiegt hat; sie rechnet Seiner Gerechtigkeit und Gnade alles zu. Dann streitet der HERR wieder für Sein Volk, „er wird rächen das Blut seiner Knechte und wird Rache erstatten seinen Feinden, und seinem Lande, seinem Volke wird er vergeben“ (V.43).

In der Lektion, die Sein Volk durch alle diese Erfahrungen unter der Herrschaft des Tieres lernen mußte, nämlich den Herrn zu fürchten und Seinen Namen zu verherrlichen, denn du allein bist heilig, liegt die Rettung für jeden Menschen aus Sünde und Elend. Die Gottesfurcht kommt vor der Gnade, ohne Erkenntnis und Bekennen der Sünde keine Vergebung. Bevor ein Mensch nicht Gott fürchtet und Seine Heiligkeit und Gerechtigkeit anerkennt, wird er kein Bedürfnis nach Gnade haben. Dieses Bedürfnis sollen die sieben Gerichtsplagen wecken, in ihnen ist dann aber auch der Zorn und Grimm Gottes an ihnen gestillt, so daß alle Nationen kommen werden und vor die anbeten, denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden. Dieser Ausblick wird zu einer Botschaft für die Welt, die durch das Tier zugrunde gerichtet wurde und durch die sieben Plagen gestraft wird, damit sie die Majestät Christi wieder anerkennen. Jesus Chrisus ist nicht nur der König Israels, sondern auch der „König der Nationen“, vor dem sich jedes Knie beugen muß. Das ist das Zeugnis der Überwinder im Lied an dem gläsernen Meer. 

 

 

Die Öffnung des Tempels (15,5-8)

- Mission im Neuheidentum -

 

Nach dem herrlichen Anblick der Überwinderschar sieht Johannes, wie der Tempel der Hütte des Zeugnisses in dem Himmel geöffnet wurde. Schon in Kap.11,19 sahen wir den Tempel Gottes geöffnet, aber dort, um anzuzeigen, daß der Weg zum Heiligtum wieder offen ist.  Ein Volk von Königen und Priestern, das durch die große Drangsal gegangen ist und geläutert und gereinigt wurde, hat Zutritt zum Allerheiligsten, um die Bundeslade, das ist die Herrlichkeit des HERRn, zu betrachten und die Gegenwart Gottes zu genießen. Für die Heiligen und Treuen war das Heiligtum immer offen, jedes Kind Gottes hat Zugang zu dem Thron der Gnade, sofern es sich nicht selbst den Weg dahin durch ein Verharren in der Sünde verbaut (Ps.73,17; Hebr.4,16; 10,19). Aber die neuheidnischen „Nationen“, die dem Tiere dienen, haben die heilige Stadt zertreten und das Heiligtum entweiht (11,2); an ihnen muß  Gericht geübt werden, bis sie um Gnade bitten.

Die Bezeichnung „Tempel“ (Eph.2,21) und „Hütte“ (Hebr.8,2) fließen in der Offenbarung Jesu Christi zu einem Begriff zusammen, weil sowohl der Tempel Salomos als auch die Stiftshütte in der Wüste Vorbilder sind auf die Gemeinde. In Christus stellen sie in der Tat einen Gegenstand dar, nämlich das Haus Gottes, die Gemeinde als „heiliger Tempel im Herrn, eine Behausung Gottes im Geiste“ (Eph.2,22).

Die Öffnung des Tempels hat hier den umgekehrten Zweck: Nicht das Eintreten zum Priesterdienst, sondern das Hervorkommen eines Gerichtsdienstes. Mit dem Ausgehen der sieben Engel, welche die sieben Plagen hatten, beginnt ein (für unsere Zeit) neuer Abschnitt in der Geschichte der Evangelisation und Mission. Die sieben Engel eröffnen einen Dienst, der die Gesellschaft unter dem Tiere zunächst die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes spüren läßt. Um Menschen für die Begnadigung zuzubereiten, muß ihnen ihre Erlösungsbedürftigkeit bewußt gemacht werden. Dies geschieht durch die Plagen. Wenn sie sehen, daß sie unter dem Zorne Gottes stehen, fragen sie wieder nach dem gnädigen Gott. Die sieben Engel werden nicht zuerst von dem Liebesangebot Gottes reden, wie das bisher sattsam geschah, sondern den Zorn und Grimm Gottes über das ganze gottlose Tun und Treiben der Menschen kundtun. Die weißen Gewänder und die goldenen Gürtel um die Brust weisen, wie bei dem Sohne Gottes selbst (Kap.1,13), darauf hin, daß Gott heilig und wahrhaftig ist. Kundgebungen der Gnade und Liebe müssen hier  zurückgehalten werden. In der Gegenwart eines heiligen Gottes kann nur der bestehen, der in seinem Herzen rein und aufrichtig ist

Die neue Art der Verkündigung, die Menschen, (sie seien gottlos oder tiefreligiös, beide dienen dem Tiere, dem ersten oder dem zweiten), zuerst mit dem Gesetz und Urteil Gottes bekannt zu machen, ist nicht neu: Sie wurde von den Aposteln und auch seit der Reformation eifrig geübt und hat reiche Früchte getragen; im evangelischen Raum hat sie stets zu Erweckungen geführt. Die Predigt vom Zorne Gottes gründet sich auf Paulus, den Apostel der Nationen: bevor er von Gnade und Rechtfertigung spricht,  stellt er dem Menschen, dem Griechen wie dem Juden, seine Sündhaftigkeit und Verdammungswürdigkeit vor (Röm.1-3), und welchen Erfolg hatte er mit dieser Verkündigung!  In der modernen Evangelisation ist diese Seite gänzlich aus der Mode gekommen  Vielleicht hängt der Evangelist eine Gerichtsdrohung seiner Verkündigung noch hinten an, nach dem Motto, "wenn du nicht glaubst, dann... es kommen schlimme Gerichte über diese Welt".  Nur in den Sendschreiben finden wir die Androhung: "wenn du nicht Buße tust, dann...", später dann nicht mehr, weil dann die Gerichte schon im Gange sind. Wir werden bei den sieben Plagen sehen, daß die Gerichte bereits voll wirksam sind; jetzt ist das Gericht dieser Welt, nicht erst zukünftig, jetzt wird der Füst dieser Welt (aus dem Himmel) hinausgeworfen werden (Joh.12,31). Wer aber verkündigt das der Welt?

Die goldenen Schalen waren vorher gefüllt mit Räucherwerk in der Hand der vierundzwanzig Ältesten, um das Lamm zu anzubeten (5,8). Hier sind die Schalen voll des Grimmes Gottes, um die Menschen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht zu überführen. Der Kreis der Hörer und Leser sind die „Nationen“ des christlichen Bekenntnisses in allen Kirchen, Konfessionen und Denominationen; das Missionsfeld ist die Namenchristenheit, soweit sie sich im Herrschaftsbereich des Tieres befindet. Dieser erstreckt sich derzeit über die westliche Welt und weitet sich mit der Demokratisierung nach Osten aus. Der Zweck der Schalengerichte ist, daß alle dahin gebracht werden, vor dem „König der Nationen“ anzubeten, „denn deine Gerechtigkeiten sind offenbar geworden“ (V.4).

Jede der sieben goldenen Schalen ergäbe ein Evangeliumstraktat. „Und dies wollen wir tun, wenn Gott es erlaubt“ (Hebr.6,1-3). Daß die Schalen von Gold sind, weist auf die Grundlage der Erlösung und die Gnade Gottes hin. Sie wurden gefüllt mit dem Zorne Gottes über die Sünde, aber wenn sie ausgegossen sind und ihre Wirkung an Herz und Gewissen getan haben, erstrahlen sie in reiner, unvermischter Gnade (das ist möglich geworden, weil Jesus Christus das ganze Gericht der Zornesschalen getragen hat) und führen zur Anbetung des Lammes, "das geschlachtet worden ist und für Gott erkauft hat aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nationen" (5,9). Über den Sohn ist der ganze Grimm Gottes ausgegossen worden, so daß für jeden, der an Ihn glaubt und Ihm gehorcht, sofort die Plagen aufhören. Denn alle sieben Plagen hat Christus an Seinem Leibe auf dem Holze erdulden müssen. „E r  ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“ (1.Joh.2,2); wir bitten an Christi Statt: „Laßt euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor.5,20.21).

Zum priesterlichen Dienst am Evangelium gehört nächst der Anbetung des gepriesenen Lammes das Gebet und die Fürbitte. Der Anbetungs- und Gebetsgeist ist bei den sieben Engeln so stark, daß der Tempel mit Rauch gefüllt wurde von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Macht. Bei der Einrichtung der Stiftshütte erfüllte die Herrlichkeit Gottes die Wohnung (2.Mo.40). Ebenso war es bei der Einweihung des salomonischen Tempels (2.Chron.5). Als nämlich die Priester, die Leviten und die Sänger ihre Stimme erhoben, um Gott zu loben, wurde das Haus Gottes mit einer Wolke erfüllt, so daß die Priester nicht dazustehen vermochten; "die Herrlichkeit Gottes erfüllte das Haus Gottes".

Gewiß kommt zuallererst immer Gottes Herrlichkeit und Macht in Betracht, vor der sich der Mensch ehrfürchtig beugen muß, bevor Gottes Herz für die Bedürfnisse des Menschen zugänglich wird. Gott allein die Ehre, Ihm allein gebührt Dank und Preis und Ruhm! Damals segnete Salomo die Versammlung Israels, er trat vor den Altar und betete knieend mit ausgebreiteten Händen ein siebenfaches Fürbittegebet für das Volk: "Wenn dein Volk Israel vor dem Feinde geschlagen wird, weil sie wider dich gesündigt haben, und sie kehren um und bekennen deinen Namen und beten und flehen zu dir in diesem Hause: so höre du vom Himmel her und vergib...". Zur Bestätigung, daß Gott ihn erhört hatte, erfüllte die Herrlichkeit des HERRn abermals das Haus, so daß die Priester nicht in das Haus Gottes eintreten konnten, und die Kinder Israel beteten an und priesen den HERRn  (2.Chron.7,2).

Zu unserer Waffenrüstung gehört auch das Gebet. Das Gebet ist eine mächtige Waffe gegen den Feind, es kann auch die Tieranbeter und Bildverehrer überführen und überwinden, deren Bosheit und Feindschaft  durch die sieben Plagen geradezu entfacht wird. Das "Schwert des Geistes" der sieben Plagen würde keinen Erfolg haben, wenn wir nicht für die Menschen beten (Eph.6,18). Salomo schloß in sein Gebet auch "den Fremdling ein, der nicht von deinem Volke Israel ist". Zum Offenbarungsdienst gehört, daß "Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen..." (1.Tim.2,1-7). Auch wenn es bei den Plagen immer wieder heißt: "Sie taten nicht Buße", so ist dies nicht unabänderlich. Gott wird die Unbußfertigen durch die Gebete der Heiligen und die Predigt der sieben Plagen überführen. Ohne Verkündigung der nachweislich schon wirksamen Plagen werden die Menschen nicht Buße tun, werden auch unsere Gebete nicht durchdringen. Der gegenwärtige Evangeliumsdienst geht zwar auf all die Nöte der Menschen ein, aber er geht letztendlich am Thema vorbei, wenn er diese nicht als Folgen der sieben Plagen bezeugt und für die Wirksamkeit des Zeugnisses im Sinne der sieben Engel betet. 

Wenn die sieben Plagen der sieben Engel vollendet sind, werden die Nationen wieder in das Heiligtum eintreten können, "durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigern Wege, welchen er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch" (Hebr.10,20).  "Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Gottes, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Wahrheit" (Jes.2,1-4). Wer den Grimm Gottes über sein gottloses Leben und seine Sünden anerkennt, darf die Gnade in Anspruch nehmen, denn Christus hat den ganzen Zorn Gottes für uns getragen,  e i n e r  für alle. So spielt also das Kreuz auch in den sieben Plagen eine zentrale Rolle, so daß noch immer Menschen mit Gott  versöhnt werden können.

 

Der Dienst des Geistes beschränkte sich bisher in der Offenbarung auf das Volk Gottes, und zwar unter verschiedenen Gesichtspunkten (Kap.1-12). Danach ergingen Warnbotschaften an Babylon und die Welt (Kap.13+14). Diese Dinge konnten nur die Knechte Gottes, welche der Hut des Heiligtums warteten, sehen und verstehen. Die Welt vernimmt nichts vom Geist der Weissagung (1.Kor.212). Die wunderbaren Werke und die gerechten Wege Gottes betrafen nur Sein Volk, dessen Wüstenreise am gläsernen Meer seinen Abschluß fand. Dort tritt uns ein neues, geistlich geläutertes Israel entgegen, ein Volk von Überwindern, deren Glaube an das Lamm Gottes der Sieg ist über die Welt. Vor ihnen liegt nun das verheißene Land, das himmlische Kanaan, das Christus uns zum Erbteil erworben hat. Aber dieses Land, das „von Milch und Honig fließt“, bewohnen noch die „Kanaaniter“, die sich natürlich wie im Vorbilde dagegen wehren, daß Israel ihr Land in Besitz nimmt; es muß deshalb erkämpft werden, wobei Gott durch die sieben Plagen mitwirkt, um die Menschen bußfertig zu machen.

Gottes Wohlgefallen ruht auf Seinem Volke, das Er teuer erkauft hat durch das Blut Seines eigenen Sohnes, Den Er für uns dahingegeben hat. Auf diesem Volke ruht der Segen, wie Moses, der Mann Gottes, in Seinem Segen, womit er Israel nach dem Liede segnete, ihnen zugesprochen hat: „Ja, er liebt die Stämme, alle seine Heiligen sind in deiner Hand; und sie lagern zu deinen Füßen, ein jeder empfängt von deinen Worten“ (5.Mo.33,3). Die größten und kostbaren Verheißungen sind Israel geschenkt, „auf daß ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet“ (1.Petr.1,4). Diesem Israel muß man im Glauben an den Sohn Gottes in wahrer Frömmigkeit und Gottesfurcht angehören, wenn man auf der Segensseite stehen und von den sieben Plagen verschont bleiben will. Denn dem Israel ist das Reich, das Land der neuen Schöpfung in Christo verheißen, das die „Nationen“ in Ungerechtigkeit besitzen. (Die „Nationen“ haben alle die geistlichen Segnungen für sich in Anspruch genommen, dabei aber vergessen, daß es die Segnungen Israels sind). „Glückselig bist du, Israel! Wer ist wie du, ein Volk, gerettet durch den Herrn, den Schild deiner Hilfe, und der das Schwert deiner Hoheit ist? Und es werden dir schmeicheln deine Feinde, und du, du wirst einherschreiten auf ihren Höhen“ (5.Mo.33,26-29). Es geht nun in der Folge der sieben Plagen um „die Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit“ (Eph.1, 14).

Dem bibelkundigen Leser unserer fortlaufenden Betrachtung ist sicher aufgefallen, daß wir bisher noch nicht das Buch Josua berührt haben (außer in Offb.2). Das hat folgenden Grund: Wir hatten erst einmal viel mit der Selbstprüfung (sieben Sendschreiben) zu tun, die zum Selbstgericht (sieben Siegel) führen muß, zum anderen mit unserem Versagen und den Plagen in der Wüste (sieben Posaunen). Solange konnten wir nicht den Kampf gegen den Feind antreten und die Front klar vor uns sehen, wie dies im Buche Josua, dem so wichtigen Buch für den Glaubenskampf, vor uns kommt. Dieses Buch paßt auch an keiner anderen Stelle der Offenbarung, erst durch die sieben Zornesschalen kommt es voll zur Wirkung, wenn es im Geist des Epheserbriefes betrachtet wird, dessen Vorbild  Josua ist. 

„Wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises. Wird dem Gesetzlosen Gnade erzeigt, so lernt er nicht Gerechtigkeit“ (Jes.25,9.10). Die sieben Engel führen die Schalengerichte aus, den Knechten Gottes aber liegt der Dienst ob, sie den Menschen zu bezeugen; „wir bitten an Christi Statt, laßt euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor.5,20). Wir dürfen nichts an der Botschaft der Zornesschalen mildern, sonst werden sie ihre Wirkung verfehlen. Die Verkündiger werden sich manche Bosheiten, Schmähungen und Lästerungen der Neuheiden, die Gott nicht kennen, gefallen lassen müssen. „Aber in diesem allem sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat“ (Röm.8,35-39).

Der Apostel der Nationen lehrt uns, daß wir „mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens“ kämpfen sollen. Das heißt, daß wir Menschen, die dem Glauben ferne stehen, nicht gleich mit der "Schärfe des Schwertes" entgegentreten sollen, wie das bei den "Kanaanitern" notwendig ist, sondern sie auf friedliche Weise zu überzeugen suchen. „Wenn du dich einer Stadt näherst, wider sie zu streiten, so sollst du ihr Frieden anbieten... Also sollst du allen Städten tun, die sehr fern von dir sind, die nicht sind von den Städten dieser Nationen hier“ (5.Mo.20,10-18). Praktisch betrifft das glaubenslose und suchende Menschen oder solche, die in persönlichen Nöten und Problemen stecken. Sie werden leicht zu gewinnen sein, wenn ihnen die Ursache in den Plagen, unter denen sie leiden, bekannt wird.

