Die Parallelgesellschaft                                                    Mathias Graul, Oktober 2006

 

Die Parallelgesellschaft versucht schon seit grauer Vorzeit, die Gesellschaftsordnungen zu untergraben. Schon bei Kain und Abel ging es los. Abel wollte einen exklusiven Gottesdienst, aber Kain hat eine weitere Ausübung dieser religiösen Ausschreitung nachhaltig zu verhindern gewußt.

 

Dann waren da so Verrückte, die in der Wüste ein riesiges Schiff bauten. Nur 8 Leute waren sie, aber sozialen Kontakt mit anderen hatten sie nicht nötig, statt dessen predigten sie den anderen, sie sollten es machen wie sie und die gleiche exklusive Religion annehmen! Es wurden schließlich Leute vom Sozialamt hingeschickt, um wenigstens den Ehefrauen etwas Staatsräson beikommen zu lassen, aber das Wetter hat sie dann vom Besuch abgehalten.

 

Ein religiöser Fanatiker namens Josef stellte dann aber alles bisher dagewesene in den Schatten. Er bildete sich tatsächlich ein, die anderen Familienmitglieder würden sich eines Tages vor ihm verbeugen. Religiöser Exklusivismus sogar in der Familie! Sexualkundeunterricht von Frau Potiphar lehnte er auch ab, lieber wolle er ins Gefängnis gehen. Hat es soviel Borniertheit schon einmal gegeben?

 

Moses, der eine kostenlose Universitätsausbildung in Ägypten genossen hatte, brach schließlich seine Solidarität mit dem Pharaonenstaat auf schändlichste, indem er sämtliche Gottheiten Ägyptens in den Staub zog und lächerlich machte und einen für das staatliche Gewerbe wichtigen Teil der Bevölkerung gänzlich aus dem Lande führte. Dieser Teil der Bevölkerung hatte sich Jahrzehnte zuvor bereits der staatlich kontrollierten Familienplanung entzogen und heimlich Kinder im Nil ausgesetzt, in verpichten Körben. Hier war ganz klar der Keim zu einer Parallelgesellschaft gegeben.

 

Anstatt sich aber nun durch offenen Dialog der allgemeinen religiösen und kulturellen Landschaft anzupassen und die verschiedenen Formen der Tieranbetung wenigstens teilweise mit zu übernehmen, führten diese aus Ägypten ausgeführten Israelitten wieder einen ganz exklusiven Gottesdienst ein. Ein Versuch des mehr moderat gestimmten Aarons, ein goldenes Kalb den immer noch von der ägyptischen Kultur geprägten Leuten als alternatives, paralleles Anbetungsobjekt anzubieten, wurde von Moses in rabiater Weise umgestoßen. In der Stiftshütte schließlich sollte es nur so aussehen, wie Moses es im Himmel gesehen hatte, nicht einmal eine klitzekleine Baalsstatue oder ein kleines Dagons-Fischköpfchen durfte dort geduldet werden. Wie würden sich wohl die Kinder der so in dieser Parallelgesellschaft isolierten Menschen in der Zukunft zurechtfinden können? Statt von den hierfür zuständigen staatlich ausgebildeten Dämonenbeschwörern Ägyptens waren diese Kinder ja nun schon seit Jahren nur zu Hause unterrichtet worden und daher von der sie umgebenden Zivilisation völlig isoliert.

 

Eines Tages bekam Jerusalem einen neuen König – nämlich Absalom, aber es existierte immer noch eine parallele Gesellschaft, bestehend aus den Leuten, die den jungen, dynamischen Absalom ablehnten und es mit dem geflohenen Vater David hielten. Versuche seitens Absaloms, diese Davidsanhänger zum Mitwirken im neuen Staatsgefüge zu bewegen, scheiterten an der Tatsache, daß sich eben diese Davidsanhänger in die freie Natur geschlagen hatten und deshalb nicht auffindbar waren. Damals gab es eben noch keine modernen Einwohnermeldeämter, Tracking-Chips und andere vernünftige technische Einrichtungen.

 

Auch innere Reformversuche mit vernünftigen Alternativen, innerhalb der jüdischen Religion, wurden gleich von den Exklusivisten der Parallelgesellschaft bekämpft. „Geht nicht nach Beth-El“ wetterte Amos, ein ganz ungebildeter Schafhirt und Maulbeerbaumzüchter, vor den Juden des Nordreichs. Dabei war Beth-El doch eine wirklich gutgemeinte Parallele zum Jerusalem des Südreiches!

