Die
dritte Reformation
oder
die Wiederherstellung der Gemeinde
durch die Offenbarung Jesu Christi Helmut
Stücher
II.Teil, Kap.14-(22)
Überblick
In den vorhergehenden Kapiteln herrschten die finsteren Mächte, von
denen sogar die Heiligen überwunden wurden. Der zweite Teil des Buches der
Offenbarung zeigt uns die Befreiuung, wobei sich der Kampf zunächst dramatisch
zuspitzt. Dabei fällt Babylon und gewinnt das neue Jerusalem an Gestalt. Nach
der bedrückenden Vision von Tier, Bild und Babylon wird dem Seher in Kapitel 14
ein befreiendes Gegenbild geschenkt, das wieder in sieben Teile zerfällt. Es
sind sieben Botschaften, aus denen deutlich die "sieben Donner"
(10,3) herauszuhören sind. Wir können sie als Vorwarnbotschaften bezeichnen,
bevor die "sieben goldenen Schalen des Grimmes Gottes" ausgegossen
werden (Kap.16). In der ersten Botschaft tritt ein Überwindervolk hervor, das
die Werke und Wege Gottes besingt, nachdem sie die Engelsbotschaften gehört und
ihnen geglaubt haben (Kap.15). Im zweiten Teil der Offenbarung fängt die
bedrückte Braut wieder an zu singen, und ist so erst Braut des Lammes.
In den Kapiteln 17 und 18 wird Babylon, die Nebenbuhlerin der Braut,
als Weib und Stadt dargestellt, zuerst in ihrer Macht, Größe und Herrlichkeit,
dann ihr Ende und Untergang. Wenn man die Begeisterung hört, mit der man von
der neuen Gemeinde-Vision redet, dann
könnte man meinen, Babylon würde im ausgehenden 2o.Jahrhundert eine neue Blüte
erleben. In der Tat gewinnt Babylon, die Kirche der Nationen, eine Aktualität,
wie es in der ganzen Kirchengeschichte nicht beobachtet wurde, diesmal jedoch
im Evangelikalismus. In aller Munde ist jetzt der amerikanische Typ der
modernen evangelikalen Megagemeinde, um Kirchendistanzierte anzulocken, und sie
hat einen erstaunlichen Erfolg. Bevor der Fall Babylons verkündet wird, muß es
ja sehr hoch rausgekommen sein, was uns das Buch Daniel in verschiedenen
Bildern zeigt. Hingegen paßt Altbabylon, zu dem man bisher die Staatskirchen
rechnete, nicht in das gegenwärtige Bild von der großen Hure. Vielmehr wird uns
in der Offenbarung hauptsächlich Neu-Babylon gezeigt, und das in seinem
höchsten Glanz und Reichtum, wie wir es gerade erleben und das so viele
Christen fasziniert und sogar die Welt anzieht. Die beiden Babylonkapitel
liefern reichlich Material, uns dieses System in seiner Größe und Herrlichkeit
vorzustellen. Endlich wird dieses System, in dem Gottes Volk gefangen war,
gerichtet. In Kap. 19 kommt es zum Entscheidungskampf mit dem Tier. Nachdem
Satan gebunden ist, können die Überwinder mit Christus herrschen; das Gericht
der Toten schließt die Offenbarung ab (Kap.20). Kap.21 und 22 stellen uns das
Erneuerungswerk der Offenbarung, das schon mit den Sendschreiben beginnt,
völlig enthüllt als Ganzes vor.
Die Zionsgemeinde (14,1-5)
- Die dem Lamme folgen -
Und
ich sah: und siehe, das Lamm stand auf dem Berge Zion und mit ihm
hundertvierundvierzigtausend, welche seinen Namen und den Namen seines Vaters
an ihren Stirnen geschrieben trugen.
Nach den schrecklichen Szenen der
Posaunengerichte und der langen bedrückenden Herrschaft des Tieres darf der
Seher wieder das Lamm erblicken. Er ist sichtlich ergriffen, als er seine Augen
"aufhebt zu den Bergen, woher meine Hilfe kommen wird" (Ps.121,1): "Und ich sah: und siehe, das
Lamm". Der Geist möchte jetzt auch unseren Blick weg von der uns
umgebenden Feindschaft und Finsternis der Tiergesellschaft auf das Lamm
richten. "Sie blickten auf ihn und
wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt" (Ps.34,5).
Sogleich treten sie in die Lammesnachfolge, wie es einst auch der bewundernde
Ausruf Johannes des Täufers bewirkte: "Hinblickend auf Jesum, der da
wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes!" Die Jünger Johannes wurden
dadurch von Jesum angezogen, sie folgten Ihm nach und zogen wiederum andere
mit. So entsteht auch heute Jüngerschaft, Brautgemeinde.
Unser
Offenbarungstext will uns in Verbindung mit dem Lamm eine neue Vision der
Gemeinde Gottes von Jüngerschaft vermitteln. Zunächst aber brauchen wir eine
Vision von dem gepriesenen Lamm, das für uns geschlachtet worden ist und uns
für Gott erkauft hat durch Sein Blut (5,9). Das Lamm auf dem Berge Zion erinnert uns an die himmlische Stellung Christi,
zu der auch wir im Geiste erhoben sind (Eph.2,6), damit wir die geistlichen
Segnungen genießen können, die viel höher und besser sind als der zeitliche
Segen und Reichtum Babylons. In Zion, in der Gemeinschaft des Lammes, finden
wir Geborgenheit, Errettung, Zuflucht und Hilfe, aber auch die Stärke, den großen
Kampf zu kämpfen.
Im
alten Bunde bezog man den Namen Zion auf Jerusalem und sogar auf das sich nach
Erlösung sehnende Volk (Jes.46,13; Zeph. 3,14-15). Hauptsächlich verbindet sich
der Name mit dem Tempelberg, der Wohnung Gottes, "der da wohnt auf dem
Berge Zion" (Jes.8,18). "Schön ragt empor, eine Freude der ganzen
Erde, der Berg Zion" (Ps.48,2). Dort herrscht Christus als König
(Jes.24,23), und weil Er in Zion thront, können auch wir dort sicher wohnen.
"Die auf den Herrn vertrauen, sind gleich dem Berge Zion, der nicht wankt,
der ewiglich bleibt" (Ps.125,1). Schon bei den Propheten, insbesondere bei
Jesaja, ist Zion kein geographischer Ort mehr, sondern wird zum Heilsausdruck,
ist Inbegriff des Heils für Israel und die Nationen. Im Neuen Testament, und
besonders in der Offenbarung, ist der Berg Zion die herrliche geistliche Höhe,
die in der Wildnis der Tieres emporragt, wo sich die auserwählte Schar um das
Lamm versammelt. "Segnen wird dich der Herr von Zion aus" (Ps.128,5).
Sobald sie sich von der gesetzlosen Tiermasse abgesondert haben, bestätigt sich
an ihnen die Wahrheit: "Ihr seid
gekommen zu dem Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen
Jerusalem" (Hebr.12,22-24).
Wieder
stoßen wir auf hundervierundvierzigtausend,
hier in Verbindung mit dem Lamm. Das ist nicht verwunderlich, denn die
letzten Treuen in dem alten Systems sollen ja die Ersten in der neuen Bewegung
sein. Allerdings vermißt man die unmittelbare Verbindung zu Kap.7,4, da der
Artikel fehlt. Johannes sagt: "Ich sah... mit ihm
hundertvierundvierzigtausend", nicht "die" 144000 als
bereits bekannte Größe. Hat etwa eine neue Sichtung stattgefunden wie in
Röm.11? Bisherige Treue ist keine Garantie für zukünftige Treue. Etliche Zweige
sind ihres Unglaubens wegen gegen das neue Zeugnis ausgeschnitten worden,
andere, und zwar wilde Zweige, wurden eingepfropft, weil sie geglaubt haben. So
wurde der Ölbaum Israel wieder vervollständigt, ebenso ist es mit der Vollzahl
"Hundertvierundvierzigtausend" der Offenbarungsgemeinde.
Mit
der Versiegelung in Kap.7 wurde festgestellt, wer zu Gottes Israel gehört, wer
das Bekenntnis festgehalten hat; und hier auf dem Berge Zion geht es um das
eigentliche Wesen des Israel Gottes, das in dem Lamm Fleisch geworden ist und
in dessen Wesen wir umgestaltet werden sollen. Das geschieht durch völlige
Übergabe und gehorsame Nachfolge, indem der Blick auf das Lamm gerichtet ist,
auf Seine Herrlichkeit, an der wir teilhaben sollen. Aus welchem Personenkreis
sich diese Versammlung der "Hundertvierundvierzigtausend"
zusammensetzt, wissen wir noch nicht, aber wir werden es sehen. Wer glaubt,
kann sich schon jetzt in ihre Reihen einordnen. Auf jeden Fall ist es das
"zwölfstämmige Volk"(Jak.1,1), "die Fremdlinge in der
Zerstreuung" (1.Petr.1,1) und "die Beschneidung des Christus"(
Phil.3,3; Kol.2,12), in dem Israel Gottes (Gal.6,16), erkauft durch das Blut
des Lammes. Unbedeutend ist der geistliche Hintergrund oder die Herkunft, aus
welcher Gemeinde sie stammen mögen. Die in der falschen Prophetie von Israel,
Tier und Bild ihre Rechtfertigung
suchen, werden es schwer haben, sich der Zionsgemeinde anzuschließen. Andere
Christen, vermutlich die Mehrheit, sind nicht mit Lehren vorbelastet, sondern
Suchende und werden finden.
Nun
erfahren wir, was das Siegel an ihren Stirnen ist: Es ist ein Name, der neue Name Jesu, der wahre und einzige Israel, den
Gott anerkennen kann, wie geschrieben steht: "Du bist mein Knecht, bist
Israel, an dem ich mich verherrlichen werden" (Jes.49,3). Wir werden
Christus zugehörig gerechnet, sind Sein
Geschlecht und tragen daher als Seine Brüder den gleichen Namen. „Siehe, ich
und die Kinder, die Gott mir gegeben hat“ (Hebr.2,13). Sie sind auch Seine
Schafe, Ihm eigen. Die Gesinnung der erkauften Schar ist erneuert, sie möchten
nicht mehr gleichförmig sein dieser Welt, sondern vielmehr prüfen, "was
der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist" (Röm.12,1-2).
An dem Namen Seines Vaters an ihren
Stirnen kann man sehen, daß sie Kinder Gottes sind, daß sie zur Familie
Gottes und zu dem Samen Abrahams gehören. "Seht, welch eine Liebe uns der
Vater gegeben hat, daß wir Kinder Gottes heißen sollen! Deswegen erkennt uns
die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat" (1.Joh.3,1).
Die
Zionsgemeinde ist eine Gemeinschaft der aufrichtig suchenden und folgenden
Jünger Jesu. Angesichts der Größe und Herrlichkeit der Babylongemeinde bereitet
Gott ein anderes Werk vor, "das ihr nicht glauben würdet, wenn es euch
jemand erzählt" (Ap.13,41). Gänzlich ohne die fragwürdigen Mittel und
Methoden der modernen Gemeinden, ohne die seelentötende moderne Musik, um die
Welt anzulocken, stellt sich die Zionsgemeinde als reine Bet- und Bibelgemeinde
dar. Die Babylongemeinde hat ihre Strategie und ihr Programm, die Zionsgemeinde
hat eine Botschaft, die allein durch die Verkündigung in der Kraft des Heiligen
Geistes wirkt. So war es ja auch zur Apostelzeit und in Erweckungszeiten. Wo
der Geist wehte, bekehrten sich die Menschen scharenweise zu allen Zeiten und
in jeder Kultur. Die Leute taten vor Qual der Sünden auf der Straße Buße und
begannen ein neues Leben in der göttlichen Natur und Kultur. Wir müssen also
nicht kulturrelevant sein; das bleibt Babylon vorbehalten, wo Gottes Volk zwar
geboren und vermehrt wird, aber nicht die Erneuerung erleben kann.