 

 

Die sieben Schalenengel  (16,1)

 

Mit der Warnbotschaft von Kap.14,9-12 wird es nun Ernst. Der göttliche Befehl aus dem Tempel löst eine Reihe letzter Zornesergüsse über die "Nationen" aus, sie müssen alle von dem "Weine des Grimmes Gottes" trinken. Die Schalengerichte sind ähnlich den sieben Posaunen, zumindest die ersten vier, jedoch in erweiterter und verstärkter Form. Wir denken bei diesen Plagen auch an die Plagen Ägyptens. Sie haben wie einst den Endzweck, ein Volk aus der Knechtschaft der Welt, hier aus dem Herrschaftsbereiches des Tieres, zu befreien. Auch unter dem Gesichtspunkt der Landeinnahme Israels im Buche Josua sind die Zornesergüsse zu verstehen. Und letztlich geht es um ein Volk in Babylon, das Gott herausführen möchte. Alle drei Vorbilder spielen bei den Zornesschalen eine Rolle. Welches Vorbild wir auch nehmen, immer muß den Menschen bewußt gemacht werden, wo und unter welcher Herrschaft sie sich befinden, die zerstört werden muß, weil sie ihre Gefangenen nicht freiwillig hergibt. Wie werden die von den Plagen betroffenen Menschen reagieren? Da haben wir keine guten Reaktionen zu erwarten. Die sieben Plagen mögen die sieben Nationen, deren Bosheit voll ist, noch viel böser machen als sie so schon sind. Sie werden sich mit aller Macht gegen das Zeugnisses Gottes wehren und sein Vordringen verhindern wollen. Im Buche Josua lesen wir: „Keine Stadt ergab sich den Kinder Israel friedlich.., alles nahmen sie mit Krieg ein“ (Jos.11,19). Freiwillig wird sich kaum ein Mensch ergeben, viele werden bis zum äußersten gegen das Zeugnis Widerstand leisten. Die Zornesschalen machen die babylonische Lehre vom „freien Willen“ und der „freien Entscheidung“ des Menschen völlig zunichte. Die Plagen zwingen sie, sich zu entscheiden, ob sie wollen oder nicht. Es wird mit der „Schärfe des Schwertes“ gegen die Bildanbeter vorgegangen werden, wie Josua gegen die Bewohner Kanaans. Sein Erfolg beruhte aber nicht allein auf der Anwendung des Schwertes, sondern daß sie immer wieder nach Gilgal, den Ort des Selbstgerichts, zurückkehrten.  Bei der Entscheidungsschlacht in Gibeon half Gott noch mit großen Hagelsteinen nach, wie das auch bei der siebten Plage geschieht (Jos.10,11).

 

 

Die erste Schale (16,2)

- ein böses Geschwür -

 

Der erste ging hin und goß seine Schale aus auf die Erde; und es kam ein böses und schlimmes Geschwür an die Menschen, welche das Malzeichen des Tieres hatten, und die sein Bild anbeteten.

Die erste Schale ist ein Ausguß eines Zornes, den schon der Apostel der Nationen mit den Worten angekündigt hat: "Es wird geoffenbart werden Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen..., weil sie Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde" (Röm.1,18). Gott hat offenbar Seine bewahrende Hand von den Menschen, die dem von Satan inspirierten Tiere folgen, zurückgezogen und sie dahingegeben. "Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten" (Gal.6,7). Zur Strafe für die Abtrünnigkeit und Götzendienerei ist ein böses Geschwür an sie gekommen, an jeden, der dem Tiere dient. Alle sind davon befallen, hoch und niedrig, jung und alt, arm und reich klagen bereits über Beschwerden, die das Geschwür verursacht, ohne daß sie den Erreger wissen. Betroffen sind nicht nur die gottlosen Tieranbeter, auch die religiösen Bildanbeter leiden unter der Plage. Wie unter der Plage im Lande Ägypten, als an Menschen und Vieh Geschwüre ausbrachen (2.Mose 9,812), vermochten auch die Schriftgelehrten nicht vor Mose zu stehen. Gott wird auch heute Seinen Knechten wieder Kraft und Vollmacht geben, den Hochmut der Nationen zu beugen.

Wir müssen uns noch einmal bewußt machen, daß die Plagen nicht global sind, sondern nur die Menschen im Machtbereich des Tieres heimsuchen, die ihm dienen und sein Bild anbeten. Allerdings dehnte sich seine Herrschaft nach dem Zusammenbruch des Kommunismus weiter nach Osten aus und beeinflußt mehr und mehr die neuen Demokratien. Man kann schon sehen, wie dort unter anderem der Humanismus an Boden gewinnt. Dementsprechend werden auch hier einmal diese Plagen wirken, wenn sie nicht schon auf dem Fuße folgen. Zunächst aber geht es um die Länder, wo der freie demokratische Sozialismus schon zur Tradition gehört, und besonders das Urprungs- und Hauptförderland des Tieres, das Land der Reformation, aus dem heute ein Land von Humanisten und Nihilisten geworden ist.

Jeder Zeitgenosse weiß eigentlich um das bösartige Geschwür, daß "etwas nicht mehr mit uns stimmt". Es beschäftigt Politiker und Pädagogen; Soziologen und Psychologen, Journalisten und Autoren forschen nach der Ursache. Alle wissen genau, oder geben es jedenfalls vor, woher die Probleme in den Familien, in der Gesellschaft, in den Schulen, die steigende Jugendkriminalität, Gewalt in den Schulen, Drogensucht, Selbstmord junger Menschen usw. kommen. Doch die wahre Ursache kennen sie nicht,  noch weniger das Heilmittel. Daher sind sie machtlos. Die negative Entwicklung geht weiter trotz Sozialwissenschaft und Gesellschafts- und Zeitanalysen, oder gerade deswegen. (Peter Hahne in „Schluss mit lustig“)

Besser wissen es die Pfarrer und Seelsorger, sie kennen die Symptome und Probleme, stehen aber hier auch vor einem Rätsel, woher die Übel und Nöte unserer Zeit kommen. Man kann viele Ursachen dafür verantwortlich machen – die richtige Diagnose kann nur Gottes Wort stellen. Und auch niemand kann die Menschen von diesem Übel heilen; das kann nur der Heiland, der wahre Arzt und  Seelsorger, unser HERR Jesus Christus. Durch den Glauben an Sein Blut wird jede geplagte Seele heil!– Um zu diesem Heil zu kommen, muß zuerst den Menschen Buße gepredigt werden, das heißt, sie müssen überführt werden von ihrer Unreinheit und Gottlosigkeit, die der Keim sind für das böse und schlimme Geschwür. Für die Evangelisation eröffnet sich mit den Plagen eine neue Überführungsthematik.

Nicht alle fühlen das Geschwür schon so schmerzlich. Es ist wie der Krebs, es wächst langsam und frißt um sich und drückt auf das Gemüt, bis es offen ausbricht und dann nicht mehr heilbar ist. Oder wie Aids, eine Immunschwäche, die „für alles offen“ ist und keine Abwehrkräfte mehr gegen die Sünde und die teuflischen Verführungen mobilisieren kann. Wie konnte es dazu kommen? Alle waren zuerst von dem Wirtschaftswunder-Tier begeistert, seine materialistische, evolutionistische Weltanschauung,  sein goldenes Zukunftsbild, die neuen Techniken und Medien, das süße Gift seiner neuen Moral – die Welt werde mit jedem Tag schöner werden. Meinten sie. Von diesem Traum werden sie langsam nüchtern. Allmählich merken sie, wie der Mensch und die Natur aus dem Gleichgewicht kommen, und wie ihre Seele nicht mitkommt mit dem phantastischen Fortschritt. Indem die Menschen den Trends dieser Zeit folgen, werden sie in immer größere innere Nöte getrieben. 

 Da die Welt nicht mehr der Kirche glaubt und damit auch Gott und Bibel in Frage stellt, gehen sie mit ihren seelischen Problemen zum Psychiater, der ihnen die Schuldgefühle ausredet statt Schuld aufzudecken und auf die Vergebung durch Jesus Christus hinzuweisen, wie es die biblisch orientierte christliche Psychotherapie tun würde. Für die Ehe- und Familienprobleme seien Sozialarbeiter und Familienberater zuständig. Obwohl jedermann im Reich des Tieres die Gebote und Ordnungen Gottes kennt oder zumindest kennen könnte, - schließlich sind sie von der christlichen Tradition und Kultur her die Grundlage der Gesetzgebung und des Sittengesetzes -, verwerfen sie diese heute und vertrauen auf die „Wissenschaft“ oder was als solche ausgegeben wird. Doch diese hat sich gerade im soziologischen und psychologischen Bereich als eine Torheit der Welt, als Irrtum von heute, erwiesen.  Wieviel besser beraten ist der Mensch, wenn er Gottes Schöpferordnung, Seine Gebote und Vorschriften beachtet, denn diese sichern ihm seelische Gesundheit und ein harmonisches Miteinander zu, wenn er sie tut. Die Ideologie der Tieranbeter hat alles so unnatürlich gemacht und zum Teil ins Gegenteil verkehrt. Der Unterschied von Gut und Böse ist verwischt, die Perversion ist zur Norm geworden.

 Der Wertewandel hat schlimme Folgen, vor allem für junge Menschen. Viele finden ihr Leben sinnlos, sind orientierungslos. Bei der Masse ist das Schuldgeschwür noch nicht reif, um ausgedrückt zu werden. Das ist Aufgabe der Verkündigung, das heißt, von Sünde und Schuld zu überführen, um das Gewissen aufzuwecken. Hier wartet nächst der Predigt auf die Seelsorge eine große Aufgabe, damit die Menschen zur Buße kommen und Vergebung der Sünden empfangen. 

 Es ist nicht in erster Linie der Wohlstand, auch nicht die rasante technische Entwicklung, die zu den  gegenwärtigen gesellschaftlichen, persönlichen und familiären Problemen und Konflikten geführt hat, sondern die ideologische Indoktrination. Vor dreißig Jahren begann ein Prozess, dessen Auswirkungen und Auswüchse heute allenthalben sichtbar sind und z.T. auch angeprangert werden, ohne die Ursache bzw. den Urheber zu erkennen oder sich dessen erinnern zu wollen. Es war die neomarxistische Emanzipationsbewegung der Neuen Linken, bekannt als 68er Emanzipationsbewegung von Neomarxisten, die eine neue, das heißt sozialistisch-humanistische Gesellschaft, ja einen neuen Menschen schaffen wollten. Die Linken sind verschwunden, da sie in den Ökoparteien aufgegangen oder in den sozialen Institutionen untergetaucht sind. Hinterlassen haben sie eine Wüste, ein Chaos, das sie ja auch gewollt haben. Immanuel Lück deckt in seiner Mahnschrift „Die Zerstörung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den öffentlichen Schulen der BRD“ die Hintergründe und Ziele dieser Bewegung auf: "Spätmarxistische Denker  wie Max Horckheimer, Theodor Adorno, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas entwickelten neue Gesellschaftstheorien, die unter dem Begriff der "Kritischen Theorie" der Frankfurter Schule bekannt wurden. Ihr Ziel war die Emanzipation des Menschen von den ihn unterdrückenden und beherrschenden Wertvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft. "Befreiung" von den gesellschaftlichen Normen, Werten, Geboten und Institutionen, wie z.B. Ehe, Familie, Kirche, Schule und Rechtsordnung im überlieferten Sinne, sei das Gebot der Stunde. Wenn die Wertordnung dieser Gesellschaft brüchig geworden sei, müsse diese selbst in einem manifest geführten Klassen- bzw. Kulturkampf überwunden werden. Im Gefolge dieser Theorie setzte eine totale Kritik an den gesellschaftlich-kulturellen Verhältnissen ein. Alle Gebote, Verbote, Werte, Normen und Institutionen in der Gesellschaft wurden in Frage gestellt, alle Autorität stand zur Disposition. Damit fielen auch Gottes Ordnung, Seine Gebote und das Gesetz Gottes als gültige, geoffenbarte Wahrheit unter diese Kritik und ebenso alle Lebensbereiche und –verhältnisse, in die Gottes Gesetz und Gebot in der Geschichte des christlichen Abendlandes eingegangen war. Insbesondere ging es um die intimsten Bereiche des Menschen, um seine Geschlechtlichkeit, um Ehe und Familie, um das traditionelle Verhältnis der Geschlechter zu einander, um die Bereitschaft zum Empfang des ungeborenen Kindes, um die biblische Stellung von Mann und Frau in der Familie und in der Öffentlichkeit. Optimale Bedürfnisbefriedigung wurde der Maßstab, der an die gesamte Tradition vom marxistischen Denken her angelegt wurde. Von diesem Maßstab her ging es um ein befreites Handeln: um Ablehnung oder Veränderung. Die große Weigerung wurde propagiert. Ziel war, mit aller Tradition zu brechen, in nahezu allen Bereichen setzte ein Umfunktionieren der Begriffe ein. Ein neuer Freiheitsbegriff wird definiert: In der "neuen Freiheit" gehe es nicht wie bisher um Freiheit "für" die überlieferten Gebote, ethischen Normen, Werte und Einrichtungen, sondern um Freiheit "von" diesen ethischen Prinzipien der Gesellschaft auf der Basis optimaler Bedürfnisbefriedigung. Soweit Lück.

Die böse Saat der Ideologen ist voll aufgegangen, sie äußerst sich heute in dem "bösen und schlimmen Geschwür". Jeder, der dafür empfänglich war und ist, zeitigt auch die Früchte, denn "was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten" (Gal.6,7). Der Virus hat sich zu einer Volksseuche verbreitet und heißt „Emanzipation“. Emanzipation wurde ein Mittel seelischer Ausbeutung und moralischer Zersetzung. Bekanntlich stammt diese Idee aus dem atheistischen, materialistischen Sozialismus. Die emanzipatorische Pädagogik verstand sich ausdrücklich als materialistische Erziehung. Die Vorstellung von Gott als Schöpfer und Richter mußte abgelegt werden. Urheber und Maßstab aller Dinge ist der Mensch geworden, er muß nur von aller "Herrschaft" und "Fremdbeeinflußung" befreit werden, kurz: sich emanzipieren. Die Ideologen reden den Menschen Unterdrückung ein und hetzen sie gegeneinander auf, um sich dann zur Stimme der "Unterdrückten" zu machen: Arbeitnehmer, Frauen, Schüler, Kinder. Sie hassen jedes Abhängigkeitsverhältnis, sogar das natürlichste von allen wie die Mutter-Kind-Beziehung. Da den Emanzipatoren nichts freiwillig zufällt, denn der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit, erschleichen sie sich alles mit Tarnung, List und Lüge. Der Schauplatz der Demonstrationen und Aufstände, der Kriege und des Terrors wurde in die Familie verlagert. Nachdem die Emanzipatoren die von Gott gegebene Autorität, Stellung und Würde des Mannes zerstört haben, bekommen nun beide Schläge, Vater und Mutter. Dies umso eher, als die Schule die Kinder zur "Kritik" erzieht, damit sie ihre Eltern hinterfragen, verdächtigen und schließlich entmachten, um ihre Wünsche durchzusetzen. Emanzipation ist ein zermürbender Machtkampf. Hier gibt es keinen Gewinner, sondern nur Verlierer, und zurück bleibt eine Lebenswelt von Unordnung, Bitterkeit und Einsamkeit. Nicht dass erst die Emanzipationsbewegung den sittlichen Niedergang ausgelöst hätte. Schon vorher gab es diese Erscheinungen, aber die 68er-Kulturrevolutionäre machten sie gezielt zum Programm und bewirkte damit eine totale Veränderung der Gesellschaft, und der Menschen. Ein 68er bekennt: "Wir haben die sexuellen Grenzen erweitert, den Frauen die Emanzipation gebracht und die Kultur des Gehorsams gründlich abgeschafft". Dabei stellt er resigniert fest, dass es nicht die Umwelt war, die den Menschen zum Schlimmsten befähigt, sondern die menschliche Natur (Spiegel Nr.20/2000). Eine wichtige Erkenntnis, aber zu spät. Doch noch immer sprechen sie von dem „Gutmenschen“, obwohl ihr Produkt der charakterlose Schlechtmensch ist.

Eine erlebnis- und vergnügungssüchtige Gesellschaft muß auch den Preis der Emanzipation zahlen: Infolge der Emanzipation, die auch dem Feminismus Auftrieb gab, haben die Eheschließungen in den letzten vier Jahrzehnten zwei Drittel abgenommen, die Scheidungen aber sind rapide gestiegen, wovon Hunderttausende Scheidungswaisen betroffen sind. Kamen vor 40 Jahren auf zehn Eheschließungen eine Scheidung, kommen heute auf zwei Eheschließungen eine Scheidung, wobei die durchschnittliche Ehedauer nur fünf Jahre ist. Diese Ziffern stehen für zerstörte Familien, zerrissene Kinderherzen, für unendliches Leid und unstillbaren Schmerz. Die Geburten haben in den letzten 30 Jahren auf ein Viertel abgenommen, die Zahl der unehelichen Kinder aber ist in derselben Zeit auf  das Doppelte gestiegen. Im Jahre 2000 war die niedrigste Geburtenrate nach dem Kriege zu verzeichnen, und sie sinkt weiter. Trotz Armut und Hunger gab es in den Kriegs- und Nachkriegsjahren mehr Kinder als heute. Kinder sind nicht mehr gewünscht, weil man nur seiner Lust, seinem Vergnügen leben und den Wohlstand genießen will. Jeder vierte Mann und jede siebte Frau wollen laut einer Umfrage gar keine Kinder. Eine der ersten Entscheidungen im Leben der modernen Frau lautet: „Ich entscheide mich gegen ein Kind“ (Flöttmann). Die Feministen hassen die Mutterrolle, sie wollen sich selbst verwirklichen. Das fordert seinen Preis schon natürlicherweise: die Wirtschaft und die Altersrente, ja der Fortbestand eines ganzen Volkes ist ernstlich gefährdet.  Diese natur- und gottwidrige Einstellung fordert vor allem Gottes Gericht heraus: Die Plage ist eine Folge der bösen Lust, die Antwort Gottes an ein unterdrücktes böses, schuldbeladenes Gewissen. Gott ist gerecht!