 

Daniel und seine Freunde wollten auch immer eine Extrawurst – lieber aßen sie Gemüse als Fleisch, welches fremden Göttern geopfert worden war. Im brennenden Ofen bekamen sie Besuch von einer engelshaften Gestalt, anstatt vorschriftsmäßig zu verkohlen. Daniel stellte seine Frömmigkeit auch ganz ungeniert zur Schau, er betete vor aller Augen Richtung Jerusalem, obwohl der König eine diskrete Zurückhaltung bei der Ausübung religiöser Übungen befohlen hatte. Daniels exklusives Außenseitertum war so extrem, daß nicht einmal die Löwen ihn verspeisen wollten. Die waren nur politisch korrekte Verbrecher gewöhnt und nicht Leute, die einer parallelen Gesellschaftsordnung angehörten.

 

Jesus Christus schließlich war auch so eine ganz verdächtige Person. Beim Einwohneramt in Nazareth schien niemand genau zu wissen, wo er herkam, es gab da so eine Geschichte von einer Geburt in Bethlehem und angeblich sei Maria vom Heiligen Geist schwanger geworden, aber damit konnte er den staatlich autorisierten Pharisäern und Sadduzäern nichts vormachen! Schon als Kind war er politischer Flüchtling in Ägypten gewesen, weil seine Eltern sich geweigert hatten, bei König Herodes’ Kinderzählung anwesend zu sein, nachdem sie schon bei der Geburt Jesu wegen einer Volkszählung (damals von römischer Seite) in die Enge getrieben worden waren. Jesus teilte die jüdische Bevölkerung in zwei Teile auf – seine Anhänger und alle anderen. Hier waren also nun 2 Gesellschaften parallel nebeneinander. Die Römer hatten einen klaren Blick für die Probleme, die dies nach sich ziehen könnte, aber sie konnten nichts mehr verhindern, statt dessen breitete sich der neue Jesus-Glaube auch nach Rom aus, wo er eine gefährliche, staatsuntergrabende Parallelgesellschaft im Untergrund bildete, welche schließlich das römische Imperium stürzte.

 

Im frühen Mittelalter war es die römische Kirche, die vorschrieb, wie Religion zu sein hatte. Nur im westlichsten Zipfel Europas, nämlich in Irland, bildete sich eine etwas andere Kirche heran, wieder eine gefährliche, die Hauptströmung zersetzende Parallele! In primitiven, aus Kuhhäuten hergestellten Booten, segelten die irischen Missionare ins übrige Europa und missionierten es von Westen aus, genau vor der Nase derjenigen, die etwas zu sagen hatten in Sachen Religion in Europa.

 

In der Reformationszeit und Jahrhunderte danach gab es sogar Leute, die eigene Städte oder gar Länder gründeten, auswanderten oder sonst irgendwie Parallelgesellschaften bildeten.

 

Der deutsche Philosoph Leibniz, der seine Philosophie weitgehendst auf dem Christentum aufbaute, schrieb, daß nicht der Mensch für den Staat, sondern der Staat für den Menschen dazusein habe. Nicht der Mensch solle gezwungen werden, sich für den Staat zu opfern, sondern der Staat solle Rahmenbedingungen schaffen, die es dem Menschen ermöglichen würden, sich frei entfalten zu können um dadurch der Allgemeinheit dienen zu können. Der Staat habe sich ständig zu wandeln und müsse ständig erkämpft werden, von Leuten, die parallel zum Staat denken zu wagen in der Lage seien. Durch das Christentum würde immer eine gesunde Distanz zum Staat geschaffen, eine kritische Einstellung, die einen vor der Möglichkeit, daß der Staat irren könne, auf der Hut sein lasse. Der Herrscher eines Staates sei der erste Diener der Menschen und nicht der erste, dem die anderen zu dienen hätten. Damit schuf Leibniz eine staatsrechtliche Grundlage für die christliche Parallelgesellschaft. In der Nazizeit wurden Widerstandsbewegungen, wie z. B. die weiße Rose, von diesen Gedanken Leibniz’ beeinflußt und wollten daher auch eine Parallelgesellschaft gründen, mit eigenem Informationsnetz und einer eigenen Lehre vom Staat. Sie waren vom Leibniz-Kenner Kurt Huber sowie von ein paar katholischen Priestern, die nicht in der Hauptströmung mitschwammen, inspiriert worden. Allerdings mußten sie, sowie Kurt Huber, 1943 den Kopf dafür lassen. So geht es eben Leuten, die in Zeiten deutscher Diktatur sich nicht für die Volksgemeinschaft opfern wollen.