Die
Botschaft, die Zion ausgeht, ist eine frohe Botschaft: "Auf einen hohen
Berg steige hinauf, Zion, du Verkündigerin froher Botschaft; erhebe mit Macht
deine Stimme, Jerusalem, du Verkündigerin froher Botschaft! erhebe sie, fürchte
dich nicht; sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott!" (Jes.40,9;
52,7-12). Die Stimme aus dem Himmel bringt etwas in Bewegung, wie das Rauschen vieler Wasser. Und
gewaltig ist diese Botschaft, wie das
Rollen eines lauten Donners. Wir werden hierbei an die Stimme des Menschensohnes erinnert (1,15),
ebenso ist daraus die Stimme der großen Volksmenge zu hören, die das große Halleluja
sprechen wird, wenn sie von Babylon befreit ist (19,1.6). Für die Knechte
Gottes, die Söhne des Donners, sind
das liebliche Klänge wie von Harfensängern,
die auf ihren Harfen spielen, weil es den Glaubenden Freiheit und
Herrlichkeit bringt. "Den Stab deiner Macht wird Gott aus Zion senden,
herrsche inmitten deiner Feinde. Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage
Deiner Macht" (Ps.110,2-3). Das wird zu einem neuen Liede, ein Hohelied der Liebe der Töchter Jerusalems für den
Bräutigam ihres Herzens: "ein ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum
lieben dich die Jungfrauen" (Hohel.1,3).
Kündigt
der laute Donner ein schweres Gewitter
an? Das Rauschen vieler Wasser wird zu einer Flut, aber keine Sünd- und
Gerichtsflut, sondern eine Segensflut, Regen des Segens. Für die Bildanbeter
sicher bedrohlich, für die Versiegelten und die es werden wollen jedoch
willkommen. Das gibt Hoffnung, die die Lammesgemeinde jubeln macht und ein neues Lied anstimmen läßt. "In
meinen Mund hat er gelegt ein neues Lied, einen Lobgesang unserem Gott. Viele
werden es sehen und sich fürchten und auf den Herrn vertrauen"(Ps.40,3).
Das neue Lied wird zuerst im Herzen gesungen. Anders kann es gar nicht gesungen
werden. Das Herz singt, weil es von Christus erfüllt ist. Das neue Lied ist
nicht akustisch zu hören, denn sie singen es dem Himmel, im Geiste, versetzt in
die himmlischen Örter vor dem Throne und
vor den vier lebendigen Wesen und den Ältesten. Sicher wird es auch in der
Anbetung und im Lobgesang in der Gemeinde Gottes zum Ausdruck kommen, denn wo
das Herz jubelt, öffnet sich auch der Mund, "singend und spielend dem
Herrn in euren Herzen" (Eph.5,19). Hingegen spielt in Babylons Liedern die
Musik die Hauptrolle, sie brauchen allerlei Art von Musik im Gottesdienst zur
Gefühlsanregung und -befriedigung. Dort wird nicht dem HERRn gesungen, dort
singt man sich selbst oder der Musik zuliebe. Ohne Musikbegleitung kämen in
ihrer Mitte keine rechten Gefühle auf, sie brauchen diese Stimulierung und Sinnesberauschung.
Anders
in der Zionsgemeinde, ihre Gesänge sind „einstimmig“, begleitet von den
"Harfen Gottes". Vielleicht klingt ihr Gesang melodisch nicht so
schön, doch es singt und klingt in ihren Herzen, und das ist so lieblich vor
Gott und den heiligen Engeln. Instrumentalbegleitung oder -darbietung wird die
erneuerte Gemeinde Gottes nicht mehr nötig haben. Diese gab es auch in der
apostolischen Gemeinde nicht, noch findet sich dafür eine Empfehlung in den
Briefen. Sie gehören wie aller jüdische Kult mit seinem Zeremonial,
Opferdienst, Gewänder, Kunst usw. dem
alten Bund an, als der Geist noch nicht war. Es sind "schwache und
armselige Elemente" der Welt, denen man in Babylon mangels Geist und Leben
wieder von neuem dienen will (Gal.4,9). Viele schöne christliche Lieder und
Psalmen werden von den Gemeinde-Chören gesungen, aber nur die Lieder des
Herzens, und zwar reiner Herzen, werden im Himmel gehört.
Die
Zionsbewegung ist eine singende Bewegung, weil Gott durch Sein gnädiges Handeln
ihre Zunge gelöst hat für das neue Lied, das zu seiner Ehre erklingt. Die erste
Strophe des neuen Liedes sang bereits Johannes in Kap.1,6: "Dem, der uns
liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat...". Auch die Ältesten
singen es, stimmen es sozusagen als Vorsänger an (5,9): "Du bist
würdig...". Und dann fällt der riesige Chor Bluterkaufter mit in den
Lobpreis ein, da sie die Vergebung empfangen und die Befreiung von dem
babylonischen Welt- und Kirchensystem erfahren haben. Und niemand konnte das Lied
lernen als nur die hundertvierundvierzigtausend, die von der Erde erkauft waren.
In der Tat kann man das Lied der Lieder nicht auswendig lernen, sondern nur
inwendig singen, und auch nur der, der weiß, daß er "von der Erde
erkauft" ist, das heißt aus dem Bannkreis des Tieres freigekauft, aus der
Welt Babylons, Sodoms und Ägyptens, herausgenommen ist, "nach dem Willen
unseres Gottes und Vaters, welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu
Ewigkeit! Amen" (Gal.1,3-5). Sie bilden das neue Israel in Christus.
"Und er hat erhöht das Horn seines Volkes, das Lob all seiner Frommen, der
Kinder Israel, des Volkes, das ihm nahe ist. Lobet den Herrn!"
(Ps.148,14).
Diese sind es, die sich mit Weibern nicht
befleckt haben, denn sie sind Jungfrauen. In diesen Worten liegt so
ein Wohlgefallen Jesu an Seiner erwählten Braut, die Er geliebt und für die Er
Sich Selbst hingegeben hat. Gewiß hatten sie auch einen "früheren
Lebenswandel", der Gott nicht gefallen konnte. Kommen sie doch aus einem
bösen und ehebrecherischen Kirchengeschlecht, das Gott verworfen hat. Aber sie
hatten ein Gewissen und ein tiefes Verlangen nach Erlösung, so daß sie der
Stimme des Geistes das Ohr öffneten und dem Lamme folgten; sie sind zu ihrem
ersten Manne, der ersten Liebe, zurückgekehrt und zu den ersten Werken, sie
haben sich gereinigt und geheiligt. Hier stellt der Geist uns erstmalig die
Braut des Lammes vor, obwohl sie erst später so genannt wird (21,9). Der
Ausdruck "Weiber" hat hier einen negativen Sinn für die Macht des
bloß Seelischen (Natürlichen) und Gefühlsmäßigen und des Unsittlichen, das zum
Wesen Babylons gehört. Diesen "Jungfrauen" ist das Geistliche und die
Heiligkeit wichtig, weil sie sich bewußt sind, aus Gnaden errettet zu sein. Gott
ist es, der sie rechtfertigt und sie als reine, heilige Töchter Zions Sich
Selbst verherrlicht darstellt. "Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit,
und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Gericht, und in Güte und
in Barmherzigkeit, und ich will dich mir verloben in Treue, und du wirst den
Herrn erkennen" (Hos.2,14-23).
Was
sich einst an den gläubigen Juden erfüllte (1.Petr.2,10) und später durch
Paulus an den Nationen Wahrheit wurde (Röm.9,25), soll sich auch durch die Offenbarungsgemeinde
erfüllen, sowohl an den Gläubigen zuerst als auch an denen, die Er aus der Welt
berufen wird. Obwohl praktisch jeder zu diesen "Jungfrauen" gehören
kann, wie weit er auch von Gott entfernt sein mag, ist der Gedanke an die Welt
hier noch verfrüht. Denn zuerst muß einmal eine Zeugenschar aus dem vorhandenen
Bekenntnis aufgestellt werden. "Dies ist das Geschlecht derer, die nach
ihm trachten, die dein Angesicht suchen" (Ps.24,6).
Aus
den genannten Stellen erhellt, daß nicht an ehelose Männer gedacht werden kann
oder es irgendwie geboten erscheint, nicht zu heiraten. Solches lehren
betrügerische Geister und sind Lehren von Dämonen (1.Tim.4,1-3). Gott hat die
Ehe geheiligt. Der ehelose Paulus war Gott nicht angenehmer als der
verheiratete Petrus. Der Ausdruck "Jungfrauen" bezieht sich sowohl im
Griechischen als auch im Lateinischen auf beiderlei Geschlecht. In Christo ist
„nicht Mann und Weib, denn ihr alle seid
e i n e r in Christo Jesu"
(Gal.3,28). Die Gnade vermag aus Huren keusche Jungfrauen zu machen, wie wir in
Joh. 4 sehen; und aus einer Maria-Magdalena, in welcher alle sieben unreinen
Geister des Judentums waren, wurde eine reine, geisterfüllte Brautseele.
Niemand ist dem HERRn Jesus zu schlecht, nur muß Aufrichtigkeit vorhanden sein,
das ehrliche Verlangen, frei zu werden von der Herrschaft des Tieres und der
ganzen babylonischen Szene. Aber die stolzen selbstklugen und selbstsicheren
"törichten Jungfrauen" werden den Anschluß verpassen (Matth.25,1-13).
Zweimal
wird gesagt: Diese sind es. Der
Geist will uns hier auf eine Heiligungsbewegung hinweisen, die nicht von
Menschen in Gang gesetzt wurde und auch andere Ziele hat als alle die
religiösen Bewegungen unserer Zeit. In den letzten Jahren sind viele neue
christliche Bewegungen mit bestimmten Zielgruppen entstanden, meist von Amerika
kommend. Da gibt es Jugendbewegungen, Gemeindebewegungen, eine Charismatische
Bewegung, neuerdings eine Männerbewegung und sicher bald auch eine
Frauenbewegung, die nach den Ämtern strebt, usw. Zum Teil haben sie sehr hohe
Ziele und Ideale, und ihre Anhänger müssen Treue zu den christlichen Werten
geloben und moralische und sexuelle Reinheit versprechen. Aber alle diese
Bewegungen führen nicht aus Babylon heraus, sondern tiefer hinein und enden in
Vermischung und Verwirrung. Falsche Lehrer und Geister suchen alles zu vereinheitlichen
und alle Gruppen in Großbabylon zu vereinigen; man will biblische Einheit
demonstrieren, um die Welt zu überzeugen, aber Einheit auf Kosten der Wahrheit
und Heiligkeit.
Bewegungen
des Geistes wie die Zionsgemeinde müssen nicht proklamiert oder propagiert werden.
Es ist der Geist Gottes und das Zeugnis Jesu, das sie bewegt hat und mit dem
sie andere bewegen. Neben dem Zeugnis ihrer geistlichen und sittlichen
Unbeflecktheit haben sie auch das Zeugnis echter und treuer Jüngerschaft, da
sie dem Lamme folgen, wohin irgend es
geht. Es sind die "klugen Jungfrauen", die bereit waren, als sie
um Mitternacht das Geschrei hörten: "Siehe, der Bräutigam! gehet aus ihm
entgegen!" Nachdem sie den Ruf des HERRn gehört haben und Ihm nach
Lammesart folgen, will Er sie wie einst die Jünger zu Zeugen Jesu ausbilden. An
diesem Punkte scheiden sich Jünger und Jünger, denn nur wenige sind bereit, dem
Lamme bis zum Kreuzesleiden zu folgen. Vielen sind die Forderungen Jesu zu
hart, "von da an gingen viele seine Jünger zurück und wandelten nicht mehr
mit ihm" (Joh.6,66). Wer wirklich am HERRn mit Leib und Seele hängt, wird
wie Petrus sagen: "Herr, zu wem sollen wir gehen? du hast Worte ewigen Lebens; und w i r
haben geglaubt und erkannt, daß
d u der Heilige Gottes
bist" (Joh.6,67-69). Diese werden dem Lamme folgen, vielleicht zitternd,
aber sie werden Ihm folgen. Ihr Auftrag besteht darin, die frohe Botschaft der
Offenbarung Jesu Christi unter dem Volke Gottes und in den Gemeinden zu verkündigen,
sofern man ihnen die Türen öffnet; aber sie sind auch bereit, sich selbst zu
verleugnen und das Kreuz aufzunehmen, wenn man sie verwirft (Luk.14,25-27).