Durch böse Lust wird die böse Natur des Menschen geweckt, die zu schlimmen Ausbrüchen neigt. Hier zeigt sich das Geschwür des „Gutmenschen“ in einer sehr bösartigen und peinlichen Form, in aller Ungerechtigkeit,  Bosheit, Schlechtigkeit, Zank, Mißgunst, Ichsucht, Untreue, Unversöhnlichkeit, Neid, Lug und Trug, Habsucht, Haß, Gewalt, Gier, Unzucht und dergleichen Übel mehr, die das Zusammenleben in der Gemeinschaft unmöglich machen (Röm.1,18-32; 2.Tim.3,1-5). Als die christlichen Völker noch Gottesfurcht hatten und sich zum Evangelium bekannten, hielt Gott in Seiner Güte das offene Ausbrechen des Tieres im Menschen zurück. Seitdem sie dem Tiere dienen und Gottes Gebote verwerfen und auch ein Gericht leugnen, gab Er sie preis. In der "Stunde der Versuchung" (Offb.3,10) konnte dann niemand mehr den verlockenden Angeboten des Tieres widerstehen mit der Folge, sie bekamen ein böses Gewissen. Ungeheuerliche Lüste und Triebe wurden geweckt, wobei die Werbung und die Medien kräftig mitwirkten. Stärker als Wille und Vernunft brachen Süchte und Leidenschaften auf, von denen man nie geglaubt hätte, dass sie in uns existieren, und haben all das zerstört, was man in seinem äußeren und inneren Leben als gesichert betrachtete. Täglich haben sie den Beweis davon in den Zornesausbrüchen zu Hause, in Rebellion, in Launenhaftigkeit, Herrschsucht, Überempfindlichkeit, Gereiztheit, Beleidigtsein, Selbstsucht, Ungeduld, Neid, Eifersucht, Treuebruch – und nicht zuletzt im Ausschlagen gegen die Wahrheit, weil sie sündigen Lüsten dienen. Von der Gerichtsplage ist fast jedes Haus betroffen! Jeder leidet irgendwie darunter.

Es muß unser tiefstes Mitleid erregen, wie krank die Menschen durch die erste Plage an Seele und Geist geworden sind. Innerlich leer, ausgehöhlt, ausgebrannt, haltlos, ohne Hoffnung, verlassen, gequält von seelischen Nöten und schleichender Angst, die sie schwermütig und nervlich krank machen. Das alles, weil sie dem Tiere gedient, ihren Lüsten gefrönt und Gott vergessen haben. Das Ende eines solchen Lebens ist der Tod, ewige Nacht und Verzweiflung.

Aber Gott möchte nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Das Geschwür ist heilbar, wenn man eine Untersuchung zuläßt. Hiskias Geschwür wurde durch einen Feigenkuchen als Pflaster geheilt (Jes.39,21). Eine Genesung kann jeder erfahren, der sich zum HERRn wendet und das süße Evangelium für sein Geschwür annimmt. "Denn jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden" (Röm.10,13).

 
 
Die zweite Plage (16,3)

- ein großes Seelensterben - 

 

Der großen Gottlosigkeit, Unmoral und Sittenlosigkeit in unserer Zeit, wie sie von der Ideologie des Tieres vorangetrieben worden ist und noch immer wird, begegnet Gott in Seinem Zornesgericht mit einer weiteren Plage. Menschen, die auf die erste Plage nicht reagieren, droht der psychische Tod: Der zweite Engel groß seine Schale aus auf das Meer, und es wurde zu Blut, wie von einem Toten, und jede lebendige Seele starb, alles was in dem Meere war.

Das „Meer“ ist die Welt, das „Blut wie von einem Toten“, zeugt von einem großen Blutbad durch ein Massensterben, hier menschlicher Seelen. Bei der zweiten Posaune war nur der „dritte Teil“ betroffen, die zweite Schale jedoch ist global und total, sie wirkt sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und den seelischen Bereich aus durch das, was sie sich im Reich des Tieres gegenseitig antun. Weil Gott sie dahingegeben hat, hat das Tier Macht über sie und spielt die Menschen gegeneinander aus. Bei dieser Plage handelt es sich weniger um den geistlichen Tod. Geistlich tot ist jeder Mensch, der nicht wiedergeboren ist; „tot in Sünden und Übertretungen“ (Eph.2,1). Die Plage geht an die menschliche Substanz, sie betrifft das Seelenleben der Menschen, greift an die Psyche und die Nerven, ob sie nun religiös oder atheistisch sind.

Wer in der Welt lebt, - nur im Reiche Gottes ist Frieden und Freude im Heiligen Geiste -, wird auch von der Not der Welt geplagt werden. Diese besteht in unseren Tagen in der Gefühlskälte der Menschen, in der seelischen Vereinsamung, der Sprachlosigkeit, der Gleichgültigkeit und Uninteressiertheit anderen gegenüber. Noch nie hatten die Menschen mehr Gelegenheit, miteinander zu kommunizieren, einander näher zu kommen und wohlzutun. Aber noch nie gingen sie gleichgültiger und unpersönlicher miteinander um, lebten sie mehr aneinander vorbei. Immer mehr geht das Gemeinschaftsgefühl, ein Mensch unter Menschen zu sein, verloren, man ist gegenseitig so kalt wie Tote. Da sagt man: „Wie geht’s?“ oder „Mach’s gut!“ und hat seine Gedanken schon woanders. Im übrigen drehen sich die Gespräche nur um äußere Dinge und Eitelkeiten. An dem Innenleben des anderen ist man nicht interessiert, hat man doch mit sich selbst genug zu tun. Die Menschen haben kein Vertrauen mehr zueinander, weshalb man sich nicht mehr mitteilt. Selbst in den Familien wächst die Entfremdung und Sprachlosigkeit; zwischen den Alten und den Jungen, zwischen Eltern und Kindern findet keine Unterhaltung, kein Gespräch mehr statt, und wenn, dann nur als Diskussion, die meist aber in Wortstreit ausartet.

Jede Seele leidet unter der modernen Beziehungslosigkeit. Obwohl die Menschen in den Industrienationen auf engstem Raum miteinander leben, arbeiten und verkehren, weiß doch niemand, wer der andere wirklich ist. Kaum einer versteht den anderen ganz, man wagt nicht mehr, einander die dringenden Fragen zu stellen. Jeder sieht nur sich selbst und trägt auch allein an seiner Last. Man hat Angst, sein Herz zu öffnen, sich auszusprechen, überhaupt ist man unfähig, sich dem Nächsten mitzuteilen. Man möchte unentdeckt bleiben. Insgeheim sehnt sich aber jeder Mensch nach Gemeinschaft, Verständnis, Liebe, seine Gefühle nach außen dringen zu lassen. Doch man verschließt sich, kapselt sich ab, täuscht Glücklichsein vor und überspielt den Kummer mit Witzeleien und Späßen. Andererseits ist man überempfindlich, leicht gereizt; bei der geringsten Kleinigkeit geht man hoch. Die Fun-Gesellschaft überspielt die seelischen Nöte.

Nichts ist für den Menschen so tödlich wie Vereinzelung, Isolation. Plötzlich, durch die zweite Plage, fühlen sie sich alle einsam. Noch nie waren die Menschen so einsam wie heute. Wir haben heute den Niemand-Typ, der sich nicht mehr angenommen weiß und sich daher auch nicht mehr verantwortlich fühlt. Schon die Jugend trägt das „mich kennt keiner“-Zeichen. Für viele ist das Leben öde und sinnlos geworden, sie fühlen sich von Gott und der Welt verlassen. Die Folgen sind Depressionen, seelische Krankheiten mit körperlichen Rückwirkungen; die Nerven versagen, man sucht Trost im Zigarettenkonsum, Sex, Alkohol, Drogen, und schon junge Menschen sind lebensmüde und flüchten in den Tod, weil ihr Leben sinnlos geworden ist.

Was treibt die Menschen dermaßen in die Verzweiflung? An den äußeren Lebensbedingungen liegt es nicht in der Wohlstandsgesellschaft. Es geht ihnen wirtschaftlich gut, keiner braucht zu hungern und zu frieren; die Medizin hat beachtliche Fortschritte gemacht, so dass viele Leiden erträglicher geworden sind. Technisierung und Automation haben die Arbeit erleichtert, die Arbeitszeit ist kürzer und der Urlaub länger geworden. Man hat dadurch mehr Gelegenheit, sich seiner Familie und anderen Menschen zu widmen. Der Fortschritt hat den Menschen alles gebracht, was sie von ihm erwarten konnten, um bequem, glücklich und frei zu leben. Man hat Geld, Auto, Haus, ist komfortabel eingerichtet, gegen alles versichert und gut abgesichert, man ist sozial versorgt, pflegt Bildung und Kultur und hat Unterhaltung rund um die Uhr. Aber was ist, wenn der gewohnte Überfluss aufhört?

Wenn es je eine "gute alte Zeit" gab, dann müßte sie heute sein. Und doch scheinen alle diese sogenannten "Errungenschaften" die Seele des Menschen nur geschädigt zu haben. Die Menschen waren noch nie innerlich so arm, ausgehöhlt, unruhig, gehetzt, gestreßt und von Ängsten erfüllt. Daran haben auch alle sozialen Maßnahmen und Einrichtungen nichts ändern können, im Gegenteil, sie haben das Übel unserer Gesellschaft nur verschlimmert, die Entfremdung vergrößert, das Alleinsein gefördert, und vor allem auch den Egoismus genährt. Sozialismus, Sozialität, Sozialisation oder wie man die Vergesellschaftung nennen mag, haben das Gegenteil von dem bewirkt, was sie erreichen sollten. Im Sozialismus gilt der Einzelne nichts, die Gesellschaft ist alles, so muß er psychisch sterben und stirbt auch physisch in der anonymen Gesellschaft, ohne daß es einer beachtet. Man hat nicht einmal bemerkt, dass der Wohnungsnachbar krank geworden und schon 4 Tage tot in seiner Wohnung liegt.

Von der Wirtschaft bis zur Ethik und Psychologie heißt alles "sozial-". Die meisten jungen Leute, vor allem Frauen, studieren Soziologie, Sozialpädagogik und „soziale“ Berufe. In der Sozialisation soll die Zukunft der Welt, das Heil der Gesellschaft liegen, das Heil der Familie, das Heil der Erziehung. „Sozial“ aber können die Probleme nicht gelöst werden. Angesichts der Eigenart der menschlichen Natur, wie sie uns vom Schöpfer mitgegeben ist, vermögen wir nicht unpersönlich sozialistisch zu leben und dabei seelisch gesund zu bleiben. Schon sind viele junge Menschen, die in den Schulen „sozialisiert“ wurden, tief im Innern krank, entseelt, zweimal erstorben. Der Mensch in der sozialen Gesellschaft verliert seine Ich-Idendität und wird zum Herdentier: Wohin immer Verführer die Masse lenken wollen, folgt sie ihnen. Weil sie Leistung, Wohlleben und Erfolg über alles gestellt haben, nur konsumiert und dabei ihr Seelenheil und Gott vergessen haben, hat Gott ihnen den freien Sozialismus des Tieres gegeben, den sie einst begeistert aufnahmen und jetzt als Plage empfinden müssen. Der Sozialismus war seit Marx eine atheistische Bewegung, gottfeindlich und menschenverachtend. Weil er atheistisch ist, trennt er den Menschen vom Schöpfer und beraubt ihn seiner Natürlichkeit und Personalität. Und weil er materialistisch begründet wird, tötet er die Seele. Der künftige Mensch sollte ein Kollektivmensch sein, er sollte zum Sozial-Mensch erzogen werden. Das ist er nun freilich dank der Sozialwissenschaft geworden, aber mehr unsozial als sozial, nur seinen eigenen Vorteil suchend. Der Mensch unter dem Sozialismus verliert seine Mitmenschlichkeit, er wird zum Tier erniedrigt und gebärdet sich auch so. Über Werte wie Tugendhaftigkeit, Ehrfurcht, Liebe, Schamhaftigkeit zum Schutze seiner Intimssphäre, Keuschheit, Vertrauen, Treue, Wahrhaftigkeit, Verantwortung, lächelt man. Der Sozialismus, genauer der humanistische, angeblich menschliche Sozialismus, hat den Menschen demoralisiert und verformt, so dass die Menschen nur noch auf Raub und Flucht eingestellt sind und darum so unmenschlich miteinander umgehen. Sozialismus ist Mord, drüben Menschenmord, hüben Seelenmord.

Der Mensch ist nun einmal kein Sozialwesen, wie ihn Habermas und Genossen  der „Frankfurter Schule“ sehen und bilden wollten. Gewiß ist der Mensch ein Gemeinschaftswesen, das aber echte, verläßliche Gemeinschaft und Geborgenheit in einer persönlichen Beziehung braucht, und diese kann nur im Kreis der Familie Gottes gefunden werden. Der Sozialismus wollte die christliche Gemeinschaft nachahmen, er übernahm christliche Begriffe, konnte aber kein  Leben und keine Liebe erzeugen und auch keine wahre Freiheit bringen. Die verheißene freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Selbstverwirklichung wurde zum öden Singletum. Alte Zwänge hat der Sozialismus den Menschen abgenommen,  neue gesellschaftliche Zwänge ihnen aufgebürdet.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Entstehung des Sozialismus. Im Zuge der großen sozialen Vereinigungsbestrebungen des 19.Jhdts. bildeten sich zahlreiche Vereine, Parteien, Organisationen, Verbände, angefangen mit der Gemeinschaft der Sozialversicherten bis zu den Selbsthilfegruppen. Man wollte nicht mehr von Gott abhängig sein. Alle diese Interessenverbände konnten jedoch ihre Mitglieder nicht wirklich verbinden und glücklich machen. Solche Mitgliedschaften sind zu unverbindlich, meist nur nominell, man kennt sich untereinander kaum oder gar nicht. Dann die sozialen Einrichtungen, die viele ausnutzen, wobei es ihnen nicht darauf ankommt, den sozialen Staat zu betrügen, wo sie nur können (natürlich sind es immer die anderen). Die sozialistische Forderung: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" konnte nur mit Zwang und Gewalt durchgesetzt werden. So scheint die soziale Idee nach außen hin erfolgreich, hat aber einen ungeheuren Individualismus geweckt, nach dem Motto: Jeder ist sich selbst der Nächste. Deshalb muß alles gesetzlich geregelt werden, was zu einer weiteren Entfremdung der Menschen führt. Dieses ganze soziale Unternehmen gleicht einem Unterfangen wie beim Turmbau zu Babel: Sie wollten sich einen Namen machen, aber sie haben nicht mit Gott gerechnet. Deshalb hat Er ihr Vorhaben vereitelt, sie sind verwirrt, auf der Flucht, einer versteht den anderen nicht mehr und jeder mißtraut jedem.

Solange der Kampf des Sozialismus auf die Arbeitswelt und das öffentliche Leben beschränkt blieb, konnten die Menschen sich in ihre Häuslichkeit flüchten. In diesem Bereich gab es durchaus noch eine "heile Welt". Dabei blieb es jedoch nicht. In den letzten Jahrzehnten dringt der Sozialismus in humanistischer und pluralistischer Form auch immer stärker in die Wohnungen und Familien ein. Hier, in den kleinen, ihnen noch verbliebenen Friedenshort wurde der Kampf hineingetragen, um die Gesellschaft von Grund auf umzugestalten, zu entchristlichen. Eine geeignete Operationsbasis war die Schule. Diskussionen und Streit um die Ordnung, Sitte und Moral sind nun der tägliche Krieg zwischen Eltern und Kindern und zwischen den Generationen. Schule und  Medien hämmern pausenlos auf die Kinder ein, um sie gegen die Eltern aufzuwiegeln und Kritik an allem Bestehenden zu üben. Das ist freilich das Ende der schönsten Familiengemeinschaft. Die Folge ist, dass den Heranwachsenden der Halt und die Orientierung des Elternhauses  fehlen, sie sind mit ihren Problemen allein gelassen, und viele finden ihr junges Leben sinnlos. Man kann der Jugend ansehen, wie sie unter der Plage leidet. Arme Jugend!

Ein weitere Auswirkung der Plage ist die Hektik. Unsere schnellebige, wechselvolle Zeit kommt von dem Tier, weil es alles ändern will. „Und es wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz zu ändern“ (Dan.7,25). Es liegt in der Natur des Tieres, seine Beute zu hetzen. Da haben wir die Erklärung für die Hetze des Alltags, den Streß und die innere Unruhe. Vom „Zug der Zeit“ bestimmt, jagt es die Menschen von früh bis spät. Auch dadurch, dass die Regierungen, die vom Tiere gesteuert werden,  Verordnungen und Gesetze alle Augenblicke ändern und ständig neue Reformen ersinnen. Es gehört zur Natur und Taktik des Tieres, seinen Weg, seine Methode, seine Organisationsformen ständig zu wechseln, und das von Jahr zu Jahr schneller. Was gestern noch gültig war, ist heute schon wieder entwertet und muß nach neuen Regeln eingeübt werden. „Alles ewig anders“ stöhnen alle Leute. Es gibt nichts Beständiges mehr. Die Menschen sind heute in einer Situation wie Kinder, die „Mensch ärgere dich nicht!“ jeden Tag nach anderen Regeln spielen müssen. Neue Scheckkarten, neue Geheimnummern: endlose Zahlen sollen alles vereinfachen und bequemer machen, aber es wird immer komplizierter. Oft werden ganze Städte gezwungen, ein völlig neues Spiel zu spielen. Durch Eingemeindung und Ausgemeindung muß immer wieder alles geändert werden, besonders die Verwaltungen. Da werden die Telefonummern geändert, die Straßennamen, die Postleitzahlen und vieles mehr. Glücklicherweise ist das in den letzten Jahren etwas zum Stillstand gekommen. Doch die Gesetze und ihre Ausführungsbestimmungen ändern sich  laufend, sogar das Steueränderungsgesetz. Von Neuem beginnt das Suchspiel mit den neuen Formularen. Wer versteht das noch, wer findet sich in diesen Irrgärten noch zurecht?

Und ruhelos sind die Menschen geworden - ein Anhaltspunkt, dass ihnen etwas fehlt: nämlich Gott. Denn ohne Gott findet der Mensch keinen Ruheplatz. „Einem gottlosen Menschen bin ich noch nicht begegnet“, sagt Tolstoi, „nur unruhigen Menschen’“. An die Stelle Gottes ist für viele Menschen alles oder nichts getreten, beides läuft letztlich auf dasselbe hinaus: Leere und ruhelose Suche. Eine Fülle von Freizeit- und Konsumangeboten sowie dubiose Heilslehren dringen in diese Leere ein und haben damit auch Erfolg. Auf der Suche nach innerem Frieden irren viele umher, ohne recht zu wissen, was sie eigentlich suchen und wonach sie sich in Wahrheit sehnen. Jeder Mangel, jedes Unbehagen, jedes Gerücht versetzt die Menschen in Unruhe und bringt sie seelisch aus dem Gleichgewicht, die kleinste Krise wird zur Katastrophe. Am meisten fürchten sie um ihr Geld und ihren Besitz, weil sie die Ansprüche zu hoch geschraubt haben.