 

Heute gibt es auch eine Parallelgesellschaft, nämlich bestehend aus Christen, die sich nicht ihre Kinder verderben lassen wollen von dem kulturradikalen, C. G. Jungschen, okkulten und pornofizierten öffentlichen Schulwesen. Die Kinder, die in dieser parallelen Kulturgesellschaft heranwachsen, werden sehr andersartig sein und die sie umgebende Gesellschaft, die „Volksgemeinschaft“ (um den verhaßten Begriff aus der Nazizeit zu gebrauchen) wird ihrer nicht wert sein. Aber sie werden es sein, aufgrund derer es überhaupt vielleicht noch eine Kultur in Deutschland und Europa geben wird, auch in der Zukunft.

 

Im Jahre ???? kommt schließlich Jesus Christus zurück und teilt die Menschen ein in zwei parallele „Gesellschaften“, nämlich die „Gesellschaft“ der Böcke und die „Gesellschaft“ der Schafe. Die Böcke kommen in die Hölle und die Schafe in den Himmel.

 

Und passet euch nicht diesem Weltlauf an, sondern verändert euer Wesen durch die Erneuerung eures Sinnes, um prüfen zu können, was der Wille Gottes sei, der gute und wohlgefällige und vollkommene. Römerbrief 12,2.

 

Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer immer der Welt Freund sein will, macht sich zum Feinde Gottes! Jakobus 4,4.

 

Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen. Matthäus 7,13.

 

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabsteigen von Gott, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Offenbarung 21, 2.

 

DIE PARALLELGESELLSCHAFT IST DIE WIEGE DER MENSCHLICHEN ZIVILISATION – OHNE SIE GÄBE ES NUR TERRORHERRSCHAFT AUF DER ERDE.

 

WENN MENSCHEN EINE GESELLSCHAFTSORDNUNG VERWERFEN KONNTEN UND EINE ANDERE, BESSERE WÄHLTEN, DANN GING ES MIT DER ZIVILISATION AUFWÄRTS. WENN MENSCHEN DIE MÖGLICHKEIT ODER DEN MUT DAZU NICHT HATTEN, KONNTEN KORRUPTION, UNGERECHTIGKEIT UND RELIGIÖSE HEUCHELEI WEITER IHR UNWESEN TREIBEN.

 

LAUT DER BIBEL GEHT MENSCHLICHER FORTSCHRITT IN DIESER WEISE VON STATTEN: EINE GRUPPE VON MENSCHEN WIRD VON DER WAHRHEIT DES LEBENDIGEN GOTTES ERFASST UND GOTT HILFT DIESEN DANN, EINE ALTERNATIVE GESELLSCHAFT AUFZUBAUEN ODER DIE BESTEHENDE ZU VERLASSEN (EXODUS). DA DIE VON DIESEN EHEMALIGEN AUSSENSEITERN AUFGEBAUTE GESELLSCHAFT BESSER IST, SCHLIESSEN SICH IHR IMMER MEHR MENSCHEN AN, BIS DIE AUSSENSEITERGESELLSCHAFT SCHLIESSLICH DEN STATUS QUO BILDET. MIT DER ZEIT WIRD DIESE NEUE GESELLSCHAFT EBENFALLS DURCH DIE SÜNDE KORRUPT UND FÄLLT VON GOTT AB, DER ZYKLUS MUSS DANN VON NEUEM BEGINNEN, DURCH NEUE AUSSENSEITER, DIE EINE NEUE PARALLELGESELLSCHAFT GRÜNDEN.

 

DIESE DYNAMIK WIRD ALLERDINGS AUCH KOPIERT VON SEKTIERERISCHEN MENSCHEN, DIE UNTER DEM EINFLUSS VON DÄMONEN STEHEN, DEREN ZIEL ES IST, DAS CHRISTENTUM LÄCHERLICH UND UNGLAUBWÜRDIG ZU MACHEN UND DIE MENSCHEN INTELLEKTUELL ZU LOBOTOMISIEREN. ES GIBT EINE FLEISCHLICHE ISOLATION VON DER WELT, DIE EINE FALSCHE KOPIE DER WAHREN NACHFOLGE IST. GOTT HAT KEIN INTERESSE AN FLEISCHLICHEN KOPIEN DES WAHREN CHRISTLICHEN LEBENS. WAHRES CHRISTLICHES LEBEN FÜHRT IMMER ZU WAHRER AUFKLÄRUNG, DER HEILIGE GEIST IST EIN AUFKLÄRUNGSGEIST. SEKTIERER DAGEGEN FÜHREN IHRE OPFER IN EIN GEISTLICHES GHETTO UND SCHNEIDEN DEN WEG AB ZU MÖGLICHKEITEN WEITERER AUSBILDUNG, BILDUNG UND GEISTLICHER ENTWICKLUNG.

 

 

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