„Ihr sollt meine Zeugen sein bis an das Ende der Welt“
Während
Babylon jetzt alles mobilisiert, die Welt im Sturme zu erobern und die große
Babylongemeinde zu bauen, sucht das Lamm aus dem vorgefundenen Bekenntniskreis
die Brautgemeinde der Offenbarung zu gründen. Jesus sagte den Jüngern:
"Gehet nicht auf einen Weg der Nationen; gehet aber vielmehr zu den
verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Matth.10,5). Erst nach Pfingsten
wurde der Auftrag auf die ganze Welt ausgedehnt, anfangend von Jerusalem.
Freilich sind nicht alle Jünger Prediger, doch alle Nachfolger dienen dem HERRn
mit ihrer Gabe und Habe; in der Zionsgemeinde gibt es keine passiven
Mitglieder. Zionsgemeinde ist Missionsgemeinde; sie ist auch Muttergemeinde und
Bibellehrgemeinde, "denn von Zion wird das Gesetz (die Lehre) ausgehen und
das Wort von Jerusalem" (Jes.2,3).
In
der Missiontätigkeit muß nicht nur Gottes Wille beachtet werden, "welcher
will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit
kommen" (1.Tim.2,4), sondern auch Gottes Weg und Schritte, und auch Seine
Zeit, wie und wo Seine Gemeinde gebaut werden soll. In christlichen Ländern, wo
das Evangelium bekannt ist, aber die Gemeinden unter der Herrschaft des Tieres
stehen, geht Gott anders vor als beispielsweise in den islamischen Ländern und
wo Neuland zu erobern ist. Daß "Heimatmission" schwieriger ist als
Heidenmission, beklagt jeder Missionar. Ob mit weniger Widerstand zu rechnen
ist, wenn der HERR die etablierten Kirchen und Gemeinden zum Missionsgebiet
erklärt? Der HERR kommt hier in das "Seinige", nicht mehr um zu
richten, sondern Seine Herrlichkeit zu offenbaren. Wenn die Seinigen Ihn nicht
annehmen, geht Er weiter, "so viele ihn aber aufnahmen, gab er das Recht,
Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus
Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind" (Joh.1,11-13).
Zum
dritten Mal wird betont, wer diese sind: Diese
sind aus den Menschen erkauft worden als Erstlinge Gott und dem Lamme. Hier
findet sich bestätigt, daß Gott ein neues Werk beginnt. Einst fing es mit 12
Jüngern an, bald waren es 70, dann 500 Brüder, am Pfingsttage durch eine
Predigt 3000 Seelen und "so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen
wird" (Ap.2,39). Die Offenbarung beginnt gleich mit 144000, was dazu
verleiten könnte, an eine entsprechende Zahl zu denken. Den Symbolcharakter
dieser Zahl haben wir bereits bei der Betrachtung des 7.Kapitels festgestellt.
Jede gesegnete Bewegung fing klein an, oft nur mit einigen wenigen Männer, die
wie Daniel Buße taten über ihre Sünde und für die Sünde des Volkes (Dan.9, 20).
Zu ihnen hat Gott sich geneigt und durch sie große Erweckungen bewirkt. Den
"Erstlingen" soll noch eine unzählbare Menge folgen, eine Schau, die
uns bereits im 7.Kapitel vermittelt wird, jetzt aber nahe daran ist, Wirklichkeit
zu werden.
Noch
ein Kennzeichen ist den teuer erkauften Lammesnachfolgern eigen: In ihrem Munde wurde kein Falsch gefunden;
denn sie sind tadellos. Gott rechnet die Aufrichtigkeit für Tadellosigkeit.
Inmitten der verlogenen und sich selbst betrügenden Tiergesellschaft und der
falschen Propheten hat Gott sich eine Zeugenschar erwählt, die "nicht aus
Betrug reden, noch aus Unreinigkeit noch mit List; sondern so, wie wir von Gott
bewährt worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, also reden wir,
nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. Denn
niemals sind wir mit einschmeichelnder Rede umgegangen, wie ihr wisset, noch
mit einem Vorwande für Habsucht, Gott ist Zeuge..." (1.Thess.2,3-6).
Wahrhaftigkeit war schon immer das Kennzeichen der wahren Knechte Gottes.
"Denn wir verfälschen nicht, wie die Vielen, das Wort Gottes, sondern als
aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christo"
(2.Kor.2,17). Zu einer ehrlichen Verkündigung gehört eben auch, daß sie nicht
das Gericht verschweigt, wie es die drei folgenden Engelsbotschaften ankündigen.
Die
erste der sieben Donnerbotschaften liegt ganz auf der Linie des ersten
Sendschreibens, ersten Siegels und der ersten Posaune, nur hat sie einen
anderen Ausgangspunkt, indem sie an das Volk in Babylon ergeht. Sie erinnert
auch an den ersten Schöpfungstag, als Gott sprach: "Es werde Licht! und es
ward Licht" (1.Mo.1,3). Das "laute Donnerrollen" soll uns
aufwecken, der Macht des Finsternis des Tieres zu entfliehen und uns auf die
Seite des Lammes zu stellen; "denn auf dem Berge Zion und in Jerusalem
wird Errettung sein " (Joel 2,32).
Fahre fort, fahre
fort, Zion, fahre fort im Licht!
Mache deinen Leuchter helle, laß die
erste Liebe nicht;
suche stets die Lebensquelle, Zion, gingst du durch
die enge Pfort', fahre fort, fahre
fort!
Dringe ein, dringe
ein, Zion, dringe ein in Gott!
Stärke dich mit Geist
und Leben, sei nicht, wie die
anderen, tot, / sei du gleich den
grünen Reben;
Zion, in die Kraft,
statt Heuchelschein,
dringe ein, dringe ein!
In
dieser Gemeindevision wird klar, welches die Erstlinge der Geschöpfe Gottes in
Christus sind, nämlich die mit Christus Jesus, dem Lamme Gottes, auf dem Berge
Zion stehen. Seine Gemeinde ist "die Versammlung der Erstgeborenen, die in
den Himmeln angeschrieben sind" (Hebr.12,22ff). Gott hat hier eine
erneuerte Jüngerschar nach Wahl seiner Gnade aus der bekennenden babylonischen
Christenheit berufen, die das neue Israel nach dem Geiste repräsentieren soll.
Reinheit des Herzens, gehorsame Nachfolge und Aufrichtigkeit kennzeichnet die
Braut des Lammes.
Die erste Engelsbotschaft (14,6-7)
- Das
ewige Evangelium -
Und ich sah einen anderen Engel inmitten des
Himmels fliegen, der das ewige Evangelium hatte. Bevor das Gericht über
Babylon und die ganze Welt kommt, soll noch noch einmal denen, die auf der Erde ansäßig sind, und jeder
Nation und Stamm und Sprache und Volk, das Evangelium verkündigt werden.
Sein Ton ist allerdings sehr ernst, ein letzter Anruf an die humanistische
Tiergesellschaft in Babylon und an die ganze Menschheit, dem Unglück zu
entfliehen.
Die
Bezeichnung "ewiges Evangelium" mögen die meisten nicht mit der
neutestamentlichen Botschaft vereinbaren können. Es habe einen
alttestamentlichen Sinn und passe nicht in die "Gnadenzeit". So verlegt
man es auf spätere Zeiten, als hätten
wir es gar nicht nötig. Doch nichts ist heute wichtiger als seine Botschaft.
Eigentlich sollte dieses Evangelium unseren Ohren vertraut sein, bildet es doch
der Grundton aller Evangelien und Gottesbotschaften. Das Wort
"Evangelium" ist griechischer Herkunft und heißt "gute oder
frohe Botschaft". Zum erstenmal kommt es im Propheten Jesaja vor und ist an
Zion gerichtet bzw. Zion wird "Verkündigerin froher Botschaft"
(Jes.40,9; 52,7; 61,1). Im Sprachgebrauch des Neuen Testaments begegnet es vor
allem in den paulinischen Briefen. Merkwürdigerweise fehlt es im
Johannesevangelium und in seinen Briefen gänzlich. Umso stärker wird die
"gute Botschaft" in der Offenbarung verkündigt, zuerst für die
Knechte Gottes (10,7), dann der ganzen Welt.
Wenn
wir "Evangelium" sagen, verkürzen wir es gewöhnlich auf die
Heilstatsachen, daß Jesus für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist. So
ist dann auch selbst an der modernen babylonischen Verkündigung nichts
auszusetzen. Man hört hier"ganz klares Evangelium". Doch wie ist es
mit dem "Evangelium des Reiches" (Matth.4,23) oder dem
"Evangelium der Herrlichkeit des Christus" (2.Kor.4,4)? Davon hört
man wenig oder nichts, obwohl diese ebenso zu dem einen Evangelium gehören wie das "Evangelium eures Heils"
(Eph.1,13) und das "Evangelium der Gnade Gottes" (Ap.20,24) oder das
"Evangelium des Friedens" (Eph.6,15). Zu unterscheiden ist das
"Evangelium der Beschneidung", wie es die Zwölfe verkündigten, von
dem "Evangelium der Vorhaut"(Gal.2,7, das Paulus "mein
Evangelium" (Röm.2,16) nennt. Die Apostel haben das "Evangelium von
Jesu" verkündigt, von Seinem Leben, Seine Lehren und Taten, Sein Leiden
und Sterben, Seine Auferstehung bis zur Himmelfahrt (Ap.8,35), wie es die vier
Evangelien berichten. Hieran anknüpfend verkündigt Paulus das "Geheimnis
des Christus" und den "unausforschlichen Reichtum des Christus"
(Eph.3,4.8), wie er ihm offenbart ist durch geistliches Verständnis der
Schriften.
Allen
diesen Evangelien würde die Grundlage und Kraft fehlen, wenn dabei nicht auch
das "ewige Evangelium" bezeugt wird: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre. Freilich kann dieses Evangelium
nicht für sich allein verkündigt werden, schon gar nicht einer Welt, die
bereits vom Gericht heimgesucht wird und mehr und mehr darunter leidet. Es kann
für sich genommen auch keinen Menschen erlösen. Aber es ist nötig, die
Gottesfurcht zu predigen, damit Menschen die Gnade Gottes in Christus Jesus,
unserem Heiland, begehren. Die Gnadenbotschaft allein kann ebensowenig Heilung
wirken, wenn ihm die Gottesfurcht fehlt. Wenn einem Hause das Fundament fehlt,
so fehlt ihm die Hauptsache; es ist und wird ohne Fundament nie ein solider
Bau. Dasselbe ist mit unserem Christentum,
unserem ganzen Verhältnis zu Gott; wenn ihm die Furcht des Herrn fehlt,
so fehlt ihm die richtige, gesunde Grundlage. Ohne Gottesfurcht baut man auf
Sand, so die Kirche Babylon, die deshalb nicht bestehen wird im Gericht.
Deshalb muß dem Volke darin wieder laut gepredigt werden: Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist
gekommen.
Warum sollte des "ewige Evangelium"
nicht im Einklang sein mit dem Evangelium der Rechtfertigung aus Glauben? Ist
es doch das e w i g e Evangelium. "Ewig" heißt immer, es ist das, was schon immer von den
heiligen Propheten und Aposteln und allen wahren Gottesknechten verkündigt
worden ist. Warum hört man es heute nicht mehr in der Verkündigung? Wohl alle
babylonischen Gemeinden meinen, das reine, volle Evangelium zu verkündigen.