Ein letzter Beweis für die Wirkung der Plage ist das Tempo des technischen Fortschritts, der von dem Tiere in Gang gesetzt worden ist. Der Fürst der Welt hat mit dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt eine ungeheuer wirksame Waffe in die Hand bekommen. Durch den Forschungsdrang ist in den letzten 10 Jahren mehr erfunden worden als in der ganzen Weltzeit zuvor. Mit der rasenden technischen Entwicklung, am deutlichsten sichtbar an der Computerentwicklung, kann die Seele des Menschen nicht Schritt halten. Was gestern noch neu war, ist heute veraltet. Schnelle Anpassung ist gefordert, der Mensch wird zum Roboter, er ist ein Gefangener seines eigenen Systems geworden. Satan gaukelt ihm vor, er sei frei und  stehe im Mittelpunkt allen Fortschritts. Dabei wird er gesteuert und getrieben, und es geschieht alles um der Effektivität willen. Deshalb stellt auch die Industrie und die Wirtschaft immer höhere Anforderungen an die Beschäftigten, die Leute werden gehetzt an ihren Arbeitsplätzen, um noch mehr aus ihnen herauszuholen und Kosten zu sparen. Diese Hetze hält der Mensch auf Dauer nicht aus; und wer sich nicht hetzen läßt, wird gemobbt. Man spricht heute vom Burn-out-Syndrom, nicht nur bei Lehrern, sondern jetzt auch bei Managern, die ständig im Stress sind.

Der Reiz des Neuen treibt die Menschen voran, es muß alles immer neu sein, alles frisch. Der moderne Mensch ist so gierig nach Neuem. Doch jede Marktneuheit, jede Neuerung und Neuanschaffung kostet ihn neben Geld auch noch ein Stück eigener Festigkeit und Ruhe. Denn alles ist so schnell wieder überholt, so vergänglich. Zu spät merken sie, was sie verloren haben. Nun können sie nicht mehr anders. Der Feind der Seelen hat sie völlig in der Hand. „Oder man müßte meinen Schutz ergreifen, Frieden mit mir machen, Frieden machen mit mir“ (Jes.27,5).

Eine heillose Welt liegt im Sterben, sie blutet aus allen Wunden. An diesem traurigen Zustand kann keine Politik etwas ändern. Alle sitzen in demselben Boot und werden von dem Zeitgeiststrudel, den das Tier bewirkt, mitgerissen. Es droht ihnen psychisch der Untergang, viele sind schon an Seele und Geist ein Wrack, manche auch körperlich. Vom Winde der Meinungen hin- und hergeworfen, ohne festen Anker und ohne Hoffnung treiben sie dem Abgrund zu. Die Angst im Nacken, – jeder treibt und wird getrieben, sie fliehen und verfolgen einander zugleich – spielt sich unter der Herrschaft des Tieres eine echte Verfolgung ab, wobei aber der Verfolger unerkannt, anonym bleibt. So recht deutlich wird das im Straßenverkehr. Jeder Hintermann ist ein Verfolger, jeder Vordermann ein Gejagter. Die Welt geht greulichen Zeiten entgegen, die Ängste und Nöte werden noch wachsen, wenn die Menschen nicht „SOS – meine Seele stirbt!“ rufen zu Dem, Der allein zu retten vermag. „Denn ich habe Vernichtung vernommen und Festbeschlossenes von seiten des Herrn der Herrscharen über die ganze Erde“ (Jes.28,22).

Die zweite Plage soll bewirken, dass sie bei Dem Ruhe und Frieden suchen, Der gesagt hat: "Kommet her zu mir her, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und  i c h  werde euch Ruhe geben" (Matth.11,28). So kann jeder aus der Vereinsamung und aus dem Meer der Angst, der Unruhe und des Todes gerettet werden und ein neues Leben in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne beginnen. So findet er auch im Kreise der Familie Gottes die Gemeinschaft, die seine Seele zur Förderung im Glauben braucht. Sei es in der Gemeinde, in den Familien oder mit einzelnen Gläubigen: er erfährt Liebe und Fürsorge, geistlich und leiblich, er kann Leben in Überfluß haben. 

Gewiß werden viele, wenn sie ihre Lage im Lichte dieser Plage erkennen, sich zum HERrn bekehren. Wer sich aber ständig verhärtet, den wird Gott auch einmal verhärten wie den Pharao (Röm.9,14-18). Jedem Glaubenden ist nicht nur ewiges Leben nach dem Tod verheißen, sondern er bekommt das ewige Leben als gegenwärtigen Besitz und Genuss. Das ist ein Leben von höherer Art und Qualität, Hetze und Plage kommen darin nicht auf. Es ist Aufgabe der Verkündigung, den Menschen im Lichte dieser Plage ihre Befindlichkeit zu diagnostizieren und ihnen dringend das Heilmittel des Evangeliums zu verordnen. 

 

 

Die dritte Plage (16,4-7)

– Seelengifte –

 

Bei den Menschen, die unter den vorangegangenen Plagen leiden, ist ein brennender Durst nach Lebenswasser aufgebrochen. Die Seelen schmachten nach Leben, nach Trost, nach Frieden, und finden doch keine Erquickung, weil sie Den nicht suchen, Der allein die wahre Lebensquelle ist, Jesus Christus. Statt zu Gott zurückzukehren, von Dem sie sich soweit entfernt haben, suchen sie ihre innere Leere und Verlassenheit an den seelischen, sinnlichen Strömen und aus den geistigen Quellen dieser Welt zu stillen. Darüber ist Gott so ergrimmt, dass Er den Abgefallenen eine weitere Plage sendet, um ihnen die Wasser der Welt abzuschneiden und ungenießbar zu machen: "Und der dritte Engel goß seine Schale aus auf die Ströme und auf die Wasserquellen, und sie wurden zu Blut".

Wie bei der dritten Posaune haben wir es auch hier nicht mit einer natürlichen Wasserverschmutzung  zu tun, wie etliche meinen. Auf eine solche Deutung konnten nur die geistlosen Jannes und Jambres, die beiden ägyptischen Zauberer, kommen (2.Mo.7,22; 2.Tim.3,8). Vor Jahren war die Verunreinigung der Flüsse und Seen durch Abwasser und Giftstoffe ein ernstes Problem. Inzwischen ist soviel dagegen getan worden, dass beispielsweise der Rhein heute sauberer ist als je zuvor, als noch alle Fäkalien in die Flüsse geleitet wurden. Viel bedrohlicher ist die Innenweltverschmutzung, die Vergiftung der Seelen, und darum geht es bei dieser Plage.

Die Verwandlung der "Ströme" und "Wasserquellen" in "Blut" macht diese tot und stinkend. Könnten die Menschen diese mit ihren Sinnen wahrnehmen wie einst die Ägypter, sie würden sicherlich nicht so gierig daraus schöpfen und trinken (2.Mo.7,14-25). Auch die Schriftgelehrten konnten Wasser in Blut verwandeln, vergrößerten aber dadurch nur die Katastrophe (2.Mose 7,14-25). So auch heute die Weisen dieses Zeitlaufs, ihre Weisheit auf psychischem und geistlichem Gebiet ist Torheit! Es ist Gott, der die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht hat durch das Wort vom Kreuz.

Das "Blut" der dritten Schale schmeckt wie Wein, hinterläßt aber einen ekelhaften Nachgeschmack. Es hat nichts mit Alkohol zu tun, und doch sind sie davon berauscht. Es ist ein tödliches Gift, ausgelegt wie süßes Rattengift. Wenn Menschen in Seenot mangels Trinkwasser salziges Meerwasser trinken, werden sie noch mehr Durst bekommen, was ihr sicherer Tod ist. Die Masse trinkt begierig von den verderbten Quellen und verseuchten Strömen, wird süchtig und stirbt langsam den psychischen Tod.

 

Die Ströme

In den „Strömen“ erkennen wir die medialen Einflüsse, die durch Bild, Wort, Schrift und Ton die geistlose und gottlose Masse beeinflussen zu ihrem Verderben. Ihre eigenen Produktionen benutzt Gott, um die Menschen zu strafen. Wir können die Mittel der Beeinflussung in drei Kategorien einteilen: Die Massenmedien als Hauptinformationsquelle, insbesondere das Fernsehen; dann die Literatur, die Flut von Büchern und Zeitschriften, und drittens die ständige Berieselung mit Musik. Alle drei Mittel waren für die Kultur- und Gesellschaftsveränderer äußerst wirksame Mittel, ohne die sie wohl kaum bei den Volksmassen hätten so großen Einfluß nehmen können.

Auf die schädliche Wirkung des Fernsehens, insbesonders für Kinder, ist schon oft und eindringlich hingewiesen worden. Nicht nur von christlichen Mahnern, sondern auch von Soziologen und Psychologen, die seine Wirkung dem LSD gleichstellen, weil es hypnotisch, bewußtseinsspaltend und sinnestäuschend wirkt. Abgesehen von den gesundheitlichen Schäden stumpft es auch das Gemüt ab und tötet die natürlichen Gefühle; Fernsehkonsumenten erleben Gefühle nur noch aus zweiter Hand. Daher haben die Menschen auch so wenig Verständnis füreinander und sind so kalt und rücksichtslos. Das Fernsehen bringt eine künstliche Welt ins Haus, eine Welt der Sünde und Unmoral und Gewalttat und stiftet die Menschen dazu an. Beweis genug, dass Gottes Zorn auf dem Flimmerkasten ruht. Er zieht die Menschen in einen teuflichen Bannkreis und vergiftet die Seele, schon eine geringe Dosis wirkt geisttötend. Sie müssen das Gift der Sex-, Kriminal- und Horrorfilme trinken, ja bis zum Erbrechen „Menschenblut“ schlürfen. Wer Fernsehen schaut, muss Blut trinken, bis ihn die ganze Welt anwidert und er Ekel vor sich selbst empfindet. Das Fernsehen ist zweifellos das wirksamste Medium des Tieres, ein schreckliches Gerichtswerkzeug. 

Neben dem Fernsehen, das weitgehend Unterhaltung bietet, haben die Menschen ein ungeheures Informationsbedürfnis, dem die Unzahl von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen entspricht. Vor allem die Tageszeitung stillt und erzeugt zugleich den unbändigen Hunger nach neuen Meldungen, sie spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Strömungen und Trends wieder und beeinflußt sie zugleich. Demgemäß berichtet sie überwiegend Sensationelles, Schlechtes und Unreines. Das Morgenblatt ist angefüllt von Unglücksmeldungen, Katastrophen, Krisen, Kriegsgerüchten, politischen Unruhen, Streik, Parteigezänk, tendenziöse Darstellungen, Affären, Ehebruch, Hurenannoncen, Diebstahl, Mord etc. Alles dieses hinterläßt bei dem Leser, der so hungrig die neuesten Informationen verschlingt, keinen guten Geschmack, er spült es mit dem Kaffee hinunter. Wie gierig greift die Masse nach der BILD-Zeitung, obgleich sie von Blut trieft. Und am Abend wieder das magische Gift der sündigen und blutigen Szenen im TV.

„Der Tag beginnt mit uns“, wirbt die Zeitung. Wer wollte behaupten, dass man mit all diesen Informationen den Tag glücklich beginnen und beschließen kann? Und doch trinken die Menschen am nächsten Tag wieder von denselben verunreinigten Strömen. Sie können nicht mehr ohne diese Kloake leben. Von früh bis spät nur Negatives, Böses, Abartiges, nichts was gut und heilsam wäre. Kein Wunder, wenn sie unter seelischen Störungen leiden, wenn Ängste und Süchte sie quälen. Die Macht der Neugierde, die Sucht etwas Neues zu erfahren, läßt sie „Blut“ trinken und im Morast ertrinken, weil sie das Wort Gottes verachtet haben. Nicht zu reden von dem Schund und Schmutz in den Illustrierten und Magazinen, nun auch heimlich in den Videos und im Internet. „Die Dummheit der Informationsgesellschaft“ heißt ein Buch von Prof. Schmidtchen (Zürich 2002). Wer diesen Einflüssen verfallen ist, verdirbt sich selbst und erntet den Tod, ewiges Verderben von dem Angesicht Gottes hinweg. Hier können wir mit dem Evangelium wieder ansetzen (vgl.Ap. 17,19-21).

„Ich hörte den Engel der Wasser sagen: Du bist gerecht, der da ist und der da war, der Heilige, daß du also gerichtet hast“. Den Menschen muß der Zorn Gottes über diese Dinge bzw. deren Gebrauch klar gemacht werden. Sie müssen die biblische Prophetie hören, wenn sie das Gesetz nicht mehr hören wollen, damit sie ihre Lage erkennen und zur Buße sich bequemen. 

Ein dritter Strom ist die Musik. Als Strom von oben ist sie rein, lieblich, wohllautend. Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern ehren wir Gott und erbauen uns selbst (Kol.3,16). Auch Volkslieder und Lieder aus der Natur haben einen Wert und erfreuen Jung und Alt. Seit der dritten Plage ist eine gewaltige Veränderung in der Musik vorgegangen, auch mit dem religiösen Liedgut. Da ist nämlich ein Strom von unten eingemischt worden, wofür besonders junge Leute offen sind. Die Folge ist, daß sie weniger singen, weil sie nur noch Musik hören, und das den ganzen Tag. Und was für Musik! Fast nur amerikanische und dämonische Musik, und das möglichst laut. Junge Leute sind davon berauscht, doch sie schädigen damit nicht nur ihr Gehör, sondern verderben auch ihre Seele. Ihre Gefühle, ihre Stimmungen und Triebe geraten durch Rock- und Popmusik unter den Einfluß unreiner Geister. Man hat festgestellt, dass zwischen der sexuellen Stimulierung und den modernen Rythmen ein direkter Zusammenhang besteht.

 

Die Wasserquellen

Woher kommen alle diese Strömungen? Natürlich aus Quellen, und aus Quellen werden Bäche, Flüsse, Ströme, die sich ins Meer ergießen. Wenn die Quelle vergiftet ist, sollte man sie meiden. Doch die Masse weiß dies nicht. In allen Medien ist ein ideologisches Gift eingemischt, schon von den Urhebern, Autoren und Produzenten her, die die Gesellschaft im Sinne des humanistischen Sozialismus verändern wollen und schon stark verändert haben. Dieses Gift verändert den Menschen in seinem Denken, es verändert das Bewusstsein von innen heraus. Sogar die Denkkraft wird geschwächt, so dass sie nicht  wissen, wie verderblich die Blutströme und -quellen sind. Davor zu warnen ist Aufgabe der Verkündigung, der Überführung von Sünde und von Gerechtigkeit und Gericht. Die ideologischen Quellen sind hauptsächlich in den Schulen und Universitäten zu suchen. Die Darreichungsform sind Bücher und Lehrmittel, die den Anschein von Wissenschaftlichkeit haben, jedoch nur bloße Weltanschauungen, Ideologien und Theorien vermitteln. Die gesamte moderne Literatur der Geisteswissenschaften und Psychologie ist vom Geiste des Tieres inspiriert, auch das religiöse Schrifttum ist mehr oder weniger davon durchsetzt. Daraus entstehen gesellschaftliche Strömungen, die wiederum die Medien verbreiten.

Wie diese modernen Geistes- und Zeitströmungen bei denen, die ihnen folgen, die Logik und das Urteilsvermögen einschränken, besonders im Bildungsbereich, kann man, beginnend bei den Schülern und Studenten, bis zu den Kultusministern beobachten. Leistungsstudien weisen aus, dass viele Schüler nicht lesen und rechnen können, es fehle ihnen die Denkfähigkeit. Professoren klagen darüber, dass ein großer Teil der Studenten selbst die einfacheren Lehrbücher nicht lesen und erfassen, kein korrektes Deutsch schreiben, einfache Gedankengänge nicht nachvollziehen und einfachste Rechenaufgaben nicht bewältigen können. Das Denken und Nachdenken ist durch den Tiergeist stark eingeschränkt, zum Teil auch völlig blockiert.

Die Urheber bzw. die Quelle dieses Dilemmas werden von verschiedenen Autoren heute wieder in Erinnerung gebracht. Die Misere entstand mit der Emanzipationsbewegung und hat heute die ganze Gesellschaft erfaßt. Wie wir bereits bei der ersten Plage feststellten, erstreckte sich die Kulturrevolution auf alle Lebensbereiche und war darauf angelegt, alle göttlichen Ordnungen und Einrichtungen abzuschaffen und bis in die Kunst und Musik hinein Disharmonien zu erzeugen. Sicher war der Boden dafür bereit, dass die Unkrautsaat aufgehen konnte. Doch erst mit der Ausgießung der dritten Zornesschale wirkte das Programm der Neomarxisten, um ein heilloses Chaos, eine grenzenlose Verwirrung anzurichten, was auf die Urheber und Befürworter inzwischen selbst zurückgefallen ist. Die 68er-Generation, (die heute schon Großväter und Großmütter sind), und deren Kinder und Kindeskinder, haben einen ungeheuren Schaden an Geist, Seele und Charakter erlitten und wiederum angerichtet, dessen Auswirkungen heute überall sichtbar sind. Rolf Kosiek hat den Volksschaden in seinem Buch “Die Frankfurter Schule und ihre zersetzenden Auswirkungen“ schonungslos aufgedeckt (Tübingen 2001). Leute aus dieser „Schule“ sitzen heute mehrheitlich in allen Parteien und Institutionen, die Lehrerschaft und die Medienmacher sind davon geprägt, sie streuen das ideologische Gift der Emanzipation, der Befreiung von allen Normen und Tabus, indem sie den enthemmten Sex zum Ideal machen, in die Herzen. Schon eine geringe Dosis dieses Geistesgiftes verändert den Menschen, es geht direkt ins Blut und beschädigt den Geist. Die Folge ist eine veränderte Denkweise, die die Vernunft und somit die Einsicht vernebelt; man ist nicht mehr zu vernünftigen Gedanken fähig, so dass man gute Dinge für schlecht ansieht und schlechte für gut, gerade Sachen für krumm hält und krumme Sachen für gerade. Armin-Ernst Buchrucker hat in seiner Studie „Aufstand gegen Autorität und Tradition“ die Kulturrevolution der 68er und ihre Auswirkungen treffend analysiert (Groß Oesingen 2000, Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms).