Aber leider stellt man oft fest, daß ihnen das Salz fehlt. Sie wehren sich
vehement gegen den Vorwurf, das Evangelium zu verwässern, und dennoch predigen
sie eine humanistische Botschaft, wenn sie das "ewige Evangelium"
ausklammern. In Babylon versteht man unter "Furcht Gottes" soviel wie
"Angst" vor Gott, und die braucht ja ein versöhntes Gewissen durchaus
nicht mehr zu haben. Auch den Ungläubigen soll man, so sagen die Humanisten,
keine Angst mit der Hölle machen. Also streicht man die "Furcht" aus
dem Vokabular oder deutet sie um in "Ehrfurcht". Nur noch wenige
kleine Gruppen und einzelne Zeugen bekennen sich zur Gottesfurcht und
bestätigen somit das "ewige Evangelium", wenn sie auch prophetisch
etwas anderes darunter verstehen mögen.
Die
Botschaft des "anderen Engels" gilt zunächst denen, die auf der Erde ansäßig sind. Der
Ausdruck "auf der Erde ansäßig" geht weiter als die sonst in der
Offenbarung so häufige Wendung von "Wohnen" auf der Erde (13,8.14).
Es hat den Sinn von "thronen", "sitzen", woraus eine
betonte Selbstsicherheit und Unbußfertigkeit der Leute herauszuhören ist. Sie
gebärden sich so sicher wie die Menschen in den Tagen Noahs. Plötzlich kommt
das Verderben über sie, "gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere;
und sie werden n i c h t entfliehen" (1.Thess.5,3). Sie sollen
nicht ungewarnt bleiben vor dem Gericht.
Auch
jeder Nation und Stamm und Sprache und
Volk soll das "ewige Evangelium" verkündigt werden. Hiermit ist der ganze babylonische
Kirchen- und Weltkreis angesprochen (5,9; 7,9; 10,11). Die Christenheit ist ja
längst nicht mehr e i n Leib, e i n e heilige Nation, e i n Volk, spricht nicht mehr e i n e
Sprache, sondern viele. Aber Gott erreicht mit dem "ewigen
Evangelium" wieder alle, es spricht eine Sprache, die in der babylonischen
Sprachenverwirrung von allen verstanden wird. Wahrscheinlich reagieren
Katholiken am ehesten auf die Botschaft, denn unter ihnen finden sich noch am
meisten Gottesfurcht und Ehrfurcht. Vermutlich hängt das mit der Lehre und
Erziehung der Kath. Kirche zusammen, daß der Glaube von Gottesfurcht, Abkehr
von der Sünde, Wille zum Gehorsam begleitet sein müsse. Dogmatisch ist das
richtig, aber sie meint es nicht so und setzt die Werke, vor den Glauben, um
Gott zu gefallen, und die "Kirche" anstelle "Gott".
Demgegenüber
vertritt der Protestantismus die These: Durch Glauben allein, erklärt aber die
Werke für Stroh. Das Resultat dieser Rechtfertigungslehre ohne Gottesfurcht ist
eine Gesetzlosigkeit und Sittenlosigkeit, wie sie nie gewesen ist, die
besonders im evangelischen Raum dem Humanismus und Hedonismus den Weg bereitet
hat. Da sind die gottesfürchtigen Werkgerechten doch Gott näher als die
Gesetzlosen, die die Gnade in Ausschweifung verkehren. "Gott sieht die
Person nicht an, sondern in jeder Nation, wer Gott fürchtet und Gerechtigkeit
wirkt, ist ihm angenehm" (Ap.10,35). Wo der Boden nicht in Gottesfurcht
gepflügt wird, kann die Saat des Evangeliums nicht Frucht bringen.
Befaßte
sich die Reformation vordringlich mit der Rechtfertigung des Sünders, betrieb
der Evangelikalismus die Heiligung des Gläubigen. "Frei vom Gesetz"
war seine Botschaft, und "Absonderung vom kirchlichen Übel" seine
Forderung, aber man leugnete das Gericht. Da schwand die Gottesfurcht, und
Hochmut, Ungerechtigkeit und Heuchelei kehrten ein. Weil sie Gott nicht
fürchten, haben sie das prophetische Wort weg- und umgedeutet, so daß das
Gericht angeblich nur noch die Welt nach ihnen treffen soll. Im Lichte des
"ewigen Evangeliums" fallen alle unter dasselbe Urteil: "Es ist
keine Furcht Gottes vor ihren Augen" (Röm.3,18).
Da
nun der Richter vor der Tür steht und jeden Augenblick das Gericht über Babylon
hereinbrechen kann, ist es ein Gnadenakt, wenn Gott noch einmal durch Seinen
Engel vom Himmel verkündigen läßt: "Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre,
betet Gott an!" - eine sehr einfache Botschaft, aber genau passend für
unsere Zeit, die vom Geiste des gesetzlosen Humanismus geprägt ist. In einer so
ernsten Stunde ist es töricht, noch lange vom "Sinn des Lebens" zu
faseln. Nur die Gottesfurcht verleiht dem Leben Sinn und Ziel. Die süße
Jesus-liebt-dich-Botschaft ist der Welt schon über. Eine verstandesmäßige
Beweisführung von der Existenz Gottes ist fehl am Platze. Es genügt der Hinweis
auf die Schöpfung, das Werk Seiner Hände, um Gott in Ehrfurcht anzubeten.
"Fürchtet Gott und gebet ihm Ehre!" Darauf kommt es an. Das geht das
Gewissen an. Daß Gott sich noch einmal an die abtrünnige Christenheit wendet, um
sie vor dem Gericht zu warnen, ist nur Sein großes Erbarmen. Und wenn Seine
Knechte sich dahinstellen und sich für die Wahrheit des Evangeliums verspotten
und lästern lassen, wie es alle Propheten erleben mußten, ist das Beweis und
Liebe genug. Wir dürfen unsere Mitmenschen nicht einfach ins Unglück laufen
lassen. "Wer unter euch fürchtet den Herrn? wer hört auf die Stimme seines
Knechtes?" (Jes.50,10).
Was
heißt denn, Gott fürchten? Manche meinen, Gottesfurcht sei Ehrfurcht. Doch das
ist nicht dasselbe, es ist viel mehr als das. Es gibt auch Humanisten, welche
Ehrfurcht haben vor der Schöpfung, vor dem Leben, vor einem höheren Wesen, aber
sie fürchten sich keineswegs vor Gott. Der Höchste will von Seinen Geschöpfen
geehrt werden, aber Er muß auch gefürchtet werden. Er läßt nicht mit sich
spielen und spaßen. Wir müssen uns vor Ihm scheuen. Diese Furcht ist kein
unbestimmtes Angstgefühl, das kein rechtes Vertrauen aufkommen läßt. Im
Gegenteil, "in der Furcht des Herrn ist ein starkes Vertrauen, und seine
Kinder haben eine Zuflucht" (Spr.14,26). Wenn Noah nicht, "von Furcht
bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses" gebaut hätte, wäre er wohl
nachlässig geworden, die Flut hätte ihn ereilt (Hebr.11,7). Wir müssen die
Gnadenzeit auskaufen und allen Fleiß anwenden, unserem Glauben die Tugend
folgen zu lassen (2.Petr.1,5). Denn "vor deinem Schrecken schaudert mein
Fleisch, und ich fürchte mich vor deinen Gerichten" (Ps.119,120); und:
"da wir den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen..."
(2.Kor.5,11). Es ist Gnade, wenn Gott noch einmal das ewige Evangelium von der
Furcht Gottes im ganzen Kirchenkreis der "Nationen" verkündigen läßt.
Der
Hauptpunkt beim Glauben ist die Gottesfurcht. Ohne Gott zu fürchten kommt kein
Mensch wirklich zur Buße, ohne Gottesfurcht ist auch kein Gläubiger ein
Glaubender. Ohne Furcht Gottes versteht man nichts wirklich von den Dingen
Gottes. Denn "die Furcht des Herrn ist der Erkenntnis Anfang"
(Spr.1,7). Wir müssen ein richtigen Begriff von der Furcht Gottes haben, um
ihre Notwendigkeit und ihren Segen zu verstehen. Wenn die Schrift so oft die
Furcht Gottes preist, so will sie nicht von knechtischer Furcht reden. Wie
ließe sich das vereinbaren mit der apostolischen Ermahnung: "Freuet euch
in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freuet euch!" (Phil.4,4).
Wir
sind arme, sündige, sterbliche Menschen; Gott ist die ewige, heilige, gerechte,
allmächtige Majestät. Er ist allwissend und allgegenwärtig. Folglich gibt es
für uns Menschen unserem Gott gegenüber keine andere Stellung als die der
tiefsten Ehrfurcht, der demütigen Beugung, und diese Stellung ist eine in
Ewigkeit bleibende für die vollendete Gemeinde. Auch die heiligen Seraphim
verhüllen ihr Angesicht vor der Herrlichkeit des HERRn und rufen: "Heilig,
heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen" (Jes.6,1-4).
Auch
in der Erziehung ist die Gottesfurcht wichtig. Der Rat eines Gottesmannes
lautet: "Sage der Jugend viel von der Liebe Gottes und des Heilandes und
sage es ihr warm und lieblich; aber vergiß nicht, sie zugleich die Furcht der
Herrn zu lehren, in der Gegenwart eines heiligen allwissenden Gottes zu
wandeln, dem wir Rechenschaft geben müssen von einem jeden unnützen Wort
(Matth.12,36). Einem Menschen ohne Furcht Gottes fehlt die Grundlage für ein
sittliches Leben, die Furcht des Herrn schärft das Gewissen".
Das
sind Erziehungsgrundsätze, die uns heute verlorengegangen sind in einer in
Überfluß und Gleichgültigkeit dahinlebenden pluralistischen Gesellschaft. Da
muß uns die Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Gott wieder ins Bewußtstein
zurückgerufen werden, und das tut dieser gottesfürchtige Engel.
Gottesfurcht
ist wirklich ein glückseliger Zustand. "Glückselig ein jeder, der den
Herrn fürchtet, der da wandelt in seinen Wegen" (Ps.128,1). Die
Verheißungen, die dem Gottesfürchtigen gegeben sind, lassen seine Seele in
Sicherheit ruhen. "Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet auf ihn.
Ihre Hilfe und ihr Schuld ist er" (Ps.115,11). "Kommet, ihre Söhne,
höret mir zu: Die Furcht Jehovas will ich euch lehren; weiche vom Bösen und tue
Gutes, suche Frieden und jage ihm nach" (Ps.34,11). Es ist Gnade, wenn
Gott uns noch einmal daran erinnert, Ihn zu fürchten und Ihn anzubeten. Wahre Anbetung
ist mit Gottesfurcht und Ehrfurcht begleitet, wozu auch eine ehrfürchtige
Gebetshaltung gehört. "Gebet dem Herrn die Herrlichkeit seines Namens;
bringet eine Opfergabe und kommet in seine Vorhöfe! Betet den Herrn an in
heiliger Pracht! Erzittert vor ihm, ganze Erde" (Ps.96,7-9).
Ob
wir Gott fürchten, zeigt sich auch darin, wie wir Seinem heiligen Worte
gegenüber stehen. "Vor deinem Wort hat mein Herz sich gefürchtet".
Jedes leichtfertige Hinzufügen und Wegnehmen, wovor ja besonders die
Offenbarung warnt, zieht schwere Folgen nach sich. Viele Sonderlehren und
Sekten sind aus Mangel an Furcht vor dem heiligen Worte Gottes entstanden.
Deshalb Vorsicht mit der natürlichen Deutung des prophetischen Wortes und der
Offenbarung, wenn man damit den Ernst der Gerichte auf die ungläubige Welt
abwälzt. "Auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen
Geistes ist, der da zittert vor meinem Worte" (Ps.66,2). Vor den
Verheißungen braucht man sicherlich nicht zu zittern, es sei denn vor Freude.
Aber vor dem Gerichtsdrohungen muß man sich fürchten. Wenn man diese nicht
ernst nimmt, verliert man die Verheißungen. "Bewirket eure eigene
Seligkeit mit Furcht und Zittern" (Phil.2,12).
Die
christliche Masse weiß nicht mehr, was wahre Anbetung ist, weil sie Gott nicht
mehr fürchten. Sie haben ihre Götter und Götzenbilder, die sie ehren und
anbeten. Vor den selbstgemachten Göttern braucht man keine Furcht zu haben.
Warum aber haben die Menschen solche Angst? Man hat 20.Jahrhundert das
"Jahrhundert der Angst" genannt. Je weniger Gottesfurcht, umso mehr
Menschenfurcht. Viele Ängste und Probleme rühren aus dem Mangel an Gottesfurcht
her. Wo keine Gottesfurcht ist, ist auch kein rechtes Verhältnis zu dem Vater
und dem Sohne, wie es die Lammesschar erlangt hat. "Dienet ihm mit Furcht,
und freuet euch mit Zittern. Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr umkommet
auf dem Wege, wenn nur ein wenig entbrennt sein Zorn. Glückselig alle, die auf
ihn trauen" (Ps.2). JESUS ist in der Offenbarung der Richter der
Lebendigen und der Toten. Wer Ihn fürchtet und Sein gerechtes Gericht anerkennt,
hat Ihn zum Heiland. Wer Gott ehrt, hat
in Jesus eine Zuflucht.
Und betet den an, der den Himmel und die Erde
gemacht, und das Meer und die Wasserquellen. Wir denken wieder zuerst an
die natürliche Schöpfung, wenn wir solche Worte lesen. Gott wegen Seiner wunderbaren
Werke anzubeten, gehört zu unseren natürlichen Pflichten als Geschöpfe. Das tun
auch Menschen, die nicht an Jesus Christus glauben. Noch größer und wunderbarer
ist das Werk Gottes in Christus, die neue Schöpfung. Durch Ihn ist auch der
christliche "Himmel" gemacht und die "Erde" als
Bekenntniskreis. Beides war gut geschaffen, ist aber durch die abtrünnige
Christenheit verdorben worden. "Jetzt aber hat er verheißen und gesagt:
Noch einmal werde ich nicht allein die Erde bewegen, sondern auch den Himmel".
Sie werden in der Stunde des Gerichts verwandelt, erschüttert werden "als
solche, die gemacht sind". Überstehen werden es nur die gottesfürchtigen
Heiligen auf dem Berge Zion, sie werden bestehen im Gericht. "Deshalb, da
wir ein unerschütterliches Reich empfangen, laßt uns Gnade haben, durch welche
wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht"
(Hebr.12,26-29).
Auch
das "Meer", ein Bild der Welt, einst von Gott durch Christum gemacht
und belebt, ist nicht mehr sauber, sondern ein Bild für Unheil und Unmoral. Die
Welt wird auch nicht mehr besser, sie soll ja in der neuen Schöpfung ganz
verschwinden (21,1).
Zuletzt
wird noch an die "Wasserquellen" erinnert, die Gott für uns gemacht
hat, Er kann sie auch wieder zurücknehmen kann. Im Anfang flossen aus ihnen
reine Ströme lebendigen Wassers flossen. Menschliche Beimischungen und
verderbliche Lehren haben sie ungenießbar gemacht. Denen, die Gott fürchten und
Ihn anbeten, ist in Christus die wahre Lebensquelle geöffnet. "Ich will
dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst"
(21,6).
Die
Menschen unter dem Tiere rühmen dessen Fortschritt und Errungenschaften, sie
beten das Tier an und bringen "dem Geschöpf mehr Verehrung und
Gottesdienst dar als dem Schöpfer, welcher gepriesen sei in Ewigkeit.Amen.
Deswegen hat Gott sie auch dahingegeben..." (Röm.1,25ff). Gott allein
gebührt die Ehre, daß Er uns die Lebensbedingungen geschaffen hat, sowohl
geistlich als auch natürlich. "Das Geistige war nicht zuerst, sondern das
Natürliche, danach das Geistige" (1.Kor.15,44). Die Offenbarung hat das
Geistige vor sich.
Die
Botschaft des Engels ist das Urevangelium, das unterschiedlos alle Menschen
unter Verantwortung stellt, damit sie wieder in die rechte Beziehung zu ihrem
Schöpfer kommen, Dem sie Ehre und Anbetung schulden. Wer Gott fürchtet und Ihm
Ehre gibt, auch in Seinen Gerichtswegen, wird bewahrt im Gericht. "Die
Furcht des Herrn wird sein Schatz sein" (Jes.33,6). Das ewige Evangelium
bereitet die Menschen zu, wieder nach einem gnädigen Gott zu fragen, der Sich
in Jesus Christus offenbart hat, und in die Gemeinde Gottes nach Zion zu kommen
(Jes.2,1-4). "Und die Nationen
werden den Namen des Herrn fürchten, und alle Könige der Erde deine
Herrlichkeit. Denn der Herr wird Zion aufbauen, wird erscheinen in seiner Herrlichkeit"
(Ps.102,15.16).
Die zweite Engelsbotschaft (14,8)
- Der
Fall Babylons -
Und ein anderer, zweiter Engel folgte ihm und
sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon... Die zweite Engelsbotschaft,
die sich direkt der ersten anschließt, ist eine Gerichtsbotschaft für die Babylon-Kirche.
Ganz unvermittelt verkündet ein Engel, daß die Stadt der "Nationen"
gefallen ist. Das zweimalige "gefallen" betrifft den sittlichen Fall,
dem sogleich das Gericht folgt. Es ist kein triumphierender Ausruf, denn
"ein hartes Gesicht ist mir kundgetan ...Mein Herz schlägt wild, Schauder
ängstigt mich; die Dämmerung, die ich liebe, hat er mir in Beben verwandelt...
Und er hob an und sprach: Gefallen, gefallen ist Babel, und alle geschnitzten
Bilder seiner Götzen hat er zu Boden geschmettert!" (Jes.21,1-9).
Der
Fall Babylons wird erst durch das alttestamentlichen Vorbild der
"Jungfrau, Tochter Babel" (Jes.47,1), verständlich. Als Israel und
Juda abgefallen waren und alle Boten Gottes verworfen hatte, so daß keine
Heilung mehr war, ergrimmte Gott über Sein Volk und ließ es unter die Nationen
wegführen. Das geschah in mehreren Etappen. Bei der letzten Wegführung durch
den König der Chaldäer wurde Jerusalem zerstört, "und die vom Schwerte
Übriggebliebenen führt er nach Babel hinweg; und sie wurden ihm und seinen
Söhnen zu Knechten, bis das Königreich der Perser zur Herrschaft kam"
(2.Chron.36,17-21). Das Reich und das Königtum war von nun an auf die Nationen
übergegangen, der Thron und die Regierung Gottes über die Erde war von
Jerusalem, der ehemals heiligen Stadt Israels, nach Babel, der großen Stadt der
Nationen, verlegt worden. In der Traumdeutung Daniels wird Nebukadnezar seine
Hauptesstellung als unumschränkter Herrscher bestätigt. Seine Herrschaft überragte
die des Königs Salomon, er war jetzt der König der Könige, "dem der Gott
des Himmels das Königtum, die Macht und die Gewalt und die Ehre gegeben
hat" (Dan.2,31ff). Hierin ist er, wenn auch blaß, ein Vorbild von dem viel
größeren König der Könige, Der in den himmlischen Örtern thront "über
jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der
genannt wird" (Eph.1,21-23).
Während
Israel beiseite gesetzt war, segnete Gott die Nationen, indem Er ihnen Gutes
tat und Frieden und fruchtbare Zeiten gab, solange sie den Höchsten fürchteten.
Von allen Weltreichen war das babylonische Reich im Anfang ein großes
Friedensreich (Dan.4,1-3). Gott vertraute Nebukadnezar, Seinem Knecht
(Jer.27,6), das ganze Gut Israels an. Von Kores (Cyrus), dem Eroberer des
babylonischen Reiches, spricht Gott sogar als von Seinem Hirten, Seinem
Gesalbten, "der all mein Wohlgefallen vollführt, indem er von Jerusalem
sprechen wird: Es werde aufgebaut! und vom Tempel: Er werde gegründet"
(Jes.44,28; Esra 1). Weitere Beispiele von gottesfürchtigen Königen der
Nationen sind Darius in Buche Esra (Kap.6) und Ahasveros im Buche Esther, deren
Regierung sich segensreich auswirkte für die damalige Welt und zum Wohl des
Volkes Gottes. Dies aber nur deshalb und solange, wie ein Daniel, Nehemia,
Esra, Mordokai Amt und Einfluß hatten.
Die
Geschichte der Nationen war ein Einschub in den Wegen Gottes, bis Der kam, Der
das Königreich der Himmel aufrichtete, "welches ewiglich nicht zerstört,
und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird"
(Dan.2,44; 7,27). Die Könige Babylons und der nachfolgenden Reiche blieben
nicht in der Furcht Gottes, sondern wurden hochmütig und selbstherrlich,
trieben frevelhaften Götzendienst und wurden schuldig an Menschen, besonders am
Volke Gottes, so daß auch ihr Gericht kam (Dan.5). In dem neutestamentlichen
Gegenbild finden wir eine ganz ähnliche Geschichte. Die Offenbarung faßt in dem
einen Namen "Babylon" geistlich alle jene Reiche und Städte der
Antike zusammen, einschließlich Sodom und Ägypten (11,8).
Wie
in der Geschichte des alten Bunde gibt es auch unter dem neuen Bunde
verschiedene Gemeindeepochen oder Kirchenhaushaltungen. Die erste beginnt mit
der Berufung Israels, dann der zeitliche Einschub der Nationen mit Babylon als Mittelpunkt,
am Ende knüpft Gott wieder mit Seinem Israel an. Die drei Zeitabschnitte lassen
sich an dem Kanon des Neuen Testaments, der in drei Teile zerfällt, ablesen.
Wenn man einmal zeitlich und geistlich zwischen dem Dienst der zwölf Apostel in
Jerusalem und dem Zeugnis des Apostels Paulus unter den Nationen unterscheidet,
entdeckt man drei Gemeindeepochen. Die erste Epoche nimmt mit der Verkündigung
Jesu ihren Anfang, löst durch das Opfer Jesu und die Ausgießung des Heiligen
Geistes das Judentum ab und wird seitdem als Erfüllung aller Verheißungen der
Propheten in der "Fülle der Zeit" gepredigt (Ap.3,24).
Der
zweite Teil der Apostelgeschichte (ab Kap.10) und die paulinischen Briefe
beschäftigten sich mit den "Gemeinden der Nationen" (Heidenkirche)
während der "Zeiten der Nationen", in welchen das gläubige Israel
zerstreut ist, das von den Aposteln der Beschneidung bedient wird. Beide
Epochen verbindet der Hebräerbrief, der die Judenchristen von dem jüdischen
Kult zu dem Gottesdienst des Neuen Bundes und vom "Sinai" zum
"Berge Zion" führt. Zugleich ist der Brief an die Hebräer der
Übergang zur letzten Epoche, die wieder mit "Israel" anknüpft, um es
aus der "Wüste der Nationen" in das "Land der Verheißung"
und zu dem "neuen Jerusalem" in der Offenbarung zu bringen.