Der Grund für die dritte Seelenplage ist, dass sie das Zeugnis Jesu verworfen und die Zeugen mundtot gemacht haben, was einer Ermordung gleichkommt. Wie viele Knechte Gottes sind im sogenannten freien Westen niedergeschrieen und niedergestreckt worden. Man wollte die Warnungen der „Moralapostel“ nicht mehr hören. Die Antwort auf ihre Verwerfung ist, dass die Tieranbeter an ihren eigenen Produktionen zu Grunde gehen. Weil „sie das Blut von Heiligen und Propheten vergossen haben, hast du ihnen Blut zu trinken gegeben; sie sind es wert“.

Die dritte Plage hat den Zweck, Durst nach der wahren Lebensquelle, Jesus Christus, zu wecken. Nur bei Ihm wird der Lebensdurst gestillt. Wenn jemand merkt, dass ihn die Abfälle der Welt zu Grunde richten, darf er die Gnade Gottes in Anspruch nehmen. Gegen alle Seelengifte und deren schlimme Auswirkungen gibt es nur  e i n  Heilmittel: Es ist „der Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Throne Gottes und des Lammes“ (22,1). Dieses wunderbare Heilwasser ist nicht zum Waschen von Sünden da – dafür benötigt man das Blut des Lammes (1,5; 7,14) –, sondern zum Trinken, um den Durst der Seele zu stillen und sie zu reinigen. Wer davon trinkt, wird selbst zu einer Quelle für andere, die ins ewige Leben quillt. Dieses Wasser heilt die kranken Seelen und stärkt wunderbar. „Wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!“ (22,17). Darum die dritte Plage, sie weckt, wenn sie verkündigt wird, Durst nach der wahren  Lebensquelle.

 

 

Die vierte Plage (16,8.9)

­­– Utopien und Phantasien –

 

„Und der vierte goß seine Schale aus auf die Sonne! Und es wurde ihr gegeben, die Menschen mit Feuer zu versengen. Und die Menschen wurden von großer Hitze versengt“. Für diese Plage gibt es außer der Anspielung auf die vierte Posaune kein direktes biblisches Vorbild. Allerdings wird in Offb.7,14  die große Drangsal in der Wüste erwähnt, aus der eine große Volksmenge herauskommen soll. Noch befinden sich diese Menschen in der Wüste des Tieres, die zu einer großen Drangsal für sie wird. Was eine Wüste ist, wo die Sonne heiß scheint, wenn man ungeschützt der Gluthitze ausgesetzt ist, weit und breit keine Oase, vor Durst verschmachtend, kann sich jeder leicht ausmalen. Wer sich auf Wüstenpfaden nicht auskennt, verliert die Orientierung, erliegt leicht Sinnestäuschungen (Halluzinationen), fängt an zu phantasieren und kann den Verstand verlieren. Gar manches Opfer, das die Spur der Karawanen verlor, ist in der großen Wüste Sahara zu beklagen. Zwei Beduinen finden in der Wüste einen Menschen verdurstet an der Quelle liegen. Kannst du das verstehen, fragt der eine? Das Wasser läuft ihm buchstäblich in den Mund. Darauf der andere: Es war ein moderner Menschen, er hat nicht daran geglaubt.

Der Christ, der den Fußspuren Jesu folgt, findet auch in der großen und schrecklichen Wüste dieser Welt den Weg, weil sein Meister vorangegangen ist und der Geist sein Führer ist. Wie aber sollen Menschen hier zurechtkommen, die keinen Führer, keinen Kompaß haben, keine Wegzeichen sehen und nicht einmal das Ziel der Reise wissen? Sie müssen sich verirren, unterliegen leicht Täuschungen. Der pluralistischen Gesellschaft, die einmal christlich geprägt war, ist durch die Ideologien und Utopien der Kompaß des Wortes Gottes, der allein Lebensorientierung bietet, verloren gegangen. Da sie jede Führung und Autorität ablehnen, weil sie sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, werden sie eine Beute von Verführern  Also muß Gott es ihnen unerträglich heiß machen, damit sie wieder nach Ihm fragen und sich Seiner Führung anvertrauen. „Sie irrten umher in der Wüste, auf ödem Wege, sie fanden keine Wohnstadt ... „ (Ps.107,1-9).

Die vierte Plage ist eine Antwort auf die Utopien und Luftgespinste der Tieranbeter, jedoch jetzt in negativer Wirkung. Die vorhergehende Plage hatte ihnen folgerichtig und gerechterweise die Wasserquellen in der Wüste des Tieres ungenießbar gemacht. Dazu kommt nun die heiße Sonnenglut. Unbarmherzig brennt die Sonne aufs Gehirn, ein Sonnenstich ist die Folge, die Leute fangen an zu phantasieren, mit Verlaub gesagt, zu spinnen. Eine Utopie ist nach Duden „ein unausführbar geltender Plan ohne reale Grundlage, auch als Schwärmerei und Hirngespinst bezeichnet“. Die vierte Plage kann man als Geisteskrise bezeichnen.

Nur wenige haben noch gesunde, vernünftige Gedanken, bei denen auch noch gute Ansichten Gehör finden, vornehmlich die Alten, die noch etwas anderes gekannt haben. Die Masse glaubt den Meinungen der Tiervertreter, hält den Betrug der Pseudowissenschaft für Weisheit. Betroffen von der Sonnenplage ist hauptsächlich die Intelligenz auf dem Sektor Bildung und Erziehung. Am Unverstand der Politiker, Bildungsexperten, Erziehungswissenschaftler, Soziologen, Pädagogen, Richter etc., kann man am deutlichsten die Sonnenplage erkennen. „Er entzieht den Häuptern der Völker den Verstand ...; und Richter macht er zu Narren“ (Hiob 12,17.24). Wie unverständig, wie verwirrt die Geister sind, sieht man an den Bildungsdebatten und den Beschlüssen der Politiker. Sie offenbaren eine große Ratlosigkeit;  mit neuen Programmen und Konzepten oder mit Geldzuschüssen sind die Probleme wahrlich nicht zu lösen. Ein König „von Gottes Gnaden“ hatte da mehr Weisheit. Gegenwärtig diskutieren sie sich die Köpfe heiß bei der Behebung der Gesellschaftskrise, der Erziehungsnot, der Schulkrise, des Leistungsabfalls der Schüler (TIMMS, PISA), aber die wahren Ursachen kennen sie nicht, wollen sie auch nicht wahrhaben, wenn sie darauf hingewiesen werden. So gehen die Meinungen und Vorschläge wild durcheinander, aber Gott und gottesfürchtige Christen befragen sie nicht. „Die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang; die Narren verachten Weisheit und Unterweisung“ (Spr.1,7).

Versengt von der Sonnenglut sind auch die vielen babylonischen Pfarrer und Prediger, deren Predigten mehr Soziologie und Psychologie sind als Gottes Wort. „Und da sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden, deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrtums, dass sie der Lüge glauben“ (2.Thess.2,10-12).

Leute in verantwortlicher Stellung müssen sich mit der Realität auseinandersetzen, die alles andere als hoffnungsvoll ist. Andere wieder nutzen die Krisenstimmung im Volke für Utopien. Auf einem Psychologenkongress wurde beklagt, dass es keine großen Utopien mehr gäbe, die die Menschen beflügeln; nur noch negative, Schrecken erregende Utopien und Visionen würden in Film und Literatur geboten, was schädlich auf die Psyche des Menschen wirke. Da wird z.B. in einem Film das Ende der Welt gezeigt, die Erde drehe sich in absehbarer Zeit nicht mehr, wodurch die Menschen auf der sonnenbeschienenen Seite verglühen würden, auf der anderen Seite erfrieren müßten, dazu ein Komet, der die Erde streift und sie zerstört. Solche und noch schrecklichere Horrorfilme werden produziert und bekommen den „Oscar“. Andere Hirngespinste lassen die Menschen im Weltraum mit außerirdischen Wesen zusammenkommen, am Ende hält sich der Mensch selbst für ein fremdes Wesen und bekommt dann Bewusstseinsspaltung. Bei dieser abnormalen Denkweise in einer Phantasiewelt wird es schwierig mit der Bewältigung von Lebenskrisen. Die Utopie von einem New-Age-Zeitalter hat sich schon jetzt in ein Schreckenszeitalter verwandelt.

Für die gegenwärtige Geisteskrise ist wieder die Emanzipationsbewegung aus der „Frankfurter Schule“ verantwortlich, die wir schon bei der ersten Plage erwähnt haben. Insbesondere die „Kritische Theorie“, diese hirnverbrannte sozialistische Idee fiel wie ein fremdes Feuer auf Lehrer und Schüler und versengte sie am Geist. Sie leben in dem Wahn, kritische Erziehung, Konflikt-Theorie, Sexualerziehung usw. sei notwendig und vernünftig, obwohl sie nur Unglück über junge Menschen brachte. Selbst Sigmund Freud bezeichnete die sexuelle Stimulierung als Schwachsinn, der die Jugend veröde und verblöde. Die Schüler werden gelehrt, alle und alles zu kritisieren, auch ihre eigenen Eltern. Unreife Kinder, die noch kein Urteilsvermögen haben, keine Sachkenntnisse, keine Lebenserfahrung, üben Kritik an Erwachsenen, an alten Leuten, an Autoritäten, und es wird ihnen eingeredet, dazu berechtigt und befähigt zu sein. Die Folgen dieser Erziehung sind, dass die Kinder Dauerkritiker werden. Ihnen scheint nie mehr die Lebenssonne, nie mehr werden sie innerlich von Herzen froh werden, Liebe geben oder empfangen können, manche hassen ihre ganze Umwelt. Nicht alle Lehrer haben die moderne Pädagogik übernommen, es gibt auch noch Lehrer der alten Schule, aber sie werden immer weniger.

Da die Schüler so unruhig geworden, ja gemacht worden sind, sollen ihnen Entspannungsübungen helfen. Beliebt sind Mandalamalen, die Konzentration auf einen Punkt, auch Phantasiereisen. Aber danach werden sie noch unruhiger, wenn der Geist den Körper verlässt und nur unter Ängsten wieder zurückkehrt. Wenn man heute eine Schule betritt, meint man in eine Anstalt Tollwütiger und Hirngeschädigter zu kommen. Trotz Erziehung zu rationalem Denken und sozialem Handeln ist ihr Reden und Betragen vollkommen irrational. Technisch wissen sie sehr viel, besonders im Umgang mit dem Computer, mehr als ihre Väter, aber in Lebensfragen, oft an einfachsten Lebensweisheiten und Tugenden, völlig „verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist“ (Eph.4,18). Wie „unvernünftige, natürliche Tiere ... lästern sie über das, was sie nicht wissen“ (2.Petr.2,12). Was die Wirrköpfe für eine Anschauung von der Welt und vom Leben haben, ist wirklich irrsinnig. Und doch dünken sich so klug und vernunftbegabt, die Wahrheit glauben sie nicht.

Zur Buße reicht die vierte Plage offenbar noch nicht, denn „die Menschen lästerten den Namen Gottes, der über diese Plagen Gewalt hat, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben“. Wenn es den Menschen schlimm kommt, existiert auf einmal ein Gott, der an ihrem Unglück Schuld sein soll. In der Tat muß Gott zuerst als ein strafender, richtender und gerechter Gott erkannt werden, bevor die Rechtfertigung durch die Gnade Gottes erfahren werden kann. Die schlimmsten Plagen nützen alleine nichts, wie wir am Beispiel Ägyptens sehen oder bei den Flüchen über Israel, auch wenn sie noch siebenmal sieben härter wären (3.Mo.26,18-22). Erweichen kann verhärtete Menschenherzen nur die Gnade. Um dafür empfänglich zu werden, müssen ihnen die Plagen als Gericht Gottes bewußt gemacht werden. Wenn sie  davon überführt worden sind und dabei auch die Vergebung der Sünden verkündigt wird, werden Menschen Buße tun.

Hatte die dritte Plage den Zweck, die Menschen auf den Strom von Wasser des Lebens aufmerksam zu machen, so soll die vierte Plage wieder aus all den Luft- und Hirngespinsten in die Realität des Lebens zurückführen und einladen, unter dem Lebensbaum im Paradiese Gottes Schutz zu suchen vor der furchtbaren Zornesglut eines heiligen Gottes. „Wer im Schirm des Höchsten sitzt, wird bleiben im Schatten des Allmächtigen“ (Ps.91,1).

 

 

Die fünfte Plage (16,10.11)

– die große Krise –

 

„Und der fünfte Engel goß seine Schale aus auf den Thron des Tieres, und sein Reich wurde verfinstert“. Bei dieser Zornesschale geht dem humanistisch-sozialistischen Reich des Tieres die Sonne unter, seine Gewalt wird ihm genommen, seine (Selbst)Herrlichkeit und Verherrlichung hat aufgehört.HerrHhHhh  h Die Zeit, das Tier anzubeten, ist vorüber, für die Tieranbeter kommen jetzt dunkle, schwere Zeiten. Finster ist es geworden im Reich des Sozialismus.

Die Zeiten des Wirtschaftswunders, der Vollbeschäftigung, des Wohllebens sind schon lange vorbei. Fortschrittsglaube und Wirtschaftswachstum sind rückläufig, und was die Wissenschaft jetzt erforscht und der Gesetzgeber verabschiedet, ist eher unheimlich. Es nahen schwere Krisen. Die Gesellschaft wird auf nahezu jedem Gebiet von Krisen geschüttelt, allein die vielen Ehen und Familien, die in der Krise sind, und in allen Familien und Schulen die große Erziehungskrise, die zum Notstand wird. Große Krisen sind angesagt im Sozialstaat, die Wirtschaftskrise erreicht die Wohlstandskinder. Lebenslinien stürzen ab wie Aktienkurse. Schon seit der ersten Plage kriselt es überall, und sie scheint erst jetzt richtig zu wirken und die Menschen zu peinigen. Am größten jedoch ist die Energiekrise, die alle Menschen erfasst hat. Weil die moralischen und geistigen Energiereserven erschöpft sind, kann weder der Staat noch die großen Kirchen, die selber in der Krise sind, die Menschen motivieren und  mobilisieren. Es fehlt den Menschen die Kraft, Krisen durchzustehen, Krisen zu überwinden, und schon kleine Krisen werden zur Katastrophe.

Krisen können furchtbar an den Nerven zehren, denn man weiß nie, wie sie ausgehen, ob zum Besseren oder zum Schlimmeren. Die Verfinsterung durch den fünften Engel bewirkt Krisen, die lähmen und nie mehr enden, eine Kraftlosigkeit, die schon zur Volkskrankheit geworden ist. Eine schwere Lähmung hat die Menschen befallen, sie lassen alles so laufen wie es läuft und scheuen jede Anstrengung, die geistige Kraft kostet, die ja auch nicht mehr vorhanden ist. Diese Erscheinung war schon unter dem „realen Sozialismus“, dessen Reich mangels Kraft untergegangen ist,  wahrzunehmen. Im humanistischen Sozialismus ist der Verlauf anders, doch am Ende steht hier wie dort der totale Zusammenbruch des Systems. Bei der Rezession, der steigenden Arbeitslosigkeit, der Überschuldung bricht für die Materialisten schon gleich eine Welt zusammen.

Warum sandte Gott ihnen diese Reichskrise,  die zur Lebenskrise vieler geworden ist? Weil sie ihren Schöpfer vergessen haben, weil sie eine bessere Welt, ein Friedensreich ohne Ihn bauen wollten. Offenbar ist jener Zeitpunkt gekommen, von dem Paulus sagt: „Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden  n i c h t  entfliehen“ (1.Thess.5,3).

Eigentlich haben sie sich die Krise selbst gemacht, denn „was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal.6,7). Wie haben sie nach dem Zusammenbruch des Nazireiches, das ja auch schon ewig bestehen sollte, wieder den verlogenen Ideen des Tieres, dessen Todeswunde geheilt wurde, gehuldigt. Nichts hatten sie gelernt aus dem nationalsozialistischen Drama. Es fand gleich eine Fortsetzung der sozialistischen Ideologie statt, nur mit umgekehrten Vorzeichen,  im Namen des internationalen Humanismus und Sozialismus. Die neue Tier-Reichsidee wurde eine unendlich zündende Energiequelle. Mit großer Energie wurde der Wiederaufbau angegangen. Der wirtschaftliche Aufschwung, die technische Entwicklung, die Verbreitung des Fernsehens, der Wohlstand, der soziale Fortschritt setzte gewaltige Energien frei. Mit allen Kräften bauten sie an einer neuen Welt, träumten von einer glücklichen Zukunft und trachteten nach Geld, Ruhm und Macht. Aber sie dachten nicht mehr an Gott. Lebten sie doch ganz im Sonnenschein des Tieres und dünkten sich so klug und erleuchtet. Schließlich glaubten sie, sie wüssten alles, es sei alles machbar und alles möglich geworden. Die Raumfahrt eröffnete ganz neue Perspektiven für die Menschheit. Ihre Energiequelle war in jeder Hinsicht das Tier geworden.