Die
Briefe Jakobus, Petrus, Johannes und Judas richten sich an das gläubige Israel
in der Zerstreuung in dem anbrechenden Zeitalter der Offenbarung, wo noch die
Kirche der "Nationen" die Herrschaft hat, der Gott ein Ende machen
wird, um Gottes Israel aus derselben zu befreien und zur heiligen Stadt, dem
neuen Jersualem zurückzuführen. Die Heidenkirche ist in der Tat ein Parenthese,
nur mit einem ganz anderen Ausgang, nämlich wie im Vorbilde die Nationen im
Buche Daniel und wie es die Propheten weissagen. Die paulinischen Endzeitbriefe
und die Sendschreiben machen deutlich, daß die Kirche der "Nationen"
gefallen und dem Gericht der Welt verfallen ist. Genau genommen begann die
"Kirche", soweit sie von den "Nationen" dargestellt wird,
nicht am Pfingsttage, sondern viel später durch das Zeugnis Pauli. Ihre
Gründung liegt nicht in Jerusalem, sondern in Antiochien. In der dritten und
letzten Gemeindeepoche wird das gesamte gemeindliche Gedankengut des Apostels
Paulus, das die "Nationen" sich angeeignet, aber mißbraucht haben,
nach "Zion" zurückgebracht. Allein dies erfordert geistliches
Verständnis. Denn das Israel des neuen Bundes ist ein himmlisches Volk,
"ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um darzubringen
geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum"
(1.Petr.2,5). Die Apostel Petrus hat später die gleiche geistliche Sicht vom
neuen Bundesvolk wie Paulus, er begreift, was viele Christen heute nicht einmal
verstehen, daß "Gott keinen Unterschied macht zwischen uns (Juden) und
ihnen (Nationen), indem er durch den Glauben ihre Herzen reinigte"
(Ap.15,9). Wie im Anfang der Kirche wird auch am Ende ein Nicht-Volk ein Volk
Gottes, "so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird" (Ap.2,39). Dieses wiederhergestellte Israel
vereinigt alle Kinder Gottes in der heiligen Stadt, dem himmlischen Jerusalem.
Zunächst müssen wir uns jedoch mit dem Fall Babylons beschäftigen, von dem auch
wir als Kinder Gottes betroffen sind.
Einst
war Israels Fall der "Reichtum der Welt, und ihr Verlust der Reichtum der
Nationen" (Röm.11,12). Die "Nationen" hatten einen herrlichen
Anfang gemacht, aber sie blieben nicht an der Güte. In Paulus hat ihnen ein
großer "Herold und Apostel und Lehrer der Nationen" gedient (2.Tim.1,11).
Seine Briefe haben noch die Ausrichtung nach "dem Berge Zion und der Stadt
des lebendigen Gottes, dem himmlischen
Jerusalem", er lehrte die Nationen die Miteinverleibung in den Leib
Israel, sie waren Miterben geworden und hatten mit Teil an den Verheißungen
Israels. Der Apostel zeigt den Christen in Rom an dem Bilde des Ölbaums, daß
sie durch den Glauben an Christum in Gottes auserwähltes Volk eingegliedert
sind und vollen Anteil haben an den Segnungen des neuen Bundes. "Freuet
euch, ihr Nationen, mit Seinem Volke" (Röm.15,10). Er warnt sie zugleich
auch vor dem Fall: "Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich, denn wenn
Gott der natürlichen Zweige nicht geschont hat, daß er auch deiner etwa nicht
schonen werde" (Röm.11,18-21).
Entgegen
der Warnung des Apostels verselbständigen sich die "Nationen" und
gründen in Unkenntnis, jedoch nach der Vorsehung Gottes, die Babylonkirche. Der
Anfang von Babylon liegt in dem Fall Ephesus, noch greifbarer in Thyatira. Gott
geht nun neue Wege mit Seiner Gemeinde und gibt das Zeugnis anderen, wie es im
ersten Sendschreiben angedroht ist. In Babylon angekommen, bahnt sich eine neue
Entwicklung an. Die Verbindung zum Volke der Heiligen reißt ab, die Beziehung
zum Alten Testament geht verloren. Babylons Bibel beschränkt sich nunmehr auf
das Neue Testament, teilweise beschäftigt man sich nur mit den Evangelien oder
den Briefen. Es tritt nun das Umgekehrte ein, daß die Welt unter dem
babylonischen Lebensbaum Schutz und Nahrung findet (Dan.4,12). Das macht
schlechthin die Kirchengeschichte aus. So ist auch heute Babylon wieder aktuell
geworden, nun aber als Mittelpunkt und Sammelplatz des Evangelikalismus -
Neubabylon. Da evangelikalen Christen meist das geistliche Verständnis der
Propheten fehlt, - sie sind es nie gelehrt worden -, erscheint ihnen Babylon
als etwas Fremdes, sehr fern, zumal hier zum erstenmal im Neuen Testament das
Wort Babylon als ein geistliches System erwähnt wird. Das Geheimnis Babylon ist
aber schon in den Sendschreiben wirksam.
Die "Nationen"-Christen haben sich
immer gegen eine Identifizierung mit Babylon gewehrt. Jede Kirche oder Gemeinde
schiebt das Urteil auf die anderen. Und doch kommen wir nicht umhin, uns, ob
frei oder gefangen, positiv oder negativ eingestellt, in Babylon wiederzufinden
und uns der zweiten Engelsbotschaft zu stellen: "Gefallen, gefallen ist
Babylon, die große...". Davon sind alle, die sich Christen nennen,
betroffen. "Wir, die Nationen", müssen, so demütigend es ist, zur
Babylonkirche von ihrer Entstehung her zuerst einmal eine positive Einstellung
gewinnen, um ihren Fall zu begreifen. Wir dürfen Babylon nicht gleich verdammen
oder beleidigt sein, wenn wir damit in Verbindung gebracht werden. Ursprünglich
war sie keine Hure, sondern eine Jungfrau (Jes.47,1). Ist ihr doch offensichtlich
das Reich Gottes und Königtum Jesu übergeben, sie sorgte als Weltkirche für
eine weltweite Verbreitung des Evangeliums. Und nicht zu vergessen, ihr haben
große Gottesmänner gedient, und solange war die Babylonkirche ein Segen für die
Welt. Ein Hauptanliegen der "Könige" Babylons war immer das Reich
Gottes, Gemeindewachstum, die Welt für Christus zu erobern. Das war gut und
wichtig, obgleich die angewandten Mittel nicht immer heilig und richtig waren.
Der Name Christi sollte in der ganzen Welt kundwerden. Das war der Zweck,
weshalb Gott überhaupt Babylon das Königtum übergeben hat. Qualitativ ist es
nicht das, was unsere Väter besaßen und wie sie zeugten, schon gar nicht, was
zur Zeit der Apostel bestand. Das Christentum des Neuen Testaments hat die
Heidenkirche ja nie erreicht und kann sie als solche ohne geistliches
Verständnis und Heiligkeit nicht erreichen. Auch dieserhalb ist die Kirche
nicht zu verurteilen. Gott bekennt sich zu dem schwächsten und ärmsten
geistlichen Zustand, aber Gesetzlosigkeit ist Ihm ein Greuel.
Bedenklich
ist die Wandlung in sittlicher und moralischer Hinsicht. In den letzten
Jahrzehnten hat in der Babylongemeinde ein Abfall stattgefunden, wie es einen
solchen Abfall in der fast 2000jährigen Kirchengeschichte nicht gegeben hat. Dieser
wurde beschleunigt durch das Aufkommen anderer Mächte, die durch eine gezielte
Wertezerstörung eine rasche Entchristlichung der Gesellschaft bewirkten. Diese
Entwicklung, die auch den großen Abfall in der Kirche anbahnte, ist
augenscheinlich an dem beängstigenden Menschenbild, das Nebukadnezar im Traume
sah, vorgebildet: "Dieses Bild, sein
Haupt war von feinem Golde; seine Brust und seine Arme von Silber; sein Bauch
und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen; seine Füße teils von Eisen
und teils von Ton" (Dan.2,31-45). Nach der Lehre des Epheserbriefes
sollte der Leib zu dem Haupt hinwachsen, "zum dem Maße des vollen Wuchses
der Fülle des Christus". Allein die tatsächliche Entwicklung verlief schon
bald nach dem Ableben der Apostel entschieden abwärts. Durch die Reformation
und den Pietismus, durch die Gemeinschafts- und Brüderbewegung fand bis zu
einem gewissen Grade eine Wiederherstellung statt. Die Rechtfertigungslehre und
das Gemeindeverständnis war von feinem Golde göttlicher Wahrheit und Gerechtigkeit.
Man legte ein sehr hohes, goldrichtiges Bekenntnis zum Evangelium ab, aber die
Liebe zu Ihm, dem Haupte und den Gliedern Seines Leibes, war nur Silber,
wenngleich die Arme sich eifrig in christlicher Liebestätigkeit betätigten.
Dabei waren der Bauch und die Lenden von Erz waren bald zu einer irdischen Gesinnung
herabgesunken, so daß "ihr Gott der Bauch und ihre Ehre in ihrer Schande
ist" (Phil.3,19). Das Erz der griechischen Philosophie hatte schon früh
die Theologie hervorgebracht, so daß aus dem Christentum eine Religion wurde.
Allein
dem Evangelikalismus blieb es vorbehalten, dem Traumbild eine letzte Erfüllung
nach unten zu geben. Ein goldwertes Glaubensbekenntnis, fundamentalistisch, die
Inspiration und Autorität der Bibel wird anerkannt, das sündlose Leben Jesu,
Seine jungfräuliche Geburt, leibliche Auferstehung und Himmelfahrt usw., alles
drin, außer die Absonderung von der Welt, denn sie wollen die Welt durch
Weltanpassung verändern. Elementaren Begriffen wie Buße und Bekehrung, Heiligkeit
und Gottseligkeit usw. gab man im evangelikalen Babylon eine neue Sinndeutung,
die den Geist der Welt verrät. Hier wird auch ein auffallender Mangel an
biblischer Lehre und geistlichem Verständnis kund. Die Bibelbetrachtung bewegt
sich nur an der Oberfläche. Eine gewisse Morallehre ist vorhanden, aber eine
totale Unkenntnis über den Glaubenskampf, der im Rausch der Gefühle auch nicht
geübt wird.
Im
freien Babylon hat sich allmählich das Gottesbild verändert. Gott ist nicht
mehr der gerechte und heilige Gott, sondern der liebe, zärtliche Vater. Diesen
selbstgemachten "Bel" braucht man nicht zu fürchten, er straft nicht
den Ungehorsam und richtet nicht die Sünde. Man tut so, als ob man immer noch
das Glaubensgut der Gründer treu verwalten würde, aber der Wandel, der in
Schenkel und Füßen bildlich dargestellt ist, ist Eisen und Ton, einesteils
gesetzlich mit sozialen Forderungen, aber ungerecht und gewalttätig;
andererseits gesetzlos, unmoralisch und sittenlos schmutzig wie der Ton. Der
Wert dieses babylonischen Menschenbildes wird nach unten ganz erheblich
geringer, die Härte und Zerbrechlichkeit aber nehmen zu. Das Traumbild
Nebukadnezars ist das Bild des Abfalls der Nationen, damals wie heute unter dem
höchsten Bekenntnis. Es ist das Bild der Gesetzlosigkeit, des Menschen der
Sünde, der einmal in der Rechtfertigung stand, aber abgefallen ist und ins
Verderben geht.
Als
das Tier heraufkam und ihm ein goldenes Bild in Babylon, nämlich das neue
Gemeindebild, gemacht wurde, war es um Babylon geschehen. Statt an den
kommenden Abfall und den Antichristen zu glauben, hat Babylon nur sich selbst
verherrlicht und rechnet nicht mehr mit dem Gericht. Ein Engel verkündet nun
mit lauter Stimme, daß die Babylonkirche gefallen ist, sehr tief gefallen durch
ihren Götzendienst und durch ihre Hurerei. Nicht wegen ihrer Beziehungen zur
Welt, in der sie die Politik und Kultur mitgestalteten will, wird sie
gerichtet. Das gehört zum Wesen Babylons, auch zu ihrer Theologie. Babylon hat
immer die christlichen Werte und Ordnungen verteidigt, wenigstens nach außen
hin. Jetzt aber gibt sie das alles auf und buhlt um die Gunst der Welt, ja gibt
sich preis wie eine Hure. Mit ihrem Liebeswein hat sie alle
"Nationen" berauscht, darum sie sind so närrisch geworden in Bezug
auf Weltanpassung und Weltseligkeit, um Weltgeltung zu erlangen. Durch
Großveranstaltungen soll das Christentum wieder gesellschaftsfähig werden.
Um
die Welt zu gewinnen, soll ihr alles geboten werden, was der moderne Mensch
liebt und wünscht.. Um das zu ergründen, mußte der Markt erforscht werden,
wurden marktstrategische Idee angewendet n. unter starker Verwendung der
Psychologie. Hier werden ernorme Mengen an Zeit und Kraft aufgewendet, um in
den Künsten, Musik, Schauspiel usw. Weltqualität zu bieten. Wichtig ist ständige
Abwechslung, damit es den Zuschauern nicht langweilig wird. Auf den
babylonischen Evangelikalismus paßt das Wort: "Allen Huren gibt man
Geschenke; du aber gabst deine Geschenke allen deinen Buhlen, und du beschenktest
sie, damit sie von ringsum zu dir kämen, um Hurerei mit dir zu treiben. Und es
geschah bei dir das Umgekehrte von den Weibern bei deinen Hurereien, daß man
dir nachhurte" (Hes.16,33-34). Das hat Rom nicht getan. Es blieb der
evangelikalen Babylongemeinde vorbehalten, den Hurenlohn der Welt anzubieten
statt ihn zu fordern. Damit überhaupt jemand kommt, mußte die Kirche zum
Kaufcenter, das Gemeindehaus zum Kino umgebaut werden - und ist jetzt ist es
ein Bordell geworden, wo jeder mit jedem geistliche Hurerei treibt, um das
erlebnissüchtige und spaßorientierte religiöse Publikum zu befriedigen. Dazu
bedarf es der Schauspielkunst, um den Gottesdienst "dynamisch und
kreativ" zu gestalten. "Ein ganzes Heer von Kabarettisten,
Jongleuren, Clowns, Pantominen, Tänzern, Theaterleuten, Show-Magiern, Puppenspielern,
Aktionskünstlern und natürlich Musikern zieht durch die christliche Szene, um
neuen Wind in Gottesdienste und Veranstaltungen zu bringen. Dem Evangelium
Fernstehende sollen mit dieser Masche angesprochen werden, um sie so für ein
Leben mit Christus zu gewinnen" (Topic). Dazu schmeckt der charismatische
Weingeist, in dem keine Wahrheit ist; wer ihn trinkt, redet Unsinn und
erscheint auch körperlich wie betrunken, ja fällt womöglich um.
Die
Babylonchurch macht vor allem die Jugend betrunken mit dem Wein ihrer Hurerei.
Sie wollen Musik und Spaß, und die Kirche trägt den Wünschen des Publikums voll
Rechnung. Die Vorprogramme werden immer länger und die Predigt immer kürzer. Es
soll jetzt der Welt gezeigt werden, daß Christsein nicht Weltabgeschiedenheit,
Enthaltsamkeit, Verzicht, Mühe, Kampf, Leiden bedeutet, sondern Erfolg, Genuß,
gutes Gefühl, Glück, Vergnügen, Spaß. "Kommet her, ich will Wein holen,
und laßt uns starkes Getränk saufen; und der morgende Tag soll wie dieser sein,
herrlich über alle Maßen!" (Jes.56,12).
Über
Babylon, "die große, die mit dem Weine der Wut ihrer Hurerei alle Nationen
getränkt hat", steht das Menetekel wie beim Festmahl Belsazars (Dan.5).
Der König Belsazar war mit der ganzen Herrlichkeit und Macht seines Vaters
Nebukadnezar bekleidet worden, welchem nach seiner Bekehrung ausnehmende Größe
zuteil geworden war. Sein Sohn setzt dieses alles wieder aufs Spiel, indem er
sich mit seinen Gewaltigen an seiner Größe und Herrlichkeit berauscht. Dabei
läßt er die goldenen und silbernen Gefäße herbeibringen, welche sein Vater aus
dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte (V.1-4). Die Gefäße waren das
Eigentum Israels. Die Nationen sollten sie vorübergehend verwahren, keineswegs
aber benutzen, um Wein daraus zu trinken, wie es Belsazar dann in götzendienerischer
Weise tat. "Sie tranken Wein und rühmten die Götter von Gold und Silber,
von Erz, Eisen, Holz und Stein" (Dan.5,4). Da erscheint eine geisterhafte
Hand und schreibt an die Wand: "mene, mene, tekel upharsin".
In der
Botschaft des zweiten Engels steht das Menetekel über dem Gegenbild, dem
Babylon der Offenbarung. Menetekel bedeutet: "Gezählt, gewogen und zu
leicht erfunden". Wem gilt heute diese Schrift? Die Katholische Kirche hat
ihr Menetekel in der Reformation gehabt. Sie erweist sich heute sogar
moralischer als die Evangelische Kirche, an der es ebenfalls nichts mehr zu
zählen, zu teilen und zu wiegen gibt.
Beide haben das Königtum längst verloren, ihre Macht als Meinungsfaktor
in der Welt ist vorbei. Auf der Wage
des Heiligtums werden die gewogen, die das Königtum von Gott anstelle jener
bekommen haben, nämlich "Wir, die Evangelikalen". Wer bekennt das
allgemeine Königtum und Priestertum und rühmt sich dessen heute mehr als
evangelikale Christen? Aber entsprechen sie dem Gewicht der Sendschreiben? Eine
Selbstprüfung würde sofort allen klar machen: Zu leicht erfunden. Doch gerade
jetzt glauben sie mit ihrer neuen Gemeindestrategie und -struktur eine nie
gekannte Herrlichkeit und Größe zu erlangen und Gottes und der Welt Beifall zu
finden. Und was nicht auf missionarischem Wege zum Erfolg führt, soll mit
politischen und anderen fragwürdigen Mitteln erreicht werden. Die Devise heißt:
"Der Zweck heiligt die Mittel" (Pragmatismus), wobei die
Zusammenarbeit aller Konfessionen angestrebt wird, vor allem mit dem Judentum.
Großbabylon ist multireligiös.
Über
dem babylonischen Evangelikalismus schwebt das Damoklesschwert: "Gott hat
dein Königtum gezählt und macht ihm ein Ende". Der Grund ist der Frevel
mit den kostbaren Heilswahrheiten in ihrem unnüchternen Zustand. Dabei werden
die Heiligen immer mehr an die Seite gedrängt und für sektiererisch erklärt.
Dazu kann Gott nicht schweigen. Auf der
anderen Seite hat man das weltliche Israel als Gottes auserwähltes Volk
proklamiert, glorifiziert und entsprechend hoffiert, obwohl Gott in keinster
Weise Sein Siegel auf die gedrückt hat, die nicht an Seinen Sohn, Jesus
Christus, glauben, daß sie Sein sind. Das muß Gott wieder klarstellen, denn der
HERR Jesus hat gesagt: "Wer nicht glaubt, wird verdammt werden"
(Mark.16,16). In Babylon sieht man die Dinge anders.
Diese
Sichtverschiebung, was Gottes Volk und was ungläubige Welt ist, liegt in den
geistlichen Bewegungen des 19. Jahrhunderts (Brüderbewegung) begründet, wo die
Weichen prophetisch falsch gestellt wurden, indem man die Kirche nicht mehr als
geistliches Israel nach dem Neuen Bund verstand und Israel als irdisches Volk
Gottes bezeichnete. Wo das lehrmäßig
bislang nicht der Fall war, z.B. in den meisten Allianzgemeinden, wurde es bei
der Gründung des Staates Israel nachgeholt, als man meinte, dieses politische
Ereignis sei ein prophetisches Zeichen. Es war das Zeichen der falschen
Propheten, "sie haben ihre Zeichen als Zeichen gesetzt" (Ps.74,4),
indem sie den ganzen Einpfropfungsprozess am Ölbaum der Verheißungen Israels
umkehrten. Dieser Befürchtung gibt der Apostel bereits im Brief an die Römer Ausdruck.
An
dem Festmahl Belsazars können wir im Bilde sehen, was tatsächlich geschehen
ist. "Belsazar machte seinen tausend Gewaltigen ein großes Mahl, und er
trank Wein vor den Tausend...".
Wein ist ein Bild der Freude, und die Nationen sollten sich freuen mit
Seinem Volke über die Fülle des Segens Christi
(Röm.15,10). Zugleich ermahnt der Apostel die Nationenchristen, sich
nicht über Israel zu erheben, sondern an der Güte zu bleiben: "Sei nicht
hochmütig, sondern fürchte dich" (Röm.11, 20). Bedenkt, daß die
geistlichen Segnungen, deren ihr jetzt mitteilhaftig geworden seid, Israels
rechtmäßiger Besitz war und bleiben wird. Macht aus den empfangenen geistlichen
Vorrechten kein Freudenfest, als gehörten sie euch allein, sondern seid
nüchtern und lernt den Glaubensgehorsam. Bringet ein Opfer, indem ihr
"eure Leiber darstellet als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges
Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht
gleichförmig dieser Welt..." (Röm.12,1-2). Und wandelt anständig,
"nicht in Schwelgerei und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und
Ausschweifung..." (Röm.13,13).
Das
waren also die Mahnungen, die der Nationenapostel den Heidenchristen mit auf
den Weg gab. Schon muß er die Korinther tadeln, weil sie sich des Reichtums an
Erkenntnis rühmen, als wäre dieser ihr geistiges Produkt. War es ihnen doch nur
zur Verwaltung anvertraut. "Schon seid ihr gesättigt, schon seid ihr reich
geworden; ihr habt ohne uns geherrscht" (1.Kor.4,7-8). In unserer Zeit
kommt noch ein weiteres Menetekel hinzu: Eine ganz neue Lehre ist aufgestellt
worden, die Israel vom universalen Heil in Christus ausschließt. Wie das Mahl
Belsazars ein Fest ohne Juden war, nicht einmal Daniel war geladen, so halten
heute auch die "Nationen" Festfeier ohne Gottes Israel, als gehöre
Israel nicht zum Leib Christi. Da ist etwas umgekehrt worden. Die "wilden
Zweige" haben offenbar vergessen, daß sie aus Gnaden in den edlen Ölbaum
der Verheißungen Israels eingepfropft worden sind, so daß sie meinen, Israel
müßte bei ihnen eingepfropft werden. Diese Verdrehung der Apostellehre wirkt
sich dahin aus, daß sie weder zu Israel als "Volk der Heiligen", wie
es in Daniel 7 genannt wird, noch zu der heiligen Stadt, dem "Jerusalem
droben, welches unsere Mutter ist" (Gal.4,26), einen innerlichen Bezug
haben. Damit sind die Hauptsätze paulinischer Gemeindelehre verleugnet. Denn
Paulus lehrt die Einverleibung der Nationen in Israel, und nicht etwa zwei
unterschiedliche Heilskörper oder getrennte Heilsveranstaltungen. In Babylon
wurde eine ganz neue Theologie der "Nationen" begründet, die es
vorher nicht gab. Keiner der apostolischen Väter, der Kirchenväter und Reformatoren-
hat solches gelehrt. In der babylonisch-dispensationalistische Prophetie hat
Israel nur noch einen untergeordneten Platz, den irdischen, während Babylon
sich selbst den höchsten gab, den himmlischen. Viel anders dachte auch Belsazar
nicht, dessen Geschichte zum Vorbild für die "Nationen" des
Bekenntnisses aufgeschrieben ist. Er hielt von Israel nicht mehr, als was die
Kirche jahrhundertelang von den wahren Heiligen gehalten hat. Heute ist es
umgekehrt, man bekennt sich zu Israel, aber das falsche, und feiert mit Israel,
aber ohne die wahren Juden; die Israeleuphorie hat viele in einen Rausch
versetzt. Trotz der neuesten negativen Entwicklungen im Staate Israel sind sie
immer noch nicht ernüchtert worden, daß dort nicht das "Land der Verheißung"
und die "heilige Stadt" ist. Abraham, der Vater Israels, erwartete
"die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott
ist" (Hebr.11,10).