Das ging gerade mal zwei Jahrzehnte gut, bis die erste große Krise kam: die Ölkrise – ein Wort und ein Begriff, den man vorher nicht kannte. Diese materielle Krise war nur das Zeichen für etwas weit Schlimmeres: Es setzte zur gleichen Zeit eine geistige Energiekrise ein infolge einer Geisteskrise, welche das moralische Licht in der Gesellschaft, in der Politik, auch in der Kirche und Schule auslöschte. Auch in den Häusern und Familien wurde es finster, wie bei der Plage in Ägypten: „sie sahen einer den anderen nicht, und keiner stand von seinem Platze auf drei Tage lang; aber alle Kinder Israel hatten Licht in ihren Wohnungen“ (2.Mo.10,21-23). Eine völlige Lähmung hatte die Ägypter befallen, irgend etwas Gutes und Sinnvolles zu tun, schon gar nicht für den anderen. Ähnlich wirkt auch die fünfte Plage. Früher oder später kommen alle Menschen, die dem Tiere dienen, in eine Lebenskrise, und für viele ist die Krise schon eine Dauerkrise geworden, so dass sie die Bedürfnisse und Nöte des Nächsten gar nicht mehr sehen, weil sie nur mit sich selbst beschäftigt sind, nur an sich denken und daher auch selbst einsam werden.  

Die moralische Finsternis in den Bildungs- und Erziehungsstätten, vom Kindergarten bis zur Hochschule, ist erschreckend. Dazu das Fernsehen, das die geistige, sittliche und moralische Finsternis  vergrößert, so dass es auch die Familiengemeinschaft zerstört. Eltern haben keine Kraft mehr, kinderschädliche Sendungen abzuwehren und die Kinder davon fernzuhalten. Sie haben nicht mal mehr die Kraft, den Fernsehknopf auszuschalten. In den Häusern und Familien ist es dunkel geworden, die Lampe des Oberhauptes ist erloschen, der autoritäre, starke Vater ist schwach geworden, aus Mangel an Kraft sind die Grundsätze aufgegeben. Die Finsternis ist so groß, dass einer den anderen nicht mehr sieht. Der Vater sieht den Sohn nicht (oder nur selten), und der Sohn kennt den Vater nicht mehr; die Tochter kommt nicht mehr zur Mutter, und die Mutter überlässt die Tochter sich selbst. Im Grund ist jeder allein, verwaist, unverstanden. Und wo sie noch zusammen sind, gaffen alle in die Flimmerkiste.

Das Problem der Vereinsamung wirkt unter der Plage der Verfinsterung doppelt stark. Die Menschen schreien förmlich nach Erlösung aus dieser Einsamkeit, und diese Sehnsucht verbündet sich mit der stärksten Macht, die es im menschlichen Leben gibt, mit dem Geschlechtsstrieb. So suchen die Menschen Erlösung aus der Einsamkeit auf sexuellem Gebiet bei denen, die sich genauso einsam fühlen. Der einsame Ehemann und die einsame Ehefrau gehen fremd, der einsame Student gesellt sich zu der ebenso einsamen Studentin,  Jünglinge und junge Mädchen, die in trüben Bindungen leben, und nicht fertig werden mit sich selbst, suchen beim anderen Geschlecht Verständnis und Liebe, wobei sie behaupten, völlig andere Vorstellungen zu haben als ihre Großväter. Im Grunde steckt hinter dieser Fassade eine grenzenlose Not.

Die allgemeine Verfinsterung ist in erster Linie ein Erkenntnisproblem. Weil sie Gott nicht in Erkenntnis behielten, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn (Röm.1,28). Das Licht der Erkenntnis war für die Tieranbeter die Sozialwissenschaft. Die gottlosen Ideologen, Emanzipatoren, Soziologen und Pädagogen wollten eine freie Gesellschaft bauen, der Mensch sollte ohne Gott ein soziales Wesen werden und in dieser Rolle vollkommenes Glück erlangen. Vom Staate bis zur Familie sollte alles sozialisiert werden. Erstaunliche Erkenntnisse sind auf diesem Gebiet vorgetragen und experimentiert worden, und alle stützen ihre Theorien auf empirische und naturwissenschaftliche Ergebnisse. Alles haben sie erforscht, sie haben die Psyche des Menschen fast bis auf den Grund durchleuchtet. Sie scheuten sich nicht, an Kindern zu experimentieren. So kamen sie auch zu der Erkenntnis, dass die antiautoritäre und kritische Erziehung die einzig richtige Erziehung sei, sie sei das Beste, was man einem Kinde angedeihen lassen könne. „Technisch“ gesehen hätte alles funktionieren müssen, sie hatten alles berücksichtigt, um einen neuen Menschen zu schaffen. Nur blieb ihnen der wichtigste Faktor verborgen: die Sünde im Menschen, die Neigung zum Bösen, die verdorbene und unverbesserliche menschliche Natur. Schon bei der ersten Plage kam in dem bösen und schlimmen Geschwür all das Böse hervor, was die Pläne der Erziehungswissenschaftler durchkreuzte. Heute beklagen sie den Schaden, den diese Erziehung angerichtet hat; nicht zu ermessen sind die seelischen Schäden bei den Kindern. Die Sozialisation hat Millionen psychisch krank und energielos gemacht. Der Sozialismus war in jeder Form ein Fehlschlag, er hat nur Zerrüttung, Not und Unheil der Menschheit gebracht, so dass wir jetzt wieder den Individualismus haben, jedoch in purem Egoismus. 

Doch sie erkennen nicht, weil ihr Verstand verfinstert ist, woher die Übel, die ihre Ideen ausgelöst haben, kommen und wie sie zu beheben sind. Da ist keinerlei Licht und Einsicht über deren Ursachen, erst recht kennen sie kein Heilmittel. Tatsächlich sind sie mit ihrer Weisheit am Ende, denn Gott hat „die Weisen erhascht in ihrer List“ (1.Kor.3.19). Schüler und Studenten kennen nicht mal die einfachsten Lebensgesetze.  Totale Finsternis auf moralischem Gebiet! Eine Generation, die nicht mehr weiß was gut und was böse ist,  ist leicht manipulierbar und verführbar. Satan nutzt die Finsternis aus, um die Menschen mit künstlichem Licht zu blenden, mit Spiel und Spaß von ihrer Lage und dem anklagenden Gewissen abzulenken. Doch es bleibt dabei: Sünde ist eine Wirklichkeit! Und wer sich versündigt, legt sich eine Last aufs Gewissen. Das ist eine Realität.

„und sie zerbissen ihre Zungen vor Pein und lästerten den Gottes des Himmels wegen ihrer Pein und wegen ihrer Geschwüre, und taten nicht Buße von ihren Werken“. Der Spaßgesellschaft ist gar nicht so spaßig, so zum Lachen zumute, wie sie tut; sie würden heulen über ihr Elend, wenn ihnen alles das genommen würde, was sie von der Wirklichkeit ablenkt. Diejenigen, denen es langsam dämmert, weil sie die Folgen ihres gottlosen Lebens im eigenen Hause, ja am eigenen Leibe spüren, haben keine Willen und keine Kraft mehr, dagegen anzugehen. Es ist alles schon zu spät, der Untergang des Sozialismus, von dem sie abhängig sind,  ist besiegelt. Alle, die seinen Aufstieg bejubelten, werden seinen Untergang beweinen, über ihr eigenes Elend heulen, gehen auch mit ihm unter, samt ihren Kindern, wenn sie nicht zum Licht des Evangeliums kommen.

 

Die Tieranbeter werden nie den Himmel zwingen

Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

Was sie erneuern, über Nacht veralten.

Und was sie stiften, Not und Unheil bringen

 

Der Mensch ist ein moralisches Wesen, wir brauchen zum Leben moralische Kraft. Wir brauchen natürlicherweise Energie für einen Willensentschluss, für die Tatkraft, für die Arbeitswilligkeit und Opferbereitschaft. Wir brauchen große Energie für die Selbstbeherrschung, für Geduld, Enthaltsamkeit, Verzichtenkönnen, wir brauchen Energie, eine Durststrecke durchzustehen. Kraft ist nötig, Lebenssituationen zu bewältigen, Leid und Schmerzen zu ertragen. Auch den Nächsten zu lieben, in der Familie einander zu tragen,  am Arbeitsplatz die Kollegen zu ertragen macht Kraft erforderlich. Ohne Kraft kann nicht die sittliche Ordnung im Hause aufrecht erhalten werden, Kinder zu erziehen kostet heute enorme Kraft. Ganz zu schweigen von der Überwindung des eigenen Wesens, von Zorn, Ärger, Unzufriedenheit, Launenhaftigkeit und dergleichen. Niemand kann das, außer wer an der himmlischen Kraftquelle angeschlossen ist.

Als die Menschen noch gottesfürchtig waren, sich noch vom Schöpfer abhängig fühlten, noch Seine Gebote und Ordnungen für wichtig hielten, gab Er ihnen in Seiner Güte Weisheit und Lebensstärke. Denn, und das wussten einst schon die Heiden,  „in ihm leben und weben und sind wir“ (Ap.17,2). Die Menschen konnten Widerwärtigkeiten, Nöte, Entbehrungen, Schicksalsschläge usw. besser überwinden. Sie hatten noch  Grundsätze, daher auch Kraft. Unter der Wirksamkeit der fünften Plage, die sie im Dunkel tappen lässt,  ist den Menschen alle Energie und Widerstandskraft verloren, weil ihnen die Gotteserkenntnis und alle Lebensweisheit fehlen. Was könnte dies besser belegen als die Anfälligkeit für Depressionen, die Ehekrisen, die Konflikte in den Familien, die Kinderarmut, die zunehmende Zahl der Abtreibungen, die rapide ansteigende Zahl der Scheidungen. Man lässt sich treiben und wird getrieben,  die Menschen besitzen keine Lebensstärke und auch keine Charakterstärke mehr. Gottlose Gesetze (z.B.Homo) vergrößern die Finsternis.

Weil ihnen das Licht der Welt, Christus, nicht mehr scheint, verfallen die Menschen dunklen Mächten. In der fünften Plage liegt der Grund für die zunehmende Hinwendung zu okkulten Dingen: Esoterik, Magie, Wahrsagerei nehmen stark zu; okkulte Literatur zieht jung und alt in ihren Bann (Harry Potter). Statt sich in der Krise an Gott zu wenden, beschäftigten sie sich immer mehr mit den Dämonen, außerirdischen Wesen und bösen Geistern, unter deren Einfluss sie dann geraten und gefangen werden.

   Das Geschwür drückt immer stärker, es ist schon reif zum Ausdrücken. Noch lästern die Menschen im Reich des Tieres den Gott des Himmels wegen ihrer Pein. Sie können nicht zum Glauben kommen, denn „der Gott dieser Welt hat den Sinn der Ungläubigen verblendet, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist“ (2.Kor.4,4). Das könnte sich bald ändern, wenn sie von den Plagen überführt werden. Viele werden dann Buße tun von ihren finsteren Werken. Diese Plage und somit ihnen ihre Lage bewußt zu machen, dass sie unter dem Zorne Gottes stehen, ist unser Auftrag in dieser Zeit. So wird der Herzensboden zubereitet für die Gnadenbotschaft, die anders ja keinen Sinn hat. Dann werden sie für das Evangelium offen werden, denn „es ist Gottes Kraft, zum Heil jedem Glaubenden“ (Röm.1,16).  Deshalb „rede und schweige nicht, ... denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt“ (Ap.18,10). Im untergehenden Reich des Tieres warten im Grunde viele Seelen auf die Errettung von ihren Sünden und Gebundenheiten.

 

Die sechste Zornesschale (16,12-16)

– Die Könige kommen –

 

„Und der sechste goß seine Schale aus auf den großen Strom Euphrat, und seine Wasser vertrockneten, damit der Weg der Könige bereitet würde, die von Sonnenaufgang herkommen.“

Diese Könige sind das kommende große Volk Gottes, das erweckt und aus Drangsal und Gefangenschaft befreit wird. Wir sahen es bereits in Kap.7, „eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation  ...“. Noch ist es in Babylon gefangen, bis der Weg nach Zion durch die sechste Schale freigemacht ist. Mit dem Ruf „gehet aus Babylon hinaus“ (Kap.18,4) kommt es zum Aufbruch. Der Euphrat ist der große Strom der Wohlfahrt, er bildete das große Hindernis für die Rückkehr aus Babel. Die Austrocknung des Euphrat ist wie der Durchgang Israels durch den Jordan, um ins Land Kanaan zu kommen. Sie kamen von Osten, beide Male also von Sonnenaufgang her. Beide Vorbilder, der Jordan und der Euphrat, fließen in der Offenbarung im Zeugnis Jesu zusammen und weisen uns auf den Tod Christi hin, Der uns einen Weg aus Versuchung und Sünde gebahnt hat.

Schon im sechsten Sendschreiben, im sechsten Siegel und bei der sechsten Posaune haben wir festgestellt, dass sie auf eine geistliche Bewegung hinweisen. Auf dieser Linie liegt auch die sechste Plage, hier jedoch mit einer sehr positiven Wirkung: ein Weg wird freigemacht zur Erlösung vieler.

Der Weg der Erlösung war schon immer bereitet, seit das Evangelium verkündigt wird. Aber Wohlfahrt und Wohlstand, Überfluss und Üppigkeit haben ihn überflutet. Diese sind auch heute das Hindernis, für Erweckung, es sei denn, sie sind durch innere oder äußere Not ans Suchen und Fragen gekommen. Dies bewirken die Plagen. Bei der sechsten Plage kommt das volle Evangelium in seiner Kraft und Fülle wieder ans Licht, und zwar zunächst gemäß Röm.1-3 mit dem Urteil Gottes über die Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die dem Tiere gedient haben. Das wird zu einer Plage für die Gottlosen. Noch hat die Erweckung nicht begonnen, doch der Weg ist durch das Lamm Gottes freigemacht, alle könnten sich jetzt aufmachen nach Zion kommen, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem (Jes.2,2-4). Denn Christus trug das Zornesgericht der sechsten Plage, Sein Tod, Sein Kreuz ist das Gericht über Babylon.

    Was heute als Evangelium von den Weltevangelisten verkündigt wird, ist nur das halbe Evangelium, denn es enthält nicht die Befreiung aus Babylon und die Trennung von der Welt; sie führen die Menschen geradewegs in das System Babylon hinein. Unter „Welt“ ist hier in erster Linie das religiöse, dann auch das säkulare, vom Christentum abgefallene System der Welt zu verstehen.

 

Die Gegenbewegung

Sobald sich die berufenen Könige aufmachen, um den ausgetrockneten Euphrat zu durchschreiten, wird sich ihnen der Feind in den Weg stellen. Die unreinen Geister machen jetzt mobil, um die Bewegung schon im Vorfeld aufzuhalten, und wenn sie kommt, werden sie ihr den äußersten Widerstand entgegensetzen, weil sie ihm gefährlich wird. Doch  das Licht bricht in das finstere Reich des Tieres ein; die Finsternis aber haßt das Licht.

Es ist ein Geisteskampf, bei dem es zunächst einmal um den „Weg“ geht, den Gott zur Befreiung eines großen Volkes bereitet hat. Dieser Weg ist der verherrlichte Christus, wie Er uns in der Offenbarung gezeigt wird. Danach kommt es zum Kriege, zu in einer Entscheidungsschlacht am großen Tage Gottes. Geistlichen Bewegungen widersetzte sich schon immer der Feind, aber zuletzt versucht er es noch einmal mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, weil ihm nun ernstlich das Reich geraubt wird. Es ist wie bei dem Kampf Josuas um die Besitzergreifung des verheißenen Landes. Die Kanaaniter boten alles auf, um dem Einzug Israels Einhalt zu gebieten, „als sie hörten, dass Jehova die Wasser des Jordan vor den Kindern Israel ausgetrocknet hatte, da zerschmolz ihr Herz, und es war kein Mut mehr in ihnen vor den Kindern Israel“ (Jos.5,1).

„Ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, wie Frösche, denn es sind Geister von Dämonen“. Die sechste Plage fordert die Dreieinigkeit Satans heraus, die, wie wir aus Kap.13 wissen, aus Drachen, ersten und zweitem Tier besteht. Aus ihnen kommen Froschgeister, betrügerische Geister, Lügengeister „nach der Wirksamkeit des Satans, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge und in allem Betrug der Ungerechtigkeit“ (2.Thess.10). Bei den Froschgeistern ist an die ägyptische Froschplage zu denken: Aus allen Gewässern kamen Frösche herauf (2.Mose 8). Mose und Aaron hatten die Plage über Ägypten kommen lassen, weil der Pharao sich weigerte, das Volk Gottes ziehen zu lassen. Auch die Schriftgelehrten taten ebenso mit ihren Zauberkünsten, um das Zeugnis unwirksam zu machen, vergrößerten aber dadurch nur die Plage anstatt sie einzudämmen. Genau wie heute die Weisen dieses Zeitlaufs. Doch „ihr Unverstand wird allen offenbar werden“ (2.Tim.3,8.9). Die Frösche bedeckten das ganze Land, sie kamen bis in die Häuser und bis in die Schlafgemächer. Der Strom, aus denen die Frösche hervorkamen, die Flüsse, Kanäle und Sümpfe stellen die gesellschaftlichen Strömungen, die Medienkanäle und die Sümpfe der Literatur dar. Diese sind voll Froschgeister, voller Dämonen. Immer mehr erweist sich auch das Internet als Sumpf unreiner Geister, das besonders für junge Menschen  eine große Gefahr ist. Man kann die Jugend nur davor warnen. Die antichristlichen Quaker und Sumpfgeister ziehen wahrlich nicht zu Christus hin, sondern von Ihm weg, nach unten, weil sie von unten sind. Allein dass sie Zeichen tun, kann viele täuschen.

    Gar mancher Ungläubige, dem die Froschgeister der Welt zur Plage wurden, konnte sich zum Herrn Jesus bekehren und war durch den Heiligen Geist augenblicklich frei von den Dämonen. Durch den Geist Gottes empfindet er die toten Frösche jetzt als üblen Gestank. Unter der christlichen Jugend ist leider noch die gegenteilige Meinung festzustellen, sie müssen das alles erst  kennenlernen, merken aber nicht, wie die unreinen Geister sie gefangen nehmen und vom Glauben wegführen. Vor dem Froschgeist aus dem Munde des Drachen mögen sie sich noch fürchten, aber die Weltgeister halten sie für harmlos. Die Rockmusik, auch mit christlichen Texten, ist nachgewiesener Maßen dämonisch. Christen sollten solche CDs aus ihren Häusern verbannen mitsamt allem, was ihre Seele und die Seelen der Kinder verunreinigt. Hat man die „Frösche“ einmal im Haus, ist es schwer, sie wieder loszuwerden. Da hilft nur das Gebet mit Flehen wie der Pharao bat: Nimm diese Plage von uns. Dennoch wollte er die Kinder Israel nicht ziehen lassen, bis er dazu durch eine starke Hand gezwungen wurde. 