Solange
ist es also noch gar nicht her, daß man die kostbaren Gefäße "aus dem
Tempel zu Jerusalem", das sind die Segnungen Israels und die gewissen
Gnaden Davids, hervorgeholt hat und mißbraucht. Die "Nationen" sind
seit der Staatsgründung Israels wie betrunken vom Liebeswein Babylons, so daß
sie nicht mehr klar sehen und gerade wandeln können. In ihrer Unnüchternheit
verwechseln sie Babylon mit Jerusalem. Von daher ist es zu verstehen, daß sie
fälschlicherweise die für Juden halten, die, wie in der Offenbarung bereits
mehrfach festgestellt wurde, gar keine sind. Andererseits rühmt man sich der
himmlischen Dinge, die man dem wahren Israel der Heiligen streitig macht.
Dieser
Irrtum wäre mit der Unwissenheit der "Heiden" zu entschuldigen, wenn
sie nicht die heiligen gottesdienstlichen Gefäße mit ganz anderen Inhalten
gefüllt hätten, indem sie in die göttlichen Heiligkeitsbegriffe einen
fleischlichen, weltlichen Sinn hineinlegen. Über biblische Ordnungen und gute
Sitten macht man sich heute lustig, nichts ist ihnen mehr heilig, der Rest von
Gottesfurcht ist abgelegt. Sie sind "frei vom Gesetz", nämlich
gesetzlos wie Belsazar. Das gerade bringt sie in Hochstimmung im Gottesdienst,
den sie selbst als "anderen Gottesdienst" bezeichnen. Zu allem Frevel
rühmen sie ihre Götter, abtrünnige Menschen, die sie zu Göttern erhoben haben
und verherrlichen. Freilich ist sind ihre Götter von unterschiedlichem Wert,
und was für die einen gewisse goldene und silberne Götzen bedeuten, hat
vielleicht für andere nur steinernen und hölzernen Wert. Alle aber setzen
Menschen und Menschenwerk anstelle Gottes und Christi, "welcher gepriesen
ist in Ewigkeit" (Röm.1,25).
Menetekel
- das Buch der Offenbarung selbst ist die geheimnisvolle Schrift, welche die
"Nationen" weder richtig lesen noch deuten können, weil es geistlich
betrachtet werden muß, was ohne die Vorbilder im Alten Testament nur in
willkürliche Deuterei ausartet, wie alle ihre Auslegungen dieses Buches beweisen.
Hier wird offenkundig, daß ihnen der geistliche Bezug zum Alten Testament
fehlt, denn es fehlt ihnen der Geist, welchen Gott nur denen gibt, die Ihm
gehorchen. Gott hat sich der Hand des Sehers Johannes bedient, um das
geheimnisvolle Buch zu schreiben. Wir müssen den Geist Daniels haben, das ist
den Geist der Weissagung, um das Geheimnis Babylon zu verstehen.
Wenn
das Gericht an Babylon vollzogen wird, womit sich die Kapitel 17 und 18 der
Offenbarung beschäftigen, wird Gott Seine Knechte, die wahren Söhne Israels,
aus der Vergessenheit wieder hervortreten lassen und zu Ehren bringen. Für
Babel und seinen König war die Erhöhung Daniels zu spät: "In derselben
Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer getötet." Inzwischen ist
durch die zweite Engelsbotschaft auch das Ende des Königtums der Nationen im
Gnadenbekenntnis besiegelt. Denn "Gott hat Macht geübt mit seinem Arm; er
hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. Er hat
Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht" (Luk.1,51-55).
Die dritte Engelsbotschaft (14,9-12)
- Der
Wein des Grimmes Gottes -
Ein
dritter Engel richtet mit lauter Stimme eine letzte Warnung an die ganze
Menschheit unter der Tierherrschaft:
Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine
Stirn oder an seine rechte Hand, so wird er auch trinken von dem Weine des Grimmes
Gottes...
Wer
von dem Weine Babylons getrunken hat, wird auch von dem "Weine des Grimmes
Gottes, der unvermischt in dem Kelche seines Zornes bereitet ist", trinken
müssen. Der Wein Babylons berauscht, der Wein des Grimmes Gottes ist eine
Radikalkur zur Ernüchterung. Wie der Zorn des Lammes sich über die Gemeinde
Gottes ergoß, haben wir bereits in den Kapiteln 6-9 gesehen. Nun aber
"spricht der Herr, dein Gott, der die Rechtssache seines Volkes führt:
Siehe, ich nehme aus deiner Hand den Taumelbecher meines Grimmes; du wirst ihn
hinfort nicht mehr trinken. Und ich gebe ihn in die Hand deiner
Peiniger..." (Jes.51,22+23).
Was
das Tier, Bild und Malzeichen ist, haben wir bei der Betrachtung des
13.Kapitels ausführlich betrachtet. Wir sind auf jeden Fall gewarnt. Die dritte
Engelsbotschaft ist wie die beiden vorigen eine ernste Predigt an Babylon und
seine Bürger; sie schließt auch die Gläubigen mit ein. "Wenn jemand...",
sagt die laute Stimme aus dem Himmel für jedermann hörbar. Die Gerichtsdrohung
gilt ausnahmslos jedem, der...", dem Christen zuerst als auch dem
Nichtchristen. Vor allem Christen werden gewarnt, sich nicht mit dem Tier
einzulassen, weil das ernste Folgen nach sich zieht. Eine Zuschauerbühne gibt
es nicht in der Tierszene, alle sind beteiligt am Geschehen, sind vor die
Entscheidung gestellt, ob sie mitmachen wollen oder sich lieber von der
Tierveranstaltung und seinem Bild distanzieren, um den qualvollen Folgen zu
entgehen.
Es
macht keinen Unterschied, ob jemand den Geist des Tieres hat (Stirn) und es
anbetet, oder nur formell mitmacht und mitläuft. Wenn er da mittut (Hand), was
alle Tieranbeter tun, vielleicht aus Angst vor Nachteilen, oder aus Furcht vor
Schmach und Verfolgung - er steht unter dem Zorne Gottes und wird den
Kelchbecher des Grimmes Gottes leeren müssen.
Warum
der glühende Zorn über die Tier- und Bildanbetung, wie er in dieser
Engelsbotschaft zum Ausdruck kommt? Das Tier propagiert eine Weltanschauung
bzw. Ideologie, die der biblischen Sicht und dem Urteil Gottes über die
gottlose Welt und den sündigen Menschen vollkommen widerspricht. Viele Menschen
werden durch diese Ideologie verführt und sehen nicht ihre Verlorenheit und
Erlösungsbedürftigkeit, werden somit um das wahre Heil betrogen. Deshalb muß
ihnen der Zorn Gottes verkündigt werden.
Dem
religiösen Bild des zweiten Tieres liegt ein falsches Christus- und
Gemeindebild zugrunde, ganz entgegen der Lehre der Apostel. Das reizt Gottes
Zorn noch mehr, weil es das Bild Seines Sohnes und Seiner Gemeinde mit der
Bibel verfälscht und dies als Urbild ausgibt.
Gott
tadelt nicht, daß jemand in Babylon hineingekommen ist, aber Er droht ihm mit
der äußersten Strafe, wenn er dort dem Tiere dient und vor seinem Bild sich
beugt. Das muß niemand, dazu ist
niemand gezwungen, denn das Evangelium ist eine Kraft Gottes, so daß man dem
Tiere widerstehen und es überwinden kann. Gefordert wird nur eine sich auf
keinen Vergleich einlassende Festigkeit und gleichwohl Stillesein. Es wird am
Tage des Zornes keine Entschuldigung gelten, man hätte sich anpassen müssen, um
der Kinder willen nachgegeben usw. Wie in der Zeit des Nationalsozialismus, als
das Volk der Reformation auch ein Bild anbetete; viele Christen haben die Hand
zu einem "Heil" erhoben und mit dem antichristlichen Nazi-Staat
Kompromisse gemacht. Das war nur das Vorspiel zum letzten Auftritt des Tieres.
Zuletzt wird es nicht so glimpflich abgehen.
Der
Engel sagt hier noch nicht, wie dieses Gericht aussehen wird, aber es wird
"Zorn und Grimm, Drangsal und Angst sein über jede Seele eines Menschen,
der das Böse vollbringt..., denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott"
(Röm.2,8-11). Er fragt dann nicht mehr nach dem Bekenntnis und Glauben, bekehrt
oder unbekehrt, gläubig oder ungläubig, sondern wie verhieltest du dich dem
Tier und seinem Bild gegenüber. "Wenn ihr euch mit der Welt einlaßt,
werdet ihr auch mit der Welt gerichtet werden" (J.N.Darby).
Die
Warnung des Himmelsboten widerspricht total jener babylonischen Lehre, die
behauptet, ein Gläubiger könne nicht abfallen und daher nicht verlorengehen.
Seine Wiedergeburt sei unantastbar, er sei mit dem Heiligen Geiste versiegelt,
und dieses Siegel könne keine Macht brechen, weder Satan noch der einzelne
Gläubige selbst; er habe ewiges Leben und gehe nicht verloren ewiglich, ganz
gleich wie sein Wandel aussehe, denn niemand und nichts könne ihn von der Liebe
Gottes scheiden, kurz, ein Kind Gottes könne seine Gotteskindschaft, sein
Errettetsein, sein Heil in Christo niemals und unter keinen Umständen
verlieren, auch wenn es die größte Sünde beginge. Darauf berufen sich die
Bilddiener, indem sie die Verheißungsworte, die nur für die Treuen und
Gehorsamen gelten, für sich in Anspruch nehmen, die Warnungen vor dem Abfall
und die Gerichtsdrohungen ignorieren oder auf Ungläubige abwälzen. Auf diese
Weise wird dem Tiergeist Tür und Tor geöffnet, so daß viele sein Malzeichen unbedenklich
annehmen und nicht die Folgen bedenken. Aus dieser falschen Sicherheit will die
Botschaft aufschrecken.
Nicht
nur die Offenbarung spricht von der Möglichkeit des Abfallens; bereits mit dem
Verlassen der ersten Liebe beginnt der Abfall (2,5). Zahlreiche Stellen in den
Briefen, besonders eindringlich im Hebräerbrief, warnen, daß "nicht etwa
in euch ein böses Herz des Unglaubens sei in dem Abfallen vom lebendigen
Gott". Es gibt ein "furchtvolles Erwarten des Gerichts" für
Gläubige, die "mit Willen sündigen"; "es ist furchtbar, in die
Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebr.3,12; 10,26-31). Das sind
Warnungen, die nicht nur die Ungläubigen betreffen, "denn auch unser Gott
ist ein verzehrendes Feuer" (Hebr.12,29). Das muß gerade in Babylon
bezeugt werden, wo sich viele für bibeltreue Christen halten und es nicht sind,
weil sie Gott nicht fürchten und Sein Wort nicht ernst nehmen.
Gottes Zorn ist auch auf denen, die nicht an Seine Verheißungen glauben, wie das Beispiel Israels in der Wüste zeigt. Sie haben sich von ihrem alten Leben abgewandt und in Babylon einen Gemeindeplatz gefunden, glauben aber nicht an Gottes Macht, daß Er einen Weg und eine Hilfe für sie hat, um das Tier zu überwinden und sie an das Ziel, in die verheißene Ruhe in Christus zu bringen. Das ist bei vielen babylonischen Christen das Hauptproblem. Sie glauben meist an die histor