    Die drei Froschgeister „gehen zu den Königen des ganzen Erdkreises aus, sie zu versammeln zu dem Kriege jenes großen Tages Gottes, des Allmächtigen“. Die „Könige“ sind in erster Linie alle jene, die Herrschaft, Macht und Einfluß ausüben, sowohl im weltlichen als auch im kirchlichen Bereich. Der „ganze Erdkreis“ umfasst die sogen. christlichen Ländern, ja auch den ganzen Bekenntniskreis der christlichen „Nationen“, wo das Tier herrscht. Was aus dem Munde des Drachen kommt ist bedrohlich, brutal, okkult, teuflisch, er ist sehr aggressiv: der Dämon sät direkt Hass und Feindschaft gegen das Christentum, die Menschen sollen alles Christliche hassen und nihilistisch werden, das heißt an nichts mehr glauben oder sich dem Okkulten und fremden Religionen zuwenden; viele sind schon Satansanbeter geworden. Wir haben heute eine Feindseligkeit gegen den christlichen Glauben wie nie zuvor. Wer gottselig leben will in Christo Jesu wird die Gewalt des Drachen zu spüren bekommen. Gläubige Eltern, die ihre Kinder vor dem Geist des Tieres schützen wollen, werden mit Strafen belegt, und wenn sie nicht nachgeben, wird ihnen das Sorgerecht entzogen. Die Heimschulbewegung ist gegenwärtig im Schussfeld des Drachen, sie muss unterdrückt werden, weil sie angeblich eine Gefahr für den Staat und die Gesellschaft ist. Doch die erwählten Könige Gottes werden sich nicht einschüchtern lassen, weil man Gott mehr gehorchen muss als Menschen.

    Der Geist des Drachen schürt die Angst vor einer „fundamentalistischen“ Bewegung, denn die soll ja gefährlich sein, obwohl sie völlig harmlos ist und niemand ein Leid antut. Hier wird mit Lüge und Betrug der Gesellschaft ein gespenstiges Bild von Christen an die Wand gemalt. Denen, die sich dem Evangelium öffnen, will er Angst einjagen, sich bloß nicht auf die „Fundamentalisten“ oder die „Sekte“ einzulassen. Doch wird die große geistliche Bewegung „der Könige, die von Sonnenaufgang herkommen“ nicht aufzuhalten sein. Es muss dann mit einer Verfolgung gerechnet werden. Aber wo sich nichts bewegt, wo man sich anpasst und mitmacht, wird auch keine Verfolgung zu fürchten sein.

    Bei dem Dämon aus dem Munde des Tieres ist klar, was er bezweckt. Er wendet alle Verführungs- und Überredungskunst an, um die Menschen vom Evangelium fernzuhalten. Das Tier bietet ihnen alles, was die Lust der Augen und die Lust des Fleisches befriedigt. Wofür „religiös“ werden, wenn die Welt doch alles bietet? Nicht allein die Verführung, der  unreine Geist aus dem Munde des Tieres ist auch ein Sorgendämon der Welt. Hat er bisher den Fortschritt propagiert, muss er jetzt den Rückgang aller bisher so gerühmten Dinge predigen. Dabei werden wiederum die Menschen nach Strich und Faden belogen. Seit das Reich des Tieres verfinstert wurde, erscheint der Tiermasse die Lage unsicher und die Zukunft dunkel. Umsomehr sorgen sie sich, wie es weitergehen soll. Der Wohlstand geht zu Ende, Wirtschaftsmisere, hohe Arbeitslosigkeit, Teuerungen, Sozialabbau, Bildungs- und Erziehungsnotstand, Regierung machtlos, Terrorismus etc. ängstigen sie, sie klagen und quaken buchstäblich wie die Frösche, am meisten über die Politiker. Der Tierdämon will nun im Verein mit dem Drachendämon eine Abneigung gegen den Glauben bewirken, indem er die Menschen einerseits mit der Befriedigung der Lüste von ihren Problemen ablenkt, zum anderen aber die Angst schürt. An sich wären sie in ihren Ängsten und Nöten empfänglich für das Evangelium, – diesem Zweck dienen ja die Plagen –, aber die Hinwendung zu Gott muss verhindert werden. Sie haben sich den Dämonen verschrieben und hassen alles Christliche. Darum werden sie sich mit aller Macht gegen die Verkündigung des ewigen Evangeliums zur Wehr setzen (s.Kap.14,6.7).

 Es muss deshalb bald zur Konfrontation kommen. Einerseits die „Könige des ganzen Erdkreises“ und ihre Heere, auf der anderen Seite die erweckten „Könige, die von Sonneaufgang her kommen“, das Israel Gottes. In vorderster Front stehen die 144000, eine relativ kleine Schar. Diese wird von der Welt gehasst, abgelehnt, verachtet und verfolgt werden, aber dennoch „eine prägende, ausschlaggebende, siegreiche Minderheit sein. Das ist die wirkliche Kirche Jesu Christi.

 Patrick Johnstone sagt: „Das Christentum ist dem Untergang geweiht, aber das biblische Christentum geht einer strahlenden Zukunft entgegen. Wir müssen aufhören, den Niedergang des Christentums in Europa und in vielen Teilen der westlichen Welt zu beklagen und erkennen, dass Europa durch das Aufkommen des Christentums nicht bekehrt wurde, sondern lediglich das Heidentum ‚getauft’ wurde, das auch heute noch mit den Anspruch Christi konfrontiert werden muss. Das heutige Europa ist zu weiten Teilen zu den Weltanschauungen zurückgekehrt, die zu Zeiten der Urgemeinde allgegenwärtig waren. Der Säkularismus in Europa, die unverhüllte Sünde, der Vernarrtheit in das neo-heidnische New-Age-Denken und der Okkultismus müssen mit dem Anspruch Christi konfrontiert werden, so wie in den ersten Jahrhunderten der Gemeinde Jesu; einer Zeit, in der die Christenheit furchtlos diejenigen zu lieben und zu gewinnen wagte, die sie verfolgten“. Johnstone begründet die geistliche Herausforderung, die vor uns liegt, ja den geistlichen Kampf, in dem wir uns befinden, mit Jes.54,15-17: „Siehe, wenn man dich auch angreift, so geschieht es nicht von mir aus. Wer dich angreift, wird um deinetwillen fallen“. So hat auch einst der HERR Jesus Seine Jünger ermutigt, als Er ihnen den Missionsauftrag gab, alle Nationen zu Jüngern zu machen: „Ich bin bei euch alle Tage“(Matth.28,18-20). Dabei stießen sie auf den erbittersten Widerstand, aber der HERR war mit ihnen, der Siegeszug des Evangeliums war nicht aufzuhalten.

    Wie einst, so wird es auch am Ende des christlichen Zeitalters sein, wenn Gott ein Neues wirkt. So ist der dritte „Weltkrieg“ vorprogrammiert, wobei der Feind mit fleischlichen Waffen und unlauteren Mitteln kämpft, wir aber mit geistlichen, mit der Waffenrüstung Gottes (Eph.6,10ff). Jene mit Gewalt, wir im Geiste der Liebe mit dem Evangelium des Friedens. Der Krieg selbst findet in Kap.19 statt.

 Als Dritter um Bunde Satans gegen das Zeugnis Jesu der Offenbarung ist der „falsche Prophet“. Der Geist aus seinem Munde wird den Kämpfern Gottes den ärgsten Widerstand entgegenbringen. Die falschen Propheten operieren auch mit der Bibel, legen sie aber sie in einem falschen Geist aus. Die Könige des ganzen Bekenntniskreises, die sich zu den „Nationen“ und nicht zu Israel rechnen, sind von ihm inspiriert. Auf Grund ihrer irdischen Gesinnung gehören sie nicht zum geistlichen Israel und wollen es auch nicht sein. Sie haben das falsche Israel im Kopf und buhlen um deren Gunst. Das kann ihnen so auch nicht ausgeredet werden, es sei denn, sie werden gedemütigt. Sie sollen vielmehr, so will es der falsche Prophet, die „Irrlehre“ vom geistlichen Israel der himmlischen Berufung bekämpfen und das wahre Israel unterdrücken..

Der Geist des falschen Propheten ist ein unreiner religiöser Geist, falsch und betrügerisch, ein Pseudogeist, der vorgibt, den Heiligen Geist zu haben und auch große Zeichen tut, aber das Evangelium verfälscht. In Kap.13 sahen wir ihn als Lamm mit zwei Hörnern; die Stimme eines Drachen verriet ihn als falsches Lamm. Inzwischen ist er als falscher Prophet offenbar geworden, denn seine Prophezeiungen haben sich als falsch erwiesen. Seine Prophetie ist alttestamentlich, politisch, spekulativ, sie konnte sich nicht erfüllen, weil sie an dem Lamm und dem Kreuz vorbeigeht, worin alles erfüllt ist. Da sollte der „Gog vom Lande Magog, der Fürst von Rosch, Mesech und Tubal“, worin sie Russland sahen, in Israel einmaschieren, aber Russland ist nicht darauf eingegangen. Die zweite große Fehldeutung war der Tempel in Jerusalem, worin sich der Antichrist setzen sollte. Der Tempel ist nicht gebaut worden, (es fehlt für einen dritten stofflichen Tempel jegliche Verheißung), und der Antichrist ist nicht in Person erschienen. Ob es Israel, Tier, Antichrist oder Tausendj.Reich ist, alle ihre Deutungen sind daneben, weil sie die Offenbarung im Geiste des falschen Propheten deuten. Zuletzt verbreiten die falschen Propheten die Angst vor dem Malzeichen. Das Gespenst der Verfolgung geht um. Verfolgung wird es geben, aber die Frage ist, wer wen verfolgen wird. Bei den Juden war es die Angst vor den Römern, aber schließlich wurden sie selbst die Verfolger der Jünger Jesu.

    Eine Erweckung, schon gar nicht weltweit, darf und kann es nicht geben, da ja „alles noch schlimmer kommen“ soll. Diese pessimistische Sicht ist typisch für die Froschgeister. „Häufig ist der Grund dafür ein allgemeiner Pessimismus“, sagt Johnstone, „den man in der Bibel begründet zu finden glaubt, sowie die Auffassung, dass auf der Erde schreckliche Zustände herrschen werden, wenn Jesus auf die Erde wiederkommt, „... doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ (Luk.18,8). Viele benutzen diesen Vers für ihren Unglauben. Jesus hat uns jedoch aufgefordert, nicht pessimistisch zu sein und zu resignieren, sondern uns der Fürbitte voller Vertrauen an Ihn zu werden. Jes. 54,1 enthält die Verheißungen Gottes, aufgrund derer wir jetzt und in Zukunft eine weltweite Ernte für das Reich Gottes erwarten dürfen“.

Die drei Froschgeister haben sich vereinigt, eine Erweckung, die durch den ausgetrockneten Euphrat kommen wird, zu verhindern. Jedoch der größte Feind der Bewegung ist der misstrauische und unreine Froschgeist des falschen Propheten. Es muß deshalb zum Kriege kommen, der ein Geisteskampf sein wird, ein Kampf zwischen den irdich Gesinnten und den himmlisch Gesinnten, zwischen den Fleischlichen und Geistlichen, letztlich zwischen Fleisch und Geist, den  diese sind einander entgegengesetzt. Die Offenbarung bezeichnet dies als Harmagedon.

 

Eine wichtige Warnung

Hier ein kurzer Zwischenruf: „Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf dass er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe“ (V.15). Wenn die feindlichen Heere sich versammeln „zu dem Krieg jenes großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, ist höchste Wachsamkeit geboten. Es ist wie bei der Landeinnahme Josuas, wie bei dem Kampf um Gibeon, als die Könige Kanaans Israel den letzten erbitterten Widerstand leisteten (Jos.10). Obgleich der Feind weiß, dass eine größere Macht, nämlich die Heerscharen des Allmächtigen, ihm entgegenrücken, versucht er doch mit vereinten Kräften sein Reich zu verteidigen. Da müssen auch die Kämpfer Gottes in höchster Alarmbereitschaft stehen, um nicht zu Fall zu kommen. Die wir auf Christi Seite stehen, brauchen diese wichtige Warnung, um wach und kampfbereit zu bleiben. Der HERR wird bald das Kampfsignal geben, aber nur diejenigen werden es wahrnehmen, die die Lage erkennen, dass die Stunde da ist (Röm.13,11-14). Jesus wird kommen wie ein Dieb, heimlich, unangemeldet, plötzlich, um einem jeden das wegzunehmen, was er nicht bewahrt hat. Wer schläft wird nicht merken, wenn der Dieb kommt und sein Haus ausraubt. Der Schlafende liegt im Bett, er hat sich zur Ruhe gelegt, seine Tageskleider ausgezogen und auf den Stuhl gelegt. Heimlich kommt der Dieb und nimmt sie weg. Da ertönt die Feuersirene, das Haus brennt. Plötzlich erwacht er, findet seine Kleider nicht, rennt nackt auf die Straße und alle sehen seine Blöße. Wie peinlich! So etwas kann vor allem laodicäischen Christen passieren. Gleichgültigkeit, Selbstsicherheit, Überheblichkeit können uns in eine peinliche Situation bringen. Es gilt, die Kleider des Bekenntnisses zu bewahren. Wir bekennen, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen, aber wenn es ernst wird, und dann Gnade und Wahrheit, Glaube und Liebe fehlen, ist die Verlegenheit groß. Wir müssen auf der Hut sein, sonst wird der Feind uns schaden.

 

Harmagedon

„Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Armagedon heißt“. (H)armagedon ist kein geographischer Ort, man sucht ihn vergebens auf der Landkarte. Harmagedon kann überall sein, wo der Kampf um das Zeugnis von dem neuen Weg entflammt. Harmagedon entspricht dem Golgatha unseres HERRN, es ist das Golgatha der Gemeinde. Hier treffen die Heere aufeinander, was auch mit Tätlichkeiten und Gewalt gegen die Könige Gottes begleitet sein wird. Der Feind möchte die Gemeinde Gottes vernichten und rückt heran; eigentlich wird er gezogen, damit sich Gottes Ratschluß erfüllt.

Bei dem Streit in Harmagedon wird es hauptsächlich um das prophetische Wort gehen, vornehmlich um die Offenbarung Jesu Christi. Die auf der Seite des falschen Propheten stehen, sagen: „Nach dem prophetischen Buch der Offenbarung wird diese Welt in naher Zukunft ungeheuer erschüttert werden. Gewaltige Naturkatastrophen, Erdbeben, aber auch Kriege nie dagewesenen Ausmaßes werden sich ereignen. Man spricht von dieser Schreckenszeit als von der ‚großen Trübsal’“.  Sie meinen also immer noch, die Offenbarung sei zukünftiges Geschehen, erwarten sie doch zuerst die Entrückung. Hier weichen ihre Ansichten allerdings untereinander erheblich ab, ob die große Drangsal vor oder nachher kommt. Die Knechte Gottes und berufenen Söhne Israels hingegen bezeugen durch den Geist der Weissagung: Die Offenbarung ist schon geschehen, sie geschieht gegenwärtig (wie wir nachgewiesen haben): „Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig“, wie es im Liede heißt. Er hat die Herrschaft angetreten, das Gericht an der Welt und an den Gemeinden der Nationen und Babylon ist voll im Gange; „und Himmel und Erde erbeben, und der Herr ist eine Zuflucht für sein Volk und eine Feste für die Kinder Israel“ (Joel 3,16).

Als unser Herr Sein Harmagedon erlebte, ging es um die gleichen Dinge: Jesus war da und bezeugte: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt“ (Joh.12,31). Die Juden, die Schriftgelehrten und Phariäser stritten täglich mit dem Messias, von dem sie sagten, dass er noch nicht da wäre, noch nicht da sein könne. Bis sie am Pfingsttage überzeugt wurden, dass er da war und sie ihn ermordet hatten. Dort, auf dem Hügel Golgatha fand die entscheidende Schlacht statt, die unserem Harmagedon entspricht. Es war der Kampf zwischen Licht und Finsternis, die Hölle hatte sich aufgemacht, den Sohn Gottes zu beseitigen. Doch Er hat die finsteren Mächte besiegt. Diesen Sieg hat Gott auch uns gegeben durch unseren Herrn Jesus Christus. Das soll in Harmagedon offenbar werden.

Fortgesetzt wird das Thema Harmagedon in Kap 19, wo es dann zum Treffen kommt. Zunächst aber lenkt der Geist unsere Blicke auf die Hure Babylon, die falsche Kirche, die zuerst in dem Kriege fällt.

 

Die siebte Zornesschale (16,17-21)

– Es ist geschehen! –

 

„Und der siebente Engel goß seine Schale aus in die Luft; und es ging eine laute Stimme aus von dem Tempel des Himmels, von dem Throne, welche sprach: Es ist geschehen!“

Für die Vollendung des Grimmes Gottes bleibt noch ein Bereich übrig, der bisher unberührt geblieben war: die Luft. Dort ist der Machtbereich des „Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“ (Eph.2,7). Getroffen wird von der siebenten und letzten Zornesschale das Zentrum, wo der Fürst dieser Welt seine große Macht und viel List ausübt: die Weltkirche, Babylon. Sie ist schließlich das größte Hindernis für die Freiheit der Kinder Gottes und die Verbreitung des wahren Evangeliums. Man kann es nicht laut genug sagen, dass die Kirche der Nationen gerichtsreif ist. Sie ist schon gerichtet, was in der lauten Stimme aus dem Tempel, es ist geschehen! zum Ausdruck kommt. Dies entspricht dem „es ist vollbracht!“ des Heilandes.

Wurde nicht der Grimm Gottes an dem Einen, der für uns gestorben ist, gestillt?  Jesus schrie mit lauter Stimme: „Es ist vollbracht!“ An Ihm wurde das ganze Gericht über die Abtrünnigkeit Israels und der Nationen vollzogen, wie es die Propheten weissagten; auch das Gericht über die abtrünnige Kirche hat das Lamme Gottes auf sich genommen. Deshalb brauchen wir es nicht mehr zu tragen, ein jeder, der sich darunter stellt, es für sich persönlich annimmt und an die vergebende Kraft Seines Blutes glaubt. 

Doch wer nicht glaubt, den wird das Gericht mit ganzer Härte und Schwere treffen, weil er es nicht angenommen, nicht für möglich gehalten hat. Es muss sie tatsächlich treffen, wenn sie nicht das „es ist geschehen!“ als „es ist vollbracht!“ annehmen. Die Rettung vom Gericht kann nur das Kreuz sein.


Wer die Blitze und Stimmen und Donner, die vor dem Gericht an Babylons warnen, wahrnimmt, den wird auch das gewaltige Erdbeben nicht überraschen. Ein solches hat die Menschheit noch nicht gesehen, weil es das so noch nie gab, dass bei einem Erdbeben keine Menschen zu Schaden kommen und keine Häuser zerstört werden, einzigartig in der Menschheitsgeschichte. Darauf muss ja jeder Christ kommen, dass es ein geistliches Erdbeben ist, wovon ein religiöses System erschüttert wird. Was Erdbeben und Atombomben nicht vermögen, kann nur ein geistliches Erdbeben, Geistliches durch Geistliches. Von dem Erdbeben wurde die große Stadt in drei Teile geteilt.

 

Das wird zu einer ganz persönlichen Erschütterung, wo Grundlagen entschwinden werden, wenn die Erde sich unter ihm spaltet und er mit einem Bein auf dieser Seite, mit dem anderen auf jener steht. In einem Augenblick reißt es die Menschen in Babylon auseinander, ein jeder findet sich plötzlich in einem Stadtteil wieder, den er vielleicht vorher meint gemieden zu haben. Die Zerteilung Babylons schafft Klarheit durch Scheidung.

Dass „Erdbeben“ muss die Leute nicht so überraschen, denn auch für dieses Beben hat Gott ein Frühwarnsystem eingerichtet, so dass sie ohne Entschuldigung sind, wenn es sie trifft. Seine Propheten, Warner und Mahner haben die Katastrophe vorausgesehen, aber die Masse hörte nicht auf sie. Das waren die Blitze und Stimmen und manchmal auch Donner, „zwei Jahre vor dem Erdbeben“ (Amos 1,1).

 

Den Ausdruck „große Stadt“ fanden wir schon in Kap.11,8, er leitet von der „heiligen Stadt“, die entheiligt wurde, zu „Babylon“ über.

Was vorher ein undurchsichtiges, verwirrendes Gemisch von Bekenntnissen war, kann jetzt klar und übersichtlich definiert werden. Das mag manchen Christen, der dazwischen hängt, der nicht weiß, wo er geistlich steht, auseinanderreißen. Ein jeder findet sich plötzlich dort wieder, wo er in Wahrheit steht, ebenso die Gemeinden der Nationen. Das „Erdbeben“ teilt jedem den Platz zu, der ihm gebührt. 

Durch das Erdbeben bekommen wir eine bessere Übersicht über das christliche Babylon, wie eine große Stadt mit drei Stadtteilen: Altbabylon, zweitens die Neustadt, das moderne Neubabylon,  und im dritten Stadtteil das Elends- oder Armenviertel.

Dem Erdeben fallen auch die „Städte der Nationen“ anheim, alle Gemeinden der „Nationen“ im Kreise Babylon, von Ephesus bis Laodicäa, inzwischen auch Philadelphia, weil sie mit ihrer großen „Schwachheit“ vor dem Feinde nicht zu bestehen vermochten. Alle Gemeinden der Nationen müssen fallen, nicht nur, weil sie dem göttlichen Maßstab und Muster nicht entsprechen, nicht nur, weil sie mit der Welt Hurerei getrieben haben, sondern auch und vor allem, weil sie sich verselbständigt, in den „Heilsplan Gottes“ eingeschoben haben. Sie sind nicht der Leib Christi, die Gemeinde Israel ist der Leib Christi, denn der Leib Christi war und ist das Israel des neuen Bundes. Die Nationen waren lediglich später mit einverleibt, in den schon bestehenden Leib Christi und Israel worden. Das war von jeder anerkannt. Der „Einschub“ ist wahrlich nicht von Gott, auch kaum mehr als 150 Jahre alt. Falsche Israellehrer haben hier etwas Fremdes eingeschoben, indem sie meinten, Israel und Gemeinde seien zweierlei. Das glauben nun fast alle in Neubabylon, auch wenn sie die Urheber dieser Irrlehre nicht kennen.

 

Jetzt werden wir sehen, wie der dispensationalistische „Einschub in den Wegen Gottes“ wieder abgeschoben wird. Zunächst Altbabylon, der historische Stadtkern. Dort finden wir die geweihten Gotteshäuser, Kirchen und Dome, Konfessionen, Zeremonien, Gottes- und Götzendienst, Satzungen, Sakramente, Gewänder, Weihrauch und Kerzen, Heiligenverehrung, Orgel und Chöre, heidnisch-kirchliche Überlieferungen, Ordination, Konfirmation und das Namenschristentum. Alles das gehört zur Religion Altbabylons. Die Ureinwohner Babylons sind Traditionschristen, ihre Religiösität ist auf den Sonntag und die großen christlichen Feiertage beschränkt.

In Jerusalem fing die Kirche an, zum himmlischen Jerusalem stieg sie empor, nach dem Ableben der Apostel fiel sie ab, auf Babylon ging sie allmählich über, so dass sie eine Kirche der Nationen, eine Weltkirche wurde. Diese Entwicklung entspricht der Geschichte Israels bis zur Wegführung sowie dem Abfall der Nationen im Buche Daniel.

 

Wir kommen nun zum zweiten Stadtteil, der schwieriger zu durchschauen ist. Hier wohnen die Heidenchristen, die einmal den Ruf „gehet aus Babylon hinaus“ gehört haben (18,4). Doch sie sind nicht wirklich hinausgegangen, sondern haben sich lediglich von der Institution Kirche und ihrer Geschichte getrennt. Nach Jerusalem kamen sie nicht zurück, denn Israel wollten sie nicht sein. Sie wollten als „Nationen“ einen separaten Neuanfang machen, merkten aber in ihrer Unwissenheit und Blindheit nicht,  auf welchem Boden sie sich eigentlich befanden. So bauten sie außerhalb das Neubabylon, teilweise mit Querverbindungen und Vernetzungen zur Altstadt (Allianz, Ökumene).

Ist in der Altstadt mehr die Orthodoxie zu Hause, so in der Neustadt die Prophetie. Es waren alles prophetische Bewegungen, die Neubabylon gründeten bzw. sich dort ansiedelten. Dabei gewann das Buch der Offenbarung sowie der Prophet Daniel höchste Aktualität. Daraus entnahmen sie gewisse Botschaften, die eine Bewegung auslösten. Die einen legten ihren Standort mit den Sendschreiben fest, die anderen begründeten ihre Sendung mit den Engelsbotschaften. Besonders an Tier, Antichrist und Malzeichen versuchten sie sich immer wieder, wobei sie zu den unterschiedlichsten und abwegigsten Deutungen kamen, aber das Geheimnis Babylon blieb ihnen verborgen. Alle waren sich jedoch in ihrem Urteil einig über die „Mutter der Huren“, womit Rom gemeint war.  Wie sehr sie aber selber irrten, macht ihnen das Erdbeben deutlich. Sonderlehren, die nicht in der Apostellehre enthalten sind und auch zu keiner Zeit in der Kirchengeschichte nachgewiesen werden können, Deutungen des „prophetischen Wortes“, die am Evangelium vorbeigehen und völlig utopisch sind, sind kennzeichnend für die neuen Bewegungen. Später kam noch die Entdeckung der „Geistesgaben“ hinzu. Die daraus entstandene Geistes-Bewegung füllt immer mehr den Raum Neubabylons und gleitet ins Dämonische ab.
 

In dem vornehmen Wohngebiet, dem Villenviertel am Euphrath, dem großen Strom der Wohlfahrt, der inzwischen vertrocknet (16,12), haben sich die reichen Laodicäer ansässig gemacht. Die Häuser der Neustadt tragen die Namen ihrer Baumeister, verziert mit schönen Bibelsprüchen, die Straßen sind nach großen Erweckungsprediger und Weltevangelisten benannt, inzwischen alles Einbahnstraßen. Dann die Brüderstraße, eine Sackgasse, und die vielen Gemeindestraßen nach den Namen ihrer Gründer, Leiter und Lehren. Mittelpunkt ist der Marktplatz der Meinungen mit einem riesigen Angebot an geistlicher und weltlicher Literatur.

Neubabylon kann als Domäne der Denominationen bezeichnet werden, hier finden wir ein buntes Spektrum von freien Gemeinden, Versammlungen, Gemeinschaften, Bibel- und Brüderkreisen sowie alternative Gruppen, liberal und konservativ. HHHHier hat erst richtig die Auch zahlreiche Sekten haben sich neu niedergelassen. Hier hat erst richtig die sprichwörtliche babylonische Verwirrung angefangen, und welch ein Sprachengewirr je nach Mundart der Gründer. Der Abfall wird hier am deutlichsten sichtbar. Man könnte diesen Teil Babylons geistlicherweise Sankt Pauli nennen, weil sie sich als „Nationen“ auf Paulus, den Apostel der Nationen, berufen. Anfänglich waren hier die Gemeinden eine „keusche Jungfrau, dem Christus verlobt“, bis ein anderer Geist, ein anderes Evangelium, ein anderer Jesus ihren Sinn verderbte (2.Kor.11,2-4). Heute ist das babylonische St.Pauli wie jenes weltliche in Hamburg ein berüchtigtes Vergnügungsviertel, das die ganze Stadt in Verruf gebracht hat vor der Welt. Dort gibt es die Straße Große Freiheit, „frei vom Gesetz“,  unweit davon auch die „Kleine Freiheit“, etwas enger, für manche „Gläubige“ dennoch zu gesetzlich. Freudenhäuser, Vergnügungslokale, Festivals, Teebars und Theater, Rock und Bands laden zur Befriedigung des (religösen) Fleisches ein. Alles ist auf die Bedürfnisse des Menschen eingestellt, auf seine Gefühle, seine (weltlichen) Wünsche; jeder soll sich wohlfühlen, auch der „Kirchenferne“. Viele wandern ständig von einem Lokal zum anderen, von einem Bett in das andere, und sind doch nirgends zu Hause. Am Eingang der Wellness-Gemeinden stehen die Freier und heißen die Kunden „herzlich willkommen“. „Aus diesen sind, die sich in die Häuser schleichen und Weiblein gefangen nehmen ...“ (2.Tim.3,5.6). „Wie ist zur Hure geworden die treue Stadt“ (Jes.1,21), ihr Gewerbe ist die Liebe, nicht die Wahrheit, sondern Liebe kaufen und verkaufen, „und süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen“ Röm.16,18). Sie lieben das süße Leben – alles Gnade –,  „scharenweise laufen sie ins Hurenhaus“ (Jer.5,7). Man könnte meinen, eine Disko zu betreten, wenn man die (laute) Musik hört, und wenn man die jungen Damen sieht, fühlt man sich in ein Erotikcenter versetzt. Der Wein Babylons macht sie betrunken, so dass sie gar nicht wahrnehmen, was über sie beschlossen ist.

St. Pauli ist auch bekannt für Schlägereien und Mord, denn wo die Lust ist, da ist auch Neid und Eifersucht, Streit und Gewalttätigkeit (Jak.4,1-4). Für die Zeugen Jesu ist Neubabylon ein gefährliches Pflaster.

Geistliche Hurerei ist für Gott greulicher als für uns die leibliche, widerlich wie die Homosexualität.

Deshalb kam die große Stadt Babylon ins Gedächtnis vor Gott, ihr den Kelch des Weines des Grimmes seines Zornes zu geben. Das Treiben erinnert Gott und uns an das Babel im Buche Daniel. Das Rombabel hat es arg getrieben, die evangelische Kirche mehr als die katholische, am ärgsten der Evangelikalismus. Gemessen am Bekenntnis verdient Letzerer ein schwereres Gericht. Wie Er über das alte Babel erzürnt war wegen seiner Vermessenheit (Dan.5), so auch über das christliche Babylon. 

 

Endlich kommen wir zum dritten abgeteilten bzw. abgesonderten Stadtteil, genannt Judenviertel, wo die Weggeführten des heiligen Volkes Gottes wohnen, gefangen, geschmäht und unterdrückt, arm und elend. Während Großbabylon feierte, „saßen wir an den  Flüssen Babels und weinten, indem wir Zions gedachten“ (Ps.137). Unter ihnen Lahme und Schwache, krank an der Seele, arm im Geiste, aber gottesfürchtig und aufrichtig. Wir treffen hier Sanftmütige, Gerechte, die ihre Seele quälten durch das was sie in Neubabylon sahen und hörten, Trauernde und die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, auch um der Gerechtigkeit willen Verfolgte, weil sie ihre Kinder aus den Schulen Babylons herausgenommen haben. Gott will Seine Kinder aber aus diesem geistlichen Weltsystem ganz herausnehmen. Alle sehnen sich nach Erlösung und Befreiung von der Sünde Sodoms und der Knechtschaft Ägyptens, womit diese Stadt verglichen wird (11,8). In diesem Stadtviertel sind die Knechte Gottes willkommen, sie predigen die Wahrheit und verkündigen Christus als den wahren Israel Gottes, den Befreier aus der babylonischen Gefangenschaft.

Aus Babylon führen viele Wege in die Welt, aber nur  e i n   Weg nach Zion, und der geht aus dem Tor des dritten Stadtteils über die „Heiligengeistbrücke“. „Gehet aus Babylon hinaus, mein Volk“, ruft der Geist. Der Weg für Gottes Israel und für die, die nicht mit Babylon gerichtet und untergehen wollen, ist frei durch den „Euphrat“ nach dem neuen Jerusalem, der heiligen Stadt! Solange wir dem Ruf nicht folgen, kann Gott nichts tun (1.Mo. 19,12-22). In einem Liebe singen wir: „Wir pilgern nach Zion, herrliches, liebliches Zion, ja, heimwärts geht es nach Zion, der herrlichen lieblichen Stadt“.

Auf die „Inseln“ kann sich nun niemand mehr zurückziehen, denn jede Insel entfloh, und auch auf die „Berge“ kann man nicht fliehen, denn Berge wurden nicht gefunden. Alles hat das Erdbeben gesprengt. Wenn jemand meint, er habe mit Babylon und seinem Gericht nichts zu tun, wird er bald anders belehrt. Ausspruch über Babel: „Heulet, denn nahe ist der Tag des Herrn; er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen“ (Jes.13).

Nach dem Erdbeben prasselte ein Hagelregen auf die Menschen hernieder. Wie bei jenem wurde auch jetzt niemand getötet, obwohl bei diesen schweren Hagelsteinen viele erschlagen sein müssten wie im Buche Josua (Jos.10,11). Es ist jetzt ein Worthagel, wobei nur die falsche Gesinnung getroffen wird. „Wie ein Talent schwer“ zeigt das große Gewicht der Worte an, aber auch ihren großen Wert, wenn man sie „von oben“ annimmt. Es sind ganz gewichtige biblische Argumente, die einfach erschlagend sind. Wer jetzt immer noch zu den „Nationen“ gehören will und sich über „Israel“ erhebt, indem er meint, eine höhere Stellung, höhere Segnungen und größere Verheißungen zu haben, der muss sich die großen Hagelsteine aus dem Himmel gefallen lassen. Schwere „Hagelsteine“ ließ auch Jesus auf die Schriftgelehrten und Pharisäer fallen (Matth.23). Große Hagelsteine waren die 95 Thesen Luthers, gewichtige Hagelsteine enthält z.B. ein Buch wie das von Croskery/Peters „Die exklusive Brüderbewegung“ – Eine Darstellung und Widerlegung ihrer Irrtümer. Oder ein anderes von Paul Schenk „Geisteskampf um Israel“, worin er die falschen Israellehrer mit der Schrift schlägt.

“Mit sehr großem Zorne zürne ich über sie sicheren Nationen“ (Sach.1,15). Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo „der Tochter Babel dasselbe vergolten wird, was sie uns getan“ (Ps.137,8).

„Damit die Nationen wissen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an ihnen verherrliche“ (Hes.37,28).

 

Auch wenn es Hagel regnet wie Taubeneier, werden sich harte Köpfe nicht überzeugen lassen, sie werden nur noch böser. Es muss ihnen tatsächlich noch härter kommen. Denn die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß. Verbal werden sie wohl Gott nicht lästern, das verbietet ihnen ihr christliches Bekenntnis. Lästern werden sie das Zeugnis der Knechte Gottes, und auch das ist Gotteslästerung, vielleicht auch Lästerung des Heiligen Geistes.

Mit dem Erguss der siebten Zornesschale ist der Grimm Gottes vollendet. Diesen traf Jesus am Kreuze auf Golgatha, Er musste den „Kelch des Weines des Grimmes Gottes“ bis zur Neige leeren. Darum schrie Er in jenen drei Stunden der Finsternis: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Matth.27,46). Weil Er das Gericht getragen hat, ist Er auch im Gericht über Babylon noch der Erlöser von allen Plagen, die uns gerechterweise treffen mögen. Denn auch hier in Babylon gilt die Zusage wie bei der ersten Plage: „jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden“ (Röm.10,13). Ihn wird kein Hagelstein mehr treffen, vielmehr fällt ihm sprichwörtlich ein Stein vom Herzen. 

 

 

 

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„Die 2 Zeugen“ – Leseprobe aus Teil I zu Helmut Stüchers Betrachtung zur Offenbarung

 

„Die erste Schale“ – Betrachtung zu Offenbarung 16 von Helmut Stücher

 

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